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Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 10. März 1903.
Am Sonnabend den 28. d. Mts., Bormittags 10 Uhr, findet im hiesigen städtischen Rathaussaale eine Kreistagssitzung mit folgender Tagesordnung statt.
1. Feststellung des Kreishaushalts-Etats für 1/4.1903/4 (§ 84 der Kreisordnung).
2. Beauftragung einer Kommission aus den Mitgliedern des Kreistages mit Prüfung der demnächst aufzu- stellenden Kreiskommunalkassen-Rechnung für 1/4. 1902/3 (§ 87 der Kreisordnung).
3. Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Ausschuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersfeld, Nieder- aula und Schenklengsfeld zur Mitwirkung bei der in 1903 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Gefchworenen für das Jahr 1904 (§ 40 des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 27. Januar 1877 Reichsgesetz- Sammlung Seite 49 von 1877 und § 35 des Ausführungsgesetzes zum deutschen Gerichtsverfassungsgesetz vom 24. April 1878 Gesetz-Sammlung Seite 237 von 1878).
4. Begutachtung des Projekts zum Neubau einer gewölbten Brücke in Station 10,7 + 23 des Landwegs Hersfeld—Nippa im Orte Conrode nebst anschließender Korrektion des Künnebaches
5. Begutachtung des Projekts zum Neubau einer Land- wegeverbiudung zwischenKirchheim und Goßmannsrode.
6. Beschlußfassung über den Antrag der Gemeinde Friedlos auf Bewilligung einer Unterstützung aus Kreismitteln zu den Kosten der Erbauung einer neuen Brücke über die Fulda.
I. A. 688. Der Königliche Landrat
Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 9. März 1903.
Nachdem der Königliche Kreistierarzt Schmitt hier auf seinen Wunsch aus dem preußischen Staatsdienste zum 1. April d. I. entlasien worden, ist mit der Wahr- nehmung der Dienstgeschäfte im hiesigen Kreise der Königliche Kreistierarzt Dr. Günther in Rotenburg vom 1. April cr. ab bis zur Wiederbesetzung der Stelle be-
austragt worden, wovon ich die Polizeibehörden rc. des Kreises in Kenntnis setze.
I. 1407. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 2. März 1903.
Die nachstehend namhaft gemachten Personen:
1. Lehrer Nußbaum zu Hersseld,
2. „ Gans zu Niederaula und
3. „ Grünewald zu Schenklengsfeld werden als erprobte Schächter im Sinne des § 6 der Polizei-Verordnung vom 2. Februar d. Js. erklärt, was den Interessenten des Kreises hiermit bekannt gemacht wird.
I. 1333. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 9. März 1903.
Die Erledigung der diesseitigen Verfügungen:
1. vom 31. Mai 1881, Nr. 6276, Kreisblatt Nr. 45, Revision der Lokale, in welchen Nahrungsund Genußmittel feilgehalten werden, betreffend, 2. vom 26. Februar d. Js., II. 635, Kreisblatt Nr. 27, Bekanntmachung des Ersatz-Geschäfts betreffend, wird hierdurch mit Frist bis zum 14. d. M t s. in Erinnerung gebracht.
Gegen etwaige an diesem Termine noch säumige Herren Bürgermeister wird eine Ordnungsstrafe von je 3 Mark festgesetzt werden.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Bekanntmachung.
Kiel, Dezember 1802. Wilhelmshaven, Dezember 1902.
Im Herbst 1903 wird eine größere Anzahl tropen- dienstfähiger Dreijährig - Areiwilliger für die Ae- satzung von Aiautschou zur Einstellung gelangen.
Ausreise: Frühjahr 1904. — Heimreise: Frühjahr 1906. Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker, (Schuhmacher, Schneiver usw.) werden bei der Einstellung bevorzugt.
Die dienstpflichtigen Mannschaften erhalten in Kiaut-
schon neben der Löhnung und Verpflegung eine Teuerungszulage von 0,50 Mark täglich, die Kapitulanten eine Ortszulage von 1,50 Mark täglich.
Militärdienstpflichtige Bewerber von kräftigem und mindestens 1,67 m großem Körperbau, welche vor dem 1. Oktober 1884 geboren sind, haben ihr Einstellungs- gesuch mit einem auf dreijährigen Dienst lautenden Meldeschein entweder dem Kommando der Stammkom- pagnien des 3. Seebataillons in Wilhelmshaven zum Diensteintritt für das 3. Seebataillon und die Marine- feldbatterie oder der 3. Watroseuartilkerie-Avteikung in Lehr zum Diensteintritt für die Matrosenartillerie Kiautschou (Küstenartillerie) möglichst bis Ende Ieöruar 1903, spätestens zum 1. August 1903 einzusenden. Kaiserliche Inspektion Kaiserliche Inspektion der Marineinfanterie. der Marineartillerie.
Bekanntmachung.
a. Die Zustellung der Kriegsbeorderungen wird in der Zeit von Mitte bis Ende März d. Js. durch die Ortsbehörden erfolgen.
b. Die noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Wohnungs-Veränderungen sind sofort zu melden.
c. Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes haben, falls sie während der oben genannten Zeit nicht selbst zu Hause sein können, ev. eine andere Person des Hausstandes mit Empfangnahme der Kriegsbeorderung zu beauftragen.
d. Die jetzt in Händen der Mannschaften befindlichen, vom 1. April ab nicht mehr gültigen alten Kriegsbeorderungen sind bei Empfang der neuen Beorderung abzugeben. Werden sie bis zum 31. März nicht eingezogen, so sind sie zu vernichten.
Hersfeld, den 7. März 1903.
Königl. Bezirkskommando.
Auftrieb auf die Foylenweide zu Bieberstein.
Den Besitzern von Fohlen, die solche auf die Bieber- steiner Fohlenweide in diesem Sommer bringen wollen, diene zur Nachricht, daß das Weidegeld pro einjährige Fohlen 20 Mk. und 3 Ctr. Hafer und pro zwei- und dreijährige Fohlen 35 Mk. beträgt. Fohlen von außerhalb des Kammerbezirks zahlen pro Stück 10 Mk. mehr. Der Hafer für das einjährige Fohlen wird in natura geliefert oder von der Kommission dafür angesetzte Preis
As 6tjdinni6 des Schleiers.
Roman von H. v. Benitzki, aus dem Ungarischen von C Längs ch.
(Fortsetzung.)
„Warum würde sie mich meiden, wenn sie mich nicht liebte? Worin fürchtet sie sich zu täuschen, wenn nicht in ihren Gefühlen? Ich werde sie suchen und müßte ich anö Ende der Welt und sollten Jahre darüber hin- schwinden. Je längere Zeit verstreicht, desto eher wird M sie an meine Beständigkeit glauben."
Er bereitete sich nun zu der großen Reise, deren Ziel Sabine war, vor. Ohne Zorn und Empfindlichkeit dachte er ihrer. Hatten es doch die Perzay s selbst ver» schuldet, daß sie ihm nicht vertraute. Ehe er abreiste, suchte er seine Verwandten auf, um sich von ihnen zu verabschieden.
I Im Salon fand er den alten Herrn am Schreibtisch fitzend in eine Arbeit vertieft.
„Ein Perzay?" fragte, die Augenbrauen spöttisch in Höhe ziehend, der Philosoph.
„Komme ich zu unrechter Stunde?"
"Im Gegenteil," zu guter Stunde, lies den Brief, welchen ich Deinem Bruder schrieb!"
»Wo ist er?"
. »Das weißt Du nicht? In Pest. — Ich glaubte Abreise geschehe mit Deinem Einverständnis."
»Ich traf nur einmal mit ihm zusammen und da erwähnte er nichts. — Aus welchem Grunde fuhr er Haufe?"
„Aus welchem Grunde?" fragte Tamerlan mit unterdrückter Wut. „Weil Gräfin Gerendy nach Pest reiste. Vermutlich fuhren sie zusammen. Zu Zweien reist es sich angenehmer, das mußt Du doch aus Erfahrung wissen. Der eine verlobt gewesene Bruder begleitete sie her, mit dem andern, der ebenfalls seine Braut verlassen, ging sie zurück."
Sigmund schaute erschrocken auf den Sprecher, dessen Augen Blitze schössen, und dessen Stimme vor Zorn zitterte.
„Sagte er dies selbst?"
„Nein, so dumm war er nicht, sein Geheimnis zu verraten. Er log und betrog und sprach etwas von Teilung. Es wäre schade, sich seinetwegen zu bemühen. Wenn Adrienne nicht selbst zurückgetreten wäre, hätte ich ihn getötet und wäre er hundert Mal meiner Schwester Sohn. So kann er bleiben und gehen, wohin er will. Adrienne hält ihn für charakterlos und verabscheut ihn. Höre den Brief."
Sigmund ließ sich auf den nächsten Stuhl nieder. Der Alte begann zu lesen, doch Sigmund hörte kein Wort; fortwährend klang eö in seinen Ohren: Zusammen reisten sie, gemeinschaftlich betrogen sie ihn, daher der Abschiedsbrief und die Bitte, sie nicht aufzusuchen. Darum hatte sie ihn nicht mehr nötig. Er fühlte sich unaussprechlich unglücklich. Der alte Faustin nahm von aUebem nichts wahr, er las mit gewissem Behagen den Brief, welchen er Theodor in bitterm Zorn, und in der Hoffnung, ihm Aerger zu bereiten, geschrieben hatte.
«Ich beginne den Brief ohne Anrede, denn ich ver
achte Dich so tief, daß der Titel, den ich Dir geben würde, unmöglich zu Papier gebracht werden kann- Du kannst ihn leicht erraten, wenn Du Dein Betragen uns gegenüber bedenkst, welches meiner Tochter, wenn sie nicht glücklicherweise Deine Charakterlosigkeit erkannt hätte, das Leben hätte kosten können. Ich sage glücklicherweise, denn diese Verbindung war stets gegen meinen Wunsch. Ich nehme das Leben und die Wett wie sie sind und erwarte nichts von ihnen, knüpfte daher auch an Deine Besserung keine Hoffnungen, doch wollte ich, wenn Du einmal an meiner Seite gelebt hättest, Dir die Grenzen vorschreiben, bis zu der Deine Schwachheit gehen durfte. Deinen bösen Leidenschaften einen Zügel anlegen und wenn es sein mußte, auch stärkere Mittel anwenden. Der Zufall wollte zu meiner großen Beruhigung, daß dies alles nicht mehr nötig ist. Das ermüdende Aufpassen und das Studiren Deines unnoblen Charakters hätte unterbleiben können, was ich aber daraus lernte, wird mir im Leben von großem Nutzen sein. Ich kenne nun Deine Familie und gestehe, daß selbst ich als Menschenkenner staune, denn wenig Familien können sich solch außerordentlicher Mitglieder, die sich alle auf ein Haar gleichen, rühmen."
„Von wem redest Du?" fragte Sigmund.
„Von Euch," entgegnete kurz und kalt Faustin und las weiter.
„Wäre ich ein Schriftsteller, so würde ich ein prächtiges Bild der Familie Perzay entwerfen. Die Helden- rolle erteilte ich selbstverständlich Dir. Da ich aber nicht zu diesen Auserwählten zähle, so sind nur diese