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1 Sr. 149. Donnerstag ben 18. Iezemkr 1912.

Amtlicher Theil.

| Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung der Zwanzigpfennigstücke j aus Nickel vom 16 Oktober 1902.

' 4 . Auf Grund des Artikel III Absatz 2 des Gesetzes, betreffend Aenderungen im Münzwesen, vom 1. Juni | 1900 (ReichS-Gef.-Bl. S. 250) hat der Bundesrath die nachfolgenden Bestimmungen getroffen:

§ 1. Die Zwanzigpfennigstücke aus Nickel gelten vom I. Januar 1903 ab nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel. Von diesem Zeitpunkt ab ist außer den mit der Einlösung beauftragten Kassen Niemand veipflichtet, diese Münzen in Zahlung zu nehmen.

§ 2. Die Zwanzigpfennigstücke auS Nickel werden bis zum 31. Dezember 1903 bei den Reichs- und LandeS- kaffen zu ihrem gesetzlichen Werthe sowohl in Zahlung als auch zur Umwechslung angenommen.

§ 3. Die Verpflichtung zur Annahme und zum Um­tausche (§ 2) findet auf durchlöcherte und anders als durch den gewöhnlichen Umlauf im Gewichte verringerte sowie aus verfälschte Münzstücke keine Anwendung.

Berlin, den 16. Oktober 1902.

Der Reichskanzler.

In Vertretung:

gez: Freiherr von T h i e l m a n n.

Hersseld, den 10. Dezember 1902.

Der Herr Oberpräsioent hat durch Erlaß vom 21. v. Mlö. Nr. 10652 dem Magistrate zu Fulda die Ge­nehmigung zu der am 18. März 1903 beabsichtigten Pserdemarkt-Verlosung ertheilt.

Es gelangen 14 000 Loose zu 1 Mark zur Ausgabe, deren Vertrieb auf die Kreise Fulda, Gelnhausen, GerS- selb, Hünseld, Schlüchtern, Hersseld, Rotenburg, Esch- wege, Hanau (Stadt und Land) beschränkt ist. Die 308 Gewinne im Gesammtwerthevon ca. 8466,70 Mk. bestehen in landwirthschastlichen Gerüchen und dergl. sowie einigen Pferden mit Wagen.

Die Polizeibehörden des Kreises setze ich hiervon mit dem Ersuchen in Kenntniß, dem Vertrieb fraglicher Loose nicht hinderlich sein zu wollen.

II. 7826. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz Geheimer Regierungs-Nath,

Henning Senf au.

Von Hans von Heckethusen.

(Fortsetzung.)

Der Zufall war ihm schon am Nachmittag günstig; auf dem Wege ins Kasino sah er" in der großen Allee den General und seinen Gast ihm entgegen kommen. Seine scharfen Augen sagten ihm schon aus einiger Entfernung, daß er in der Person des Herrn von Czerski zweifellos seinen einstigerp-Quarliergeber zu suchen habe, und als der ihn freundlich begrüßende General eine Vorstellung begann, bemerkte er formest :Ich habe bereits aus dem vorigen Manöver die Ehre!"

Der Baron stutzte, und sein Blick wurde unsicher, dann sagte er im lauten Tone und etwas forciert: »Pardon, aber ich glaube, Sie irren, Sie haben meinen verheiratheten Vetter gemeint; wir sehen uns außer­ordentlich ähnlich!"

»Ich habe in Zarendowo am 25. August vorigen Jahres im Quartier gelegen," bemerkte Lenkau ruhig und sah sein Gegenüber fest an.

Der Baron streifte ihn mit einem halben Blick und envrderte, sich an Den General wendend:Ganz recht, ich war zu jener Zeit aus Reisen und hatte meinen machen i^^"' der Einquartierung die Honneurs zu

In diesem Augenblick rasselte das Geführt von Bvlting vorbei, der die zusammenstehenden Herren grüßte und verwundert musterte.

Hersseld, den 15. Dezember 1902.

Das Verzeichniß der nach § 1 der Wahlordnung für die Handwerkskammer zu Cassel vom 17. August 1899 (Amtsblatt S. 226) wahlberechtigten Handwerker- Innungen rc. liegt vom Mittwoch den 17. d. M t s. ab a ch t T a g e lang zur Einsicht der Betheiligtsn im Geschäftslokal des Königlichen Landrathsamtes während der Dienststunden offen.

Etwaige Beschwerden über die Aufstellung dieses Verzeichnisses sind b i n n e n 14 Tagen dahier an- zubringen.

I. 7899. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 15. Dezember 1902.

Die Erledigung der diesseitigen Verfügung

1. vom 16. März 1878, Nr. 904, Kreisblatt Nr. 23, Revision der Maaße, Waagen und Gewichte be­treffend,

2. vom 14. November 1901, J I. Nr. 6349, Kreisblatt Nr. 136, Einsendung der gewerblichen Katasterblätter an die Königliche Gewerbe-Juspektion zu Eschwege betreffend, wird hierdurch mit F r i st bis z u m 22. d s. M t s. in Erinnerung gebracht.

Gegen etwaige an diesem Termine noch säumige Herren Bürgermeister wird eine Ordnungsstrafe von je 3 Mark festgesetzt werden.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs Rath.

Gefunden : ein Pappschachtel mit Inhalt. Meldung des Eigenthümers bei dem OrtSvorstand zu Schenksolz.

Nichtamtlicher Theil.

Der neue Zolltarif ist im Reichstage in dritter Lesung fertiggestellt worden. Nach den Erklärungen, welche der Reichskanzler in dieser Lesung abgegeben hat, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die verbündeten Regierungen den Reichstagsbeschlüssen ihre Zustimmung geben werden. Es darf also damit

Lenkau empfahl sich. Als er sich eben darüber klar geworden, daß durch Ableugnung seiner Bekanntschaft irgend ein Verdacht gegen den Baron Platz gegriffen habe, den er gewissermaßen instinktiv empfand, hörte er hinter sich seinen Namen rufen und gewahrte Branden, der sich ihm zum Weg ins Kasino anschloß.

Vor ihm verschwand soeben um eine Straßenecke der Wagen mit Bolting, der es bequemer fand, zu fahren.

Schade," bemerkte jetzt Branden,Bolting wird immer fauler!"

Da Lenkau hierauf nicht antwortete, fuhr er etwas überhebend fort:Ich halte es wirklich für bedauerns- werth, wie sehr er sich in seinen Junggesellen-Allüren verbiestert; wenn man ihn mal in seiner Klause auf- sucht, so sitzt er im Schlafrock und Pantoffeln, die Cigarettenkiste neben sich; die Hunde kugeln sich auf deu Möbeln herum, und die Fenster läßt er, glaube ich, nur alle drei Tage öffnen."

Lenkau schwieg noch immer, überflog nur mit einem mißfallenden Blick die überelegante, allerdings sehr schöne Erscheinung Brandens, der allen jungen Herren als ein Muster in Toilettenfragen und Eleganz galt.

Nun, fragte dieser ein wenig gereizt,dagegen können doch auch selbst Sie, als sein Freund, nicht blind fein ?"

Nein," war die ruhige Antwort,ich glaube, kleine oder" große Schwächen haben wir alle! Ich weiß das Eine aber ganz genau, daß diese brave Seele, trotz der von Ihnen vorhin erwähnten Faulheit, keine Strapaze

gerechnet werden, daß die Waffe für den Kampf um die neuen Handelsverträge in möglichst guter Verfassung vorhanden sein wird. Bei jedem Zolltarif wird eine Menge berechtigter Wünsche nicht befriedigt, bei dem jetzigen ist dies in besonders hohem Maße der Fall, und es ist als ganz gewiß anzunehmen, daß die ver­bündeten Regierungen den verschiedensten Reichstags- beschlössen nur unter der Voraussetzung ihre Zustimmung gegeben haben, daß durch eine Novelle oder durch die Tarife in den Handelsverträgen oder durch beides Aenderungen vollzogen werden sollen. Die Regierungen haben es ja in der Hand, auf der Durchführung dieser Aenderungen zu bestehen, weil sie nach dem Tarifgesetze die Vollmacht haben, den Beginn des Jnslebentretens des neuen Zolltarifs zu bestimmen. Aber wie nun auch der neue Tarif in feinen Einzelheiten ausgefallen ist, es darf von seiner Feststellung zunächst eine Minderung der auf dem Geschäftsleben ruhenden Unsicherheit er­wartet werden; eine Beseitigung derselben wird erst eintreten, wenn man zum Abschluß neuer Handelsver­träge gelangt sein wird. Es läßt sich doch nicht ver­kennen, daß gerade die Zeit wirthschaftlicher Depression, die seit ein paar Jahren vorhanden ist, durch die Un­gewißheit über die zoll- und handelspolitische Zukunft noch weiter verschlechtert wurde. Diese unangenehme Situation wenigstens wird nun beseitigt sein. Vor allen Dingen aber hat die Annahme der Zolltarifvorlage durch den Reichstag eine hohe politische Bedeutung. Die Sozialdemokratie hatte sich in allen Auslaffungen der letzten Zeit als Herrin der politischen Situation aufgespielt. Auf dem Münchener Parteitage benahmen sich die sozialdemokratischen Führer, als kommandirten sie im Reichstage. Sie verhöhnten diesen gesetzgebenden Faktor geradezu, indem sie sich brüsteten, mittels ge- schästsordnungsmäßiger Kniffe das Zustandekommen des Gesetzes verhindern zu wollen. Ueberall, wo sonst die Herren Bebel und Konsorten austraten, führten sie eine Sprache, die darauf schließen lassen mußte, daß das deutsche Reich, mindestens die Gesetzgebung desselben von der Sozialdemokratie abhängig geworden sei. Mit dieser Legende haben die Fertigstellung des Zolltarifs und die dabei in die Erscheinung getretenen Vorgänge gründlichst aufgeräumt. Es ist den Herren Sozial- demokraten gezeigt, daß sie lediglich an Großmannssucht litten, als sie in München, Hamburg u. s. w. ihre kühnen Behauptungen von der Niederzwingung des

oder Mühe kennen und scheuen würde, wenn es gälte einem Kameraden zu helfen oder ihm zu nützen!"

Branden war roth geworden:Ich verstehe Ihren Tadel, aber nehmen Sie's nicht übel, lieber Lenkau, in meinen Jahren hat man seine eigne Auffassung die Ihre ist doch wohl mehr Gefühlssache!"

Mag sein," entgegnete dieser und zuckte die Achseln.

* * *

Bolting und Lenkau gingen am Abend früher heim als sonst; ersterer war riesig gut gelaunt und schwatzte wie ein Büchlein. Es war eine schwache Seite an dem gutherzigen Menschen, sich für den sogenannten kleinen Klatsch lebhaft zu interessieren; er wußte alles und hörte alles, obwohl er nicht gerade selber klatschte; aber es machte ihm Spaß, irgend eine kleine niedliche Skandalgeschichte zu hören und sie bei guter Stunde seinem lieben Lenkau zu versetzen, der zu Boltings Schmerz aber nie die rechte Andacht dazu hatte und seine prächtigen Erzählungen immer wieder vergaß.

Die heitere, sorglose' Stimmung des guten Kerls hatte aber auf Lenkau immer eine erwärmende Wirkung, und so klang es beinah lebhaft, als er jetzt, indam er den rundlichen Herrn unter den Arm faßte, die Frage that:Erinnern Sie sich, Bolting, daß wir beide mit unsern Schwadronen im vorigen Manöver auf einem Schloß Zarendowo im Quartier lagen?"

Na natürlich!" sagte Bolting lachend.

Warum lachen Sie?"

Na wissen Sie denn nicht, das war ja die famose Wirthschaft, aus der keiner klug werden konnte!"