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KOg 6« 11. Novemter
1902
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Amtlicher Theil
Hersfeld, den 7. November 1902.
Nach Mittheilung der Königlichen Staatsanwaltschaft zu Cassel sind die Herren Ortsvorstände zu
Biedebach, Bingartes, Eichhof, Heddersdorf, Heringen, Hersfeld, Hilmes, Kleinensee, Lampertsfeld, Landershansen, Lengers, Meckbach, Mecklar, Meisebach, Niederjossa, Oberrode, Philippsthal, Röhrigshöfe, Sorga, Tann, Wilhelins-
mit Einsendung der Anzeige über das Ableben bestrafter Personen für das I. Kalenderhalbjahr 1902 noch im Rückstände, und werden dieselben deshalb hierdurch an die als- baldige Erledigung der diesseitigen Verfügung vom 24. September 1890 Nr. 8876, Kreisblatt Nr. 114, erinnert mit Frist bis zu m 15. d s. M ts. bei Meldung von 5 Mark Strafe.
Die erfolgte Einsendung der fraglichen Anzeige ist mir
gleichzeitig anzuzeigen.
I. 6878.
Der Königliche Landrath.
I. V.:
T h a m e r.
& Hersfeld, den 8. November 1902.
H Den prakt. Aerzten Dr. Meyerhoff in Schenklengsfeld und C. Niemeyer in Heringen a/W. ist laut Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 3. ds. Mts. die Genehmigung znr Führung von Hausapotheken ertheilt worden.
Der Königliche Landrath.
I. 6925.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 1. November 1902.
Im Verlag des reformirten Waisenhauses zu Cassel erscheint in Kürze die Polizei-Verordnung vom 9. August ds. Js., betreffend die Leichenschau mit ihren Anlagen im besonderen Abdruck.
Da es erwünscht erscheint, daß die einzelnen Leichen- beschauer im Besitze der Verordnung sind, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, denselben die Anschaffung eines Druckexemplars zur Pflicht zu machen.
l. 6754. Der Königliche Landrath.
I. V.
Wegen des in Ausführung begriffenen Straßenneu- baues an der Landesgrenze bei Solms über den Richt- Hof nach Unterschwarz wird der seitherige Verkehrsweg für Fuhrwerksbetrieb bis auf Weiteres gesperrt. Lauterbach, 31. Oktober 1902.
Großh. Kreisamt Lauterbach. Dr. W a l l a u.
*
*
Hersfeld, den 7. November 1902.
Wird veröffentlicht.
Die Herren Bürgermeister der nächstgelegenen Gemeinden haben vorstehende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise zu veröffentlichen.
I. 6880.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 10. November 1902.
Für den am 27. d. MtS. in Fulda stattfindenden Viehmarkt finden die unter dem 13. Januar 1902 bekannt gegebenen Bestimmungen Anwendung.
Der Beginn des Marktes ist auf 7*/2 Uhr Morgens festgesetzt.
Der Königliche Landrath.
I. V.:
T h a m e r.
Homberg, den 6. November 1902.
Unter der Schafheerde des Schäfers Heinrich Dippel zu Raboldshaufen ist die Schafräude ausgebrochen.
Der Landrath von Gehren.
An den Herrn Landrath in Hersfeld.
*
* Hersfeld, den Wird veröffentlicht.
Der
*
8. November 1902.
Königliche Landrath.
J. V.:
T h a m e r.
Motzfeld, den 5. November 1902.
Unter der Schafheerde des Schäfers Valentin Hujo zu Motzfeld ist die Räude ausgebrochen.
Der Bürgermeister. Jäger.
Nichtamtlicher Theil
Die allgemeine Wehrpflicht.
In den Beiheften zum Militär-Wochenblatte hat jüngst der Oberstabs- und Regimentsarzt Dr. Düms in Leipzig eine ungemein interessante Arbeit über die volks- wirthschaftliche Bedeutung der allgemeinen Wehrpflicht veröffentlicht. Er weist an der Hand einer Reihe genauer Untersuchungen nach, welchen hohen Werth die allgemeine Wehrpflicht für das körperliche und geistige Wohl unsers Volkes hat.
Was zunächst die körperliche Seite der Frage an« betrifft, so sagt der Verfasser: „Wenn die allgemeine Volksgesundheit unter dem Einfluffe der allgemeinen Wehrpflicht gefördert und gesteigert wird, so ist die weitere Schlußfolgerung berechtigt, daß dieser Nutzen, da der 'größte Reichthum eines Staates in der Gesundheit seiner Bevölkerung besteht, im volkswirthschaftlichen Sinne mit an erster Stelle treten wird." In der That wird aber die Volksgesundheit durch den Heeresdienst gehoben und gefördert; denn der Soldat verläßt die Armee mit bleibenden Eigenschaften, die ein Plus an Körperbeschaffenheit und körperlicher Leistungsfähigkeit bedeuten. Dieses Plus läßt sich zahlenmäßig an der Zunahme des Körpergewichtes wie in vielen andern Beziehungen nachweisen. Oberstabsarzt Düms zeigt an der Hand einer Reihe von periodischen Wägungen, wie das Durchschnittsgewicht der eintretenden Mannschaften im ersten Halbjahre sich um 2'/•; Kilogramm vergrößerte im zweiten Halbjahre nur eine geringe Zunahme, im Hochsommer oft eine kleine Abnahme zeigt, um am Ende der Dienstzeit eine Durchschnittszunahme von 3 bis 3'/, Kilogramm zu haben. Auch von fast 600 auf 14 Tage eingezogenen Reservisten hatten 418 an Körpergewicht zugenommen, bei 110 war das Körpergewicht gleich geblieben', und nur bei 60 Mann war es geringer geworden. Dabei ist festzuhalten, daß diese Gewichtzn- nahme nicht durch Fettansatz bedingt, sondern fast ausschließlich der reicheren und vollkommeneren Bildung von Muskelfasern zuzuschreiben ist. Sie bedeutet also direkt ein Plus der Leistungsfähigkeit, das durch den militärischen Dienst und durch die gute und hygienisch richtig zu, sammengefetzte Ernährung erzielt ist.
Ebenso werden der AthmungSapparat und die Herz
I Der Engel von Aeisslelü.
Von Adolf Reiter.
(Fortsetzung.)
W „Die Natur — wenn wir dadurch den Inbegriff aller Dinge verstehen — ist sich dieses Gedankens doch B nicht bewußt, Herr Graf; wie wollen Sie Ihre Behauptung, daß die ganze Well als ein organisches Ganzes zu betrachten sei, aufrecht halten?"
„Pardon, mein gnädiges Fräulein, die innere Zweck- W Mäßigkeit des organischen Baues in der ganzen Natur H und ihrer Verrichtungen lasten in ihnen einen Geist er« W kennen, der dem mit Bewußtsein schaffenden Geiste des Menschen verwandt ist. Schon Aristoteles sagte: „In allem Natürlichen ist etwas Göttliches, und die Erscheinung dieses Göttlichen in der Natur erregt aber in uns das uneigennützige Wohlgefallen, welches wir als die Wirkung des Schönen betrachten."
Sie nickte verständnißvoll und schaute beseligt zu ihm auf, während er verlegen seinen Blick senkte; die sonst so milden Züge seines Antlitzes verfinsterten sich; ein tiefer Seufzer entwandt sich feiner Brust, so daß Veronika ihn fragend ansah. Doch nur einen Augenblick währte es; die Wolke, welche seinen Blick trübte, war — wohl nur durch die rührende Theilnahme seiner M schönen Begleiterin hervorgerufen — gänzlich verscheucht. Ein anderer Blick war es, den er jetzt auf sie richtete.
frei
Er pflückte eine dunkelrolhe Rose.
»Liebe Veronika," fuhr er in vertraulicherer Weise
fort, „ich kann nicht länger widerstehen; auch ich gehöre zu dem großen organischen Ganzen, über welches wir soeben sprachen. Ich gebe mir die Ehre, Ihnen diese Rose zu überreichen; möge sie ein getreuer Ausdruck meiner tiefempfundenen Gefühle sein, welche ich für Sie hege. Wir gehören zu einander."
Sie nahm die Rose und ließ — ohne ein Wort zu sagen — ihr Köpfchen auf seine Brust sinken, während er ihre Taille umschlang.
„Ach Arthur!"--seufzte sie dann leise und reichte ihm ihren Mund, welchen er küßte.--„Halb zog sie ihn, halb sank er hin." — —
„Theure Veronika, Du bist mein!" sagte er im Flüsterton.
Lange noch standen sie hier, in dem lauschigen Winkel Hand in Hand, die Blicke tiefgesenkt in einander.
„Du bist mein, Veronika!" sagte er noch einmal mit der vollsten Bekräftigung in langsam und gedehnt gesprochenen Laut.
„Ja, ich bin Dein, Arthur," erwiderte sie ebenso innig, während ihre Mutter. die, stets wachsamen Auges, ihrer Tochter gefolgt war, plötzlich um die Baumgruppe hervortrat.
„Nun, Kinder, habt Ihr es denn so eilig?" sagte sie, mehr erfreut als verwundert. Veronika fuhr zusammen, eilte aber aus die Mutter zu, während Arthur sich zu einer Antwort vorbereitete.
„Na, ich weiß nun ja schon Alles," kam ihm Frau von Biberstein entgegen. „Mein Mann wird wie ich
gegen Ihre Verbindung mit meiner Tochter nichts ein« zürnenden haben, und so will ich Euch Beiden denn schon jetzt meine besten Segenswünsche geben. Ich schätze es mir zur hohen Ehre, Sie, Herr Graf, meinen Schwiegersohn nennen zu dürfen, und ich bin auch der Hoffnung gewiß, daß Sie meine Tochter lieben und ihr nie ein Leid zufügen werdend"
Bei diesen letzten Worten wurde der Graf verlegen; sein Gesicht nahm sogar einen so ernsten Ausdruck an, der den beiden Damen auffallen mußte. Innerlich schien er in einem Kampfe begriffen zu sein, als er fast in monoton gesprochenen Worten sich bemühte, der Mutter seiner Geliebten die Erfüllung des soeben ge
äußerten Wunsches als etwas ganz Selbstverständliches hinzustellen. Seine alte Ruhe gewann er jedoch wieder. Er küßte die Hand der Frau von Biberstein, und diese begab sich stolzen Schrittes in den Tanzsaal zurück, wo sie der Gemahl empfing. Das junge Paar folgte rhr bald und belheiligte sich nun weiter am Tanz als wäre nichts besonderes vorgefallen. Nur einen ernsten Blick ließ Arthur über die ganze Festgesellschaft zuweilen gleiten, welcher auch der Frau von Biberstein aussi l. Sie sagte sich aber, er sei sich schon jetzt, als künftiger Ehemann, seiner einstigen Pflichten bewußt, und solch konnte sie nur lobenswerth und be-
einen Lharakterzug ruhigend finden.
Wenige Tage
Grafen Arthur von
später wurde die Verlobung des Troczyn mit Veronika, Edelfräulein
von Biberstein, glänzend gefeiert.