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Verteilungen
auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen „Mustrirtes Somtagsblatt" - „Wustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das zweite Vierteljahr werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Teil.
Hersseld, den 1. April 1903.
Im Monat März d. I. sind dahier für die nachbenannten Herren Jagdscheine ausgestellt worden:
A. Jahresjagdscheine:
a. entgelt liche:
1. am 9/3. für den Cand. phil. Walther Kürschner in Hersfeld;
2. „ 16/4. „ „ Stud. jur. Ernst Schmeißer in Hers» selb;
3. „ 24/3. „ „ Oberleutnant von Arnim in Hersfeld;
b. unentge ltliche.
4. am 28/3. für den Landgräflichen Hofsekretär Heinrich Claus in Philippsthal.
B. Tagesjagdscheine:
Keine!
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Die Herren Bürgermeister von Allmershausen, Asbach, Ausbach, Beiershausen, Biedebach, Conrode, Eitra, Friedlos, Frielingen, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Heringen, Hilperhausen, Holzheim, KalkobeS, Kathus, Kleba, Kleinensee, Lampertsfeld, Lautenhausen, LengerS, Malkomes, Meckbach, Motzfeld, Niederaula, Obergeis, Oberhaun, Petersberg, Reilos, Reimboldshausen, Röhrigs- Hof, Rohrbach, Roßbach, Schenksolz, Stärklos, Tann, Unterneurode, Wehrshausen, Widdershausen, Wippers- Hain, Wölfershausen und Wüstfeld werden unter Hin
Die Blüte des Bagno.
Roman von Goron und Emile Gautier.
(Nachdruck verboten.)
1. Kapitel.
4 Uhr 25 früh. Der Zug Nr. 53 Paris—Havre verließ soeben den Bahnhof von Boibec und brauste mit Volldampf dem von Beuzeville zu. In einem Wagenabteil erster Klasse lag allein ein Reisender in tiefstem Schlafe lang ausgestreckt auf den Polstern. Es war zur Winterszeit, und da eine eisige Kälte herrschte, halte er sich in zwei dicke Reisedecken eingewickelt und die Reise- mütze tief über das Gesicht gezogen. Ueber ihm, im Netze aufgehängt, schaukelte ein Staubmantel.
An der Tür rechts, auf der Seite des zweiten Gleises, erschien ein Mann mit einer Controleur-Mütze auf dem Kopfe. Nachdem er einen Blick in das Wageninnere geworfen, öffnete er ohne viel Geräusch die Tür und Meg in das Goupe ein. Aufmerksam betrachtete er den Schläfer und murmelte: „Ausgezeichnet!"
Dieser Ausdruck der Befriedigung war in der Tat gerechtfertigt, denn es war entschieden ein glücklicher Zufall, daß der Reisende sich im letzten Abteil des Wagens befand und daß er, um ganz unbeobachtet zu fei-, mit einem Staubmantel vorsichtig die kleine Glas- sch.'ibe verhängt hatte, die einen Blick ins benachbarte Al eil zu werfen erlaubte.
; »m diesem Augenblick machte der Schläfer eine Be- w-vung, und eine der Decken, die ihn bis zu den
weis auf die diesseitige Verfügung vom 24. Dezember 1902 — Kreisblatt Nr. 152 de 1902 — bei Meidung einer Ordnungsstrafe von je 5 Mark an die Vorlage der Abschrift der Verhandlung über die am 31. März cr. vorgenommene Gemeindekassen - Revision binnen 24 Stunden erinnert.
Ich verfehle nicht, nochmals darauf hinzuweisen, daß fragliche Abschrift stets sofort nach erfolgter Kassen- revision mir vorzulegen ist.
Hersfeld, den 3. April 1903.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
RMM unü Frankreich im Lrient.
Die russische Publizistik arbeitet mit Hochdruck, um alle Welt davon zu überzeugen, wie ernst es der amtlichen Politik in Petersburg mit der Unterdrückung des mazedonischen Aufstandes ist. Zunächst wird den Bulgaren auf jede Weise klar gemacht, daß sie bei ihren Umtrieben in Mazedonien auf keine Hülse von Rußland zu rechnen habe. Diplomatisch geschah dies dadurch, daß FiM Ferdinand genötigt wurde, den Kriegsminister Poprikoff wegen Begünstigung des UebertrittS bulgarischer Soldaten auf mazedonisches Gebiet zu entlassen, und als wegen der Wahl eines russisch gesinnten Nachfolgers der Fürst Schwierigkeiten machte und eine allgemeine Ministerkrisis ausbrach, das Ministerium Daneff wieder zu berufen. Gleichzeitig wurden in Petersburg Berichte der russischen Konsuln in den mazedonischen Vilajets veröffentlicht, aus denen hervorging, wie die bulgarischen Banden unter der Vorspiegelung, daß sie im russischen Austrage handelten, die Bevölkerung aufwiegeln und terrorisieren.
Noch bemerkenswerter aber ist eine zweite Publikation. Sie erfolgte in der „Nowoje Wremja", einem bisher mit den stärksten französischen Sympathien behafteten Blatt und wurde durch Abdruck der Artikel dieser Zeitung in dem «Journal de St. Pälersbourg" halbamtlich abgestempelt. In diesen Artikeln wird Frankreich geradezu beschuldigt, als Beschützer der unruhigen Balkanstaaten aufzutreten und damit dem Unfrieden
Schultern umhüllt hatte, glitt zu den Knien herab. Mechanisch faßte er sie und zog sie fest an sich; dann legte er den Kopf höher ans Fenster hinauf und rührte sich nicht mehr. Fast zugleich bekundete ein sonores, von einem tiefen Seufzer begleitetes Schnarchen, daß es sich nicht um ein volles Erwachen handelte.
Der Neuankömmling hatte sich bei der unerwarteten Bewegung des einsamen Passagiers sofort aus die Polster geworfen, in denen er, das Gesicht gegen den Stoff gedrückt, zu verschwinden suchte.
Durch die regelmäßige und geräuschvolle Atmung des Reisenden wieder sicher gemacht, zog er ein Taschentuch hervor, faltete es vierfach, und schüttelte den Inhalt eines kleines Fläschchens darauf. Ein leichter Knoblauchgeruch verbreitete sich in dem Abteil. Eine Sekunde später preßte er das Taschentuch heftig auf das Gesicht des Schläfers, der nach einer plötzlichen Zuckung mit einem dumpfen Röcheln, niederhängendem Kopse und steifen Gliedern auf die Bank zurückfiel. Der andere faßte ihn am Arm und schüttelte ihn heftig. Der Reisende rührte sich nicht mehr, man hätte ihn für einen Toten halten können.
„Diesmal ist's geglückt! Das Mittelchen des Chefs wirkt, und zwar anders als das ewige dumme Chloroform."
Er ließ das Wagenfenster zur Hälfte herab, um durch die hereinströmende kalte Außenlust den beunruhigenden und heimtückischen Geruch zu verscheuchen, der ihn umflutete.
„'S hat keine Gefahr, daß mein Mann da jetzt wach wird, aber ich selbst will nicht einschlafen. Ist das
Vorschub zu leisten. Erst habe der französische Minister Delcass6 mit Unrecht die Einführung von Reformen für Mazedonien für sich in Anspruch genommen und jetzt kritisiere die französischePreffe das russisch-österreichisch- ungarische Reformprojekt als gänzlich unzureichend und stachele damit die Aufständischen an, auf die Hülfe Frankreichs und seines russischen Verbündeten zu hoffen. Es wird dann angedeutet, daß Frankreich vielleicht Lust habe, abermals wie im Falle der Geldforderungen Lorandos und Tubinis eine Flotte nach Mytilene oder den Dardanellen zu schicken, die russische Hülfe aber werde aus- bleiben, da Rußland die allgemeinen Friedens - Interessen viel höher stelle als die Geld-Interessen ä la Lorando u. Co.
Das ist eine ganz ungewöhnliche Sprache, und namentlich in Frankreich wird man sie ungewöhnlich finden. Der Minister Delcasss wird böse Stunden haben und vielleicht von den Anhängern der Allianz mit Rußland hören müssen, daß es eine schädliche Eitelkeit war, sich in Gelbbüchern als der eigentliche Urheber der Reformen in Mazedonien und als Vorkämpfer der slavischen Interessen auf dem Balkan gegen die Türkei aufgespielt zu haben. Auch mag er in Rußland gewisser englischer Sympathien verdächtig sein, wenigstens dürfte er versucht haben, die in England herrschende Mißstimmung gegen Deutschland für Frankreich auszunutzen.
Seit dem Abschluß des französisch-russischen Bündnisses ist noch niemals so deutlich der Gegensatz zu Tage getreten, der zwischen diesen Reichen im nahen Orient besteht. Schon bei der Entsendung der «französischen Armada" nach Mytilene war zu bemerken, daß jede Befestigung des traditionellen französischen Einflusses in der Levante Rußland unbequem wäre. Der Versuch aber, eine besondere Rolle am Balkan zu spielen, wird schroff zurückgewiesen. Praktisch wird dieses Vorgehen der russischen Polink zunächst den Bestrebungen zu gute kommen, eine Störung des allgemeinen Friedens durch die bulgarischen Machenschaften in Mazedonien zu verhindern, und deshalb kann es auf die Unterstützung Deutschlands rechnen._________________________________
Politische Nachrichten.
Berlin, den 2. April.
(Der Kaiser auf der Reise nach Dänemark.) Die dänische Hauptstadt ist heute bereits zum
verfluchte zeug stark! Flink nun! Wie der Chef sagt, wirkt der Bromäther nur während zehn Minuten."
Er knöpfte seinen dicken Ueberzieher auf und zog einen kurzen Stock, eine Art Polizeiknüppel aus der Tasche. Er neigte sich und besah von neuem ganz aus der Nähe den betäubten Reisenden, der beinahe, ohne zu atmen, mit erschlafften Zügen in einem totenähnlichen Schlaf lag.
«Blind und taub," sagte der Eindringling mit bösem Lächeln, indem er mit dem Finger auf die gefütterte Tuchmütze zeigte, die Augen und Ohren des Reisenden verdeckte. „Er wird nicht zu leiden haben, er wird nicht das Geringste merken. „Ja, man muß auf dieser schlechten Erde menschlich sein!"
„Er stellte sich wieder aufrecht, hob den Stock, bog sich zurück und ließ einen furchtbaren Schlag auf den Kopf des Schläfers niedersausen. Der Unglückliche fuhr in die Höhe, doch ohne einen Schrei auszustoßen . . .
Ein ersticktes Röcheln, das war alles.
„Ah," machte der Mann mit einem Seufzer der Befriedigung, «noch habe ich meinen Hieb von früher nicht verlernt!"
Ohne eine Minute zu verlieren, befreite er den eben Erschlagenen von den ihn umhüllenden Decken, knöpfte ihm den Rock auf, untersuchte die Taschen und holte schließlich ein Portefeuille heraus. Nahe der Lampe prüfte er den Inhalt des Portefeuilles, das zahlreiche Papiere und drei Hundertfrancs-Scheine enthielt. Schon wollte der Mörder die Scheine nehmen . . aber er be-