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AeHaz I« 18. WeBer

1962.

Sie Niekckze Her Astruktioii.

Die Obstruktion hat in der ReichStagSsttzung vom Freitag eine schwere Niederlage erlitten, der Antrag Aichdichler, der bekanntlich den Namensaufruf bei Ab­stimmungen durch Abgabe von Stimmzetteln ersetzt, ist angenommen worden und, was mehr heißen will, er hat sich praktisch auch bewährt. Obwohl die Sozial- demokraten mit Absicht die Abgabe ihrer Stimmzettel verzögerten, hat die letzte der Abstimmungen nach dem neuen Modus nur 9 Minuten in Anspruch genommen. Werden erst, wie es beim nächsten Male geschehen soll, farbige Stimmkarten, die das Sortieren und damit das Zählen erleichtern, eingefübrt und haben die Schrift­führer beim Einsammeln der Karten erst größere Uebung erlangt, so wüde eS wohl möglich sein, die Dauer einer namentlichen Abstimmung auf 5 Minuten zu beschränken. Damit zerbricht den Obstruktionisten die schärfste Waffe in der Hand.

Bebel hat in Hamburg davon gesprochen, die Sozial- demokraten würden mindestens 700 namentliche Abstim­mungen beantragen. Nach dem bisherigen Verfahren würden diese knapp gerechnet 350 Stunden oder, die Sitzung zu 7 Stunden angenommen, rund 50 SitzungS- tage in Anspruch nehmen. Was das für die Verab­schiedung des Zolltarif-Entwurfs heißen will, bedarf keiner Erläuterung. Nach dem neuen Verfahren dagegen würde die gleiche Zahl von namentlichen Abstimmungen nur 3500 Minuten oder kaum mehr als 8 Sitzungstage kosten, volle 42 Tage sind also gewonnen für die sach­liche Diskussion. Das ist soviel, daß die Sozialdemokratie diesen Verlust selbst durch Häufung von Dauerreden schwerlich einbringen kann. Sollte sie aber die Zahl der namentlichen Abstimmungen ins Ungemeffene er­höhen wollen, so besitzen dagegen die Mehrheitsparteien ein vortreffliches Gegenmittel in dem Uebergang zur Tagesordnung gegen derurtigeVerschleppungsanträge. Daß dieses Mittel ungemein wirksam ist, und daß die Mehrheit sich auch nicht scheut, es anzuwenden, das haben gerade die letzten Tage bewiesen; es fei nur daran erinnert, daß über die 19 sozialdemokratischen Amendements zum Antrag Aichdichler, zu denen 22 namentlich e Abstimmungen beantragt waren, kurzerhand zur Tage Sordnung über­gegangen wurde. Aber der Opposition steht noch eine andre Waffe zur Verfügung als die Verschleppung der Verhandlungen durch namentliche Abstimmungen, das

Der Engel von Weissfeld.

Von Adolf Reiter.

(Fortsetzung.)

Sie freute sich, daß auch für sie ein Ball Costüm mit Maske in der Garderobe zur Benutzung hingelegt war; nun wollte sie von diesen Gegenständen Gebrauch machen. Maskirt wollte sie sich ihm nähern und ihm unerkannt einige ernste Worte an's Herz legen. Wie plagte sie die Eifersucht, als sie ihn noch einmal in traulicher Unterhaltung neben Veronika sitzen sah, und wie gern wollte sie gleichzeitig auf alles Glück zu Süllen ihrer theuren Freundin, eines noch so zarten jungen Mädchens verzichten! RäthselhasteS Frauenherz!

Sie ging nun in'S Garderobenzimmer hinunter, kleidete sich als niederländisches Fischermädchen an, und gleich den übrigen Tänzerinnen versah sie sich auch mit einer Maske.

Bald befand sie sich in dem großen Saale, wo sie Unmittelbar nach dem Eintritt von einem lustigen mas- kirten Kavalier zum Tanz ausgefordert wurde. Jedoch dankend schritt sie langsam weiter; das Haupt hatte sie auffallend tief gesenkt, und dies war wohl auch die Veranlassung für den jungen Herrn, das reizende Fischer­mädel einmal gehörig in Bewegung zu bringen. Sie warf spähende Blicke aus um das Brautpaar zu finden, und war ängstlich bemüht, jede Auffälligkeit zu vermeiden. Im lustigen Reigen schwangen sich die Paare an ihr vorüber. Alle» jubelte, lachte, war entzückt, während

ist die Herbeiführung der Beschlußunfähigkeit des Hauses durch einmütiges Verlaffen des Saales. Dagegen bietet die Geschäftsordnung keine Handhabe. Wollten sich die Mehrheitsparteien fest zusammenschließen und an­nähernd vollzählig erscheinen, so wäre die Opposition machtlos; denn jene besitzen für sich allein die absolute Mehrheit. Das geschieht aber leider nur selten, seit dem 14. Oktober ist es erst ein einziges Mal vorgekommen. Da ist der Mehrheit nun ein mächtiger Helfer erstanden in dem Führer der freisinnigen Volkspartei, in Eugen Richter. Richter blickt auf eine 30jährige parlamentarische Vergangenheit zurück, er ist wie wenige in der Lage, zu beurtheilen, daß die Obstruktion unter allen Um­ständen das Ansehen eines Parlaments schädigt. Aus dieser Ueberzeugung heraus wandte er sich neulich gegen sie und erklärte, die Obstruktionstaktik nicht mitmachen zu wollen. Seine Partei hat sich ihm angeschloffen. Damit bleiben den Sozialdemokraten als Bundesgenoffen nur noch die Mitglieder der freisinnigen Vereinigung; das genügt aber nicht mehr, um eine wirkungsvolle Ob­struktion in Scene zu setzen.

Also auch diese zweite Waffe ist der Opposition ent­wunden; damit kann man die Obstruktion in der Haupt, sache als gebrochen ansehen. Wenn sie jetzt noch Er­folge erzielen sollte, so wäre das allein die Schuld der Mehrheitsparteien selbst; bei diesen wird es stehen, sie niederzuhalten und der Regierungsvorlage zum Siege zu verhelfen. Die Voraussetzung bleibt dabei auf jeden Fall die schleunige Einigung der Mehrheitsparteien mit der Regierung auf dem Boden der Regierungsvorlage.

Politische Nachrichten.

Berlin, 16. November.

Se. Majestät der Kaiser hat gestern Vormittag 11 Uhr programmmäßig die Fahrt von Sandringham nach Lowther Castle angetreten. König Eduard und der Prinz von Wales begleiteten ihn auf der Fahrt nach dem Bahn­hof Wolferton. Eine Abtheilung des Regiments der Norfolk-N-omanries escortirte dieKöniglichen Herrschaften. Am Bahnhof war eine Ehrenwache vom Regiment der Royal Lynn» und Hunstanton-Volunteers postirt. Der Extrazug des Kaisers fuhr fünf Minuten nach elf von Wolferton ab. Einer Meldung des Daily Telegraph zufolge soll Kaiser Wilhelm beabsichtigen, am Donnerstag

sie laut hätte aufschreien mögen, um ihrem gepreßten Herzen Linderung zu verschaffen. Wie sollte sie ihn nur finden, denn Alles, selbst der spiegelglatte Parquet- Fußboden und die hohe Decke mit den mächtigen Kron­leuchtern tanzten vor ihren Augen herum!

Ach, sieh nur das Brautpaar, dort an der Fontaine," hörte sie auf einmal.Sie fühlt sich als die Glücklichste auf der Welt, während er sich Mühe geben muß, freund­lich zu sein, um nicht den Eindruck eines Unglücklichen zu machen." Agathe sah sich um und gewahrte die junge Dame, welche zu dem neben ihr sitzenden Herrn, augenscheinlich ihrem Geliebten diese Bemerkung gemacht hatte.

Ja, er ist unglücklich, das sehe ich auch," bemerkte der Kavalier.Möglich, daß er bereits früher geliebt hat, und jene Liebe für ihn eine ebenso glückliche wie später unglückliche gewesen ist. Bei solchen entscheiden­den Wendepunkten, wie heute, pflegen ja die alten Er­innerungen am gewaltsamsten wachgerufen zu werden."

Agathe konnte auch diese Worte vernehmen, denn sie hatte bei der Ueberfüllung des Saale» hier ein Weilchen stehen bleiben müssen.

Du hast gewiß Recht, mein Lieber," sagte sie sich, denn Hero denkt heute viel an mich."

Vollständig zwecklos, was sie sich selbst sagte, ging sie ruhig, wie es in dem Gedränge nur möglich war, nach dem Ende des Saales hin, wo sie Veronika mit ihrem Bräutigam von der Gallerie aus hatte sitzen sehen.

Was will ich eigentlich F fragte sie sich in halb-

von Lowther Castle vru Leith die Rückreise nach Deutsch­land anzutreten. London, 15. November. Seine Majestät der D e u t s ch e K a i s e r traf heute Abend auf der Bahnstation von Lowther Castle, Cliston, ein. Aus dem schön geschmückten Bahnhöfe erwartete Lord LonSdale den Kaiser. Beide schüttelten sich herzlich die Hand und fuhren, von der versammelten Menge freudig begrüßt, im offenen Wagen nach Lowther Castle.

Die Kaiserin ist am Freitag in Plön ein­getroffen.

Der Reichskanzler Graf Bülow hatte am Freitag im Reichstage eine längere Unterredung mit den Führern der Mehrheitsparteien und dem Präsidenten Grafen Ballestrem.

In Stuttgart ist gestern der Grundstein zu einer Bismarck-Säule gelegt worden. An der Grund­steinlegung nahmen auch der württembergische Minister­präsident Dr. v. Breitling, der der Studentenschaft die Grüße und Glückwünsche des Königs übermittelte, sowie der Kultusminister Dr. v. Weizsäcker und der Kriegs­minister von Schnürzler Theil.

Der Großherzog von Baden hat, wie dieKarls­ruher Zeitung" meldet, dem preußischen Staatsminister, Minister der öffentlichen Arbeiten Budde das Groß­kreuz des Ordens vom Zähringer Löwen mit Eichenlaub verliehen.

Der Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung kauf­männischer Schiedsgerichte, sieht bei den Gewerbegerichten besondere Kammern vor, denen die Entscheidung der aus dem ArbeitS- oder Vertragsver­hältniß der kaufmännischen Angestellten herrührenden Streitigkeiten obliegen soll.

Heute Vormittag lief ein aus 5 Kriegsschiffen be­stehendes russisches Geschwader in Kiel ein.

Zu dem Anschlag auf den König der Belgier wird weiter berichtet: Brüssel, 15. November. Der König ist, nachdem er im Schlosse ge­frühstückt hatte, nach Groenendal abgereist. Brüssel, 15. November. Wie nunmehr festgestellt ist, heißt der Mann, welcher die drei Schüsse vor der Gudula-Kirche abgab, Rubino. Er ist Buchhalter, im Jahre 1859 zu Binardo bei Neapel geboren und seit einiger Zeit in Brüssel wohnhaft. Eine sofort in seiner Wohnung^vor- genommene Haussuchung hat nichts Besonderes zu Tage gefördert. Man hat in seinem Zimmer einen mit Bücher gefüllten Koffer und seine gesammte Korrespondenz be­

tautem Tone.Ich kann sie in ihrem Glück doch un­möglich stören!" Indeß schritt sie unwillkürlich langsam weiter. Bereits näherte sie sich der von Zierpflanzen dicht umgebenen Fontaine und nun erkannte sie in dem Grafen Troczyn" mit der größten Bestimmtheit ihren Hero." Er hatte soeben seiner Braut etwas Vanille- Eis gebracht und neben ihr wieder den Platz einge- l«mmen. Er schaute auf. Der Blick aus dem ernsten Antlitz schweifte wieder kalt und unstät umher; er traf auch unserFischermädchen" und ruhte dann wieder axf seiner schönen Braut, weil sie in diesem Augenblick zum Geliebten sprach.

Nein, nein, er ist nicht glücklich; er liebt mich noch immer," sagte sich Martha zum wiederholten Male. In diesem Augenblick hätte sie auf ihn zueilen, ihre Hände wie einst um seinen Hals legen und, sich an ihn schmiegend, zu ihm wieder so innig und vertrauensvoll aufschauen mögen!

Sie erschrak sie entsetzte sich vor sich selber und trat schnell nach der Wand zurück, wo sie erschöpft auf einen Stuhl niedersank. Der Athem gerieth ihr in's Stocken, vor den Augen flimmerte es ihr, aber sie konnte den Blick von dem Brautpaar nicht auf eine Minute abwenden, und was sah sie nun? Veronika stand auf; sie verließ ihn und auch er erhob sich. Mit dem Gefühl einer gewissen Erleichterung Martha erkannte mit Sicherheit, daß er einen Seelenkampf zu bestehen hatte! begab er sich in das Erfrischung-zimmer, trank hier ein Glas Portwein, zündete sich eine Cigarrette an und eilte hinaus in den Garten. Martha fühlt;