Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
AboimementSpreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg.
x excl. Postaufschlag.
...... - ■ > ■ -
p....... ' ............. i
Die Jnsertionszebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
..... — ■ . ■
- GrMrsWllKKs« r „IHrMviVtes KsNnr^KSMsrt" ^. „INmWVZxee L«N-MiVLHsetzAstUetze ^eiia0e/*
Nr. 45.
hiiKTftoo Stil 16. Wril
1961
Nichtamtlicher Teil.
Zu den Reichstagswahlen.
Nur noch kurze Zeit trennt uns von dem Tage, wo wir zu entscheiden haben, wer uns in den nächsten fünf Jahren im Reichstage vertreten soll. Die Parteien haben Kandidaten aufgestellt, von denen wir den besten wählen müssen, da unser Wohl und Wehe davon ab- hängt. Es ist klar, daß nur ein Mann unser Vertrauen verdient, der treu steht zu Kaiser und Reich! Schon aus Dankbarkeit können wir keinen andern wählen.
Das Kaisertum^der Hohenzollern hat das deutsche Reich zu ungeahnter Größe, zur Vormachtstellung des Friedens und der Gesittung erhoben. Wer die Zustände aus der Zeit der Zerrissenheit unseres Vaterlandes kennt, der kann ermessen, wie riesenhaft wir vorwärts gekommen sind, welche Taten zum Wohle des deutschen Volkes geschehen sind, seit wir Kaiser und Reich haben. Ohne dieses gäbe es kein allgemeines gleiches Stimm- recht, keine Freiheit der Eheschließung, keine Niederlassungsfreiheit, keine Gewerbefreiheit, keine gleiche Münze, kein gleiches Maß und Gewicht, keine Einheit des Heeres und der Flotte, der Gerichtsverfassung, des Strafrechts, des bürgerlichen Rechts. Dank Kaiser und Reich hat sich die Lebenshaltung der breiten Schichten des Volkes gehoben, sind die Löhne gestiegen, die Wohnungen immer besser geworden. In seinem Unterrichts- und Bildungswesen steht Deutschland an der Spitze aller Völker. Wie in keinem anderen Lande wird bei uns für die Gesundheit der Staatsbürger gewirkt. Gegen ansteckende Krankheiten sind zahlreiche Schutzmaßregeln getroffen. Lungenheilstätten, Ferienkolonien, Erholungsheime, Volksbäder u. s. w. sind im Dienste der leidenden Menschheit tätig. Kein Land hat solche Fortschritte gemacht wie wir!
Auch unser jetzt regierender Kaiser hat sich unermeßliche Verdienste um uns erworben. Das schöne Wort Friedrichs des Großen, daß der König der „erste Diener des Staates" sei, hat Kaiser Wilhelm dem Zweiten stets als Richtschnur gedient. „Es ist in unserm Hause Tradition" — so sagte er einst — „daß wir uns von Gott eingesetzt betrachten, um die Völker, über die zu herrschen uns betrieben ist, zu deren Wohlfahrt und Förderung ihrer materiellen und geistigen Interessen
Die Blüte des Bagno.
Roman non?S oron und Emile Gautier.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Ein hübscher Roman das," murrte der Doktor. „Aehnelt der Geschichte von Rocambole ... die Wieder- auferstehung einbegriffen!"
„Verzeihung," versetzte der Richter lächelnd. „Da- von sprach ich nicht. Ich bin im Gegenteil vollauf überzeugt, daß Rozen wirklich tot ist . . . Ich habe den Rapport des Direktors vom Militär-Gefängnis gelesen, der die vollständigen Details über den schrecklichen Tod des Galeerensträflings Rozen enthält. Und ich bin gewiß, daß die arme Frau Lavardens sich täuscht."
„Sicherlich," bestätigte der Doktor, „und man kann hinzusetzen, daß ihr Gatte gelogen hat. „Jst's nicht möglich, daß er in Verzweiflung auf der Rückkehr von Paris Selbstmord beging?"
„Ganz meine Ansicht," hob der Richter wieder an.
„Nichtsdestoweniger will ich die Geschichte Nozens noch einmal durchlesen."
„Ausgezeichnet," versetzte der Doktor. „Zerstreuen Sie sich, Herr Staatsanwalt, aber halten Sie meine Erklärung für mathematisch exacl: Frau Lavardens ist verrückt."
Auf dem Bahnhof trennten sich die drei Herren mit einem Händedruck. Gerade als sie zum Ausgang
zu regieren und zu leiten." Diese hohe Auffassung vom Herrscher-Beruf hat unser Kaiser ganz besonders in der Ausführung der herrlichen Botschaft Kaiser Wilhelms des Großen über die Abeiter-Versicherung betätigt. Es ist unbestreitbar, daß in der Fürsorge für die Schwachen und Bedrängten kein Staatsoberhaupt, !möge ihn eine Krone schmücken oder möge er der Erwählte einer Republik sein, unserm Kaiser gleicht! Wer möchte wohl die Kranken-, die Unfall-, die Alters- und Jnvaliden-Ver- sicherung und wie die segensreichen sozialpolitischen Gesetze alle heißen, heute missen ! Wir würden uns schnöder Undankbarkeit schuldig machen, wenn wir nicht bei den Wahlen dieser Wohltaten eingedenk wären.
Unser deutsches Reich gleicht einem glänzenden Gebäude, dessen äußere Pracht weit über die deutschen Lande hinausstrahlt und selbst dem fremdländischen Neider Bewunderung abzwingt. Aber im Innern dieses mächtigen Baus nagen die Ratten; sie nagen und wühlen Tag und Nacht, um den Bau zu zerstören. Diese Ratten sind die vaterlandslosen Sozialdemokraten. Schon wanken die drei goldenen Säulen, auf denen das deutsche Haus errichtet ist : Christentum, Vaterland und Monarchie. Gelingt es den Ratten, diese Säulen zu stürzen, so muß das ganze Gebäude zusammenbrechen. Sollen wir ruhig zusehen, wie die Sozialdemokraten ihr Zerstörungswerk vollbringen? Sollen wir mit verschränkten Armen dabei stehen, wie jene voll Schadenfreude den stolzen Bau vernichten, den Kaiser Wilhelm der Große und Fürst Bis- marck mit Hülfe des deutschen Volkes unter großen Opfern aufgerichtet haben? Das darf nicht sein! Jeder Sozialdemokrat, der in den Reichstag einzieht, ist ein Nagel zum Sarge der deutschen Reichsherrlichkeit!
Politische Nachrichten.
Berlin, den 14. April.
Se. Majestät der Kaiser machte am Sonnabend nachmittag einen längern Spaziergang im Tiergarten und besuchte später mit Ihrer Majestät der Kaiserin und den hier anwesenden Kaiserlichen Kindern die liturgische Andacht in der Dom-Jnterims- Kirche. — Zur Abendtafel waren keine Einladungen ergangen. — Am ersten Osterfeiertage Morgens wohnten Ihre Majestäten mit den Prinzen-Söhnen und Prinzessin- Tochter dem Gottesdienst in der Garnisonkirche bei.
schritten, eilte Oliva, die einem Abteil dritter Klaffe entstiegen war, an ihnen vorüber.
„Arms Frau," murmelte der Staatsanwalt.
„Ja," erwiderte der Untersuchungsrichter, „aber die Zeit übt eine große Heilkraft aus. In einem Jahr wird sie, hübsch wie sie ist, sich mit einem anderen Gatten trösten."
Nachdem er sich von dem Richter und dem Arzte getrennt/ fuhr der Staatsanwalt in der Ruhe seines Arbeitszimmers fort, die originelle Geschichte dieses Rozen zu durchstöbern, die ihm wie die Apotheose des modernen Banditen vorkam.
Alle Einzelheiten, welche die von dem Beamten durchölätterten Zeitungen füllten, schienen der furchtbaren Einbildungskraft eines meisterlichen Romanschriftstellers entsprossen. Er war- überrascht von der Ingeniosität, Kühnheit und Lebenserfahrung des Jünglings, hoffen ganzer Lebensweg eine Kette von Betrug und Verbrechen war. Als er bei einem Bankier als Commis eintrat und inmitten der rollenden Werte und Gelder Zuschauer schneller Gewinnste und Börsencoups wurde, war der Wolf in den Schafstall eingeführt. Seine erste Sorge war es gewesen, sich um den Ruf eines strebhaften Angestellten zu erwerben. Mit wunderbarer Schnelligkeit verstand er es, sich mit den verschiedenen Obliegenheiten des Hauses bekannt zu machen, das ganze complicirte Räderwerk des Finanzwesens zu ergründen. Seine Chefs, die diesen Anfänger bewunderten, prophezeiten ihm die glänzendste Zukunft. Doch Rozen sah mit Mißtrauen einer Zukunft entgegen,
Mittags fand bei Ihren Majestäten eine Familientafel statt. Nachmittags um 3 Uhr begaben Ihre Majestäten und die Kaiserliche Familie Sich nach Schloß Bellevue, wohin zum Ostereiersuchen auch die Gespielen der jüngsten Kaiserlichen Kinder geladen waren. — Am zweiten Osterfeiertage Morgens unternahmen Ihre Majestäten eine Ausfahrt. Um 123A Uhr empfing Se. Majestät der Kaiser den Geh. OberregierungSrat Lewald vor dessen Abreise. Nachmittags unternahmen Ihre Majestäten mit den hier weilenden Kaiserlichen Kindern eine Ausfahrt nach Jagdschloß Grunewald, wo der Thee genommen wurde. Abends wohnte Se. Majestät der Kaiser der Vorstellung im Königlichen Opernhaus« bei. — Heute Vormittag machte Se. Majestät eine Promenade im Tiergarten, hatte im Auswärtigen Amt eine Besprechung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts Freiherrn v. Richthofen und hörte im Königlichen Schlosse die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Chefs des Admiralstabes.
Der Kaiser und die Kaiserinwerdenam30.April inBücke- burg an der H ochzeitsfeier des GroßherzogS von Sachsen Weimar mit der Prinzessin von Reuß teilnehmen. Von dort tritt das Kaiserpaar unmittelbar die Reise nach Rom an. Auf der Hinfahrt wird der Kaiser, wie aus Rom gemeldet wird, eine Zusammenkunft mit dem Prinz-Regenten haben.
Der Kronprinz und PrinzEitel-Friedrich sind von Athen zunächst nach EleusiS abgereist.
Dem Thüringenschen Ulanenregiment Nr. 6 ist die Verleihung des Namenszuges König Christians von Dänemark durch folgende Kabinettsorder des Kaisers mitgeteilt worden: „Ich habe bestimmt, daß das Regiment fortab den Namenszug seines erhabenen Chefs, des KönigS Christian IX. von Dänemark Majestät auf den Epaulettes, Achselstücken und Schulterklappen trägt. Ich erwarte, daß das Regiment sich dieser Auszeichnung als eines Beweises Meines Wohlwollens jederzeit würdig erzeigen wird. Wilhelm R." Der Namenszug besteht aus den Buchstaben CR, ver, schlungen, darunter befindet sich die römische Ziffer IX., über dem Ganzen eine Krone.
Die Ostertage sind allenthalben ohne Zwischenfälle irgend welcher Art verlaufen. Auch die Niederlande machen keine Ausnahme, wo nach der vorangegangenen Aufwühlung der Leidenschaften immerhin mit der Mög lichkeit ernsterer Zusammenstöße gerechnet werden konnte
die die Arbeit ihm vorbereiten sollte; irgend eine Stellung als Abteilungschef oder Procurist?! Eine hübsche Aussicht für seinen übermäßigen Ehrgeiz! Das war es gewiß nicht, was ihm das Leben auf großem Fuße, nach dem es ihn dürstete, sichern konnte, und das er möglichst schnell, wenn es ginge, sofort erreichen wollte. Seine ganze Intelligenz strebte schließlich nur einem Ziele zu: schnell einen großen Coup machen, der ihm Geld einbrächte, viel Geld!
Eines Tages fand er das Mittel — aber er bedurfte eines Complicen. Der Zufall, der nur zu oft die Uebeltäter begünstigt, lieferte Rozen in der Bank selbst einen sicheren Helfershelfer, einen noch jugendlichen Mann, den er sich ganz unterwürfig machte, indem er aus feinen Schwächen Nutzen zog. Es war der Direktor eines kleinen Bureaus, in dem die unzähligen UnterstützungSgesuche, mit denen die Firma behelligt wurde, zusammenliefen. Bis dahin war er ein sehr treuer und eifriger Beamter gewesen, aber er hatte begonnen, bei den Rennen zu spielen, anfangs nur ab und zu, dann mit aller Leidenschaft, bis sein ganzes Gehalt zu den Buchmachern wanderte.
Rozen, der jeden günstigen Umstand ausbeutete, hatte sich dem Direktor angefreundet und brächte ihm auch den Gedanken bei, auf fingirte Unterstützungsgesuche sich selbst Geld aus der Kasse zu verschaffen, das ihm den Abschluß neuer Wetten ermöglichte. Eines Sonntags nahm der Unglückliche aus seinem Bureau den ganzen Kassenbestand von 5000 Frcs. mit auf den Rennplatz und verlor ihn dort richtig. Vollständig verzweifelt,