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GratirbeUasen r „^Uuftrirtes Konntassblatt^^ «. ^Öuftmtt landVivthschaftliche V^Aage. ^
$r. 120. Simleii ta 11. Lktober 1902.
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Hersfelder Kreisblatt
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„Jllustrirtes Sonntagsblatt" und „Mustrirte landwirthschastl. Beilage" für das 4. Quartal 1902 werden noch von allen Uaiserlickpm Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 27. September 1902.
Es wird hierdurch veröffentlicht, daß der Kreisausschuß des hiesigen Kreises in seiner heutigen Sitzung gemäß § 18 des Gesetzes vom 12. März 1881, betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen, für das Jahr 1903 die seitherigen Schiedsmänner (s. Kreisblatt Nr. 119 Dom Jahre 1901) mit Ausnahme des Landwirths Burghardt Rüger zu Unterweisenborn, für Weihen der Landwirth Heinrich Rüger daselbst gewählt wurde, wiedergewählt hat.
Aus der Zahl dieser Personen hat die Ortspolizeibehörde die Schiedsmänner für jeden einzelnen Schützungsfall zu ernennen. Die Schätzung erfolgt durch die aus dem beamteten Thierarzte und zwei Schiedsmännern gebildete Kommission, und sind die Schiedsmänner von der Ortspolizeibehörde eidlich zu verpflichten. Dasselbe gilt, wenn an Stelle des beamteten Thierarztes ein nicht beamteter Thierarzt zugezogen wird, für biefen, sofern derselbe nicht im Allgemeinen als Sachverständiger beeidigt ist.
Die den Schiedsmännern als Ersatz für Reisekosten lind Auslagen zu gewährende Vergütung wird im Verwaltungswege festgesetzt und aus der Staatskasse gestritten.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben die genannten Personen alsbald von der auf sie gefallenen Wahl in Kenntniß zn setzen und denselben zugleich zu eröffnen, daß sie verpflichtet seien, auf amtliche Requisition erforderlichen Falles an allen Orten des Kreises Abschätzungen vorzunehmen.
A. 3143. • Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
nid?tamtlid?er Theil.
Str User und Die BumMrck.
Durch eine halbamtliche Kundgebung in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" hat man erfahren, daß unser Kaiser bereits am 18. September, alsbald nach der Mitteilung, daß Botha, Dewet und Delarey nach Berlin kommen würden, seine Bereitwilligkeit aussprach, sie 31t empfangen. Vorausgesetzt wurde dabei ausdrücklich, daß sich die Generale in Deutschland von jeder politischen Agitation gegen England fern halten und sich auf dem üblichen Wege, d. h. durch den Botschafter des Landes, dessen Unterthanen sie sind, bei Seiner Majestät anmelden lassen würden. Ein Empfang der Generale in dieser Form hätte ihrem Besuche in Berlin von vornherein jede Spitze genommen und ihren Aufenthalt in dem Rahmen gehalten, den sie selbst beobachtet zn sehen wünschten: Sie wollten kommen, als loyale Unterthanen des Königs von England, um sür ihre unglücklichen Landsleute in Südafrika Geld zu sammeln.
Als solche waren sie willkommen, und so wären sie auch vom Kaiser empfangen worden trotz des sehr thörichten Geschreies der „Times" und andrer englischer Blätter,
wenn sie nicht selbst nachträglich die Audienz vereitelt hätten. Der Lärm in England begann nach dem Manifest der Generale an die gebildeten Nationen, das einige scharfe Wendungen gegen die englische Mildherzigkeit enthielt. Das Manifest war am 24. September erlassen worden, also sechs Tage später als der kaiserliche Befehl, die Generale unter den erwähnten Bedingungen empfangen zu wollen. Es geht daraus hervor, daß das geräuschvolle Verlangen der englischen Blätter, die Generale könnten nur durch den britischen Botschafter in Berlin bei dem Kaiser angemeldet werden, gänzlich unangebracht war, da der Kaiser schon vorher diese korrekte Form zur Bedingung gemacht und die Generale sie angenommen hatten.
Wodurch sie sich nachträglich haben bestimmen lassen, statt die ihnen bereits angebotene Audienz durch den Botschafter Lascelles nachzusncheu, vielmehr noch eine besondre kaiserliche Berufung zu verlangen, das ist noch nicht völlig aufgeklärt. Mau wird ihnen diesen groben Verstoß, dem deutschen Kaiser Vorschriften zu machen, persönlich nicht scharf anzurechnen brauchen; es sind eben Männer, die wohl mit dem Schwerte, aber nicht mit den diplomatischen Sitten vertraut sind. Es scheint, als ob sie den Einflüsterungen des frühern transvaalschen Gesandten Leyds unterlegen sind, der immer für Verschärfung der Gegensätze und für den Haß gegen England gearbeitet hat. Ihre Sinnesänderung hat nunmehr die englische Regierung aus der Verlegenheit befreit, welche Anweisung sie ihrem Botschafter in Berlin für den Fall, daß die Generale seine Vermittlung nachsuchten, erteilen sollte. Für den deutschen Kaiser und somit für die deutsche Nation mußte die Angelegenheit erledigt sein, sobald die übelberatenen Generale die Vermittlung des englischen Botschafters 511 umgehen suchten und also von den bereits vereinbarten Bedingungen der Audienz zurücktraten.
Politische Nachrichten.
Berlin, 9. Oktober.
In der heutigen Vormittagssitzung des Kongresses zur Bekämpfung des Mädchenhandels gab Graf Keller-Potsdam ein aus Schloß Cadinen einge- laufenes Telegramm Sr. Majestät des Kaisers bekannt, welches lautet:
Ich habe mich gefreut, daß der zweite Kongreß zur internationalen Bekämpfung des Mädchenhandels in meinem Lande zu ernster Arbeit zusammeugetreten ist, und ich spreche der Versammlung für die freundliche Begrüßung meinen herzlichen Dank aus. Die auf Be. seitigung des schimpflichen Gewerbes gerichteten Bestrebungen werden stets meine volle Sympathie finden. Dem Kongreß wie allen Theilnehmern desselben wünsche ich zu dieser Arbeit Gottes reichsten Segen.
Wilhelm I. R.
Auch die Prinzessinnen von Sachsen-Alteuburg, Ludwig Ferdinand von Bayern und Eugenik von Oldenburg dankten gleichfalls telegraphisch für die Begrüßung und wünschten den Kongreßverhandlungen besten Erfolg.
Wer die psychologische Entwicklung der modernen Politiker verfolgt hat, wird sich überzeugt haben, wie eine gewisse Parteischablone immer mächtiger geworden ist und im gleichen Verhältniß politische Individualitäten verschwunden sind. Es mag auch dies eine Folge des allgemeinen Wahlrechts sein, welche« die Massen mobil macht und dadurch einen derartigen Druck auf den Einzelnen übt, daß nur sehr selbstständige Naturen die Kraft finden, ihre abweichenden persönlichen Ueberzeugungen zu äußern. Wir freuen uns, daß aus den Reihen der konservativen Landwirthe endlich ein Mann entstanden ist, der den Muth gefunden hat, das auszu- sprechen, was Tausende seiner Berufsgenosien im Stillen empfinden. Die Landwilthschast steht an einem kritischen Wendepunkte. Es ist ihr von der Regierung weit entgegengekommen. Der Tarif liefert den deutlichen Beweis, daß die Regierung ernstlich bereit ist, der Land- wirthschast zu helfen, soweit dies ohne Schädigung anderer Erwerbskreise möglich ist. Es Ist mehr als zweifelhaft, ob sich in Zukunft jemals die
Verhältnisse wieder fo günstig für die Land- Wirthschaft gestalten werden wie gegenwärtig.
Im Reichstage ist eine große Mehrheit vorhanden, welche entschlossen ist, den landwirthschaftlichen Erzeugnissen einen höheren Zollschutz zu gewähren. In diesem Bestreben sind Regierung und Mehrheit des Reichstages einig. In einem solchen Augenblicke sollte man nicht um ein Mehr oder Minder streiten, sondern das nehmen, was die Regierung unter Abwägung aller Interessen bietet. Herrn von F r e g e gebührt das unzweifelhafte Verdienst, sich offen und mannhaft auf diesen Standpunkt gestellt und damit ausgesprochen zu haben, was zahlreiche seiner Berufsgenossen fühlen, die keine Zeit haben, auf den Ausgang eines unübersehbaren Kampfes zwischen Regierung und Landwirthschaft zu warten, sondern schneller Hilfe bedürfen. So sehr man den furchtlosen Freimuth des Herrn von Frege anerkennen muß, so sehr muß bedauert werden, daß er bisher mit seiner öffent- lichen Erklärung ziemlich allein steht. Möchten sich unter den besonnenen Landwirthen Deutschlands baldigst Männer finden, die öffentlich an seine Seite treten. Der geheime Druck, der auf zahlreiche Landwirthe von bestimmter Seite geübt wird, sann zwar das große Werk der Tarifreform ernstlich gefährden, aber nicht« Positives zu Gunsten der Landwirthschaft leisten. Es kommt auf die fachliche Förderung der tandwirthschaft- lichen Interessen an und nicht auf die politisch lokalen Interessen einzelner Personen.
Der Bau der Rettungswagen für den Eisenbahnbetrieb ist bereits soweit gefördert, daß die Mehrzahl der Betriebsämter mit derartigen Waggons versehen ist. Da die Fertigstellung einer genügenden Zahl von Wagen zur Bildung von vollständigen RettungSzüge» nicht schnell genug erfolgen kann, so sind solche provisorisch zusammengestellt, indem mehrere», mit den erforderlichen Hülfs- und RettungS- materialen, versehenen Güterwagen je ein völlständig ausgebauter und ausgerüsteter Rettungswagen beigefügt wird. Um eine schnelle ohne jegliche Störung zu bewirkende Abfertigung der RettungSzüge im Bedarfsfall e vornehmen zu können, stehen die RettungSzüge vollständig frei auf todtem Geleise, so daß im Nothfalle ohne jegliches Rangieren die Abfertigung der Trains Rattfinben kann.
Der Bund der Industriellen hielt heute in Berlin seine Generalversammlung ab.
Für den n a t i o n a l l i b e r a l e n Parteitag in Eisenach sind, nach der „Nationallib. Korresp. , mehr als 600 Delegierte augemeidet. Ein Antrag aus Berncastel-Willlich fordert für jedes Jahr die Abhaltung eines allgemeinen Parteitages. Die nationalliberale Landespartei in Bayern rechts des Rheins fordert die Einbringung eines Antrags im Reichstage auf Herabsetzung der Grenze für Gewährung der Altersrente de« Jnvaliditäts Gesetzes vom 70. auf das 65 Lebensjahr.
Die Studien-Gefellschaft für elektrische Schnellbahnen hat jetzt ihre Versuchsfahrten auf der Militärbahn Schöneberg-Zosien wieder ausgenommen. Die Schnelligkeit geht gegenwärtig bis zu 130 Kilom. in der Stunde.
Dem „Figaro" zufolge läßt unser Kaiser augenblicklich in der Nationalbibliolhek und den Pariser Museen alle Urkunden zusammenstellen und durchforschen, die auf das Haus der berühmten^ Hugenottenfamilie C o l i g n y , deren hervorragendstes Mitglied, der Admiral Gaspard de Coligny, in der Bar. tholomäuSnacht im Hotel de Ponthieu ermordet wurde, Bezug haben. Da die Tochter des Admiral« Louise in zweiter Ehe den Befreier der Niederlande, Wilhelm den Schweiger, Fürsten von Oranien heirathete, steht das HauS Hohenzollern zu der Familie de Coligny in einem entfernten verwandtschaftlichen Verhältniß.
Die „Libre Parole" gibt nach dem Madrider „Herado" den Inhalt eines BeileidS-Telegramme« wieder, das S e. M a j e st ä t d e r K a i f e r v o n D e u t s ch - land an die Witwe Emil Z o I a s gerichtet haben soll. Eine solche Depesche existirt nicht, und e«