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Nr. 124.

Atnstaz K» 21. Atober

1902.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 17. Oktober 1902.

Einer Mittheilung des Landesbauamts dahier zufolge sind an verschiedenen Landstraßen und Wegen Hecken ord, nungsmäßig zu beschneiden, auch sollen durch das Ackern und Fahren die Gräben und Landwege öfters beschädigt, die Straßenkandeln innerhalb derOrtschasten nicht überall jeden Sonnabend gereinigt werden und soll ferner stellenweise Jauche in die Straßengräben abfließen.

Die Ortspolizeibehörden und die Kgl. Gendarmerie des Kreises hat auf diese Mißstände dauernd ein be­sonderes Augenmerk zu richten und die Beseitigung der­selben herbeizuführen.

I. 1. 6435. Der Königliche Landrath.

J. V.:

T h a m e r.

Fulda, den 13. Oktober 1902.

Für den Viehmarkt in Fulda am 30. Oktober er. finden die unterm 13. Januar 1902 im Kreisblatt No. 7 bekannt gegebenen Bestimmungen Anwendung. Der Be­ginn des Marktes ist auf 7 Uhr morgens festgesetzt.

Der Königliche Landrath Steffens. An den Herrn Landrath in Hersfeld.

* * *

Wird veröffentlicht. Hersseld, den 17. Oktober 1902.

I. 6463. Der Königliche Landrath.

J. V.:

T h a m e r.

In Anbetracht des in den verschiedensten Kreisen des Bezirks wiederholt beobachteten Ausbruchs von Unterleibstyphus, welcher sich schon oft zu kleinen Epidemien ausbreitet und zum Zweck einer gleich­mäßigen und pünktlichen Durchführung der §§. 82 und 83 der Dienstanweisung für die Kreisärzte wird hiermit in Gemäßheit des §. 3 der Polizei-Verordnung vom 30. November 1877 Amtsbl. S. 374 die im §. 1 vorgeschriebene Anzeigepflicht der Aerzte auf Unter­leibstyphus für alle Kreise des hiesigen Regierungs­bezirks ausgedehnt, für welche dieselbe bisher noch nicht angeordnet war. (A. II. 11698.)

Caffel am 1. Oktober 1902.

Der Negierungs-Präsident. J. V. M a u v e.

Der Engel von lUeissfeld.

Von Adolf Reiter. (Fortsetzung.)

Graf Hero hatte in einem Luzerner Gasthause auf mehrere Tage Wohnung genommen. Er war selbst­redend sehr ernst gestimmt, und wenn er sich allein be­fand und an Agathe dachte, dann war er der Ver­zweiflung nahe.

Von Supern aus wollte er ihre weiteren Spuren verfolgen. Er bot alles Mögliche auf, sie zu finden; allein es war jeder Schritt ohne Erfolg, jeder Franc wurde zwecklos ausgegeben.

Es war an einem späten Abend, nahe der Mitter­nachtsstunde. Drei Tage hatte er in Luzern eifrigst nachgeforscht. Der Telegraph hatte nach allen Richtungen hin gearbeitet; an allen Ecken, der Straßen waren Plakate befestigt, die bedeutendsten Zeitungen der Schweiz brachten die Meldung; überall waren sehr hohe Be­lohnungen ausgesetzt, und die Polizei-Organe hatten sich schon aus diesem Grunde die erdenklichste Mühe ge­geben, die Verschollene lebendig oder todt wiederzubringen, jedoch waren alle Bemühungen vergeblich gewesen.

Hero ging verzweifelnd in seinem Zimmer auf und ab. Wie gern hätte er um Agathe sein ganzes Ver­mögen hingegeben, denn sie allein war und blieb seine ganze Welt! Er war durch sie in dem einen Jahre ein ganz anderer Mensch geworden. Sie war sein Ideal; sie hatte ihn für alles Edle, Gute und Schöne begeistert gemacht.

Nichtamtlicher Theil.

3ii Den ZMMten.

Welches Ergebniß die Verhandlungen des Reichstags über den Zolltarif liefern werden, läßt sich auch j tzt noch nicht mit Sicherheit voraussehen. Wollte man nur nach den ersten Reden der Parteiführer in der zweiten Lesung urtheilen, so wäre das Scheitern der Vorlage gewiß. Der Reichskanzler Graf v. Bülow hatte noch einmal die Haltung der verbündeten Regierungen zu der Hauptstreitfrage, den landwirthschaftlichen Zöllen, in großen Zügen dargestellt und erklärt, daß die ver­bündeten Regierungen in voller Einmüthigkeit beschlossen hätten, weder über die Mindestsätze für die vier Ge­treidearten hinauszugehen noch in eine Ausdehnung der Mindestzölle auf Vieh, Fleisch rc. zu willigen. Nach diesem unabänderlichen Standpunkt, der auf einem Kompromiß unter den Regierungen der Einzelstaaten beruht, ist ein Gelingen des Werkes nur möglich, wenn sich die Mehrheitsparteien auf dem Boden der Vorlage einigen.

Aber an dieser Einigkeit -fehlt es noch immer. Nur der größte Theil der Nationalliberalen scheint be­reit zu sein, die landwirthschaftlichen Zölle der Vorlage gut zu heißen; je weiter man nach rechts blickt, um so geringer erscheint die Neigung, von höheren Forderungen abzugehen. Der konservative Abgeordnete Graf Kanitz, kündigte sogar an, daß die Mehrzahl seiner Freunde für die Sätze des Antrags Wangenheim, der nach den Wünschen des Bundes der Landwirthe einen Mindestzoll van 7,50 Mark für Brotgetreide fordert, stimmen werde. Damit würde sogar die Einigung der Mehrheitsparteien auf den Kompromiß-Antrag der Kommission in die Brüche gehen, weshalb der Centrums-Redner Herold das Befremden seiner Fraktion darüber ausdrückte, daß die Konservativen jetzt einemlediglich agitorischen" Antrag des Bundes der Landwirthe den Vorzug geben wollten. Sehr heiler waren dabei die Gesichter auf der linken Seite des Hauses natürlich: wenn die Anhänger eines höheren Schutzes der Landwirthschaft unter sich zu wenig einig sind, so braucht die Linke nicht einmal zu dem bedenklichen Mittel der Obstruktion zu greifen, um das ihr gewünschte Scheitern der Vorlage zu bewirken.

Er hatte seit ihrem Verschwinden noch nicht ordentlich schlafen können. Vollständig abgespannt warf er sich heute mit Stiefeln und Sporen auf's Sopha, um nur ein Weilchen auszuruhen, denn zwei Stunden später hatte er sich auf einem Telegraphenamt einzufinden, wo er eine Antwort aus Wien zu erwarten hoffte. Er­forderlichenfalls wollte er sogleich eine andere Depesche abgeben.

Kaum hatten sich die müden Augenlider geschloffen, als er durch den Oberkellner behutsam geweckt wurde.

«Eine junge Dame ist hier, sie will den Herrn Grafen sprechen," sagte dieser, verschmitzt lächelnd.

Eine Dame, eine junge Dame?! O Gott, das ist sie!" jauchzte Hero laut auf und eilte der Thür zu. Im nächsten Augenblick befand er sich auf dem sehr malt beleuchteten Corridor, wo ihm eine tiefverschleierte Dame in die Arme fiel.

Mein Engel, mein theurer Engel!" rief er aus, indem er sie an seine Brust preßte.So kommst Du also doch wieder." . . .

Er verstummte, denn bei dem Wortewieder" richtete sie ihr Antlitz auf, und er erkannte Valeria. Sie zog den Schleier weg, ließ wie aus Versehen den Mantel von ihren Schultern fallen und stand nun in ihrem tief ausgeschnittenem Kleide wie im Ballkostüm vor ihm.

Aber ich bitte Sie," wandte er sich unwillig von ihr ab.Was hat Sie hergeführt?"

Hero, Du kannst so fragen? Meine Liebe und Dein mir gegebenes Versprechen!"

Diese Zerfahrenheit ist in jeder Beziehung bedauerlich, besonders für die Landwirthe, deren Jntereffe dahin- geht, daß wenigstens das Erreichbare ergriffen wird, wenn das Erwünschte nicht zu erlangen ist. Wahrscheinlich wird sich bei den bevorstehenden Abstimmungen über den § 1 des Tarifgesetzes, der die Mindestzölle enthält, wenigstens Klarheit darüber ergeben, ob sich die Fort­setzung der Berathungen lohnt oder nicht.

Politische Nachrichten.

Berlin, 19. Oktober.

Se. Majestät der K a i s e r ist gestern Vormittag 10 Uhr 10 Minuten von der Wildparkstation aus nach Fehrbellin abgereist.

Gestern Vormittag um 9 Uhr legte Ihre Majestät die Kaiserin, begleitet von Ihren Königlichen Hoheiten den Prinzen Eitel-Friedrich, August Wilhelm und Oskar, einen Lorbeerkranz am Sarkophage Sr. Majestät des Kaisers Friedrich in Potsdam nieder. Um s/410 Uhr traf Se. Majestät der K a i s e r im Mausoleum ein, um ebenfalls einen Kranz niederzulegen. Auch Abordnungen verschiedener Regimenter überbrachten Kränze.

Die Rede, welche Se. Majestät der Kaiser am Sonnabend in Fehrbellin bei der Enthüllung des Denkmals des Großen Kur fürsten hielt, hatte folgenden Wortlaut:Mit inniger Freude habe Ich den Entschluß des Havellandes und Fehrbellins be­grüßt, an diesem Ort dem größten Brandenburger Kurfürsten ein Denkmal zu setzen. Es ist Mir eine große Beftiedigung, daß Ich dazu die Gestalt, wie sie des Künstlers Hand für die Siegesallee entworfen hat, habe zur Verfügung stellen können. Ein Land, das seine Fürsten ehrt, ein Volk, das ihnen Denk mäler setzt, das ehrt sich selbst. Zumal hier in der Mark, wo gerade des Großen Kurfürsten Person wie keine andere in Mühe und Arbeit, in Kampf und Streit seinem Volke und seinem Lande verbunden war. Mit den Sühnen der Mark mußte er die einzelnen Theile seines Landes zusammenschweißen, und mit dem Degen in der Faust sich sein Hausrecht wahren. Denn es war von jeher Sitte: wenn die Völker mit einander rechten wollten, dann suchten sie sich den deutschen Boden aus, um auf Kosten der Deutschen ihre Fehden auszutragen. Zum ersten Mal hat in deutschen Landen der Große Kurfürst diesem Treiben ein Ende gesetzt und durch seine That bei Fehr­bellin den Grund gelegt zu der festen Vereinigung der kur- brandenburgischen Lande, für die Entwicklung durch die Königskrone bis zur Kaiserkrone. Zugleich hat er aber auch, wie schon richtig erwähnt worden ist, den Grundstein für unsere jetzige Armee gelegt durch den Grundsatz, daß der Offizier in unmittelbarer Berührung, unmittelbar abhängig von seinem Landesherrn, die Söhne des Volkes zu führen

Mein Versprechen?"

Sie entsinnen sich doch, daß Sie vor kurzer Zeit heilig und feierlich mir Ihre Liebe erklärten? Sie versprachen mir auch an Eides Statt, mich zu heirathen, sobald Sie frei würden; und frei find Sie jetzt! Können Sie denn mit dem Herzen eines Mädchens in der That so spielen?"

Er staunte und sah sie schweigend eine Weile an.

Können Sie wirklich Ihr Versprechen, Ihren Schwur so leicht brechen?" fuhr sie fort, indem sie sich schluchzend gegen seine Brust warf.Nein, Hero, Du kannst nicht so grausam sein!"

Wäre er nicht so traurig gestimmt gewesen, hätte er laut auflachen müssen.

Wie albern und unvernünftig Sie mich gefragt, ebenso scherzhaft habe ich Ihnen geantwortet. Wie können Sie einen solchen Scherz für ein ernstes, heiliges Versprechen halten?"

Für mich war es allerdings ein heiliges Versprechen. Gestatten Sie mir ein paar Worte, Herr Graf," fuhr Valeria freundlich und süß schmeichelnd fort. «Haben Sie wirklich geglaubt, mit Agathe stets glücklich leben zu können! Wie könnten Sie wohl bei ihrer Einfach­heit, ihren beschränkten Ansichten mit ihr zusammen in den freien Cercles erscheinen, in denen Sie stets ein Glanz sein werden? Sie hätten sich dort durch sie ja unmöglich gemacht."

Hero wollte die gegen Damen schuldige Rücksicht nicht außer Acht lassen; er hielt es auch als höchst überflüssig und müßig, für feine Agathe auch nur ein