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Amtlicher Teil.

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Mit dem Auftrieb darf um 7Va Uhr bezw. um 7 Uhr Vormittags begonnen werden.

Hersfeld, den 20. Februar 1903.

Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rat-

Nichtamtlicher Teil.

W, Bibel intii Kaiser.

Am 12. Januar dieses Jahres Hell Professor Fried­rich Delitzsch, ordentlicher Professor in der philosophischen Falkuttät an der Berliner Universität und Direktor der vorderasiatischen Abteilung der Königlichen Museen, in der Orient-Gesellschaft in Gegenwart des Kaiserpaares und zahlreicher hohen Beamten und Vertreter der evan­gelischen Geistlichkeit einen Vortrag über das Thema Babel und Bibel," der zu lebhaften Debatten Anlaß gab. Der Vortrag, der hauptsächlich die Ergebnisse der Ausgrabungen in Babylon und Ninive zum Gegenstände hatte, gipfelte darin, daß der Hauptinhalt der mosaischen Gesetzgebung auf dem Gesetzbuchs des babylonischen Königs Hammurabbi beruhe. Professer Delitzsch hatte damit

Ias Gchtiiliiiis! -es Schleiers.

Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C. Langsch.

(Fortsetzung.)

Die wirkliche, tiefe, aufopfernde Liebe kann ohne Hoffnung auf Gegenliebe nicht bestehen, denn sie würde sich sonst selbst betrügen und kein Gefühl, sondern Ein­bildung sein," entgegnete Sigmund, indem er sich zu einem Geständnis entschied, welches er doch eher oder später gemacht hätte und zu welchem ihn jetzt die Ge­legenheit drängte.

Also Sie lieben mich und hoffen?"

Warum soll ich es leugnen. Meine wahre und unveränderliche Leidenschaft braucht einen Nebenbuhler wie Theodor, welcher mit einem so kostbaren^ Schatz leichtsinnig spielte und ihn nicht achtete, nicht zu fürchten. Wenn auch ein falscher Schmuck einige Zeit unser Auge blendete, erkennen wir sogleich seinen Wert, wenn wir wirklich echte Steine daneben erblicken. Dies ist der Unterschied zwischen mir und Theodor und dies sollte solchen Augen wirklich verborgen bleiben?"

Er sprach voller Begeisterung, während seine Augen die der Gräfinsuchten. Diese schaute bald auf den Sprecher, bald auf das weite Meer, welches sich in feiner ganzen Schönheit vor ihnen ausbreitete, und ein milder Aus­druck verschönte ihre Züge. Es war ihre erste, gegen­seitige Aussprache und wenn auch noch nicht ihr ganzes Wesen von der Innigkeit der Gefühle, die sie so lange

die Axt gelegt an den ganzen Bibelglauben mit seinen Offenbarungen.

ES wurde seiner Zeit gemeldet, Kaiser Wilhelm habe sich nach dem Vortrage lebhaft mit Professor Delitzsch unterhalten und daraus zogen manche ohne weiteres den Schluß, daß der Kaiser in seiner Beurteilung des alten Testaments ungefähr auf demselben Standpunkte stehe, wie Professor Delitzsch. Andere meinten dagegen, der Kaiser sei ein zu charaktervoller Herrscher und guter Christ, als daß er sich durch Vermutungen und unbe­wiesenen Behauptungen von zweifelhaftem wissenschaft­lichem Werte in einer so wichtigen Frage einseitig be­einflussen lassen könnte. Daß diese recht hatten, ist jetzt durch einen hochbedeutsamen Brief des Kaisers an Ad­miral Hollmann, dem Vorsitzenden der Orient-Gesellschaft, bestätigt worden.

Der Kaiser geht mit Professor Delitzsch streng ins Gericht; er wirft ihm vor, daß er nicht dabei geblieben sei, nur Thatsachen anzuführen. Die religiösen Schlüsse zu ziehen, hätte Professor Delitzsch dem Hörer überlassen müssen. So habe er manchem Lieblingsvorstellungen oder gar Gebilde umgestoßen oder angerempelt, mit welchen diese Leute heilige und teuere Begriffe ver­binden und ihnen unzweifelhaft das Fundament ihres Glaubens erschüttert, wenn nicht entzogen. Entschieden wendet sich der Kaiser gegen das, was Professor Delitzsch über Jesus Christus gesagt hatte:Als er aber auf das Neue Testament kam, wurde es bald klar, daß er bezüglich der Person unseres Heilands so ganz ab­weichende Anschauungen entwickelte, daß Ich ihm darin nicht nur nicht folgen konnte, sondern einen Meinem Standpunkte diametral entgegengesetzten konstatieren mußte. Er erkennt die Gottheit Christi nicht an, und daher soll als Rückschluß auf das Alte Testament dieses keine Offenbarung auf denselben als Messias enthalten. Es ist eben bei Delitzsch der Theologe mit dem Historiker auf und davon gegangen, und dient der letztere nur noch als Folie für den ersteren."

Mit Genugtuung wird man in allen christlich ge­sinnten Kreisen diese Worte vernehmen, in denen der Kaiser unzweideutig bekundet, daß er auf dem Boden des lebendigen geoffenbarten Christentums steht. In bezug hierauf äußert sich der Kaiser noch folgender­maßen :. . . Und so geht es weiter durch die Jahr­hunderte, bis der Messias, der durch die Propheten und Psalmisten verkündet und angezeigt wird, endlich er-

entbehrt hatte, erfüllt ward, so überkam sie doch eine süße Ruhe, und sie zögerte mit der Antwort.

Bleiben Sie so," entgegnete sie unwillkürlich warm. Werden wir Freunde. Ich stehe vollständig verlassen in der Welt. Vielleicht kann die leidenschaftliche Freundschaft die Wunden heilen, welche die Liebe ge­schlagen."

Ihr Wille ist mir Gesetz! Ich bin Ihr Sklave, nur dulden Sie meine Nähe."

Und die Gräfin duldete ihn nicht nur in ihrer Nähe, sondern sie verzögerte von Woche zu Woche die Abreise von Venedig nach dem Ort, wohin sie ihr Rachegefühl zog.

Theodor verbrachte unterdeß ahnungslos seine Tage an Adriennens Seite und verwunderte sich, daß er kein Zeichen aus der Heimat, weder von Sigmund noch Bertalan erhielt. Endlich kam ein Schreiben von Klara. Begierig öffnete er es und las erstaunt und erschrocken ihre Zeilen. Seine Schwägerin teilte ihm in Eile mit, was seit dem Schweigen seiner Brüder geschehen. Die Rückgabe des Schmuckes, die Auflösung von Rosas Ver­lobung, Gräfin Gerendy's Abreise und Sigmunds Ver­schwinden, welches, wie sie glaubt, mit der Gräfin Reise in Zusammenhang zn bringen sei. Sie schilderte die Verzweiflung Rosas und machte ihm am Ende des Briefes heftige Vorwürfe, da fein Leichtsinn an all dem Wirrwarr und den möglicherweise gefährlichen Folgen Schuld trage.

Dieser Brief verstimmte Theodor auf's Tiefste, denn er fühlte die bittere Wahrheit desselben. Tamerlan fiel sein unruhiges und zerstreutes Wesen auf.

scheint. Die größte Offenbarung Gottes in der Welt! Denn er erschien im Sohne selbst; Cristus ist Gott, Gott in menschlicher Gestalt .... Allein auf sein Wort bauend gehen wir durch Arbeit, Hohn, Jammer, Elend und Tod, denn wir haben in ihm Gottes offenbartes Wort, und er lügt niemals. Das Wort ist insbesondere für uns Evangelische alles durch Luther geworden und als guter Theologe mußte doch Delitzsch nicht vergessen, daß unser großer Luther uns singen und glauben gelehrt:Das Wort sie sollen lassen stahn!"

Für sein mannhaftes, glaubentreues Eintreten für die Grundlagen des Christentums wird man dem Kaiser überall, wo Christen wohnen, Dank wissen. Denn mit der Göttlichkeit des Heilandes steht und fällt das Christen­tum. Die Verwäfferer des Christentums aber, die den Kaiser für einen der ihrigen hielten, werden nun nicht mehr im Zweifel darüber sein, daß sie sich getäuscht haben. **

Kill Ce-eaktaz.

25. Februar.

An diesem Mittwoch sind 100 Jahre verflossen, seit der alte Regensburger Reichstag traurigen Angedenkens jenen Reichsdeputations-Hauptschluß feststellte, der die politische Karte Deutschlands völlig umgestaltete. Das geschah nach den Niederlagen gegen Frankreich, nach den Friedensschlüssen, zu denen wir genötigt waren, nach der Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich unter französischem Druck. Es galt, die Reichsstände, die auf dem linken Rheinufer Land verloren hatten, und selbst italienische und andere ausländische Fürsten im deutschen rechtsrheinischen Gebiete zu entschädigen.

Es war eine trübe Zeit, ein schmachvoller Vorgang, der Vorbote noch schlimmerer Ereignisse, die bald folgen sollten, der Auflösung des alten deutschen Reiches, der Gründung des Rheinbundes und der Niederlage Preußens im Jahre 1806. Und dennoch: bei allem Traurigen ist jener Reichsdeputations-Hauptschluß ein erfreuliches Er­eignis. Denn die darin festgestellte neue Regelung der politischen Karte Deutschlands, das Ergebnis einer wahren Annexionspolitik größten Stils, hat die Grund­lagen für ein besseres politisches Leben des deutschen Volkes geschaffen. Mit dem chaotischen Landes­und Staatsgetrümmer des alten Reiches, mit einer bis

Was fehlt Dir?" fragte Adrienne ihn teilnahmsvoll.

Was kränkt Dich?" forschte der argwöhnische und schlaue Philosoph. Er sah voll Mißtrauen auf Theodors ehemaliges Verhältnis, welches nach dessen Aussage noch immer das einzige Hindernis seiner Vereinigung mit seiner Tochter Adrienne bildete.

Ich habe unangenehme Nachricht aus der Heimat," entgegnete Theodor ausweichend. Er wußte selbst nicht, warum ihn Sigmunds Betragen ärgerte. Er hatte ihm versprochen, sein Interesse bei Gräfin Sabine zu ver­treten, und nun schien er, wie aus Klaras Briefe her- vorging, alles vergessen zu haben und an ihrer Seite zu seufzen und zu schwärmen. Dieser Gedanke war ihm unangenehm und machte ihn fast eifersüchtig. Warum? Er liebte sie ja nicht mehr, und doch hielt er Sigmund nicht für würdig, Sabine seine Liebe vergessen zu machen. Seine Liebe! Einst war sie ihr ganzes Glück und ihre irdische Seligkeit. Kaum konnte er den Abend erwarten, welcher ihm endlich Stunden des Alleinseins brächte. Er ging ans Ufer des Sees, und die Augen auf die blauen Wogen geheftet, faß er stundenlang, und feine Gedanken schweiften in weite Fernen.

War es möglich, daß Sabine ihn ganz vergessen und ihr Herz Sigmund geschenkt haben konnte? Sigmund! In keiner Beziehung hielt er den Vergleich mit ihm aus!

Immer und immer wieder durchlas er Klaras Brief.

Es ist klar, dachte er,Sabine hat meinem Bruder ihre Huld geschenkt. Also solchen Eindruck hinterließ meine Liebe in ihrer Brust! Schon nach wenigen Monaten hatte sie ihn vergessen; und nicht nur ihn