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GratiLdeUasen r ^Uufiritt« Levr»taKSdlatt" *♦ ^ÜKfitirte ts«hWlrthschaftliche Vettage."
A. J46.IoNerstag Hei II. Ämter 1962.
Amtlicher Theil.
Gaffel, den 4. Dezember 1902. Verordnung.
Auf Grund des § 2 des Gesetzes vom 26. Februar 1870 über die Schonzeiten des Wildes und des § 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird der Beginn der Schonzeit für Hasen, Auer-, Birk- und Fasanen-Hennen, Haselwild und Wachteln im Regierungsbezirk Gaffel auf Sonntag, den 18. Januar 1903 festgesetzt.
Namens des Bezirksausschusses.
Der Vorsitzende. lUnterschrift.)
Nichtamtlicher Theil.
Berlin, 9. Dezember.
Se. Majestät der Kaiser unternahm gestern vor der Frühstückstafel einen Spaziergang. — Zur Früh- stückslasel im Neuen Palais waren geladen Gräfin K. Lamsdoiff-Galagane, Frau v. Scholl und der russische Marine-Attachs Fürst Dolgorukow. — Heute Vormittag hörte Se. Majestät die Vortiäge des Chefs des Militär- kabinets und des Chefs des Admiralstabes.
Auf die bei den erwähnten Erinnerungsfeiern für den verstorbenen Wirkl. Geh. Rath F r. Krupp an Se. Majestät den Kaiser gerichteten Telegramme sind nachstehende Antworten eingegangen. Bus das bei der Gedächtnißfeier der Angehörigen des Kruppschen Werkes in Essen abgesandte Telegramm antwortete der Kaiser mit folgendem Telegramm: Potsdam, Neues Palais, den 8. Dezember. Den Beamten und Arbeitern der Kruppschen Werke, welche zur Feier des Gedächtnisses des verewigten Herrn Krupp versammelt gewesen sind, danke Ich von ganzem Herzen für das Gelöbniß unwandelbarer Treue und das Versprechen, das Andenken des Verstorbenen in Ehren erhalten, und in seinem Sinne für das Gedeihen der Werke weiter arbeiten zu wollen. Wenn Beamte und Arbeiter ihrem unvergeßlichen Chef Treue halten, so ist dieses die beste Abwehr gegen die Angriffe, welche ehrlose Menschen gegen den Verewigten gerichtet haben, und die giftigen Pfeile, die von ihnen geschleudert, werden auf sie zurückspringen. Wilhelm. I. R. — Auf das
Henning £enfau.
Von Hans von Heckethusen.
(Fortsetzung.)
„Sind es auch noch," erwiderte Henning schroff und warf seinen Cigarren-Abschnitt in den Kamin. „Wie kann eine Dame allein im Grunewald reiten, das halte ich geradezu für unpassend!"
«Du, Henning, ich glaube, die hatte der Kummer hinaus getrieben!" Der Onkel sagte dies nachdenklich. «Sie war wirklich sehr schön!"
„Umso mehr hätte sie hübsch zu Hause bleiben müssen!" bemerkte Henning.
Der Diener meldete das Abendessen; sie traten in den gewölbten, mächtigen Speisesaal. Dieser bot mit seinen alten Eichenmöbeln und der kunstvollen Täfelung eine wahre Augenweide.
„Nun, liebe Hannah, was haben Sie für unsern Rittmeister uufgetischt?" scherzte der Graf und klopfte der kleinen, rundlichen Dame auf die Schulter.
„Hannah, Hannah, wenn es keine Leibgerichte von mrr sind, schwöre ich Ihnen ewigen Zorn!" lachte Henning in fröhlichster Laune
lieber Rittmeister," schmunzelte diese, „dazu ist Herz viel, viel zu gut!"
«Mein Herz, Hannah? Ein Herz habe rch überhaupt nicht!"
"AH roaV wehrte sich die alte Dame, „es schläft nur, nehmen Sie sich in Acht, lieber Reitersmann,
von der Belegschaft der Zechen „Hannibal" und „Hannover" bei Bochum an Seine Majestät gerichtet« Telegramm ist folgende Antwort eingelaufen: Neues Palais, Montag, 8. Dezember. Herrn Kleinhard zu Hordel. Den zu einer Gedächtnißfeier für ihren verewigten Chef versammelt gewesenen Belegschaften der Zechen „Hannover" und „Hannibal" spreche Ich Meinen Dank für das Gelöbniß der Treue und Hingebung aus. Ich vertraue der Ehrenhaftigkeit der deutschen Arbeiter, daß sie fortan jede Gemeinschaft mit den Leuten ab- brechen werden, welche durch schamlose Angriffe einen ehrenhaften deutschen Mann geopfert haben. Wilhelm. I. R. — An das Komits für die Gedächtnißfeier in der Germaniawerft bei Kiel ist nachstehende Antwort des Kaisers gelangt: Neues Palais, 8. Dezember, 12 Uhr 40 Minuten. Den zur Gedächtnißfeier versammelt gewesenen Beamten und Arbeitern der Friedrich Kruppschen Germaniawerft danke ich herzlich für den Ausdruck des Dankes für Meine Antheilnahme an dem Dahinscheiden ihres Chefs. In dem durch ehrlose Angriffe dahingeopferten Herrn Krupp habe ich sowohl den seltenen Mann, wie einen treuen Freund betrauert. Wilhelm. I. R.
Im Reichstage haben die Verhandlungen über die Zolltarifvorlage infolge eines katholischen Feiertages eine kurze Unterbrechung erfahren ; man darf aber mit Sicherheit annehmen, daß in der laufenden Woche die Fortsetzung der Durchberathung des Entwurfs mit allem Eifer und aller Energie gefördert werden wird. So wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach ermöglichen lassen, das Ende der zweiten Lesung noch vor Beginn der Weihnachtsferien herbeizuführen und in den ersten Tagen des neuen Jahres durch den Abschluß der dritten Lesung die Regierungsvorlage mit den in der Kommissionsberathung hsrbeigssührten Umgestaltungen als erhaltenen Gesetz zu verabschieden. Daß damit der nachgerade unerträglich gewordenen Spannung aus allen Wirthschaftsgebieten ein Ende gemacht werden wird, ist ebenso sicher wie erfreulich im Interesse der Wiederbelebung unserer Industrie und unserer ge- sammten Erwerbs- und Lebensverhältnisse. Zwar wird von Seiten der Regierung das Mögliche gethan, um die nothleidenden und von der Ungunst der gegenwärtigen Lage am meisten getroffenen industriellen Unternehmer und Arbeiter zu unterstützen, wie es jetzt wieder durch die beschleunigte und verallgemeinerte
wenn's aber mal aufwacht, — dann giebt'« Funken; ich kenne die Lenkaus. Bei den Menschen, die meinen, daß sie kein Herz haben, hat es nur am rechten Schlüssel gefehlt, um so eine kleine Thür zu dem verschlossnen Ding zu öffnen! Hüten Sie sich, ist die mal erst offen, schließt sie keine Macht der Erde wieder, und dann giebt'« entweder ein großes Glück oder ein langes Leid — Gott gebe Ihnen das erstere!"
Sie schwieg, der Graf sah sie gedankenvoll an.
„Hannah hat recht," sagte er, mit dem Kopfe nickend, „dein Herz schläft, — Gott gebe ihm ein seliges Erwachen!"
Henning faßte die kleine Dame scherzend um die Schultern: „Hannah, Sie sind nicht besser als alle Frauenzimmer, i ch frage nach meinen Leibgerichten, und S i e finden doch wahrhaftig einen Weg, um aufs Herz und was dazu gehört zu kommen. Läßt mich mit dem Dinge in Ruhe, mein Abendbrot soll mir heute auch mit verschlossnem Herzen ausgezeichnet schmecken!"
Bei fröhlichem Geplauder saßen die drei und freuten sich aus Herzensgrund des Beisammenseins.
Auch der Rest des Urlaubs verging nur zu schnell; die Geschwister waren nicht gekommen, da Krankheit der Kinder sie daheim zu bleiben nöthigte.
So genoß der Onkel in ungetheilter Freude die Anwesenheit seines Jungen und sah ihn, wie stets, be. kümmert nach vierzehn Tagen wieder scheiden.
* . *
*
Bolting holte Lenkau von der Bahn, worüber dieser sehr gerührt schien.
Verlegung eines verstärkten Eisenbahnoberbaues geschehen ist ; aber es herrscht doch darüber nur eine Stimme, daß das Wiedereintreten normaler Zustände auf industriellem und kommerziellem Gebiete nicht eher zu erwarten ist, als bis das Zolltarif- gesetz verabschiedet ist und damit diejenige Stabilität im Handel und Wandel geschaffen ist, die allein eine weitsichtige und erfolgreiche Geschäftsführung ermöglicht. Weit zwingender aber noch als die Rücksicht auf die materiellen Interessen weitester Volkskreise hat die Erkenntniß, daß gegenüber der sozialdemokratischen Gefahr hohe ideale Güter, Ordnung und Recht, auf dem Spiele stehen, die Mehrheitsparteien zu nachdrücklichster Betonung ihrer ausschlaggebenden Stellung veranlaßt. Lange Jahre hindurch hat man die Sozial- demokratie sozusagen ungestört schalten und walten lassen, der schöne Kinderglaube, daß die angebliche deutsche Arbeiterpartei sich zu einem staatserhaltenden Element, zu einem an den gemeinsamen Aufgaben des Staats und Volkslebens theilnehmenden Faktor sich durchmausern werde, hatte thatsächlich in weiten Kreisen Anklang gefunden, und, abgesehen von einigen ausländischen Vertretern des Anarchismus gezollten Beifallsäußerungen, die Herkunft und Herd der sozialistischen Absichten in einem unzweideutigen Lichte erscheinen ließen, verstanden es die Führer der Genossen die Ruhe und Sorglosigkeit der bürgerlichen Parteien nicht zu stören, vielmehr die Gut- und Leichtgläubigen in dem Wahne zu erhalten, daß die sozialdemokratische Bewegung durchaus in den Lebensverhältnissen weiter Volkskreise begründet und aus ihr herausgewachsen sei, daß man also mit dem Vordringen dieser Partei auf allen Gebieten des Wirthschastslebens, mit dem wachsenden T e r r o r i s m u s der Führer als mit natürlichen Erscheinungen zu rechnen habe. Nachdem aber die sozialdemokratischen Abgeordneten den Sitzungssaal des deutschen Reichstages zum ' Tummelplatz ihrer aufhetzenden Be- strebungen, zur Schaubühne ihrer staatsfeindlichen Absichten gemacht haben, nachdem sie sich nicht entblödet haben, rücksichtslos ihre antinationalen Pläne nicht nur kundzugeben, sondern als Vertreter des deutschen Volkes, die sie doch sein sollten, zur That werden zu lassen, nachdem dem wüsten Klassen haß, den das Centralorgan der Parteien unermüdlich predigt und als erste Bedingung eines echten Sozialisten fordert, in
„Wir haben heute eine interessante Jagd geritten, schade, daß Sie nicht dabei waren; Branden machte seine Sache als Master gut, die Gräfin immer dicht hinter ihm! — Reiten kann sie wirklich! —Uebrigens, ! Branden ist viel beim General, die schöne Tochter thut da wohl das ihrige !"
So in diesem Tone erzählte er, bis sie an Lenkaus Wohnung angekommen waren, wo sie sich trennten.
Lenkau ging sogleich in den Stall, den er zu seinem Erstaunen offen fand. Mit leichtem Schritt trat er ein und schloß die Thür. In dem Halbdunkel gewahrte er plötzlich eine Gestalt, die bei seinem Schimmel stand und sich bei dem Geräusch schnell umwandte. Als er näher trat, erkannte er Rita, die über und über erröthend jetzt dicht vor ihm stand; in der linken Hand hielt sie einige Stückchen Zucker und legte soeben aus der rechten schnell eins in die linke zurück, wie ein erschrockenes Kind, das man bei irgend einer Thorheit ertappt hat.
„Verzeihen Sie," stotterte sie, „ich glaubte, Sie kämen erst morgen zurück!"
„Und in diesen vierzehn Tagen verwöhnen Sie mir die Gäule mit Zucker," klang es halb scherzend zurück, und dabei blitzten seine Augen.
„Ihr Heinrich meinte, Sie würden nicht böse sein," sagte sie kleinlaut, „und der Schimmel hat es mir an« gethan!"
„So—," sagte er gedehnt. Er stand vor ihr; sie konnte nicht vorbei, wie sie gern gewollt hätte, er sah sie unverwandt an, und sie fühlte, daß sie ihrer Befangenheit nicht Herr werden konnte.