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Rr. 5L " IieOg ta 12. Mai 18V.

Amtlicher Teil.

Hersseld, den 8. Mai 1903.

Nach dem in der KreistagSsitzung am 28. März 1903 festgestellten KreishauShaltSetat für das Rechnungs­jahr 1903 sind 22 °/o der sämtlichen direkten Staats« steuern als allgemeine Kreissteuer zu erheben. Neben dieser Kreissteuer sind von den Landgemeinden und Gutsbezirken des Kreises, mit Ausnahme der mit Landwegebauauf- gaben bisher nicht belasteten Gemeinden Frielingen, Heddersdors, Kalkobes und Niederjossa, noch 7200 Mark a l s Beiträge zu der Kreiswegesteuer aufzubringen und erfordert diese Summe weitere 93/io % der sämtlichen direkten Staatssteuern. Die Stadt Hersfeld, die vorgenannten 4 Landgemeinden und der Fiskus haben hiernach für das Etatsjahr 1903 22 % der sämtlichen direkten Staatssteuern als Kreis- steuer zu entrichten, während alle übrigen Landgemeinden und Gutsbezirke 22 + 93/io = 313/io % zu entrichten haben.

Die Berechnung der Kreissteuer-Beträge für die Stadt« und Landgemeinden und die Gutsbezirke des hiesigen Kreises ist diesseits erfolgt und wird den Herren Bürger« meistern und Gutsvorstehern in den nächsten Tagen ein Auszug aus dieser Berechnung zugehen und wird ersucht, den darin namhaft gemachten Gesamtbetrag im Wege der Umlagenerhebung von den Pflichtigen zur Gemeindekasse einzuziehen und in vierteljährigen Raten an die Kreiskommunalkasie dahier (im Land­ratamtslokale) portofrei einzahlen zu lassen.

Die erste Rate wird am 1 5. M a i, die zweite Rate am 15. A u g u st , die d r i t t e Rate am 15. N o « vember d. I S. und die vierte Rate am 15. Fe­bruar 1904 fällig und sind diese Zahlungstermine genau einzuhalten.

Bei jeder Zahlung ist der Auszug aus der Berechnung zur Quittungsleistung auf demselben vorzulegen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Freiherr von Schleinitz,

A. 1460 Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 9. Mai 1903.

Die Königlichen Herren OrtSschulinspektoren des hiesigen Kreises wollen mir gefälligst bisspätestens

Die Blüte des Bagno.

Roman von Goron und Emile G a u t i e r.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Plötzlich stieß Rozen auf einen Mann, der aus einem Geschäftshause trat, auf beffen Mauern in großen Buch­staben zu lesen war:

Lavardens,

Roher Kautschuk. Commissionö- und Exportgeschäft." Ein doppelter Ausruf folgte dem Zusammenstoß der beiden Personen.

Rozen!"

Lavardens!"

In dem Aufschrei Rozens lag Freude Verwirrung und selbst Schrecken in dem Lavardens.

Nachmals führte der Zufall die beiden Männer zu­sammen. Sie hatten sich nie wiedergesprochen, seit sie London verlassen, wo beide ihre ersten Handelsstudien zurückgelegt. Lavardens hatte Rozen freilich inzwischen wiedergesehen, als letzterer die Zwangsjacke der Galeere trug und er selbst in Cayenne Unteroffizier der Marine- Infanterie gewesen. Die ganze Irrfahrt des Jugend- genossen war ihm bekannt, seine Verbrechen, seine Ver­urteilung. Im Lager hatte er ihn scheinbar nicht wiedererkannt, aus Mitleid für den, den er reich und lebenslustig gesehen und den die Schande der Sträflings- kleidung drückte. Soweit es ihm möglich gewesen, hatte

zum 16. d. Mts mitteilen, von wieviel Kindern die Ihnen unterstellten Schulen am 1. M a i d. I s. besucht worden sind und (bei mehrklassigen Schulen) wie viel davon auf eine Lehrkraft entfallen.

I. 2881. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Nichtamtlicher Teil.

Frankreich und der Besuch Kaiser Wilhelms beim Papste.

Unter allen gesitteten Ländern ist wohl Frankreich dasjenige, wo man am leichtesten glaubt, was man wünscht. Ein Stück jenes von Daudet so unübertrefflich geschilderten Gascogners, Tartarin von Tarascon, in dem der Leichtgläubige dem Aufschneider die Wage hält, steckt auch den Bewohnern des nördlichen Frankreichs, wenigstens was die Leichtgläubigkeit betrifft. Wie ehe­mals der Glaube an die grande nation, so ist auch der noch immer herrschende Traum der Revanche gegen Deutschland stark mit einer Eitelkeit versetzt, die sich nicht darauf beschränkt, sich selbst im besten Lichte zu sehen, sondern auch bei andern Schwächen und Nach­teile erblickt, die dem eigenen Vorteile dienen können.

Die Wahrnehmung, wie leicht man in Paris darauf verfällt, sich und andere täuschen zu wollen, machen wir jetzt wieder. Kaum hat Kaiser Wilhelm die ewige Stadt verlassen nach einer Aufnahme bei König und Volk der Italiener, wie sie nicht herzlicher sein konnte, so sucht auch dieAgence HavaS" in Paris, das unserm Wolffschen Bureau" entsprechende Institut, die Welt glauben zu machen, daß die Art des Kaiserbesuches beim Papst in offiziellen italienischen Kreisen einen peinlichen Eindruck gemacht habe, der immer mehr zunehme, so daß die politische Wirkung der Kaiserreise, so weit die italienische Regierung in Betracht komme, gleich Null sei. Unwillkürlich erinnert man sich hierbei der An­strengungen der französischen Diplomatie, die unver­änderte Erneuerung des Dreibundes zu hintertreiben. Wie sie fehlgeschlagen sind, so werden auch solche plumpen Versuche, hinterher in Italien gegen Deutschland Stim­mung zu machen, erst recht nicht verfangen. Es war nicht das erste Mal, daß unser Kaiser bei einem Besuche

er dazu beigetragen, das Schicksal Rozens zu mildern.

Als er das Regiment verlaffen, hatte sich Lavardens verheiratet. Dann hatte er sich als Kautschukhändler und Direktor einer Filiale seines Handelshauses in Valencia niedergelassen. Jedes Jahr zur Erntezeit kam er herüber, um die Einkäufe zu überwachen.

Lavardens!" rief Rozen von neuem und hielt dem Kaufmann die Hand hin.Welche Freude, Dich hier wiederzusehen!"

Doch der ehemalige Unteroffizier schien die darge­botene Hand des Landsmannes, mit dem ihn das Schick­sal hier zusammensührte und dessen Bekanntschaft keine Ehre war, nicht zu sehen.

Du, Du," stotterte er,aber ich hielt Dich für tot."

Gaston betrachtete sein Gegenüber mit seltsamem Lächeln. In seinen Augen zuckte und verschwand blitz» schnell eine Flamme.

Weshalb glaubtest Du dies?" fragte er.

Guter Gott, weil ich vor acht Tagen in Cayenne von Deiner Flucht hörte."

Ah! Und?"

Und von der Entdeckung menschlicher Ueberreste, halb von den Insekten zerstört, kaum noch die Knochen, aber aus den zerfetzten Kleidern die Buchstaben C. P. 883. Darum hat man auch Deine Todesuckunde ausgestellt."

Der Kaufmann las in Gastons Augen lebhafte Unruhe.

Sei ohne Sorge," fetzte er hinzu, nicht ich werde Dich verraten. Ein anderer Sträfling war am gleichen Tage wie Du geflohen, und wurde nicht wiedergefunden."

in Rom an dem Sitze des Oberhauptes der katholischen Christenheit nicht achtlos vorüberging, und die Begegnung mit dem Papste vollzog sich in denselben Formen wie früher.

Der sehr freundliche Charakter dieser Begegnung zwischen Kaiser und Papst mag nicht sowohl in Italien, als vielmehr in Frankreich peinlich berühren, weil man sich sagt, daß der Glanz des Empfanges des protestan­tischen Kaisers im Vatikan wahrscheinlich dem Ober­haupte des Landes der ehemaligen allerchristlichsten Könige versagt sein wird. König Viktor Emanuel wird dem« nächst dem König von England seinen Gegenbesuch machen und dabei auch in Paris vorsprechen. Dann soll Präsident Loubet nach Rom kommen, und es ist nun die große Frage, wie er sich dabei mit den Schwierig­keiten eines Besuches beim Papste abfinden wird. Die Beziehungen zwischen dem offiziellen Frankreich und der Kurie sind infolge des Gesetzes gegen die Kongregationen und der Energie, mit der das gegenwärtige Ministerium Combes die Austreibung der Orden aus Frankreich be­sorgt, äußerst gespannt. Es ist daher sogar davon die Rede, daß Präsident Loubet nicht nur keinen glänzenden, sondern überhaupt keinen Empfang im Vatikan haben werde. Das französische Land ist aber trotz aller großen Revolutionen und trotz der antiklerikalen Republik katho­lisch geblieben.

Soll die Behauptung, das amtliche Italien sei wegen des Besuches unseres Kaisers beim Papste verstimmt, die Vorbereitung für einen Richtempfang Loubets im Vatikan sein, so mögen sich die französischen Katholiken damit abfinden; uns kann es recht sein, da doch in Italien weder König noch Minister noch Parlament in der dritten Begegnung zwischen Kaiser und Papst etwas anderes sehen konnten, als den Beweis, daß Rom die Hauptstadt des italienischen Königreichs geworden ist, ohne den Vatikan in ein Gefängnis zu verwandeln.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 9. Mai.

Der Kronprinz und Prinz Eitel-Friedrich sind gestern in Berlin angekommen und am Bahnhöfe von der Kaiserin empfangen worden. Die letztere traf mit den Prinzen bald nach 6 Uhr Abends in Potsdam ein und begab sich nach dem Kabinettshause.

Der Flüchtling lächelte vielbedeutend. Er ließ dem anderen keine Zeit weiterzusprechen.

Rozen existirt nicht mehr für die Oeffentlichkeit um so besser," erklärte er;ich werde in eine neue Haut fahren und unternehmen, wovon ich träume, die Eroberung der Welt. Und Du wirst mir helfen, Lavardens! Ach, ich bitte Dich, vergiß die Vergangen­heit, vergiß die Fehler, an denen meine schlechte Er« ziehung mehr schuld ist als meine Eigenschaften. Das Unglück hat mich gebessert und reif werden lassen. Ich will mein Leben neu beginnen. Komm, gehen wir in die Posada, ich will Dir alles sagen, und wenn Du einwilligst, mir die Hilfe, deren ich bedarf, angedeihen zu lassen, werde ich Dich reich machen."

Immerfort redend, hatte er Lavardens in eine Wirtsstube gedrängt, und als sie in einem Seitenzimmer saßen, erzählte er ihm seine Leiden. Mit überzeugender Beredsamkeit sprach er ihm von seinen Hoffnungen, von seinen Plänen, sich wieder Ehre zu erwerben, von seinen Träumen von Glück und Macht.

Der Kaufmann hatte ihm zugehört und war wie be­rauscht von der Kühnheit der Pläne seines Gegenübers, doch bewahrte er scharfe Zurückhaltung und den einen Gedanken: sich so schnell wie möglich dieser Persönlich­keit zu entledigen, die er im Grunde fürchtete, da er sie jeder Tat für fähig hielt nur keiner guten.

So," sagte Rozen schließlich,werde ich mit allen möglichen Mitteln das nötige Kapital erwerben und dann wieder nach Paris eilen. Dort will ich in kurzer Zeit der oberste Schiedsrichter auf dem Gefchäftsmarkte