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Sr. 48. ZmerstW -ei 28. AM 1903.

Nichtamtlicher Teil.

Der Reichstag

tritt in das letzte BeratungSstadium während der lau­fenden Legislaturperiode ein. Er hat noch recht wichtige Fragen, wie die der Aenderung des WahlreglementS, der Novelle zur Krankenversicherung, des PhoSphorzünd- warengefetzeS u. f. w. zu erledigen, und man wird, da auch der Termin für die neuen Reichstagswahlen nun­mehr festgesetzt ist, auf recht heftige Erörterungen ge­faßt sein müssen. Im übrigen hat er, der nunmehr seinem Ende zugeht, -soviel man auch an ihm auszu- setzen gehabt hat, doch in einigen Punkten für das All­gemeinwohl nützliche Errungenschaften zu verzeichnen. Dazu rechnen wir in erster Linie die Sicherung des Ausbaues der deutschen Flotte durch die Flottengesetze. Es ist fraglos, daß Nationen, die sich einen Anteil an dem Weltverkehr sichern wollen, sich auf eine Flotte müssen stützen können, und wenn die im letzten Flotten­gesetze in Aussicht genommene Zahl von Kriegsschiffen auch Ergänzungen wünschenswert erscheinen läßt, so ist doch immerhin ein Fundament geschaffen, auf dem das in Aussicht genommene Ziel angestrebt werden kann. Die Flotte ist nicht Selbstzweck, sie soll dazu dienen, den deutschen Einfluß im Auslande, auf politischem wie auf wirtschaftlichem Gebiete, zu erhalten und zu stärken. Auf wirtschaftlichem Gebiete hat der Reichstag insofern einen großen Erfolg zu verzeichnen, als er dar neue Zolltarifgesetz tatsächlich zu Stande gebracht hat. Es wird ja noch einer ganzen Reihe von Korrekturen in den Zolltarifsätzen bedürfen, um das neue Gesetz den bestehenden Bedürfnissen des deutschen Erwerbslebens anzupasien, und der neue Reichstag wird als eine seiner ersten Aufgaben die hierzu, wie überhaupt zur Inkraft­setzung des neuen Tarifs notwendige Schaffung von Handelsverträgen in die Hand zu nehmen haben, aber mit dem neuen Zolltarif ist doch auch die Basis gegeben, auf der wir zu besseren Handelsbeziehungen mit dem Auslande werden gelangen können, und insofern ist das Verdienst des jetzigen Reichstags wohl anzuerkennen. Schließlich hat der Reichstag, wie er jetzt zusammengesetzt ist, an der sozialpolitischen Gesetzgebung mitgewirkt. Kommt die Novelle zum Krankenversicherungsgesetz, wie sie jetzt vorliegt, zu Stande, so wird der Reichstag an

Die Blüte des Bagno.

Roman von Goron und Emile Gautier.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Alle gaben sich den Dinerfreuden hin. Die Gäste dachten kaum an das versprochenebusiness, das recht ernster Natur sein mußte, da man die Liebhaber des Flirts des Vergnügens beraubt hatte, sich die Augen aus dem Kopfe zu sehen an den schönen Schultern der Baronin X., den schönsten Schultern von Paris.

Man erhob sich von der Tafel. Jedermann strebte dem Rauchsalon zu, und in dem allgemeinen Aufstand und Stühlerücken beachtete es niemand, daß ein Kammer­diener dem Baron einen Brief auf silberner Platte brächte. Die Gäste Saint-Magloires bemerkten auch nicht, daß dieser Brief in den Händen des Barons zitterte, als er ihn erbrach und eine Karte daraus her- vorzog. Er hatte die Zeit, sich zu fassen, und lächelnd las er die kleine Zeile:

Ich muß Dich sprechen."

Dies Sätzchen war nur mit dem BuchstabenB' gezeichnet.

Der Kammerdiener, der den Brief gebracht, wartete. Saint-Magloire war beunruhigt, verbarg es aber. Er wußte, wer der Unterzeichner des Billets war, er wußte auch, warum dieser so familiär und indiscret austretende Eindringling ihn in solcher Stunde zu sprechen begehrte.

allen drei ArbeiterversicherungSgesetzen Revisionen vor­genommen haben und zwar an Invaliden- und Unfall, versicherungsgesetz recht umfassende und einschneidende. Auch hier wird man dem Reichstage kein uneinge­schränktes Lob zu Teil werden lassen können. Es sind manche Bestimmungen in den neuen VersicherungS- gesetzen, wie die über die Ausfüllung der Reservefonds der BerufSgenossenschaften, die nicht nur unzweckmäßig, die auch unnötig sind, auch wird man sehr zweifelhaft darüber sein können, ob es angebracht war, die jetzige Novelle zur Krankenversicherung vor einer allgemeinen Revision zur Beschlußfassung zu stellen, aber im großen Ganzen wird anerkannt werden müssen, daß wenigstens hier der Reichstag an der Besserung der Verhältnisse mit zu arbeiten bestrebt gewesen ist. In anderer sozial­politischer Hinsicht ist er allerdings weit über das Ziel hinausgegangen. Hoffentlich erweist sich sein Nachfolger in dieser Beziehung besser wie sein Vorgänger. Die Sozialreform soll gefördert werden, aber nicht in einem Tempo, das für das Allgemeinwohl vorteilhaft nicht ausschlagen kann.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 21. April.

Heute morgen unternahm Se. Majestät der Kaiser eine Promenade im Tiergarten und machte darauf einen Besuch beim Reichskanzler Grafen v. Bülow. Mittags besichtigte Se. Majestät im Kaserne- ment des Garde-Trainbataillons ein Kavalleriebrücken­gerät und nahm aus Anlaß des 50 jährigen StiftungS. tages des Garde-Trainbataillons an einem Frühstück beim Offizierkorps desselben teil.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Londoner Daily Telegraph" hat die Nachricht gebracht, Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz werde im Laufe des Sommers einen Besuch in Karlsruhe machen, um dort der Prinzessin Alexandra von Cumberland zu begegnen. Diese Meldung ist gegenstandslos, sowohl den tatsächlichen Umständen nach, wie auch namentlich mit Beziehung auf die Tendenz, für eine angeblich geplante Verbindung zwischen Seiner Kaiserlichen Hoheit und der Prinzessin von Cumberland Stimmung zu machen. Ebenso falsch ist die aus Gmunden datierte Angabe desHannoverschen

Mit dem Bleistift schrieb er auf dieselbe mitB." Unterzeichnete Karte:

Erwarte mich auf der Place de l'Etoile, Ecke der Avenue du BoiS; ich werde gleich dort sein."

Holen Sie mir ein Couvert," befahl er dem Bedienten.

Während dieser tat, wie ihm geheißen, nahm der Baron lächelnd, ganz Herr seiner selbst und als ob ihn nicht im geringsten die Ungeduld verzehrte, die Unter­haltung mit seinen Gästen wieder auf:

Mit diesen ewigen Geschäften," sagte er.Man hat doch niemals seine Ruhe."

Der Kammerdiener kehrte mit einem Briescouvert zurück. Sorgfältig, ohne sich zu beeilen, verschloß Saint-Magloire darin die Karte.

Geben Sie das der Person, die wartet."

Gut, Herr Baron."

Ein Gast näherte sich Saint-Magloire und neigte sich zu ihm hin:

Gehen Sie, mein Lieber, ich wette, daß dies Geschäft Ihnen nicht viel einbringt."

Hoho! Vielleicht, Marquis."

Eine Herzens-Angelegenheit?"

Der Baron lächelte vielsagend. Daraus konnte man entnehmen, was man wollte, und es enthob ihn der Antwort.

Ich kenne das!" begann der Marquis wieder. Nur eine Geliebte darf es wagen, die Leute in solcher Stunde inmitten ihrer Gäste zu stören."

Eine Viertelstunde später erzählte der Neugierige,

Anzeigers," daß Seine Majestät der Kaiser und König für den Herbst des Jahres einen Besuch am Hofe des Herzogs von Cumberland beabsichtigte und voraussichtlich als Jagdgast des Herzogs mehrere Tage in Gmunden verweilen werde.

Der König Georg von Sachsen trifft am Mittwoch, dem 29. April, nachmittags mit einem Sonder- zuge auf dem Centralbahnhofe in München ein und wird von dem Prinz-Regenten, sämtlichen königlichen Prinzen und den Spitzen der Civil- und Militärbehörden feierlich empfangen werden. Abends findet bei dem Prinz-Regenten ein Familienmahl, am nächsten Tage eine große Prunktafel und abends eine Prunkvorstellung im Prinz - Regenten - Theater statt. Die Abreise des Königs nach Stuttgart erfolgt am 1. Mai vormittag«.

Eine Extra - Ausgabe desMilitärwo chenblattes" meldet: Generalleutnant v. Bülow wurde mit der Führung des dritten Armeekorps beauftragt und zum kommandierenden General dieses Armeekorps er­nannt.

Generaloberst Graf Häfeler, der komman­dierende General des XVI. Armeekorps, hat, wie aus Metz gemeldet wird, anläßlich seines bevorstehenden 50« jährigen Dienstjubiläums (26. d. Mts.) jede öffentliche militärische Ehrung durch die Garntsoü dankend abgc- lehnt, dagegen einen Fackelzug von Zivilvereinen ange­nommen. An dieser Ehrung werden sich über 2500 Personen mit neun MusikkorpS beteiligen.

Prinzessin Jrmengard von Bayern, Töchterchen des Prinzen und der Prinzessin Rupprecht, die zur Zeit in China weilen, ist heute in Tegernsee gestorben.

Im Reichstag eröffnete heute Präsident Graf Ballestrem die erste Sitzung nach den Ferien vor einem mäßig besuchten Hause. Er begrüßte die Abgeordneten aufs herzlichste und gedachte der in der Zwischenzeit ver­storbenen Mitglieder der Freisinnigen Volkspartei Knörcke und Munckel, deren Andenken das Haus durch Erheben von den Sitzen ehrte. Nach längeren geschäftlichen Mitteilungen wurde als erster Gegenstand die Novelle zum Reichsbeamtengesetz, die die Postassistenten im Aus­lande den Konsulatsbeamten bei Anrechnung der Dienst, jähre gleich stellt, in erster und zweiter Lesung ohne Erörterung erledigt. Dann wandle sich das Haus der Beratung des neuen Wahlreglements zu.

Die heutige Sitzung des A b g e o r d n e t e n h a use s

der zugleich ein Erzschwätzer war (der Baron wußte es wohl), in allen Ecken, wie der Gastgeber eine neue Intrigue mit einer anbetungswürdigen Frau eingefädelt habe. Doch da alle zugleich sprachen, hörte man ihn nicht, und niemand bemerkte das Verschwinden Saint- Magloires.

Ohne einen Augenblick zu verlieren, war der Bankier in sein Ankleidezimmer gegangen. Er hatte ohne die Hilfe eines Dieners über feinen Frack einen leichten Reisemantel geworfen, hatte einen weichen Hut aufge­setzt und war, um jede Begegnung zu vermeiden, die Dienertreppe hinabgeeilt. Durch den Garten des Hotels gelangte er auf die Champs-Elysees.

Als er allein war, überließ sich Saint-Magloire ganz feiner Unruhe. Auf feinem Gesicht hätte man die Angst lesen können, die ihn marterte.

Das Verlangen nach Aufklärung spornte seine Schritte zur Eile.

Es gelang ihm also nicht," murmelte er.Statt einer Depesche, wie abgemacht, kommt er selbst, auf die Gefahr hin, mich zu compromittiren."

Auf der Place de lEtoile ging ein Mann auf und ab. Er war klein und untersetzt, hatte die Hände in den Rocktaschen vergraben und pfiff vor sich hin. Er war der geheimnisvolle Brlefschreiber. Von Zeit zu Zeit stand er still, sah ärgerlich nach den ChampS- ElysseS und murmelte:

Donnerwetter auch ... der Chef läßt mich hier 'nen hübschen Stiefel warten!" Dann sprach er, wie um sich zu zerstreuen, immer auf und abwandelnd, vor