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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Sr. 46.

Sonnaienii den 18. April

1963.

Amtlicher Teil.

Per Sektionsvorstand.

J. A. 1089.

Hersfeld, den 7. April 1903.

Unter Bezugnahme auf das Ausschreiben vom 28. Januar 1902 J. A. Nr. 361 (Kreisbl. Nr. 14) bringe ich hierdurch zur Kenntniß der Beteiligten, daß einer Anordnung des Vorstandes der Hess.-Nass. landwirtschaft» lieben Berufsgenossenschaft zufolge fortab unab­hängig von der bei der Ortspolizeibehörde zu er­stattenden Anzeige über Unfälle i m landwirt- schaftlichenBetriebe gleichzeitig und un - m itt e lb a r ei ne so l ch e Anzei g e auch beim Sektionsvorstand (dahier) erstattet werden muß, wie solches § 34 Abs. 1 des Genossenschaftsstatuts vorschreibt.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises haben Vor­stehendes alsbald auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen. Die rechtzeitige Vorlage des bei denselben eingehenden Exemplars der Anzeige nebst dem über die Untersuchung des Unfalls aufgenommenen Protokolle mache ich den Herren Ortspolizeiverwaltern hierbei noch besonders zur Pflicht.

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

Nach der kurzen Unterbrechung durch die Osterfeier- tage wendet sich das Hauptinteresse der inneren Politik naturgemäß wieder in verstärktem Maße den näher und näher rückenden Reichstagswahlen zu. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hat leider recht, wenn sie schreibt, daß die bisherige Wahlbewegung zu erhebenden Gedanken und Empfindungen keinen Anlaß barbietet. Diese Bewegung gipfelt fast ausschließlich in Betrachtungen und Bestrebungen, wie jede Partei am besten auf ihre Rechnung kommt. Nur so erklärt sich die unselige Zersplitterung, die lediglich der Sozial- demokratie Nutzen bringt. Dabei ist die Stellung der sozialdemokratischen Partei schon an sich infolge der reichen Wahlmittel eine überaus günstige. So sind der Parteikasse der Sozialdemokratie allein im Monat März rund 90000 Mark an Beiträgen zugeflosten. Möchten sich doch die staatserhaltenden Parteien an derartiger Opferwilligkeit ein Beispiel nehmen! Die Frage des Wahlerfolges ist leider heutzutage nicht in letzter Linie eineMunitionsfrage".

Die allgemeine Ausstandsbewegung in den Niederlanden ist dank den umsichtigen und tat­kräftigen Vorkehrungen der Haager Regierung vollständig gescheitert. Das sogenannte Schutzkomitee, welchen Namen sich die Schürer und Leiter des Ausstandes bei­gelegt hatten, hat sich genötigt gesehen, die Beilegung des Generalstreiks zu verkündigen. Von großem Einflüsse auf die schnelle Waffenstreckung ist ohne Zweifel die glatte Annahme, welche die Ausstands Vorlage in den beiden Kammern gefunden hat, sowie ihre schleunige Inkraftsetzung seitens der Regierung gewesen. Die scharfen Strafbestimmungen des Gesetzes hätten sich natürlich zuerst gegen die Führer der Ausstandsbewegung gerichtet, und da haben diese denn schleunigst zum Rück­züge geblasen. Daß sich in der holländischen Arbeiter­bevölkerung eine starke Erbitterung gegen die gewissen­losen Urheber des mißglückten Streiks geltend macht, ist erklärlich. Infolge zahlreicher Entlassungen und Aus­sperrungen ist Arbeitslosigkeit und Not in vielen Fa­milien eingekehrt. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Arbsiter solchen Vorgängen endlich einmal eine nach­haltige Lehre entnehmen.

Die Ermordung des russischen Konsuls in Mitrowitza, Schtscherbina, hat in die allgemeine Lage aus der Balkanhalbinsel insofern ein neues ernstes Moment ge­

bracht, als dieses bedauerliche Vorkommnis die Pforte nötigt, unter Aufwendung starker militärischer Macht­mittel die Empörungsgelüste der Albanesen nieder­zuhalten. Ein bezeichnendes Schlaglicht wird auf die Vorgänge um Mitrowitza durch die Feststellung ge­worfen, daß zwischen der mazedonischen Bewegung und derjenigen der Albanesen ein innerer Zusammenhang besteht, indem die Leiter der mazedonischen Komitees durch unmittelbare Einflußnahme auf die Albanesen diese zur Erhebung gegen die von der Pforte begonnenen Reformationen aufgestachelt haben. Die mazedonischen Agitatoren scheinen überdies durch die Erregung von Konflikten in Albanien Mißhelligkeiten zwischen Oester- reich-Ungarn und Rußland hervorrufen zu wollen. Das WienerFremdenblatt" bemerkt hierzu:Der Versuch, die albanische Angelegenheit als trennenden Keil zwischen beide befreundeten Mächte zu schieben, wird erfolglos bleiben. Ihr Einvernehmen und ihr loyales Zusammen- wirken besteht fort, und mit ihm ist die wesentliche Be­dingung für den endlichen Erfolg der Reformaktion ge­geben, die von ihnen eingeleitet ist und früher oder später ihre Früchte tragen wird.

Die Nachrichten aus Marokko lauten in letzter Zeit wieder sehr beunruhigend.» Es wird gemeldet, daß stebenzehn aufrührerische Kabylenstämme aufgebrochen seien, um Fez anzugreifen. Der Aufstand soll weitere Fortschritte machen und die Lage sehr ernst sein. Truppenteile des Sultans flüchteten teils auf algerisches Gebiet, teils auf spanisches nach Melilla.

Inzwischen ist PräsidentLoubet nach Algerien und Tunesien gereist. Die Reise hat insofern unter ungünstigen Auspizien begonnen, als gleichzeitig Paul Revoil, der General-Gouverneur von Algier, seinen Ab­schied genommen hat. Dieser Schritt hängt mit einer Skandalgeschichte zusammen, in welcher der Sohn des Ministerpräsidenten Comves die Hauptrolle spielt. Einen Ersatz für die Unerquicklichsten auf dem Gebiete der inneren Politik aber dürften Präsident Loubet die aus­ländischen Ovationen bieten, da nicht bloß russische, sondern auch englische, italienische und spanische Schiffe zu seiner Begrüßung in Algier eingetroffen sind.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 16. April.

Se. Majestät der Kaiser unternahm heute morgen die gewohnte Promenade und besichtigte dabei ein auf der Luisen-Jnsel aufgestelltes Phantom zu der Jugendstatue Kaiser Wilhelms I. von Prof. Brütt in Gegenwart des Künstlers, sowie des Chefs des Zivil­kabinetts Wirt. Geh. Rats Dr. v. Lucanus, des Wirkt. Geh. Oberregierungsratö Kayser und des Tiergarten­direktors Geitner. Später hatte Se. Majestät eine Be­sprechung im Auswärtigen Amt mit dem Staatssekretär Frhrn. ü. Richthofen und hörte im Königlichen Schlöffe die Vorträge des Kriegsministers, des Chefs des General­stabes der Armee und des Chefs des Militärkabinetts. Zur Frühstückstafel war Prinz Albert zu Schleswig-Holstein-Sonderburg- Glücksburg geladen.

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Die Kaiserin sieht sich zu ihrem eigenen lebhaften Bedauern auf ärzt­lichen Rat genötigt, auf die Teilnahme an der Reise des Kaisers nach Italien zu verzichten. Zu Besorg­nissen gibt glücklicherweise das Befinden der Kaiserin keinen Anlaß. Die Heilung des Armbruchs verläuft normal. Immerhin muß sich die hohe Patientin noch Schonung auferlegen.

Aus Metz wird demB. L." mitgeteilt, daß der kommandierende General des XVI. Armeekorps, General- Oberst Graf von Häfeler, der Ende dieses Monats sein SOjähriges Dienstjubiläum feiert, den Kaiser ge­beten habe, alsdann in den Ruhestand treten zu dürfen. Die meiste Anwartschaft, sein Nachfolger zu werden, soll der jetzige Gouverneur von Metz, General- Leutnant S t ö tz e r, haben.

Der IX. Kongreß gegen den Alkoholis­mus wurde am Mittwoch vormittag in Bremen im großen Saale des Künstlervereins eröffnet. Im Namen des Reiches begrüßte Staatssekretär Graf Posadowsky die Teilnehmer des Kongresses und führte aus, daß die Entwicklung der modernen Kultur, in welcher das Leben sich vorwiegend nicht mehr in Gottes freier Natur, sondern in geschlossenen Räumen vollziehe und an die geistige und körperliche Spannkraft jedes einzelnen er- höhte Anforderungen stelle, die Gefahr des übermäßigen Alkoholgenusses erhöhe, und daß deshalb eine Be­kämpfung der Alkoholgefahr umso notwendiger sei. Die Gesetzgebung würde stets nur äußerlich, gewissermaßen mechanisch, eine gewisse Hülfsaktion leisten können, die innere Heilung des Uebels müsse ohne Beschränkung jeglichen Lebensgenusses aus einer veredelten Volkssitte hervorgehen. Und hier erwachse, namentlich den höher gebildeten Gesellschaftsklassen, die ernste Pflicht, Führer der Mission zu sein. Möchte deshalb, so schloß der Staatssekretär, der Kongreß ein neuer Markstein sein auf dem Wege des Fortschritts menschlicher Gesittung.

Die vom Reichskanzler veranlaßten Erhebungen über eine etwaige Herabsetzung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiterinnen sind nunmehr abgeschlossen. Die Arbeitgeber haben sich nahezu ausnahmslos, da­runter auch diejenigen, die bereits von ihren Arbeiter­innen nur eine zehnstündige Arbeitszeit bei einer Mit­tagspause von tVa Stunden verlangen, entschieden gegen eine gesetzmäßige Festlegung solcher Arbeitszeit erklärt. Hauptsächlich wird geltend gemacht, daß ein gewisser Spielraum bestehen müsse, schon damit manche Betriebe, die, wie beispielsweise Färbereien, im Winter das knappe Tageslicht auszunlltzten hätten, in der Lage seien, die Mittagspause nur auf eine Stunde festzusetzen oder im Sommer elf Stunden arbeiten zu lassen, wenn besonders zahlreiche Aufträge vorlägen. Würde man ihnen dies durch die vom Reichskanzler ins Auge gefaßte Abänderung des § 137 der Gewerbeordnung unmöglich machen, so würde die Folge sein, daß sie Arbeiterinnen überhaupt nicht mehr oder nur in beschränkter Anzahl einstellen würden. Es ist demnach anzunehmen, daß von der ge­planten Aenderung des § 137 der Gewerbeordnung Ab- stand genommen werden wird.

In der Angelegenheit der Prinzessin Luise von Toskana scheint jetzt eine etwas mildere Auf­fassung am Dresdener Hof platzgegriffen zu haben. Wie derB. L.-A." aus Dresden berichtet, wird in der dortigen katholischen Hofkirche wieder fürdie unglück­liche Frau" gebetet, nachdem die ehemalige Kronprin­zessin längere Zeit aus dem Gebet ausgeschlossen ge­wesen war.

Der Reichskanzler, G r a f B ü l o w, hat sich einem französischen Journalisten gegenüber, der ihn in Sorrent aufsuchte, in bemerkenswerter Weise über die gegen­wärtige politische Lage ausgesprochen. Während pessimistisch gestimmte Beobachter der augen­blicklichen Vorgänge auf dem Balkan und in Marokko sich einiger Befürchtungen für die Fortdauer des all­gemeinen Friedens-Zustandes nicht entschlagen können, versichert der Leiter der deutschen Politik, daß in dieser Beziehung irgendwelche Besorgnisse nicht am Platze seien. Noch zuversichtlicher klingen seine Bemerkungen über den vortrefflichen Stand unserer Beziehungen zu Frankreich. Die überaus schmeichelhaften Bemerkungen, die Graf Bülow insbesondere über die kulturellen Verdienste der französischen Nation machte, dürsten bei unserm west­lichen Nachbar ein freundliches Echo finden.

Zu den bemerkenswerten Ergebnissen des im März 1903 in Paris abgehaltenen Kongresses für die technische Verwertung von Alkohol gehören die Studien über die Art und die Mittel der Denatu- rierung. Der Kongreß fand sich in der Auffassung zu­sammen, daß eine Abänderung der geltendenfranzösischen DenaturierungSordnung, die einen Zusatz von Holzgeist in dem hohen Umfange von 10 pCt. der zu denatu­rierenden Branntweinmenge vorschreibt, aus technischen und wirtschaftlichen Gründen unabweisbar ist, da ein so