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Natürlich Gedichte! Fräulein H. hat be-
reits das Glück gehabt, Ihrer königlichen Hoheit einundzwanzig Wiegenlieder, gewidmet den Priu-
N o m a N von
Fischer-Sallstein.
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zum
in Hestenbeck, Privatsekretär Ihrer königlichen Hoheit der Frau Erbgroßherzogin, sitzt auf seinem Hocker, mit dem ' Rücken an dem gro- ßeu Schreib- und Schrifteutisch, der mit allen möglichen Eingaben an die zukünftige Landesherrin wahrhaft überflutet ist, angelernt, den Kopf etwas nach hinten über- gebeugt, die Beine übereinander geschlagen und blickt nach dem halb offen stehenden Arbeitskabi- uett der hohen Dame hinüber.
Am liebsten möchte der Herr Privatsekretär Ihre königliche Hoheit gebeten haben, ihn in Rücksicht auf seinen heutigen Ritt durch die Sonnenglut nach dem Jagdschloß Dianenburg hinaus, in Rücksicht auf die stattliche Reihe mit steigender Lust geleerter Flaschen Champagner — ein
prickelnder Satan, der nun nach- wirkt — allergnädigst auf den
I
Schrägen schlüpfen zu lassen.
Die Stellung, die von Hestenbeck auf seinem Hocker einnimmt, ist nach mehr als einer Richtung hin wagehalsig zu nennen.
Doch was kümmert ihn das? Müde und verstimmt sinnt er darüber nach, welche wichtige Stelle in ihrem Manuskript die hohe Dame heut wohl bis tief in die Nacht hinein zu bearbeiten habe? Ach, die Philosophie — ein Kraut, das er nicht züchten möchte — wie aber kommt die Tochter der Königin von England zu solchen Neigungen?
Von Hestenbeck steht da wieder
einmal vor
einem Rätsel; aber er macht es wie mit den andern — er geht vorüber. Nüsse, die ihm zu hart sind, mag ein andrer knacken.
Er zieht seine Uhr — es ist neun. Wenn er nur Ihrer königlichen Hoheit schon Vortrag gehalten hätte! Die Liste der gestrigen Eingänge liegt noch des großen Augenblicks
gewärtig neben ihm. Und wer weiß, ob es heut noch zum Vortrag kommt — das hängt alles davon ab, ob die philosophischen Anwandlungen Ihrer königlichen Hoheit gefälligst die Höflichkeit haben wollten, sich bald — zu drücken oder — die Sache könnte wirklich tröst- los werden, denn ihn, fallen nun schon fast die Augen zu.
Er nimmt die Liste der Eingänge von gestern zur Hand, gleichsam als Waffe gegen
den mohnumkränzten Gott, der ihn zu überrumpeln droht.
Da ist Nummer eins: Eine Vereinigung gelehrter Patrioten der ehemaligen Freienreichsstadt W. — an ihrer Spitze der Herr Bürgermeister — weiche in einer mit peinlicher Sorgfalt ausgeführten Eingabe der hohen Dame die aufregende Mitteilung machen, daß ein
litterarischer Querkopf eine alte Urkunde aus- gegraben habe, au deren Hand er den Beweis führen will, daß der große Reformator Martin Luther niemals in W. gewesen sei u. s. w. Die Herren wollen nun unterthänigst erfahren, welche Stellung die Frau Erbgroßherzogin dem besagten Querkopf gegenüber--.
Von Hestenbeck lachte und stieg auf Nummer zwei herunter:
Wollstoff, schlafenden
zen und Prinzessinnen des kron- prinzlichen Hauses, einzusenden, sendet nun anbei das zweiundzwanzigste, und hofft nächstens so glücklich zu sein, weitere poetische Gaben einreichen zu können.
Nummer drei: Eine brave, biedere Bürgersfrau wünscht unterthänigst zu wissen, ob es Verordnung wäre, daß die Frau Erbgroßherzogin bei dem siebenten Mädchen die Patenstelle übernehmen müßte?
Der Privatsekretär läßt die Liste auf dcu Schoß sinken: von dieser Lektüre hat er genug. Er schließt die Augen und denkt zurück an die heut verlebten fröhlichen Stunden auf der Dianen- burg. Olga von West sah gut aus auf ihrem neuen Reitpferd. — Görz hat gesungen, aber wie?
— Das dürre Lachen des von Zanken gellt ihm immer noch in den Ohren. Der Erbgroßherzog ruft ihm ein paar fröhliche Worte zu, aber er verstand sie nickt recht 4- und jetzt ist von Hestenbeck emgeschlafen.
Unangenehm! Gerade jetzt geht die Thür auf und eine stattliche Dame mit feinem, durchgeistigtem Gesicht, etwas Gereiftes, Geprüftes in ihrem Wesen, ein sinnender Ernst auf der Stirn, tritt ins Gemach.
Sie trägt eine sogenannte Prinzessinnenrobe aus dunklen. Mit Erstaunen blickt sie nach dem von Hestenbeck hinüber, lächelt ein
wenig und zieht sich leise wieder zurück.
Es ist ein reizendes, anheimelndes Gemach, in das sich die Dame zurückgezogen. — Ihr Blick fällt auf den Schreibtisch, au dem sie ein paar Stunden hindurch gearbeitet. ES scheint, als ob sie abermals zur Feder