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Z-WerftLS h 1 Dezember
1962
Amtlicher Theil
Nach § 7 der Kurhessischen Verordnung vom 27. September 1828 soll der Abbruch eines durch die General- Brandkasse versicherten Gebändes nicht ohne Vorwissen der Polizeibehörde und nicht ohne Zustimmung der gerichtlich eingetragenen Pfandglänbiger geschehen. Zu dem Zweck soll die Polizeibehörde, und zwar nach diesseitiger Verfügung vom 23. Juni 1868 dermalen die betreffende Ortspolizeibehörde, von dem Gerichte die Angabe der Pfandglänbiger einziehen und in der Regel nur nach Vernehmung derselben und der etwa betheiligten Nachbarn den Abbruch gestatten, auch den erfolgten Abbruch der Brandversicherungs-Anstalt sowie dem betreffenden Amtsgericht zur Kenntniß bringen. Mit dieser Anzeige ist in allen Fällen zugleich der Original-Brandkassenschein der Brandversicherungs-Anstalt vorzulegen oder, falls derselbe sich nicht mehr in dein Besitze des Versicherten befindet, dieses der gedachten Behörde einzube- richten.
Nach Mittheilung der betheiligten Behörde haben die Ortspolizeibehörden es neuerdings in vielen Fällen unterlassen, der Brandversichernngs-Anstalt die nach Obigem vorgeschriebene Anzeige von dem vollendeten Abbruch der bei der Anstalt versicherten Gebäude zn erstatten. Um den hieraus eutstehenden vielfachen Nachtheilen und Unzuträg- lichkeiten zu begegnen, bringen wir unsere oben erwähnte, zunächst den Königlichen Landräthen und durch diese den Ortsvorständen zugegangene Circularverfügung vom 23. Juni 1868 mit dem Bemerken hierdurch in Erinnerung, daß die Landeskreditkasse-Direktion die Einholung ihrer Zustimmung zum Abbruch eines der Landeskreditkasse gerichtlich verpfändeten Gebäudes auch in dem Falle, wenn dieser Abbruch zum Zweck der alsbaldigen Aufführung eines Neubaues auf derselben Banstelle stattfindet, für nothwendig erklärt hat. Cassel, am 5. Mai 1886.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
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Hersfeld, den 29. November 1902.
Indem ich vorstehende Bekanntmachung wiederholt zur öffentlichen Kenntniß bringe, mache ich die Ortspolizeibehörden noch besonders darauf aufmerksam, daß der erfolgte Abbruch von Gebäuden der Direction der H e s s i s ch e n B r a u d v e r s i ch e r u n g s - A n st a l t in jedem einzelnen Falle sofort anzuzeigen ist.
!. 7620. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regiernngs-Rath.
Henning Lenkau
Von Hans von Heckethusen.
(Fortsetzung)
Am anderen Morgen ritt er frühzeitig fort, um die ' Pferde nach einander zu bewegen oder sie einzureiten, wo es noch nöthig war. Etwa nach einer Stunde kam er an einen See, der rund herum schöne, weiche, mit Gras bewachsene Ufer hatte, auf denen es sich herrlich galoppieren ließ. An der einen Seite lag eine Anhöhe, aus der hohe, alte Fichten vereinzelt standen. Hier pflegte er gern zu verweilen, um den wunderschönen Blick aus die Landschaft zu genießen, die sich zu seinen 5 Füßen dem entzückten Ange bot, mit weitem Einschnitt in ein jenseitiges Thal. Zu seinem Erstaunen sah er unten am Ufer des Sees eine Dame, die von ihrem -Pferde abgestiegen war und dieses führte. Das Reit- kleid war geschickt geschürzt und hinderte das Gehen nicht. Ebenso erstaunt sah er, daß die Dame dann
plötzlich den einen Vorderfuß des Pferdes hob und mit einem in der Sonne blitzenden Gegenstand aus dem Huf etwas entfernte. Das Thier stand ganz still und schnupperte an ihrem Kleids. Am See lag ein umge- stürzter Baum, diesem näherte sie sich, nachdem sie vorher dem Pferde die Zügel über den Hals geworfen und es freigegeben hatte. Leichten Fußes schwang sie sich
Hersfeld, den 2. Dezember 1902.
Die Schnlstelle in Biedebach wird vom 1. Januar 1903 ab frei.
Bewerber um dieselbe, deren Einkommen neben freier Wohnung und bei einem Einheitssätze der Alterszulage mit 120 M. in 1000 M. Grundgehalt und 150 M. Kirchen- dienstvergütung besteht, wollen ihre Meldnngsgesnche nebst
oder
Zeugnissen b i s zum 27. d. M t s. bei dem Königlichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Gamb in Obergeis
dem Unterzeichneten einreichen.
Der Königliche Schulvorstand: Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regiernngs-Rath, Landrath.
I. I Nr. 7583.
Hersfeld, den 25. November 1902.
Der Schreiner Heinrich Sitzmann zu Ausbach ist heute als Schlachtvieh- und Trichinenbeschauex für die Gemeinde Ausbach widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden.
Der Königliche Landrath.
I. V.:
T h a m e r.
Nichtamtlicher Theil
Politische Uebersicht.
Berlin, 2. Dezember.
Der Kaiser ist am Montag Nachmittag zum Jagdaufenthalte bei dem Grafen von Tschirschky Renard in Groß-Strelitz eingetroffen.
Um die deutschen Unterthanen und Interessen in Venezuela, die durch die dortigen anarchistischen Zustände geschädigt und gefährdet sind, zu schützen und die Begleichung der entstandenen Verluste nöthigenfalls zu erzwingen, werden am 8. Dezember drei deutsche Kriegsschiffe in See gehen. Der Vorfall zeigt aufs neue, wie dringend nothwendig es ist, jederzeit eine Anzahl von Schiffen zur Verfügung zu haben, um den Deutschen im Auslande denjenigen Schutz zu gewähren, auf den sie als Angehörige der Nation An
spruch haben.
Im Reichstag haben sich im Anschluß an trag Kardorff, der die en bloe-Annahme der tarifvorlage betrifft, Scenen abgespielt, glücklicherweise im deutschen Reichstag bisher waren und wie sie hoffentlich im Interesse
den An- Zoll- wie sie unerhört des ge-
auf den flach liegenden Stamm, ließ mit schnellem Griff das Reitkleid herab, rief das Pferd zu sich, das sich gehorsam vor sie hinstellte, und saß im nächsten Moment im Sattel.
Jetzt wandte sie den Braunen und kam gerade auf Lenkau zu, sah jedoch nicht auf, da sie genau auf den Weg achtete. Erst als sie eine kurze Entfernung trennte, entdeckte sie ihn und hemmte jäh den Schritt des Pferdes.
Ein Paar große, ernste Augen richteten sich fragend auf seine Erscheinung; als er sich grüßend verneigte, blieben ihre Züge unbeweglich, nur ihre Augen ruhten forschend auf ihm. Dann glitt ihr Blick schnell über sein Pferd, und der Ausdruck ihres Gesichtes ward lebhafter.
Er sah dies und verneigte sich abermals, indem er sagte: „Ich glaube, wir sind Hausgenossen, ich sah gestern Ihr Pferd auf dem Hofe."
Sie neigte jetzt etwas den Kopf zum Gruß: „Dann haben wir uns gegenseitig an den Pferden erkannt, und die Vorstellung ist unnöthig," sagte sie in zurückhaltendem Tone.
„Reiten Sie immer so allein?" fragte er nach einer Weile.
„Ja, immer," entgegnete sie kurz.
Er schüttelte wie mißbilligend den Kopf, unterdrückte aber eine Entgegnung.
Sie merkte dies und sagte: „Sie finden das leichtsinnig ?'
sammten parlamentarischen Lebens und Arbeitens sich nicht wiederholen werden. Wenn man auch der Minorität das Recht zugestehen mag, daß sie von ihrem Standpunkte aus Zweifel an der geschäftsordnungsmäßigen Zulässig- keit dieses Antrages äußert, so muß man sich doch aufs ernstete dagegen verwahren, daß diese Stellungnahme in der von den s o z i a l d e m o k r a ti s ch e n Abgeordneten beliebten Form zum Ausdruck gebracht wird. Selbstverständlich kann bei einer derartigen Kampfesweise, die der Würde der Abgeordneten selbst geradezu ins Gesicht schlägt, von irgend welcher sachlichen Behandlung des vorliegenden Berathungs- gegenstandes oder von ernstlicher Beachtung der von dieser Seite kommenden Ausführungen und Angriffe nicht mehr die Rede sein. Wie sich jetzt herausstellt, ist es übrigens keineswegs das erste Mal, daß die Vertreter der äußersten Linken sich soweit vergessen haben, wie es in der vorigen Woche geschehen ist. Das Organ des Abg. Richter theilt mit, daß die Mitglieder der Volkspartei, deren Sitze denen der sozialdemokratischen Fraktion benachbart sind, wiederholt ähnliche Gehässigkeiten und Verdächtigungen aus den Reihen der Genossen vernommen, wiederholt auch eine zielbewußte Obstruklions- und Lärmtaktik konstatirt haben und daß ihnen unter diesen Umständen diese sozialdemokratische Nachbarschaft geradezu unerträglich sei. Glücklicherweise ist das Häuflein der links- liberalen Volksvertreter unter Führung des Abgeordneten Richter bereits in parteipolitischer Beziehung weit von den Genossen abgerückt, und es kann nur gewünscht werden, daß die Erkenntniß, die diesen Schritt veranlaßt hat, dauernd Bestand behält und auch bei anderen Berathungsgegenständen sich bewährt. Mit der Sozial- demokratie hält es nunmehr nur noch die Freisinnig^ Vereinigung, die getreulich die tönenden Phrasen der Sozialdemokratie von Rechtsbeugung und politischem Meuchelmord nachbetet, in Wirklichkeit aber wohl zu bemänteln sucht, daß sie nicht zur rechten Zeit den Muth und die Entschlossenheit gesunden hat, ihre Beziehungen zur Sozialdemokratie abzubrechen und sich an der Fertigstellung eines Werkes zu betheiligen, das, mag es noch so viele Angriffspunkte und Mängel aufweisen, im Interesse der w i r th s ch a f t l i ch e n Gesundung des Reichs und zum Wohl aller großen Erwerbszweige der Nation zum baldigen Abschluß gebracht werden muß. Und man muß den sozialdemokratischen Dauerrednern vom Schlage eines Stadthagen oder Heine, den wüsten Auftritten, die durch die Pöbel- Hasligkeit des Genossen Ulrich veranlaßt wurden, Dank
,,Zum mindesten — ja 1
Ihre großen Augen sahen ihn freundlich an, und sie fragte mit fast schalkhaftem Ausdruck: „Sind Sie immer so ehrlich?"
„Ich hoffe ja —," erwiderte er ernst.
„Nun dann bleiben Sie es, bitte, — und jetzt geben Sie mir die Hand zum Gruß.
Er reichte sie ihr überrascht und sah ihr voll in das Gesicht ohne Erwiderung.
Es lag wenig Verbindlichkeit in seinem Wesen, doch schien ihr das gerade zu gefallen. Nach einer Weile bemerkte sie heiter: „Ich reite jetzt heim, es ist ja wohl noch eine gute Stunde des Wegs. Wenn Sie mich begleiten wollen, so werde ich heute ausnahmsweise nicht leichtsinnig sein."
Jetzt lachten die Augen, und der rosige Mund zeigte seine weißen, gleichmäßigen Zähne.
„Wie Sie befehlen!" erwiderte er höflich, aber ohne
besondre Freude.
„Ein merkwürdiger Mann!" dachte sie bei sich. Sie war verwöhnt durch Huldigungen und Artigkeiten der Männerwelt, sie vergegenwärtigte sich
lachend — wie viele ihrer Berliner Bekannten sich in
innerlich
allen Gefühlsmodulationen glücklich gepriesen hätten, wenn ihnen von ihrer Seite jemals eine solche Aufforderung zu theil geworden wäre. Aber diesem Ulanen» Rittmeister schien sie nicht einmal zu gefallen, denn er