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HerWer Kreisb latt.
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TmcrfiW Im 8. Januar
1983.
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„Wustrirtes Sonntagsblatt" und „Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das erste Quartal 1903 werden noch von allen kaiserlichen Poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 6. Januar 1903.
In Gemäßheit des § 25 und 45 der Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche
1. in dem Zeitraum vom 1. Januar 1883 bis einschließlich 31. Dezember 1883 geboren sind,
2. dieses Alter bereits überschritten, aber sich noch nicht vor einer Ersatz-Behörde zur Musterung bezwse. Aushebung gestellt,
3. sich zwar gestellt, aber über ihr Militärverhält- uisz noch keine feste Bestimmung erhalten haben, sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. J. zur Nckrutirungs-Stammrolle zu melden und dabei die über ihr Alter sprechenden sowie die etwaigen sonstigen Atteste, welche bereits er- gangene Bestimmungen über ihr Militärverhältniß enthalten, mit zur Stelle zu bringen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Gutsvorsteher des Kreises haben demgemäß im laufenden Monate folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise wiederholt zu erlassen.
„Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit von: 15. Januar bis 1. Februar d. Js. bei dem Ortsvorstaude seines Wohnortes zur Rekrutirungs- Stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Für solche Militärpflichtige, welche, ohne an einem anderen Orte im Deutsche:: Reiche einen
Mignon.
Novellette von Elfe K r a f s t.
(Fortsetzung.)
Hastig trat ihm die junge Frau entgegen.
„Wie gut, daß du kommst! Bubi ist krank, er fiebert, scheint sich im Schnee erkältet zu haben."
Willi folgte der Schwester an das Bett des Kleinen, suhlte seinen Puls und beruhigte die ängstliche Mutter.
„S'st nur ein leichter Influenza-Anfall. Ein paar Tage im Bett, sorgsam den Raum vor Zugluft hüten, und der Junge ist wieder kreuzfidel."
Frau Erna athmete auf. Sie plauderte und scherzte wieder und saß mit verschränkten Armen neben dem Bruder im Speisezimmer.
„Weißt du, ich bab' Pech, Willi," meinte sie bedauernd. Immer, wenn ich mich auf irgend etwas so recht freue, macht mir der Junge einen Strich durch die Rechnung. Neulich, als das große Diner bei Baumeisters war, kriegt Bubi die Masern, und heute wieder diese dumme Influenza."
Willi blies behaglich den Rauch von seines Schwagers Cigarre durch die Lust.
dauernden Aufenthaltsort zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile."
Die sodann genau nach der Instruktion des Herrn Ober-Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt pro 1876, Seite 109 und 110) auszustellenden Rekrutierungs- stammrollen pro 1883 sind mir nebst den bei den Anmeldungen zur Stammrolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten rc. und den beiden Rekrutirungs- stammrollen der Jahre 1881 und 1882 bis spätestens zum 5. Februar d. J. unter der Bezeichnung „Militaria“ einzureichen.
Bei Anfertigung der neuen Listen ist insbesondere noch Folgendes zu beachten.
Die Einträge sind, wie in § 46 2 der W. O. vorgeschrieben, genau in alphabetischer Reihenfolge zu machen. Sollten Militärpflichtige inzwischen verstorben sein, so bedarf es der Aufnahme in die Rekrutirungs-Stammrolle nicht, wenn hierüber eine Sterbeurlunde des zuständigen Standesbeamten beigefügt wird.
Zugleich spreche ich die bestimmte Erwartung aus, daß die Stammrollen sauber aufgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig ansgefüllt werden, insbesondere ist anzugeben, ob die Eltern des Militärpflichtigen noch leben oder nicht und muß der Stand des Letzteren sowie des Vaters desselben bezeichnet werden. (Die mit diesseitiger Verfügung vom 29. Januar 1902 J. II. Nr. 247, im Kreisblatt Nr. 13, veröffentlichte Anweisung ist genau zu beachten.) Bei Militärpflichtigen, welche nicht im diesseitigen Kreise geboren sind, ist außer dem Geburtsort, auch der Kreis, zu welchem derselbe gehört, anzugeben. Etwaige Bestrafungen sind unter Bemerkungen einzutragen. Zweifelhafte Eintragungen dürfen nicht gemacht werden, sondern die betreffende Spalte ist alsdann überhaupt nicht anszufüllen.
Ferner haben die Herren Ortsvorstände pp. des Kreises die in ihren Gemeinden sich aufhaltenden, zum einjährig- freiwilligen Dienst berechtigten Militärpflichtigen, welche in das militärpflichtige Alter eintreten, bezwse. eingetreten sind, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben, resp, von der Aushebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerksam zu machen, daß sie in Gemäßheit des § 93 pos. 2 der Wehrordnung sich bei der Ersatz- Kommission ihres Gestellungsortes schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.
I. I. Nr. 11. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rath
„Aber was ist denn schon wieder los, Erna?"
Die hübsche Frau verzog die Lippen.
„Na, das weißt du doch, Willi. Das Künstlerinnen- fest morgen in der Philharmonie. Fräulein Elfe Schmidt, eine befreundete Malerin von mir, ist im Vorstand. Es wird großartig, sag' ich dir, großartig! Das Billet ä zehn Mark auf meinen Namen, Kostüm als Italienerin, alles, alles ist besorgt, und nun wird mir der Junge krank. Oder meinst du, es ist nicht so schlimm, daß ich durchaus anS Haus gebunden wäre?"
Willi wurde abwechselnd blaß und roth.
„Doch, — doch!" sagte er hastig. „Das heißt, wenns auch nichts Gefährliches ist, — aber fort darfst du als Mutter keinesfalls.
„Na siehst du," seufzte Erna. „Und ich hatte mich schon so darauf gefreut! Ganz zwanglos, ohne jeden Herrn, — köstlich muß das sein.
Willi wurde immer unruhiger.
„Ja, ja, — aber," — er stotterte und ließ seine Cigarre auSgehen.
Die Hausfrau lachte.
„Machst ja ein riesig geistreiches Gesicht! Das muß ich dir lassen, Bruderherz! Paßt dir wohl auch nicht,
Hersfeld, den 5. Januar 1903.
Im Monat Dezember 1902 sind dahier für die nachbezeichneten Herren Jagdscheine ausgestellt worden:
A. Jahresjagdschetue:
a. entgeltliche:
am 1/12. für Gutsbesitzer Adolf Reinhard in Unter» weisenborn,
„ „ „ Stationsvorsteher a. D. Hirt in Hersfeld, „ 2/12. „ Rentier Johannes Harnickel daselbst,
„ 5/12. „ Hauptmann Erxleben daselbst,
„ „ „ Gutsbesitzer Hellmuth Rechlin zu Hof Hälgans,
„ 6/12. „ Kaufmann Ludolf Schuchard in Niederaula, „ 10/12. „ Schneider JohannesRosenthal in Ransbach, „ „ „ Verwalter Johannes Bock in Hattenbach, „ 12/12. „ Gastwirlh Peter Mosebach in Ausbach,
,, „ „ Oekonom August Hoßbach zu Hof Weisenborn, „ „ „ GerichtSafsefsor Carl Nöll in Marburg,
„ 22/12, „ Oberlandmesser Breitung in Hersfeld, „ 23/12. „ RegierungS-Assessor Heß daselbst,
„ „ „ Landwirth Heinrich Burghard Rüger in Unterweisenborn,
„ 24/12. „ GutSpächter W. Hold in Kirchheim,
„ 27/12. „ Maschinenführer Justus Göbel in Wüstfeld.
b. unentgeltliche.
„ 2/12. „ Forstaufseher Schier in Ausbach,
„ „ „ Hilfsjäger Kranz in Philippsthal,
„ 3/12. „ Förster Kurth zu Forsthaus Bengendorf, „ 8/12. „ Forstaufseher Rüthnick in Kirchheim,
„ 9/12. „ Forstmeister Jordan in Hersfeld,
„ 17/12. „ von Baumbach'schen Unterförster Johannes Kegelmann in Frielingen,
„ 31/12. „ Förster Sippel in Friedlos.
B. Tagesjagdscheiue:
„ 1/12. „ Arnold Rechberg in Hersfeld,
„ 6/12. „ Landmesser Reinhold Köhler daselbst,
„ 22/12. „ Landwirth Walther Rüger in Unterweisenborn,
„ 29/12. „ Carl Reinhard daselbst.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 7. Januar 1903.
Die Erledigung meiner Verfügung vom 23. April 1896, I. 2340, Kreisblatt Nr. 51, Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen betreffend, wird hierdurch mit Frist bis zum 12. d. M. in Erinnerung gebracht. Gegen etwaige an diesem Termine noch säumige Herren Bürgermeister wird eine Ordnungsstrafe von je 3 M k. festgesetzt werden.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
daß wir Frauen in dieser selbständigen Weise unser6 Feste feiern. Bist wohl auch so ein mißgünstiger Egoist wie Heinz, der einfach erklärt hat, daß ohne e u e r Geschlecht überhaupt kein Vergnügen denkbar sei?''
Willi richtete sich empor. Unwillkürlich flog sein Blick in den kleinen Spiegel drüben am Erker.
Dunkellockiges Haar über mädchenhaft weißer Haut, ein paar braune, lustige Augen über der seinen Nase, und ein seidenweicher Schnurrbart darunter.
Mit einem Ruck sprang der Arzt vom Stuhle.
„Erna, du kommst mir wie von Gott gerufen mit deiner Entsagung. Du mußt mir helfen, Schwesterlein."
„Ich verstehe dich nicht, Willi."
Er rieb sich die Hände wie ein vergnügter Schuljunge, der im Begriff steht, einen tollen Streich zu begehen.
„Du gibst mir dein Billet und dein Kostüm zum Künstlerinnenfest. Das hab' ich schon immer mal mitmachen wollen. Hahn im Korbe, — weißt du!"
Sie lachte. Halb spöttisch, halb belustigt.
„Bist verdreht, Junge! Denkst wohl, das geht so ohne weiteres. Auch nicht ein einziger Herr, und wärs der schönste, mächtigste und reichste, wird zu diesem Feste