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Sr. W. Ssmiittii) K» 22. NsRniber M.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 20. November 1902.
Dem Pfarrer Nolte in Ransbach ist die Ortsschul- inspection über die Schüler feines Kirchspiels laut Verfügung der Költiglichen Regierung vom 15. d. Mts. übertragen worden.
I. 7131. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 17. November 1902.
Der bisherige Ortsschätzer-Stellvertreter Heinrich Klee I. in Conrode ist a l s O r t s s ch ä tz e r für den Gemeindebezirk Conrode widerruflich bestellt worden; desgleichen der Landwirth Jakob Gerlach daselbst. Als Stellvertreter dieser beiden Ortsschätzer sind der Landwirth Georg Riebold und der Schmied Peter Ley daselbst widerruflich bestellt worden. I. 7094. Der Königliche Landrath.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 15. November 1902.
Die Herren Standesbeamten des hiesigen Kreises werden davon benachrichtigt, daß Ihnen in den nächsten Tagen die Standes-Haupt- und Nebenregister für die Jahre 1903/1905 zum dienstlichen Gebrauch zugehen werden.
A. 3612. Der Königliche Landrath.
I. V.:
T h a m e r.
Raubmord
Sonntag, den 16 November, Nachmittags zwischen 12 und 1 Uhr, ist ein kroatischer Erdarbeiter, Cordic Wiarco aus Ogulien (Kroatien) auf der Kreisstraße Grebenhain—Jlbeshausen (Kreis Lauterbach) ermordet und seiner Baalschaft und Taschenuhr (zum Aufziehen mit Schlüssel) beraubt worden.
Der Thäter, gleichfalls Erdarbeiter aus Kroatien, ist flüchtig.
Er nannte stch
Petar Nendulic, auch Johann Sabljak und führt wahrscheinlich jetzt einen anderen Namen. Er ist 20 bis 25 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 m groß, schlank, hager, hat bleiches Gesicht, ist bartlos oder hat Anflug von Schnurrbärtchen, trägt Ohrringe in Form von gelben Plättchen, Haare sollen etwas in die Stirne gezogen sein, trägt dunklen Anzug, Hellen weichen Filzhut, breite aus mehreren neben einander liegenden dünnen Kettchen bestehende Helle Uhrkette mit drei oder vier anhängenden großen silbernen Münzen; spricht nur ganz wenig deutsch.
Thäter soll Sonntag, Nachmittags 3 Uhr, in Blankenau (Richtung nach Fulda) eine Uhr (wahrscheinlich die ge- raubte) zum Verkauf angeboten haben.
Um eifrige Nachforschungen nach dem Thäter, insbesondere an Bahnhöfen, an im Bau begriffenen Bahnen, in Steinbrüchen und dergl. und um Mittheilungen, die zur Verfolgung der Spur des Thäters dienen könnten, wird dringend ersucht. Im Betretungssalle Verhaftung auf Grund Haftbefehls Großh. Amtsgerichts Herbstein, sowie telegraphische Nachricht.
Gießen, den 18. November 1902.
Großh. Staatsanwaltschaft. T h e o b a l d.
Nichtamtlicher Theil.
ü>itm Todtenssst«.
Wehmüthig ziehen wir heute hinaus zu den Gräbern unsrer Lieben, um sie mit Laub und Blumen zu schmücken, und um stumme Zwiesprache mit den Schläfern dort unten zu halten. Es ist eine stille, düstre Feier —
aber keine andre kann sich mit ihr messen an ergreifendem Inhalt. Welche Gedanken drängen sich auf, wenn wir auf die Rasenhügel blicken, unter denen die schlummern, die einst unsre ersten Schritte ins Leben hinein gelenkt, die uns in treuer Freundschaft oder in zärtlicher Liebe zur Seite gestanden haben, oder von denen wir — ach vergebens! — gehofft hatten, daß sie das Licht und die Stütze unsers Alters werden würden. Von Erde bist du, und Erde solst du wieder werden. Ernst und eindringlich klingt uns diese Mahnung der heiligen Schrift ins Ohr. Der Mensch, der sich dünkt, die Krone der Schöpfung zu sein, der der Erde seinen Stempel ausgedrückt und die Naturkräfte in seinen Dienst gezwungen hat, — ist auch dem ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen unterworfen.
Unerbittlich schwingt der Tod seine Sense, und wo er trifft, da sinkt ein Menschenleben dahin. Er schont nicht Jugend, nicht Schönheit, nicht Rang, nicht Reichthum; vor ihm sind alle gleich. Wenn sich der Geist in diesen Gedanken versenkt — wie kleinlich erscheint dann so manches in dem Treiben rings umher, und am eigenen Thun und Lasten! Stolz und Hoffahrt halten am Grabe nicht stand; die künstlichen Schranken und Kasten-Unterschiede, die die Menschen unter sich aufbauten, brechen hier zusammen. Und wenn wir bedenken, wie nichtig, wie schnell vergänglich selbst der gesündeste, der stärkste, der reichste, der mächtigste ist, wie alt und jung, groß und klein, reich und arm, König und Bettler dem Tode nicht entrinnen können, so werden wir auf unsrer Wanderung durch das Erdenthal die demselben Ziele zustrebenden Mitpilger nicht mehr so leicht anfeinden, nicht mehr so oft mit ihnen hadern und streiten.
Mehr als bei andern Gelegenheiten kommt einem die Thatsache zum Bewußtsein, daß man aufeinander angewiesen ist, daß die Quelle von Glück und Unglück in der Regel in den Beziehungen des einzelnen zu seinen Nebenmenschen zu suchen ist. Das Leben ist werth, gelebt zu werden, wenn wir es uns nicht durch Neid, Selbstsucht und kleinliche Quälereien gegenseig ver. bittern, sondern im Glück des Mitmenschen das eigne Glück zu finden wissen. Wenn uns sonst diese Erkenntniß dämmert, sind wir leicht geneigt, uns über die eignen Mängel zu täuschen. Im Angesicht des Todes aber fällt der Schleier, der uns im Alltagsleben das Urtheil über uns selber trübt. Schon manche Selbsterkenntniß ist in ben. Augenblicken stiller Sammlung an den Gräbern der Dahingeschiedenen noch gereift. Das aber wäre fürwahr eine schöne Frucht dieses Tages, wenn wir aus dem Andenken an die Todten die Kraft und die Fähigkeit schöpften, den Lebenden gerecht zu werden.
Und wenn der gläubige Christ daran denkt, daß mit der Ruhe in der Gruft, mit dem Zerfall des Leibes nicht alles vorbei ist, daß den beklagten Todten und ihm selbst dereinst die Auferstehung winkt, ein Tag, der neues, beffres Leben bringt, so wird die Freude über die Wiedervereinigung mit seinen Lieben im Jenseits die dumpfe Trauer verjagen, die bei der Betrachtung der Vergänglichkeit alles Irdischen unwillkürlich aufkommt. So hat das Todtenfest bei all seinen wehmüthigen Gedanken für den Gläubigen einen unermeßlichen Trost, einen Trost, der über das Grab hinausreicht. Für den Ungläubigen ist es im letzten Kämmerlein zu Ende; er weiß keine Antwort zu geben auf die Frage: Warum dies alles? Der Gläubige hat eine Antwort; für ihn ist das Todtenfest nicht nur eine Gelegenheit zur Erinnerung, sondern auch ein freudig-ernster Hoffnungstag.
Der Zolltarif im Reichstage.
Eine volle Woche lang haben die Arbeiten am Zolltarif im Reichstage geruht, am Donnerstag sind sie wieder ausgenommen worden. Zwei Tage mit sehr ausgedehnten Sitzungen mußten darauf verwendet werden, um zunächst erst eine Handhabe auszuarbeiten, die es ermöglichen soll, den bösen Gelüsten der Herren Ob- struktionisten wenigstens in einem fünfte einen Riegel
vorzuschieben. Nachdem diese Korrektur an der Geschäftsordnung vorgenommen war, hat der Reichstag am Sonnabend bei äußerst schwacher Besetzung des Hauses mit verschiedenen Petitionen sich beschäftigt. Dann sind die Sitzungen auf einige Tage ausgesetzt worden.
Die Ruhepause — so darf man hoffen — ist der Verständigung der Mehrheitsparteien auf dem Boden der Regierungsvorlage förderlicher gewesen als einige Sitzungötage, deren wesentliches Ergebnis bisher in öden Dauerreden der oppositionellen Elemente bestand. Von positiven Resultaten der in den letzten Tagen gepflogenen Verhandlungen ist weitern Kreisen bisher zuverlässig nichts bekannt geworden. Man wird also in Geduld das Weitere abwarten müßen. Doch tritt erfreulicherweise immer deutlicher auf der Rechten der Wunsch zu Tage, das Tarifwerk um der noch vorhandenen Differenzen willen nicht preiszugeben, vielmehr einen Ausgleich anzustreben, der dazu verhilft, die Früchte langer Mühen noch in der laufenden Session einzu- bringen. Die Erkenntniß gewinnt stetig mehr an Boden, daß, falls das nicht gelingen sollte, unser WirthschaftS- leben einer ungewißen Zukunft entgegentreibt.
Die falschen Freunde der Handelsverträge im Handelsvertragsverein haben sich zwar eine sehr bequeme Marschroute zurechtgelegt, nach welcher in rührender Genügsamkeit vom Reichskanzler verlangt wird, er solle die bestehenden Handelsverträge auf eine längere Reihe von Jahren erneuern. Daß aber die bisherigen alten Verträge unsern nationalen Bedürfniffen nicht genügen und daß daher der neue Zolltarif die Grundlage für neue und bessere Handelsverträge abgeben soll, wird von diesen Interessenten am deutschen Ausfuhrhandel außer acht gelassen. Ihnen ist es in erster Linie um den Güteraustausch mit dem Auslande zu thun, die Rücksicht auf das Gedeihen der einheimischen Volksarbeit ist ihnen nebensächlich. Aber selbst in diesen Kreisen dämmert die Einsicht auf, daß die Verwerfung der Zolltarif-Vorlage ein gewagtes Spiel ist, deßen Folgen unsere Volks- wirthschast in eine schwere Krisis verstricken könnten. Dafür bietet der letzte Aufruf des «Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie" ein lehrreiches und willkommenes Beispiel.
Der Wille, etwas Brauchbares zustande zu bringen, gewinnt also an Boden; mit den Vorbereitungen aber, diesen Willen in die That umzusetzen, darf nicht mehr viel kostbare Zeit hingebracht werden, da sonst bie^ Befürchtung leider sehr begründet sein würde, es könnte schließlich zu spät sein, um die Vorlage noch rechtzeitig durch alle Klippen hindurchzuführen. Wenn man sich vorhält, daß die zweite Lesung der Tarisvorlage noch immer beim Tarifgesetz steht, bis Weihnachten jedoch, wie ein Ueberschlag über die Zeiteintheilung des Reichstags ergibt, beendet sein muß, so wird einleuchten, daß „mit fiebernden Pulsen" die weitere Berathung zu betreiben ist, wenn nicht die großen Vortheile für die Landwirthschaft preisgegeben werden sollen, die in der Vorlage enthalten sind und die in absehbarer Zeit nicht wieder werden geboten werden.________________________
Politische Nachrichten.
Berlin, 20 November.
Se. Majestät der Kaiser ist heute Vormittag 9'/. Uhr von Clifton nach Dalmeuy abgefahren. Er traf mit Carl Lonsdale im offenen Wagen mit zwei Spitzenreitern von Lowther Castle auf der Bahnstation ein. Nachdem er in herzlicher Weise von Carl Lonsdale Abschied genommen, bestieg er mit dem deutschen Botschafter Grafen Wolff-Metternich, der den Kaiser nach Schottland begleitet hat, den Salonwagen, worauf sich der Zug in Bewegung setzte.
‘ Se. Majestät der Kaiser wird bei seiner Rückkehr aus England durch den Prinzen Heinrich von Preußen empfangen werden, welcher sich zu diesem Behufe von Kiel nach Brunsbüttel einschiffen wird, wo das Kaisergeschwader