Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Die Jnsertionsgebühre» betragen für den Raum einer Tpaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender
Rabatt.
Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exd. Postaufschlag.
Sr. U
Lmersts- den 21. Mai
1901
Amtlicher Teil.
Kelranntmachung betreffend die Behandlung der noch im Umläufe befindlichen Taler österreichischen Gepräges.
Auf Grund des § 1 des Gesetzes, betreffend die Vereinstaler österreichischen Gepräges vom 28. Februar 1892 (Reichs-Gesetz-Bl. S. 315) in Verbindung mit Artikel 7 der Reichsverfassung hat der Bundesrat in Verfolg der am 8. November 1900 beschlossenen Außerkurssetzung der genannten Talergattung (vergl. die Bekanntmachung vom gleichen Tage, Reichs-Gesetz-B l. S. 1013) die nachfolgende Bestimmung getroffen:
Die bei den Reichs- und Landeskassen noch umgehenden Vereinstaler österreichischen Gepräges sind durch Zerschlagen oder Einschneiden für den Umlauf unbrauchbar zu machen und alsdann dem Einzahler zu- rückzugeben.
Ferner hat der Bundesrat sich damit einverstanden erklärt, daß die Kassen der ReichSbank mit diesen Talern in gleicher Weise verfahren.
Berlin, den 13. März 1903.
Der Reichskanzler.
In Vertretung:
gez. Freiherr von Thiel man«. An die Herren Landräte des Regierungsbezirks.
* * *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 11. Mai 1903.
I. I. 3039. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS-Rat.
Cassel, den 11. Mai 1903.
Ein Einzelfall gibt mir Anlaß, darauf hinzuweisen, daß als ZwangSsicherheitS - Verschlüsse im Sinne der §§ 47 Ziffer 12 und 38 Ziffer 12 der Baupolizeiordnungen II. und III. nur doppelte Türen mit einem Verschluß an der äußeren Tür, aus dem der Schlüssel nur nach vollständigem Verschluß abgezogen werden kann, anzusehen sind.
Ich ersuche die mit der Uebernahme von Bauten betrauten Personen entsprechend zu belehren und auch dafür Sorge zu trogen, daß das bauende Publikum von der Sachlage Kenntnis erhält.
Der Regierungspräsident. I. V.: Meyer.
An den Herrn Polizeidirektor zu Fulda und die Herren
Die Blüte des Bagno.
Roman von G 0 r 0 n und Emile Gautier.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Einverstanden," fuhr Rozen fort, „doch das aus rohem Silber oder aus Geldsilber gewonnene Gold, sollte es nicht etwa aus dem Rohsilber oder den Geldstücken herrühren? Wissen Sie nicht, daß die amerikanischen Piaster und vor allem gewisse, in der Nähe von Goldminen geprägte Piaster aus Silbermetall hergestellt find, das goldhaltig ist? Die Gelder der Restaurations- zeit, die gelegentlich der Krönung der Königin Viktoria geschlagenen Pence wurden lange von den Juwelieren wegen des Goldes gesucht, das sie enthielten. 1836 erfuhr ein französischer Chemist, Michel Poizat, daß Rußland im Begriff war, mit der Bank Rotschild eine Anleihe auf 50 Millionen ab,»schließen. Poizat, der wußte, daß gewisse russische Geldsorten Gold enthielten, suchte den Baron von Notschild auf und flüsterte ihm den Gedanken ein, in dem Anleihevertrag zu verlangen, daß die Summe nach Ablauf der Leihfrist in Silberstücken rückzahlbar sei. Kaiser Nikolaus achtete nicht darauf, und das berühmte Bankhaus erzielte aus diesem Grunde ein enormes Geschäft, an dem der Chemiker Poizat seinen guten Anteil hatte, wie es schien."
„Es giebt keine schlimmeren Tauben als die, die
Landräte des Bezirks mit Ausnahme des von Marburg. A. III. 3876.
♦ *
* Hersfeld, den 18. Mai 1903.
Wird den Herrn Ortsvorständen des hiesigen Kreises zur Kenntnis und weiteren Bekanntgabe mitgeteill.
II. 1847. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 16. Mai 1903.
Die diesjährige Werraschau von Philippsthal bis Widdershausen wird am 26. d. Mts. stattfinden, wovon ich die Interessenten hiermit benachrichtige.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 15. Mai 1903.
Unter dem Schweinebestande des Gutsbesitzers Reinhardt in Unterweisenborn ist die Rotlausseuche ausge- krochen.
I. 3143. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 18. Mai 1903.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden veranlaßt, mir innerhalb 8 Tagen (spätestens bis zum 26. d. Mts.) diejenigen Kriegervereine namhaft zu machen, die an der am 3. September d. Js. in der Nähe von Erfurt stattfindenden Kaiserparade des XL Armeekorps beteiligt zu werden wünschen.
Für die Zulassung der Vereine ist Bedingung:
1. Zugehörigkeit zum Preußischen Landeskriegerverbande,
2. Ueberreichung der Statuten mit den für die Erteilung der Genehmigung zur Führung von Fahnen gestellten Forderungen.
Von Vereinen, welche sich zu beteiligen wünschen, ist zugleich die Stärke der teilnehmenden Mitglieder anzugeben.
J. I. 3155. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
nicht hören wollen," erklärte Sokolow. „Ihr liebt mich alle, davon bin ich überzeugt; Ihr zweifelt nicht an meiner wissenschaftlichen Sachkenntnis, aber Ihr wagt nicht an eine Erfindung zu glauben, die Euch die Mittel giebt, eine Idee durchzuführen, an deren Verwirklichung Ihr bis dahin ebenfalls noch nicht glauben konntet. Etwas Geduld, Genossen," fügte der Gelehrte hinzu, zur Türe schreitend, „in einigen Minuten werde ich Euren ungläubigen Augen die Muster künstlichen Goldes vorlegen, die ich kürzlich herstellte."
„Sokolow ist doch nicht am Größenwahnsinn er« krankt?" bemerkte Rozen.
„Unser Freund ist trotz allem wohl fähig, das Problem der Goldfabrikation zu lösen," antwortete Dulac, „er ist vielleicht der erste Chemist der Zeit."
„Was mich anbelangt," meinte Macaron, „so halte ich den Genossen Sokolow zu allem fähig; er macht Euch mit seiner Wissenschaft, was Ihr wollt. Uebrigens hat er nie gelogen, und sobald er mal gesagt hat, daß er den Weg zur Herstellung von Gold aus Silber gefunden hat, so ist'S Ja und Amen!"
„Ich kann erst an die Verwandlung des Silbers in Gold glauben, wenn ich die Proben geprüft haben werde, die Sokolow uns zu zeigen versprochen hat," versetzte Rozen.
Der Gelehrte erschien wieder und übergab dem Abenteurer eine Platinschale, in der etwa ein Dutzend erbsengroßer Metallkörner von schöner gelber Farbe lagen.
Nichtamtlicher Teil.
Berlin, den 19. Mai.
Aus Urville, 19. Mai wird gemeldet: Seine Majestät der Kaiser unternahm heute vormittag um V2I2 Uhr einen Spazierritt in die Umgegend von Urville und kehrte um 1 Uhr nach dem Schlosse zurück. Für heute nachmittag sind der Bezirkspräsident von Lothringen Graf von Zeppelin-Aschhausen und der Regierungsund Baurat Dombaumeister Tornow zum Vortrage beim Kaiser befohlen. — Ihre Majestät die Kaiserin empfing heute mittag drei Arbeiterinnen der Dagsburger Stickereifirma Eduard Siegel, welche zahlreiche Arbeiten, darunter eine in Seide, Perlen und Gold ausgeführte prächtige Darstellung des Dagsburger Felsens mit der Kapelle vorlegten. Ihre Majestät die Kaiserin, welche zahlreiche Aufträge erteilte, überreichte jeder der Erschienenen eine goldene Brosche.
Heute Abend sind der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge gegen 8 Uhr von hier abgereist. Auf dem Bahnhöfe Kürzel waren zur Verabschiedung erschienen der Bezirkspräsident von Lothringen, Graf Zeppelin- Aschhausen, der Kreisdirektor von Metz, Graf Grignoncourt, der Kommandeur des XVI. Armeekorps, General der Infanterie Stoetzer, der Bürgermeister von Kürzel, sowie die Kriegervereine und Schulen. Der Kaiserin wurden von den Kindern zahlreiche Blumenspenden überreicht. Nach Verabschiedung von den Anwesenden bestiegen die Majestäten den Zug, der unter den Hurrarufen der Menge den Bahnhof verließ.
Der Kreis der in Vorbereitung befindlichen gesetzgeberischen Arbeiten des Reichs ist ein großer. Eine der wichtigsten legislatorischen Aktionen bildet die Vorbereitung neuer Handelsverträge, die auf Grund des neuen autonomen Zolltarifs abgeschlossen werden sollen. Daneben gehen die Vorbereitungen für die bekannten Aktionen zur Verstärkung der Wehr- fähigkeit Deutschlands. Der Entwurf zu einem neuen Militärpensionsgesetz ist schon längere Zeit in Arbeit. Dazu kommen wieder verschiedene sozialpolitische Entwürfe. So soll die Seemannsordnung dem neuen KrankenversicherungSgesetz angepaßt werden. Des Ferneren wird an dem nun schon seit längerer Zeit in Aussicht stehenden Entwürfe über die kaufmännischen Schiedsgerichte gearbeitet. Bekanntlich ist der Entwurf schon vor Monaten dem Bundesrate vorgelegt worden, jedoch
„Wenn ich nach der Farbe, dem Gewichte und dem Aeußern der Körner urteile," sagte Rozen, indem er zwischen seinen Fingern die von Sokolow fabricirten Metallstückchen befühlte, „dann habe ich unter meinen Augen eine Art Gold; aber ist es auch wirkliches Gold oder vielleicht nur eine glückliche Nachahmung von solchem?"
„Das künstliche Gold," begann Sokolow wieder, „besitzt alle Eigenschaften des der Erde abgewonnenen Goldes. Es hat seine Farbe, seine Dichtheit, Dauerhaftigkeit und Biegsamkeit ebenso wie die chemischen und spectroskopischen Eigenschaften."
„Noch eine Bemerkung," versetzte Gaston, „es wird die letzte sein. Ist das künstliche Gold nicht etwa be- stimmt, eine Kuriosität des Laboratoriums zu bleiben, wie jene von Moiffan im elektrischen Ofen aus zersetzter Kohle in Gußeisen erzielten mikroskopischen Diamanten- Fragmente?"
„Bis heute habe ich das künstliche Gold," antwortete Sokolow, „nur in kleinen Mengen und infolge sehr langwieriger, selbst zu langwieriger Manipulationen und Operationen gewinnen können. Ohne in Einzelheiten der Fabrikation einzugehen, in die ich Euch seiner Zeit schon einweihen werde, kann ich Euch vorläufig nur sagen, daß ich das sehr fein pulverisirte Silber bei äußersten Kältegraden behandele. Ich habe einen Apparat erfunden, der erlauben wird, eine Temperatur von 2500 unter Null zu erlangen; doch ich kann ihn nicht in Buenos Aires herstellen lassen. Somit habe