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«r. 80.

Ismrstiiz Iti 8. Zilli

1883.

Bestellungen

auf das Hersselder Kreisblatt mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt" und Illuftrirte landwirthschaftl. Beilage" für das dritte Vierteljahr werden von allen Kaiser» lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Teil.

Die Herren Bürgermeister der W a h l o r t e werden hierdurch angewiesen, die W a h l z e t t e l - U m s ch l ä g e, welche bei der am 16. Juni cr. stattgehabten Reichs- tagSwahl bezw. bei der am 25. Juni cr. stattgefundenen engeren Wahl keine Verwendung gefunden h oben, mir bis zum 13. d. Mts. unter gleich- zeitiger Angabe der Anzahl der U m - schlage z u z u s e n d e n.

Hersfeld, den 7. Juli 1903.

I. 4437. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 6. Juli 1903.

Die Erledigung meiner Verfügung vorn 23. April 1896, J. I. Nr. 2338, Kreisblatt Nr. 51, Untersuchung der Schweinefleisches auf Trichinen betreffend, wird hier» durch mit F r i st b i s z u m 10. d. M t s. in Erinnerung gebracht.

Gegen etwaige an diesem Termine noch säumige Herren Bürgermeister wird eine O r d n u n g s st r a f e von je 3 Mark festgesetzt werden.

Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungS-Rat.

Die Blüte des Bagno.

Roman von Goron und Emile Gautier.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung )

Der Kriegsminister tut, was Du willst; Du weißt da» sehr gut. Er wird das Geschäft nicht abschließen, bevor er Deinen Rat eingeholt hat."

Es ist richtig; ich halte ihn in Händen," sagte Rozen lächelnd,aber es gibt manchmal so merkwürdige Umstände, und dann . . ."

Schenke mir, bitte, noch einige Minuten," bat Elena.

Gern, zwei, aber nicht mehr!"

Elena vertraute Jvss einem Kindermädchen an und drängte den Geliebten in einen anstoßenden Salon.

»Ich habe Dir einiges zu sagen," stieß sie heraus.

»Dann mach schnell; ich bin mehr als eilig. Man erwartet mich."

»Du willst sagen: Germaine Reyval erwartet mich." . «^"maine Reyval?" lachte Rozen spöttisch.Du d"desi Dir wohl ein, daß ich der . . . Freund dieses Frauenzimmers bin?"

Sie ist Deine Geliebte, Gaston! Versuche nicht, leu8nen- Schon seit einigen Monaten wußte ich IE.mll der liebenden Frau denn ich e Dich noch immer mit der ganzen Krast meines K".?'. i^t spricht ja ganz Paris von Deinem Verhältnis mit Germaine Reyval. Du hälft mich doch

Hersfeld, den 4. Juli 1903.

In Verfolg meines Ausschreibens vom 14. Februar b. I., J. I. Nr. 961 (Kreisblatt Nr. 23) benachrichtige ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, daß nach der Entscheidung des Herrn Ministers des Innern vom 20. Mai d. I. die Beantwortung der Fragen 1 bis 12 des Fragebogens für die statistische Aufnahme der taubstummen Kinder injedemFalle durch den beamteten Arzt zu erfolgen hat. Die dadurch etwa entstehenden Reisekosten und Tagegelder werden auf die Staatskasse übernommen.

Im nächsten Jahre hat sich die statistische Auf­nahme der taubstummen Kinder, wie in Berichtigung meines vorerwähnten Ausschreibens hiermit angeordnet wird, aus diejenigen Kinder zu erstrecken, die in der Zeit vom 1. Juli b. JS. bis zum 30. September k. Js. einschließlich das sechste Lebensjahr erreicht haben oder erreichen werden. In den darauf folgenden Jahren hat sie sich auf diejenigen Kinder zu erstrecken, die in der Zeit vom 1. Oktober des Vorjahres bis zum 30. September des laufenden Jahres das 6. Lebensjahr erreicht haben oder erreichen werden.

I. 4305. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Nachdem das Königliche Ober-VerwaltungSgericht in einem Urteil vom 15. Mai 1902 die Gültigkeit von Polizeiverordnungen, welche öffentliche und private Lust­barkeiten an den Vorabenden bestimmter Festtage und in der ganzen Charwoche untersagen, anerkannt hat, werden die Ortöpolizeibehörden des Kreises hierdurch angewiesen, künftig auf die genaue Beachtung der ein­schlägigen polizeilichen Bestimmungen zu sehen.

Hersfeld, den 3. Juli 1903.

1. 4315. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Nichtamtlicher Teil.

Der Polonismus.

Zu den unerfreulichen Erscheinungen, welche die diesjährige Reichstagswahl zu Tage gefördert hat, gehört

nicht für so naiv, Deine Treulosigkeit nicht zu fühlen?" Meine liebe Elena," unterbrach sie Saint-Magloire und machte einige Schritte nach der Tür zu.Du bist eine anbetungswürdige Frau, eine erhabene Mutter, aber erlaube mir, Dir zu sagen, daß Du keine Spur gesunden Menschenverstandes besitzest. Wenn es Dir recht ist, sprechen wir morgen nach Belieben von dem Treubruch Deines sehr ergebenen Dieners und Freundes. Adieu also und auf Wiedersehen I"

Elena packte Saint-Magloire, der das Zimmer zu verlassen im Begriff stand, am Arm. Ihre Augen glänzten, und ihr Gesicht färbte sich hoch, als sie die Erinnerung an vergangene Zeiten zurückrief.

Es sind jetzt zehn Jahre verflossen," begann sie, als ich Dich in Cayenne bei dem Director der Straf­kolonie zum ersten Male sah und, gerührt von Deiner Leidensgeschichte, verführt von Deiner Schönheit, mich Dir hingab mit Leib und Seele. Als ich Dich in London zufällig wiederfand, reich und angesehen, hättest Du mich verleugnen und in die Gosse der Straße stoßen können. Aber Du warst edelmütig und gut. Seitdem bist DuKönig von Paris" geworden und wühlst im Golde; Du wolltest mich diesen Luxus teilen lassen, Du hast mich die Vorteile Deiner Macht genießen lassen, und Du hast mich vor der Welt als Deine Frau hin­gestellt. Vor allem aber, daß Du für Joss, unser liebes Kind, zärtliche Anhänglichkeit bezeigst, hat meine Bewunderung für Dich verdoppelt. Niemals habe ich versucht, das Geheimnis Deiner jetzigen Existenz zu durchdringen, die Gründe Deiner Handlungen zu kennen,

auch bae Wachstum der polnischen Fraktion. Wenn sie auch nicht ihre in den Jahren 1881 und 1893 er­langte Stärke von 18 bezw. 19 Mitgliedern wieder er­langt hat, muß doch der Gewinn von 2 Mandaten als ein höchst bedenkliches Zeichen für den Stand der pol­nischen Bewegung angesehen werden. Nicht etwa, daß das numerische Anwachsen der Fraktion von besonderer Bedeutung für die Zusammensetzung des Reichstages und seine Entscheidungen in wichtigen Fragen werden könnte; an dem Charakter der für die nächsten Jahre gewählten Volksvertretung und ihrer Gruppierung wird dadurch wenig geändert. Die polnische Fraktion wird in der großen Mehrzahl der zur Erörterung stehenden Fragen auf Seiten der Opposition zu finden sein und, wie bisher, keinen Anlaß vorübergehen lassen, um zu den gegen die Regierung gerichteten Angriffen ein volles Maß der ihrigen zu fügen. Man wird sogar damit rechnen müssen, daß das Auftreten der polnischen Ab­geordneten im neuen Reichstage ein noch schärferes als bisher fein wird, denn ein nicht geringer Teil der groß- polnischen Presse hat offen seiner Unzufriedenheit mit der in der letzten Session beobachteten Haltung der Fraktion Ausdruck gegeben, und es ist seitens der Leitung der großpolnischen Propaganda Vorsorge getroffen, daß alle Vorkommnisse, die sich nur irgendwie zu Beschwerden und Angriffen gegen die Preußische Regierung ver. wenden lassen, im Reichstage und im Abgeordnetenhaus« zur Sprache gebracht werden. An der nötigen Er­munterung der Abgeordneten selbst wird es die polnische Hetzpresse zu gegebener Zeit nicht fehlen lassen.

Was aber die neuerliche Verstärkung der polnischen Fraktion in einem weit gefährlicheren Licht erscheinen läßt, ist der moralische Eindruck, den zweifellos der Ge­winn zweier Mandate in sich trägt. Dabei ist zu be« achten, daß es neben dem westpreußischen Wahlkreise Thorn-Kulm ein oberschlesischer Bezirk, Kattowitz-Zabrze, ist, in denen der Polonismus zum Siege gelangt ist. Will man den Eindruck dieser Erfolge richtig abschätzen, so wird man sich vergegenwärtigen müssen, auf welcher Kultur- und Bildungsstufe die Masse der polnisch­sprechenden Bevölkerung steht, welche die führenden Komitees der großpolnischen Bewegung hinter sich haben. Die Geschehnisse vor und nach den Wahlen in allen Wahlkreisen mit überwiegend polnischsprechender Be­völkerung reden eine nicht mißzuverstehende Sprache und lassen erkennen, wessen man sich seitens einer Be-

von denen mir oft manche warum soll ich es nicht gestehen? eigenartig und selbst verdächtig erschienen. Ich bin Dein Spielzeug, Dein Sklave, ein gefügiges Instrument in Deinen Händen . . . Du bist ein Ueber» mensch, dessen Tun und Lassen ich nicht zu billigen oder zu tadeln habe. Aber ich liebe Dich, ich liebe Dich, und ich bin eifersüchtig! Ich dulde nicht, daß eine andere Frau Dich mir stiehlt!"

Erschöpft von der Aufregung brach Elena in Tränen aus.

Sage mir, Gaston," schluchzte sie,sage mir, daß Germaine nicht Deine Geliebte ist . . . schwöre mir, daß alle Welt gelogen hat und . . . daß Du nur mich allein liebst."

Der listige Verführer näherte sich der Weinenden, nahm ihre beiden Hände in die seinigen und zog sie auf ein Sopha zu sich nieder.

Der Kummer, den Dir die Erkrankung Jos^S bereitet, hat Dir ein wenig den klaren Verstand ge­trübt" murmelte er.Warum tust Du mir den Schimpf an, zu glauben, daß ich Dich wegen einer käuflichen Person vernachlässige? Seit dem Tage, an welchem mich Deine Liebe und Opferfreudigkeit aus den Schrecken der Galeeren erlöst hat, habe ich Dir eine Anhänglich­keit und Dankbarkeit geweiht, die keine Macht der Erde beeinträchtigen ober gar unterdrücken kann. Ich schwöre Dir, daß sich Deine Liebe mit Unrecht ängstigt. Ich weiß, daß der Schein gegen mich ist . . . und ich ver- stehe, daß für die neidische Welt mein sogenanntes Ver- Hältnis mit Germaine Reyval eine besiegelte Sache