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(ßratMeiligen: „^Un^rirtcf KerDtagsblart" *♦ ^Hu^rirte landWirthschastliche VrUage."
Sr. 125.
Sonntrflw ta 22. Oktober
1902.
Amtlicher Theil.
Hersseld, den 21. Oktober 1902.
Der Vorsitzende der Veranlagungs-Kommission.
III. 1689.
Auf Grund des Artikels 36 der Ausführungsan- weisung vom 6. Juli 1900 zum Einkommensteuergesetz hat die Königliche Regierung zu Cassel bestimmt, daß die Personenstandsaufnahme zur Steuerveranlagung 1903 (1. April 1903 bis zum 31. März 1904) am Dienstag, d e n 28. Oktober d. I. stattfindet.
Das zur Veranlagung nöthige Formular wird den Gemeinden- und Gutsvorständen im Laufe dieser Woche zugehen.
Für die Vorbereitung der Steuerveranlagung — Personenstandsaufnahme, Aufstellung der Gemeinde. und Staa tsst euerlisten für 1903 — gelten die in den Artikeln 35 bis 38 der AusführungSanweisung enthaltenen Bestimmungen. Im Besonderen sei darauf hingewiesen, daß i n d i e S t a als« steuerliste zu übernehmen sind alle Personen, deren
a. Einkommen nach Spalte 24 der Gemeindesteuerliste mehr als 900 Mark beträgt,
b. Vermögen bei Staatseinkommensteuerfreiheit mehr a l s 6000 Mark beträgt. Di e Personen zu b sind in Spalte 12 u n d 12 aber Gemeinde- steuerliste 1902 bereits bezeichnet.
Die Steuerlisten sind nach Maßgabe der Kopsin- schristen auf das Genaueste auszufüllen, bis zum 17. November d. I. fertig zu stellen und hiernach sofort mit den Gemeinde- und Staalssteuer- listen für 1902 an den Vorsitzenden der zuständigen Voreinschätzungskommission abzugeben.
Die Staatssteuerrollen werden hier angefertigt.
Freiherr von S ch l e i n i tz
Bekanntmachung.
Zur Vergebung der Gewinnung und Anfuhr der Unterhaltungsmaterialien an den Landwegen des Kreises
Der Engel von (Ueissfeld
Von Adolf Reiter.
(Fortsetzung.)
„Wohin wollen Sie reisen, mein Fräulein? In drei Minuten geht der Zug nach Paris ab." Mit diesen Worten trat ein Portier auf dem Bahnhöfe in Basel im Wartesaal an eine im Schlummer sitzende Dame heran. Er hatte bereits vorhin mitten im Saale sämmtlichen Paffagieren den nahe bevorstehenden Abgang des erwähnten Zuges laut gemeldet; ein großer Theil der Anwesenden hatte sich darauf entfernt, und nur jene auf dem in einem Winkel befindliche Fauteuil schlummernde Dame schien in ihrem Zustande den Ruf nicht gehört zu haben.
„Nach Paris? Ich fahre nach Paris — danke sehr, mein Herr!" Es war Agathe Trübe. Sie trank schnell noch ein Glas Wasser und begab sich auf den Perron.
Von Luzern her hatte sie diesen Bahnhof mit aller Mühe, körperlich und geistig erschlafft, um elf Uhr erreicht und sich sofort für den nächsten Zug nach Paris ein Billet gelöst. Weit, weit in die Welt hinein wollte sie, gänzlich unbekannt, reisen. Als eine „Martha Klein," eine Deutsche, wollte sie sich da, wo sie hinkommen sollte vorstellen; über ihre Herkunft, alle ihre Verhältnisse', hatte sie sich fest vorgenommen, auch nicht das Mindeste mitzutheilen.
Noch nicht vollständig gebrochen, hatte sie beschlossen, nach Paris zu reisen, um durch Ertheilung von Unterricht im Deutschen und im Klavierspiel ihre Existenz zu
Hersseld für das Etatsjahr 1903 im Wege des öffentlichen VerdingS sind folgende Termine festgesetzt:
Hersseld, den 27. Oktober 1902
vormittags 10 Uhr
in der Sauer'schen Bierwirthschaft am Linggplatz für die Orte:
Hersfeld, Asbach, Aua, Viedebach, Bingartes, Gutsbez. Eichhof, Eitra, Friedlos, Gittersdorf, Heenes, Kathus, Kohlhausen, Meckbach, Mecklar, Hof Meisebach, Obergeis, Oberhaun, Hof Oberode, Reilos, Rohrbach, Roßbach, Rotensee, Sorga, Sieglos, Tann, Untergeis, Unterbaun, Wilhelmshof.
Niederaula, den 28. Oktober 1902
nachmittags 3 Uhr
in der S t e i » 'schen Gastwirthschaft für die Orte:
Niederaula, Allendorf, Beiershausen, Hof Engelbach, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode, Hattenbach, Hilper- hausen, Holzheim, Kemmecode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kruspis, Mengshausen, Reckerode, Reimbolds- Hausen, Rotterterode, SolmS, Slärklos, Willingshain.
Scheuklengsseld, den 31. Oktober 1902
vormittags 9 Uhr in der S t e i n h a u e r 'schen Gastwirthschaft für die Orte:
Schenklengsfeld, Ausbach, Conrode, Dünkelrode, Hilmes, Laudershausen, Lampertsfeld, MalkomeS, Motz- feld, Oberlengsfeld, Ransbach, Schenksolz, Unterweisen- born, Wehrshausen, Wippershain, Wüstfeld.
Friedewald, den 31. Oktober 1902
vormittags 12 Uhr
in der Zinn'schen Gastwirthschaft für die Orte:
Friedewald, Bengendorf, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, HillartShausen, Kleinensee, Lautenhausen, Lengers, Nippa, Philippsthal, RöhrigShöfe, Hof Thalhausen, Unterneurode, Widdershausen, Wölfershausen.
Die Bedingungen und Steinquantitäten werden im Termine bekannt gegeben.
Hersfeld, den 20. Oktober 1902.
Landes-Bauamt. X y l a n d e r.
* * *
Hersfeld, den 21. Oktober 1902.
Indem ich vorstehende Bekanntmachung hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringe, weise ich die Herren Orts
gründen. Sie wollte tüchtig arbeiten und erst später den Vater von all ihren Erlebnissen in Kenntniß setzen. Noch fühlte sie sich zu sehr gedemüthigt vor ihm ; aber sobald es ihr besser ginge, wollte sie ihm in tiefer Neue alle ihre Herzensleiden offenbaren. Es durchzuckte sie, wenn sie an Hero dachte. Sie liebte ihn noch mit derselben Innigkeit, und doch — welch ein Räthsel! — nie mehr wollte sie ihn wieder sehen!
Sie nahm in dem ihr angewiesenen Coups, und zwar in einer Ecke Platz und ließ bald den Kopf auf das Kissen zurücksinken, um den Schlummer fortzusetzen. In ihrer Gesellschaft befand sich nur eine ältere Dame.
Welche unbestimmten Bilder zogen an Agathen's geistigem Auge vorüber! Bald düster, bald wieder erträglicher erschien ihr die Zukunft, und dachte sie an Hero, dann perlten ihr die Thränen über die Wangen. Sie fühlte sich am wohlsten in der Erinnerung an die frühere schöne Zeit, in welcher sie von ihm, dem guten, edlen Manne, als seine rechtmäßige Frau so liebenswürdig behandelt worden. Es war ihr vollständig unmöglich, sich ihn als einen Betrüger, einen unaufrichtigen, untreuen Mann vorzustellen. Sie erinnerte sich der zärtlichen Liebe, mit welcher er sie unausgesetzt beglückt hatte, und eine Schlechtigkeit von ihm erschien ihr ganz undenkbar. —
Endlich hatte der Zug eine Station erreicht, wo planmäßig ein längerer Aufenthalt stattfinden sollte, es war um die Mittagszeit. In wenigen Augenblicken waren die Coupvs leer geworden, denn in Eile begab man sich nach den Wartesälen, wo die langen Tafeln
und Gutsbezirks-Vorstände zugleich an, dieselbe auch auf ortsübliche Weise alsbald zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, damit die Ortsangehörigen über die angesetzten Termine behufk Betheiligung gehörig unterrichtet werden.
A, 3382. Der Königliche Landrath.
J. V.: T h a m e r.
Berlin, 22. Oktober.
Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Auguste Viktoria begeht heute ihren 44. Geburtstag. Wie alljährlich an diesem Tage, so bringt auch diesmal zum 22. Oktober das deutsche Volk seiner Kaiserin die innigsten Glückwünsche dar an den Stufen des Thrones, den sie ziert als Vorbild aller Tugenden deutscher Frauen. In herzlichster Ergebenheit verehrt die Nation in Kaiserin Auguste Viktoria neben der Fürstin, deren vornehmste Sorge der werkthätigen Förderung jeglicher Wohlfahrt des Volkes gilt, das Muster der Gattin und Mutter, die beglückend im Kreise der Ihren waltet. Höchste Würde mit edelster Weiblichkeit einend, hat Kaiserin Auguste Viktoria sich für immer die Liebe gesichert, welche Thron und Volk auf das Festeste verbindet. Mit der ganzen Nation vereinen wir uns in dem Wunsche, daß es Deutschlands Kaiserin noch lange vergönnt sei, an der Seite Sr. Majestät des Kaisers und Königs zu wirken zur Freude Ihres hohen Gemahls und Ihrer blühenden Kinderschaar, zum Segen für unser Volk. Gott schütze und erhalte die Kaiserin !
Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher gestern Nachmittag vom Neuen Palais nach Berlin geritten war, empfing im Königlichen Schlosse um 7 Uhr den Prinzen Chira von Siam, sowie in Abschiedsaudienz den brasilianischen Gesandten Baron Rio Branco in Gegenwart des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes Frhrn ü. Richthofeu. Abends besuchten Ihre Kaiserlichen Majestäten die Vorstellung von GrillparzerS „Ahn- frau" im Königlichen Schauspielhause. Mit den Majestäten waren die Prinzen August Wilhelm und Oskar erschienen. Nach der Vorstellung begaben Sich Ihre Majestäten mit den Prinzen-Söhnen nach dem Neuen Palais zurück.
zum Diner gedeckt standen; die Plätze waren hier bald besetzt.
„Nun flink hinaus," wurde Agathen von der mit ihr in demselben Coup6 reisenden Dame zugerufen. Diese hatte bereits lange verwundert und mit Theilnahme die Aermste veobachtet. „Jetzt geht's hinaus, meine Dame; wir müssen diniren, und Sie scheinen einer Erfrischung und Stärkung ganz besonders bedürftig zu sein!"
«Wo sind wir?"
„Wir sind in Troyes, wo der Zug vierzig Minuten hält. Wohin fahren Sie, wenn ich fragen darf?"
„Nach Paris."
„O, dann haben Sie es durchaus nöthig, sich zu stärken, und vor unserer Ankunft in Paris ist uns hier die beste Gelegenheit geboten."
Agathe hatte Mühe, sich aus der tiefen Lehne auf. zurichten; sie stand aber nicht auf und sagte kopfschüttelnd: „Ich danke, ich werde lieber hier bleiben."
«Und ich gestatte es Ihnen nickt," erwiderte die Fremde lächelnd in liebenswürdigster Weise. „Sie leiden, mein Fräulein. Ich bin ans Discretion weit entfernt,' nach dem Grunde zu fragen; ich will nichts weiter wissen, aber ich fühle mich verpflichtet, Ihnen beizustehen. Betrachten Sie mich als ihre mütterliche Freundin; Sie müßten sich ja sonst ganz verlassen fühlen. Bitte, geben Sie mir den Arm und stehen Sie auf."
Mit dankendem Blick leistete Agathe Folge; jedoch kaum hatte sie sich erhoben, als sie mit einem Schrei in den Armen ihrer Beschützerin zusammenbrach so daß