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Nr. 15.
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1903.
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auf das
Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Wustrirtes Sonntagsblatt"™» „Zllustrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen P>ostanstalten, tandbriefträaern und von der Expedition anaenomnien.
Amtlicher Teil.
Die Königlichen Beschäler werden laut Mitteilung des Königlichen Landgestütes Dillenburg am l. 4. F e b r u a r er. auf Station P h i l i p p s t h a l eintreffen.
Indem ich die Züchter sowie die Herren Bürgermeister im Kreise hiervon in Kenntniß setze, mache ich Letztere zugleich darauf aufmerksam, daß die Abfohlungsergelmisse in die ihnen seiner Zeit zugehenden Deckregister recht genau einzutragen und bis spätestens den 20. Juni an die betreffenden Stationswürter zurückzusenden sind.
Hersfeld, den 2. Februar 1903.
Der Königliche Landrat Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rat.
Homberg, den 28. Januar 1903.
Die unter den Schafheerden des Schäfers Heinrich Dippel und des Schäfers Johannes Keim zu Rabolds- hausen ausgebrochene Schafräude ist erloschen.
Der Landrat von Gehren.
An Hern Landrat zu Hersfeld * * Hersfeld, den 31. Januar 1903.
Wird veröffentlicht.
I. 645. Der Königliche Landrat
Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rat.
Ins ßtitimniO des Schleiers.
Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C L a n g s ch.
(Fortsetzung.)
VIII.
Noch ein Pfiff und die Eisenbahn verließ das herrliche Comertal. In einem der Koupee's saßen die Brüder in ernstem Gespräch vertieft. Sigmund hielt Theodor seinen Wankelmut und sein unmännliches Betragen vor.
„Noch hast Du das Verhältnis, das Dich gebunden hält, nicht gelöst und die alten Fesseln, die Dich an ein fernes Land trieben, nicht abgeworsen, und schon bist Du in neue Liebesbande verwickelt."
Theodor schwieg zu diesen Vorwürsen. Die Augen auf die in der Ferne verschwindenden Ufern des Sees gerichtet, gab er sich seinen Träumen hin. Die Wonne der verflossenen Jahre war vergessen. Der Vergangenheit und des Rausches, in dem er gelebt und welchen er so teuer bezahlt hatte, wollte er nicht gedenken; der Zukunft, die nur drohende Wolken bot, achtete er nicht und so gab er sich ganz der glückseligen Gegenwart hin und gedachte Adriennens. Er konnte kaum erwarten, ihr von seiner Liebe zu schreiben und die Qualen der Trennung zu schildern.
„Was gedenkst Du in nächster Zukunft zu tun?"
Nichtamtlicher Teil.
Ae Aliiltsch-ii-Ieilkschrift.
Dem Reichstag ist eine neue Denkschrift über die Entwickelung des Kiautschougebietes soeben zugegangen. Sie umfaßt die Zeit vom Oktober 1901 bis Oktober 1902, doch sind einzelne besonders wichtige Daten über den Fortschritt der Eisenbahn, des Hafenbaues rc- auf Grund der Drahtmeldungen bis in die neuere Zeit nachgetragen.
Die Denkschrift bezieht sich auf das fünfte Jahr seit der Erwerbung des Kiautschougebietes und der Einrichtung der deutschen Marineverwaltung daselbst. Wer die kurze Zeit dieses Jahrfünfts auf Grund des Textes der Denkschriften und der auch diesmal wieder beigefügten Karten und zahlreichen Abbildungen überblickt, muß bei unbefangener Beurteilung erkennen, daß in dieser Frist an Stelle des armen chinesischen Fischerdorfes Tsingtau planmäßig groß angelegte Einrichtungen von bleibendem wirtschaftlichen Werte und alle Vorbedingungen eines modernen Handelsplanes geschaffen sind.
Das Berichtsjahr bedeutet für die Kolonie einen besonders wichtigen Abschnitt, indem die von Tsingtau ausgehende deutsche Eisenbahn bis zu dem ersten Kohlenrevier des Hinderlandes fortgeschritten — und der erste Ko h lenschacht im Gebiete von Wey hsien fertiggestellt ist. Der erste Kohlenzug ist kurz nach Schluß des Berichtsjahrs in Tsingtau eingetroffen. Die amtliche Denkschrift äußert sich auch in diesem Punkte ihren Grundsätzen gemäß mit großer Vorsicht und behält sich ein eingehendes Urteil über die Qualität der Kohle vor, bis größere praktische Erfahrungen vorliegen werden ; bei aller Zurückhaltung in der Beurteilung aber kann sie schon jetzt mit Sicherheit feststellen, daß die Kohle einen größeren Heizwert als die japanische Kohle auch in den besseren Qualitäten besitzt und daß sie sich der letzteren insbesondere durch geringe Rauchentwicklung überlegen zeigt.
Wenn auch die Kohlengewinnung für die wirtschaftliche Entwickelung der Kolonie nach wie vor in erster Linie steht, so ist doch mit Freude zu begrüßen daß auch in andern Zweigen des gewerblichen und kaufmännischen Lebens sich eine selbständige, rasch ansteigende Entwickelung zeigt. Von neuen Unternehmungen größeren Stils aus dem letzten Jahre sind zu erwähnen die Niederlassung einer Seidenindustrie-Gefellschaft, die mit dem Bau einer
fragte Sigmund ungeduldig durch das lange Schweigen.
„Mich von der Vergangenheit befreien. Das ist mein einziges Sehnen. Denke für mich, entschließe, handle, ich gebe Dir völlige Vollmacht. Ich bin zu allem unfähig."
„Gut," sagte Sigmund ärgerlich. „Du weißt, daß ich Dich mehr liebe, als Du verdienst. Ich habe Deinetwegen meinen Beruf und meine Braut verlassen, meine Trauung aufgeschoben und bin gern bereit, Dir zu helfen, doch um das tun zu können, mußt Du mich ganz ins Vertrauen ziehen und ich muß jeden Umstand Deiner Vergangenheit genau kennen. Wir haben keine Zeit zu verlieren.
Theodor tat, was sein Bruder verlangte und machte ihm seine Bekenntnisse, welchen Sigmund mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte. Er hörte sinnend und mit vorwurfsvoller Miene zu, bis sie endlich in Cannes am langten. Die Frucht der langen .Beratung war, daß Sigmund einen Brief an Bertalan sandte und den Zustand Theodors als sehr bedenklich und besorgniserregend schilderte. Indeß machte dieser die herrlichsten Ausflüge und bestieg Berge, von welchem sich ihm die schönsten Aussichten barboten. Himmel, Meereswellen, Rosen- wölkchen und Palmengruppen, alles zauberte ihm die ferne Geliebte vor, welche so ganz das Andenken der früheren verlebten Stunden ausgelöscht hatte.
Theodor, die herrliche Luft atmend, blühte auf, seine Körperkräfte kehrten zurück, seine Glieder wurden
in großem Maßstabe geplanten Spinnerei bereits begonnen hat, und die Schaffung eines Hochseefischerei- Unternehmens. In Tsingtau selbst konnte im Berichtsjahre zum erstenmale ein Dampfboot vom Stapel laufen, das in allen Teilen in der Kolonie hergestellt ist. Die Handelsentwickelung des letzten Jahres zeigt einen erfreulichen Aufschwung in der Einfuhr von Waren nicht chinesischen Ursprungs. Die Ein- und Ausfuhr chinesischer Ware ist im Berichtsjahr durch die an der ganzen Küste und auch im Innern Schantungs aufgetretene Cholera beeinträchtigt worden. Doch zeigt die Ausfuhr aus dem Innern über Tsingtau im Strohgeflecht- und Seiden- handel beträchtlich gestiegene Ziffern.
Im deutschen Schutzgebiete selbst ist dank des Klimas und der sanitären Einrichtung die Cholera nicht epidemisch aufgetreten. Auch sonst haben sich die gesundheitlichen Verhältnisse der Kolonie erfreulich gestaltet und weisen eine weitere beträchtliche Besserung gegen die Vorjahre auf. Insbesondere ist bemerkenswert, daß die früher hauptsächlich gefürchtete Krankheit, Darmtyphus, mit Ausnahme der nachweisbar auf Einschleppung von außerhalb zurückzuführender Erkrankungen im letzten Jahre in Tsingtau selbst in keinem Falle entstanden ist. Die Denkschrift erwähnt, daß im Sommer des Berichtsjahres Tsingtau bereits von einer Reihe von Badegästen von außerhalb ausgesucht wurde, und hebt hervor, daß der deutsche Hafenplatz zweifellos von allen Küstenstädten Mittel- und Nord-Chinas die günstigsten Vorbedingungen hat, um auch nach dieser Richtung hin sich zu entwickeln.
Die Bautätigkeit war auch im Berichtsjahre sowohl auf dem Gebiete des Hafen- und Straßenbaues als auch des Hochbaues rege. Die umfangreiche Mole des großen neuen Hafens, die in Zukunft der Kohlen- verladung dienen soll, wird voraussichtlich im nächsten Sommer soweit fertiggestellt sein, daß alsdann der erste Schiffsliegeplatz für die großen Ozeandampfer vorhanden sein wird. Ein Schwimmdock ist bereits in Deutschland in Bestellung gegeben.
Besonders erfreulich in gesundheitlicher und wirtschaftlicher Hinsicht sind die Fortschritte der F o r st k u l t u r e n und O b st p l a n t a g e n. Einige Abbildungen, die der Denkschrift beigegeben sind, zeigen dies an überraschenden Beispielen schnellen Baumwuchses.
In organisatorischer Hinsicht ist die Begründung einer Handelskammer und eines für die Angelegenheiten der chinesischen Bevölkerung bestimmten chinesischen Komitss hervorzuhebe».
geschmeidig; er war nicht zum Wiedererkennen. Sigmund hingegen war niedergeschlagen und traurig. Theodors falsches Spiel kränkte und verbitterte ihn. Er zürnte seinem Bruder, schalt seinen Leichtsinn und seine Charakterschwäche. Hierzu kamen die Briefe Bertalans, in welchen dieser nähere Auskunft verlangte.
„Schreibe ihm, daß Du mit mir nicht sprechen kannst, daß ich sehr krank sei," sagte Theodor.
Doch auch seine Ruhe- sollte nicht lange währen. Eines Tages erhielt er einen Brief aus Pest, welcher ihn in große Aufregung versetzte. „Lies," sagte er, jhn Sigmund hinreichend. „Lies und rate mir. Rette mich oder ich schieße mir eine Kugel durch den Kopf."
Sigmund liebte seine Brüder von Herzen und bedauerte beide.
Er sah Bertalanö Vermögen und Ruf gefährdet und fürchtete für Theodors Leben, denn er hielt ihn auch für fähig, seine Worte wahr zu machen, wenn es ihm nicht gelang, sich aus seiner gegenwärtigen Lage zu befreien.
„Ist denn Dein Herz für das Vergnügen völlig er. starrt," fragte er kummervoll.
„Die Liebe ist nur so lange süß und beglückend," sagte Theodor sinnend, „als sie gegenseitig ist. Die ärgsten Brandwunden sind nichts im Vergleich zu den Qualen einer erlöschenden Liebe; jede Berührung schmerzt und aus der Liebe, die man erzwingen will, wird Haß. Wehe dem, der die erstorbene Leidenschaft zum Leben