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HerWer Kreisblatt.

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Erstes Blatt.

Bestellungen

auf das

Hersselder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen

Mustrirtes Somitagsblatt" m» Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für Die Monate Februar und März werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträaern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 29. Januar 1903.

Die Mitglieder desZweig-Vereins v o m roten Kreuz" werden hierdurch anf

Montag den 16. Februar er.,

Nachmittags 4 Uhr, in das Sitzungszimmer des Königlichen Landratsamtes da- hier zu einer Generalversammlung eingeladen.

T a g e s o r d n u n g.

1. Rechnungsablage,

2. Beschluß über die Verwendung der Vereinsmittel und die Tätigkeit des Vereins im Falle einer Mo­bilmachung,

3. Besprechung über Vereinsangelegenheiten im Allge­meinen.

Etwaige Anträge bezüglich sonstiger zur Beratung zu bringenden Gegenstände müssen spätestens Tags zuvor bei dem Unterzeichneten schriftlich eingereicht werden.

Der Vorsitzende Freiherr von S ch l e i u i tz.

Nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

Der 2 7. Januar ist überall, wo deutsche Herzen schlagen, festlich begangen worden. Verstummt war der Tagesstreit. Unbekümmert um sonstige Gegensätze reichten sich die Parteien, die deutschen Stämme die Hand mit der Versicherung, einig zu sein und zu bleiben in der Treue gegen den Kaiser und der Hingebung an das Reich. Gerade am Geburtstage des Kaisers tritt das Gefühl der Zusammengehörigkeit von Nord und Süd, von Ost und West in den Vordergrund, und so haben denn wieder eine Reihe von Bundesfürsten der Feier am Hofe durch ihre persönliche Teilnahme einen größeren Glanz verliehen. Der Gedanke der Einheit des großen deutschen Vaterlandes ist auch von dem bayerischen Thronfolger, dem Prinzen Ludwig, in einer begeisterten Rede auf den Kaiser zum Ausdruck gebracht worden. Unsre guten Freunde im Auslande, die von Zeit zu Zeit von Mißverständnissen zwischen Preußen und Bayern berichten und 'aus Grund ihrer erfundenen Meldungen einen Zerfall des Reiche« verkünden, dürften sich nun wohl überzeugt haben, daß es hiermit noch gute Wege hat.

Auch unser Kronprinz nahm an der Geburts­tagsfeier feines kaiserlichen Vaters teil, nachdem er von feiner Erkältung, die ihn in Rußland befallen hatte, genesen war. Man hat im Zarenreiche die Unpäßlich­

keit des Kronprinzen lebhaft bedanert. Die freundliche Art des deutschen Thronerben hat ihm im Fluge die Herzen aller derer gewonnen, die ihm näher getreten sind. Allgemein hofft man, daß auch der Kronprinz trotz seiner Erkrankung sich überzeugen konnte, wie freudig man seinem Besuche entgegengesehen hatte und wie man allgemein bemüht war, ihm dies zu bekunden. Es ist lange her, daß man in der Gesellschaft und der ißreffe Rußlands so warme Töne für Deutschland und sein Kaiserhaus gefunden und sie in dem Wunsch aus­gedrückt hat, daß die guten und herzlichen Beziehungen zwischen den beiden Herrscherfamilien auch die politischen und wirtschaftlichen Bande zwischen den beiden mächtigen Nachbarvölkern festigen und zum Segen beider auszuge- stalten vermöchten.

Unser Streit mit Venezuela nähert sich seinem Ende. Die Blockade der venezolanischen Küste durch die drei verbündeten Mächte dürste demnächst aufge­hoben werden, nachdem Castro durch seinen Vertreter, Bowen, in Washington Garantieen für die Befriedigung gewisser Forderungen geleistet hat. Die Regelung der übrigen Ansprüche wird dem Schiedsgericht im Haag obliegen.

Vom marokkanischen Kriegsschauplatze sind wieder ernste Nachrichten eingegangen. Nachdem es eine zeitlang schien, als ob der gegenwärtige Inhaber der marokkanischen Staatsgewalt die Herrschaft behaupten würde, wird jetzt gemeldet, daß ein abermaliger Um­schwung zu Gunsten des Prätendenten Bu Amara drohe, und daß mit dem Uebergange der Stadt Fez in die Hände dieses Rebellen gerechnet werden müsse. Daß der als unmittelbar bevorstehend gemeldete Zusammenstoß zwischen den Truppen von Abdul Aziz und denen des Prätendenten eine entgiltige Entscheidung bringt, ist nur dann wahrscheinlich, wenn einer von beiden fällt, oder was gleichbedeutend wäre, in die Hände des Gegners geriete.

In diesen Tagen ist endlich der Vertrag unterzeichnet worden, durch welchen die Vereinigten Staaten auf 100 Jahre das Eigentumsrecht am P a n a m a k a n a l von Kolumbien erwerben. So ist denn alle Aussicht für den Bau des Panamakanals vorhanden, wenn man auch namentlich in amerikanischen Dingen immer wieder be- denken muß, daß zwischen Lipp' und Kelchesrand ein weiter Raum ist.

Politische Nachrichten.

Berlin, 29. Januar.

Se. Majestät der Kaiser hörte heute Morgen von 10 Uhr ab die Vorträge des Chefs des General­stabes und des Chefs des Militärkabinets, empfing um 12 Uhr zur Meldung den Ministerresidenten v. Saldern und um 12V4 Uhr den Wirklichen Geheimen Rat und Ministerialdirektor im Ministerium der öffentlichen Arbeiten Schröder.

Im Reichstag stand heute die Präsidentenwahl auf der Tagesordnung. Das Haus war stark besetzt. Der Vizepräsident Graf Stolberg teilte zunächst mit, daß Se. Majestät der Kaiser für die Glückwünsche des Reichs­tages zu seinem Geburtstage seinen Dank ausgesprochen habe. Das Resultat der Wahl war folgendes: Abge­geben wurden im Ganzen 285 Zettel; davon lauteten 195 auf den Namen des Grafen Ballestrem, 89 Zettel waren unbeschrieben, eine Stimme war auf den Abg. Ahlwardt gefallen. Der Vizepräsident kündigte an, daß er dem im Hause nicht anwesenden Abg. Grafen v. Ballestrem Mitteilung von diesem Ergebniß machen und ihn fragen werde, ob er die Wahl annimmt. Im weiteren Verlaufe der Sitzung erklärte Graf Ballestrem, der inzwischen erschien, daß er, gestützt auf das Vertrauen der Mehrheit des Hauses, mit tiefgefühltem Dank die Wahl annehme.

Auf Befehl der Inspektion der Jäger und Schützen ist eine Vorschrift über die Verwendung der K r i e g s h u n d e herausgegeben, die eine Anzahl

interessanter Mitteilungen enthält. Es wird zunächst bemerkt, daß die außerordentlichen Eigenschaften des Hundes, seine Gelehrigkeit und Wachsamkeit, die Schärfe gewisser Hunde, die Anhänglichkeit an den Menschen und seine Schnelligkeit ihn befähigen, für militärische Zwecke verwendet zu werden. Insbesondere ist der Hund im Aufklärungs- und Sicherheitsdienst, zum Ueberbringen von Meldungen vorgesandter Patrouillen, zur Unter­stützung der Posten, zur Aufrechterhaltung der Verbin­dung zwischen Posten und Feldwachen, sowie zwischen andern Teilen der Vorposten zu gebrauchen. Zur Aus­bildung für militärische Zwecke eignet sich in erster Linie der Airedale-Terrier. Die Versuche mit dem kurzhaarigen deutschen Hühnerhund werden bis auf Weiteres fortgesetzt. Mit Strenge soll darauf geachtet werden, daß nur ganz reinrassige Hunde von bekannter und guter Abstammung zur Verwendung kommen sollen, alles zweifelhafte Material soll ausgeschieden werden. Vom fertigen Kriegshunde soll verlangt werden, daß er die in dem Lehrgänge vor­geschriebene Stubendreffur gründlich durchgemacht hat und beherrscht, daß er Botengänge mit Sicherheit aus- führt, d. h. von vorgesandten Patrouillen zu den rück­wärtigen Abteilungen läuft und zu ersteren wieder zurück- kehrt, die Verbindungen zwischen stehenden Abteilungen und Posten innehält, daß er sich ablegen läßt, daß er wachsam ist und die Annäherung fremder Personen an Posten diesen bemerkbar macht. Bei jeder Kompagnie sollen mindestens zwei fertige Kriegshunde sein, im All­gemeinen soll aber die Zahl von zwölf Hunden pro Bataillon nicht überschritten werden.

Das Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Beratung des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung fort. Abg. Herold (Z.) bat um schnelleren Abschluß der Er­wägungen über die S ch l a ch t v i e h - B e r s i ch e r u n g , nach dem der Reichstag eine dahinzielende Resolution einstimmig und das Abgeordnetenhaus mit großer Mehrheit angenommen hatte. Ebenso wichtig sei bie' Neuregelung der Jagdver Pachtungsverhältnisse. Die Entschuldung scheitere daran, daß viele Grundstücke so schwer belastet seien, daß außer den Zinsen keine Amortisationsquote aufgebracht werden könne. Bor Allem sollte Wert auf den Ausbau der landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen gelegt werden. Der Landwirtschaftsetat weise zwar seit Jahren eine Steigerung der aufgewendeten Mittel auf, aber es fehle der große Zug. Das wäre eine dankenswerte Aufgabe für den Minister. Eine intensive Kultur gäbe die Möglichkeit, mehr Leute in der Landwirtschaft zu beschäftigen und ihnen höhere Löhne zu zahlen Redner wandte sich dann gegen den Abg. v. Wangenheim und den Bund der Landwirte, und bedauerte dessen unfreundliche Haltung gegenüber den Bauernvereinen. Zwei Drittel des Bundes, die verschiedenen Parteien angehören, Hütten für den Zolltarif gestimmt und nur ein Drittel dagegen. Diese Minder heit ächte aber die Mehrheit. Die Landwirtschaft hatte ein großes Interesse an dem Zustandekommen des Zolltarifs; wenn die Anträge v. Wangenheim angenommen worden wären, Hütte die Landwirtschaft garnicht» erhalten. Es sei sehr leicht, Anträge aus einen Zollsatz von 7,50 Mk. oder 10 Mk. zu stellen, aber sehr schwer, aus Grund eines Kompromisses etwas Positives zu Stande zu bringen. Es sei unverantwortlich, daß der Bund jetzt neue Erregung in die Landwirte hineintrage. Abg. Engelbrecht (frk.) be­sprach die Entschuldungsfrage und weiter die Höhe der Bieh- und Fleischpreise. Der Freisinn erweise durch seine Agitation den Bauern einen großen Dienst, indem er sie über den Nutzen der Viehhaltung aufklüre. Redner warnt zum Schluß noch vor einer zu großen Zollbelastung der Futtermittel. Abg. d ers-Gronau (frf.) schilderte die Schwierigkeiten der Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes, die mit dem Erbgang zusammenhingen, und weiter die Entvölkerung des platten Landes. Diese trage viel zum Niedergang der Land­wirtschaft bei. Die Wehrkraft Deutschlands siehe und falle mit der ländlichen Bevölkerung. Abg. Funck (Freis. Bp.) hieit einen hohen Zoll auf Quebrachoholz für ruinös für die Gerberei-Industrie. Bei einem 7 Mk.-Zoll sei es mit der deutschen Lederindustrie vorbei.

Wie aus Essen gemeldet wird, hat die Wittwe des verstorbenen Geheimrats Krupp an hie Angehörigen der Firma Friedrich Krupp folgende Bekannt­machung gerichtet:Mein verstorbener Mann hat in seinem Testament die Ueberzeugung niedergelegt, daß im Falle seines frühzeitigen Ablebens und beim Ueber- gang der Fabrik an einen minderjährigsu Erben fein Werk in der bisherigen Form nur unter Schwierigkeiten weitergeführt werden könnte. Er hat deshalb letztwillig den Wunsch ausgesprochen, in solchem Falle die Fabrik in die Form einer Aktiengesellschaft überzuführen. In