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Nr. 53. AchW ütn 5. Mai M.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 1. Mai 1903.
Im Monat April d. Js. sind dahier für folgende Herren Jagdscheine ausgestellt worden:
1. am 1/4. für Agent Joh. Simon Volkenand in Heringen,
2. „ 1/4. „ Landwirt Valentin Meister zu Beiers- graben Gemeinde Rotterterode,
3. „ 9/4. „ Rittmeister von Krosigk in Kleinensee,
4. „ 18/4. „ Gutsinspektor Erich Brenning zu Wilhelmshof,
5. „ 23/4. „ August Friedrich Gebühr in Heringen,
6. „ „ „ Friedrich Rudolph daselbst,
7. „ 27/4, „ Ober-Post-Assistent Ernst Valentin Glebe in Hersfeld,
8. „ 28/4. „ Gutsbesitzer Georg Pachten zu Hof Kühubach Gemeinde Petersberg,
9. „ 29/4. „ Gutsbesitzer Karl Bürger zu Obergeis,
10. „ 30/4. „ den von Baumbach'schen Waldwärter Andreas Kehl in Goßmannsrode,
11. „ „ „ Königlichen Forstanfseher Fraedrich in Niederaula — unentgeltlich —,
12. „ „ „ Landwirt August Lippelt in Stärklos,
13. „ *„ „ Volontair Gößling zu Eichhof. Der Königliche Landrat.
J. V.
T h a m e r.
Caflel, den 24. April 1903.
Auf Grund höherer Anregung hat der Vorstand des Dampfkessel-UeberwachungSvereins Hierselbst den Herrn Carl Fröhlich aus Delligsen Herzogtum Braunschweig als Lehrheizer aufgestellt und ist dieser von mir mit einer Ausweiskarte versehen worden.
Aufgabe des Lehrheizers ist es, die Kenntnisse der Heizer an ihrer Arbeitsstelle zu fördern. Namentlich soll er sein Augenmerk richten aus die zur Erzielung möglichst rauchfreier Verbrennung geeignetste Art der Bedienung des Rostes, auf die Vermeidung von Brenn- stoffvergeudungen, auf die richtige Bedienung und Unter» Haltung der Sicherheit«- und der Wasserstandsvor» richtungen, auf die Erkennung und Beseitigung von Störungen an diesen Apparaten und den Speiseein- richtungen, auf die In- und Außerbetriebsetzung sowie die Reinigung des Kesiels.
Die Blüte des Bagno.
Roman von Goron und Emile Gautier.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung )
Trdtz all dieser Schwierigkeiten und wenig heiteren Aussichten war Rozen voll Hoffnung. Er hatte Vertrauen in seinen Stern . . . Zudem warf gerade jetzt eine Idylle einen Hauch von Zärtlichkeit in sein Dasein. Seine Sammetaugen, seine angeborene Eleganz, welche die Gefangenenkleidung nicht ganz unterdrücken konnte, seine sicheren Manieren und die schmeichelnde, musikalische Stimme hatten eine Frau entzückt.
Der Häftling ward geliebt . . . Sie, deren Herz er gerührt, nannte sich Elena Ruiz. Sie war Erzieherin der Kinder des Direktors. Klein von Gestalt, aber wunderbar gebaut, mit dunklem Haar und blauen Augen von seltenem Glanz, war Elena schön und verführerisch, ein herrlicher Sproß der spanischen Raffe. Oft hatte Rozen sie im Hause deö Direktors gesehen, wenn er seine Arbeit nach dem Bureau brächte. Es schien ihm, als wenn sie ihn anfangs neugierig, dann mit einem Anflug von Bewunderung, gemischt mit Mitleid, betrachtete — mit jener Bewunderung, die die Frau für einen feingeprägten Männerkopf hegen kann, für ein leuchtendes Auge und für Lippen, die nur zum heißen Kusse da zu sein scheinen — und mit dem Mitleid für den Unglücklichen, der an die Schande des Bagno gefesselt ist.
Der Lehrheizer soll, bevor er Belehrungen zu geben sucht, zunächst den Keffelbetrieb hinreichend beobachten. Seine Einwirkung soll vornehmlich durch praktisches Beispiel erfolgen. Er ist befugt die Betriebseinrichtungen der Kesselanlage durch Ingangsetzen zu prüfen.
Der Lehrheizer hat sich aller selbstständigen Anordnungen zu enthalten. Zu Eintragungen in das Revisionsbuch oder zur Ausführung fälliger Untersuchungen der Kessel, auch der äußeren, ist er nicht befugt.
Auf Ersuchen des Kesselbesitzers oder seines Stellvertreters ist er verpflichtet, diesen von seinen Wahrnehmungen Kenntnis zu geben; außerdem hat er seine Beobachtungen dem VereinS-Oberingenieur mitzuteilen.
■ Der Lehrheizer ist verpflichtet, über seine Wahrnehmungen in den Kesselhäusern anderen Personen, als den oben bezeichneten Personen gegenüber Stillschweigen zu beobachten.
Der Lehrheizer darf von den Kesselbesitzern oder deren Stellvertreter keinerlei besondere Vergütung für seine Tätigkeit annehmen.
Ich mache die Kesselbesitzer auf die für sie sehr nutzbringende Einrichtung aufmerksam und empfehle ihnen, von der Tätigkeit des Lehrheizers ausgiebigen Gebrauch zu machen.
Ich bemerke noch, daß für die Lehrtätigkeit des Lehrheizers eine Gebühr nicht erhoben wird.
Der Regierungs-Präsident. J. V.: gez. Mayer.
An den Herrn Polizeipräsidenten hier und die Landräte des Bezirks und den Herrn Polizei-Direktor in Hanau und Fulda. A. II. 5312.
* *
*
Wird veröffentlicht.
Hersseld, den 29. April 1903.
I. 2716. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Nichtamtlicher Teil.
Die macedonische Gefahr.
Weit über 100 000 Mann türkischer Soldaten mit mehr als 400 Geschützen sind in Macedonien zusammengezogen. Man sollte meinen, daß eine solche Macht genügte, die Ordnung wiederherzustellen und die Durch»
Bei seiner Frauenkenntnis war Rozen sich sofort darüber klar, von welchem Nutzen ihm Elena Ruiz werden konnte. Er entdeckte in ihr eine romantische Natur, eine hingebungsvolle Seele und ein Herz, das nichts sehnlicher wünschte, als zu zittern und sich zu opfern.
Allmählich gelang es ihm, ihr eine Menge kleiner Dienste zu erweisen, stets zeigte er sich ihr ergeben und voll achtungsvoller Sorgsamkeit. Er heftete sich geradezu an ihre Fersen und suchte auf den Spaziergängen, die sie mit den Kindern ihres Herrn in den Gärten der Direktion machte, jede nur mögliche Gelegenheit, um mit ihr zu sprechen und vor ihr alle seine Ver- führungskünste spielen zu lassen.
Er suchte einen Vorwand und fand ihn bald, um ihr noch näher zu kommen. Ein Bübchen des Direktors spielte mit seinem kleinen Schiffe an einem Teichbasfin und stürzte dabei unglücklicherweise ins Waffer. Elena, die das jüngste der Kinder beaufsichtigte, hatte nichts davon gesehen. Rozen ging zufälligerweise vorbei und eilte dem unklugen Kleinen zu Hilfe, so daß er mit einem Bade davonkam. Zitternd bei dem Gedanken an das von dem jungen Manne verhütete Unglück, dankte Elena ihm in leidenschaftlicher Weise.
„Mein Fräulein," antwortete ihr Rozen, indem er seine flammenden. Augen auf sie heftete, „ich segne diesen kleinen Unfall, der mir erlaubt, von Ihren wunderbaren Lippen ein Wort zu hören, das auf den unglücklichen Sträfling wirkt wie wohltuender Tau auf die von heißer Sonne verwelkte Blume."
führung der Reformen zu sichern, wenn der ernste Wille dazu vorhanden ist. Dieser hat aber bisher gefehlt, wenigstens den aufrührerischen Albanesen gegenüber, da der Sultan den fanatischen Rachegeist der Ar- nauten fürchtet. Ferner ist nicht zu übersetzen, daß Macedonien von Gebirgen durchzogen ist, die große militärische Operationen hindern und mit ihren zahlreichen Schlupfwinkeln den Bandenkrieg erleichtern. Die Bulgaren haben diesen Bandenkrieg von langer Hand organisiert. Viele macedonische Bulgaren, also türkische Untertanen, haben in der Armee des bulgarischen Fürstentums gedient, um für den Aufstand militärisch ausge- bildet zu ijein, und außerdem liefert das Fürstentum zahlreichen Zuzug über die türkische Grenze. Wie es scheint, hat es aber auch reichliche Mengen von Dynamit geliefert, mit dem die Aufständischen gegenwärtig Schrecken und Verwirrung zu erregen suchen.
Die Attentate in Saloniki sind sehr ernster Natur. Ihr Zweck ist offenbar, die friedliche Politik der Großmächte zu durchkreuzen, Greueltaten der türkischen Soldateska hervorzurufen und dadurch die nächstbeteiligten Mächte zur Einmischung zu zwingen. Die türkische Verwaltung ist nicht ohne Schuld; die Dynamitanschläge auf die Bahnlinien und auf die Ottsmanbank in- Saloniki waren vorher angekündigt, trotzdem ließen es die Behörden an der nötigen Wachsamkeit fehlen. Reklamationen fremder Mächte, darunter auch Deutschlands, sind die unausbleibliche Folge. Rächt sich so einerseits das schwächliche Zögern des Sultans, so wächst ander- derseits die Gefahr eines regelrechten Krieges der Türkei gegen Bulgarien d. h. zugleich einer ernsten Störung des bisherige Einvernehmens unter den Großmächten.
Vor allem entsteht die Frage, ob Rußland nicht aus den Bahnen seiner bisherigen konservativen Politik herausgedrängt wird. Die Hoffnung der bulgarischen Brandstifter geht hauptsächlich dahin, daß sich Rußland genötigt sehen möge, an der Erschütterung des europäischen Besitzstandes der Türkei aktiven Teil zu nehmen. Allein abgesehen davon, daß die russische Regierung im Innern mit großen Reformen beschäftigt ist, liegt das russische Interesse gegenwärtig viel mehr in Ostasien, als am Balkan und am Schwarzen Meere. Dort sitzt ihm das mit England verbündete Japan im Rücken, das sich vorbereitet, um seine Stellung in Korea nach Ueberwindung des chinesischen Nebenbuhlers noch einen zweiten Krieg mit dem stärkeren Rußland zu führen.
Das junge Mädchen errötete. Diese poetischen, langsam gesagten Worte, denen die harmonische Stimme eine sonderbare Bedeutung verlieh, verwirrten Elena.
Auch Rozen schwieg. Er machte eine Bewegung, als wolle er davoneilen, dann ließ er sich plötzlich in einiger Entfernung von der Erzieherin auf das Bankende niederfallen und schien eine Beute der heftigsten Verzweiflung zu sein.
„Sie sind unglücklich, nicht wahr?" fragte ihn das junge Mädchen sehr bewegt.
Er nickte bestätigend mit dem Kopfe und rückte mit schnellem Entschluß ganz nahe zu ihr hin.
„Ja, ich bin unglücklich . . „ach, Sie können nicht wissen, wie furchtbar ich in diesem Augenblicke leide. Es ist mir, als verbrenne diese abscheuliche Tracht meinen Körper. O mein Fräulein, wenn Sie wüßten . . wenn Sie wüßten . .
Im Augenblick hatte seine fruchtbare Eiubildungs- krast einen kleinen Roman zurechtgeschmiedet . . . Um einen Freund vom Tode zu retten, um ihn vor Schande zu bewahren, vor dem Selbstmord — hatte er selbst Schiffbruch erlitten, hatte ihn die unerbittliche Gesellschaft gebrandmarkt . . . Voll Nachsicht hörte sie ihn an und ward immer mitleidiger für das ungerechte Schicksal des armen Jungen, der so hart gestraft wurde, weil er ein gutes Werk unternommen.
Elena hatte eine sehr lebhafte Einbildungsgabe und unterlag schnell den Eindrücken des Augenblicks. Sie wußte, daß die Galeere wie die Guillotine ihre Märtyrer hat, und für sie war der Sträfling hinfort ein Opfer