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Xr. 91. Sitihl hu 1 Ailglift 1991
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 1. August 1903.
Im Monat Juli 1903 sind dahier für folgende Herren
Jagdscheine ausgestellt worden:
A. Jahresjagdscheine r
a. unentgeltliche:
1) am 1/7. für Gastwirt Jakob Nuhn in Niederaula;
2) „ 1/7. „ den Bierbrauerei-Geschäftsführer Friedrich Steinweg dahier;
3) „ 8/7. „ den Königlichen Gymnasial-Oberlehrer Dr. Stamm dahier;
4) „ 9/7. „ den Schloßgutsbesitzer Robert Patry in Hattenbach;
5) „ 15/7. „ den Landwirt Karl Hoßbach zu Hof Wei- ßenborn bei Friedewald;
6) „ 27/7. „ denVerwalter Karl Fildhut in Frielingen;
7) „ 30/7. „ den Kaufmann Heinrich Volkenand in Friedewald;
8) „ 31/7. „ den Rittergutspächter Karl Efchstruth in Frielingen;
b. unentgeltliche:
9) am 9/7. für den Königlichen Forstaufseher Marschausen- in KathuS;
B. Tagesjagdscheine:
10) am 8/7. für den OberleutnaM Suntheim dahier.
Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Gefundene Gegenstände:
Eine lederne wasierdichte Pferdedecke. Meldung des Eigentümer« bei dem Ortsvorstand in SchenkiengS- feld.
Nichtamtlicher Teil.
Der Berliner Kongreß.
Eine der glänzendsten Erinnerungen neuerer deutscher Geschichte ist mit dem 3. August verknüpft. An diesem Tage sind 25 Jahre verflossen, seit die Urkunden ausgetauscht wurden, mit denen die europäischen Großmächte die Beschlüsse des Berliner Kongresses ratifizierten. Die
Die Blüte des Bagno.
Roman von Goron und Emile Gautier.
(Nachdruck verboLs«^___ (Fortsetzung.)
33. Kapitel.
Mit unglaublichem Luxus inscenirt und von einer Elitetruppe aufgeführt, erlebte „Der Sturm" einen Triumph, der in der ganzen Pariser Presse gefeiert wurde.
Mit einem Schlage war Josef Bucquoy Großmeister seiner Kunst und das Lyrische Volksteater ein Mode- teater geworden, an dessen Kasse allabendlich Hunderte von Besuchern zurückgewiesen werden mußten. Die Ein- nahmen „überstiegen das Maximum."
Germaines Auftreten wurde an jedem Abend mit einer dreifachen Beifallsfalve begrüßt. Sie war wirklich anbetungswürdig in der Rolle der Titania, welche tatsächlich für sie geschrieben zu sein schien, wie es Dulac vorausgefühlt hatte. Die Liebe hatte seinen Kunstsinn und sein sicheres Urteil nur stärken können.
Dreifache, vierfache Hervorruse, wahrhafte Ovationen wurden ihr nach jedem Aktschluß inmitten einer fieberhaften Begeisterung dargebracht. Die berückende, strahlende Schönheit des Weibes hatten daran wohl ebenso viel Anteil wie die Bewunderung für das Talent der Künstlerin.
Die Leidenschaft Saint-Magloire« war durch Germaine« Erfolge bis zur krankhaften Vergötterung
politische Lage war vorher außerordentlich verwickelt. Durch den Frieden von San Stefano, der den russisch- türkischen Krieg beendete, wollten sich die Russen zu Herren des Balkans machen. Die Vernichtung der Lebensfähigkeit der Türkei stieß aber auf energischen Widerspruch besonders Englands und Oesterreich-Ungarns, sodaß ein englisch-russischer Krieg um Konstantinopel auszubrechen drohte. Da erhielt unser damaliger Reichskanzler, Fürst Bismarck, von Rußland den amtlichen Auftrag, einen Kongreß der Großmächte zur Regelung der Angelegenheit nach Berlin einzuberufen. Dieser Kongreß hat vom 13. Juni bis zum 13. Juli 1878 unter dem Vorsitz des Fürsten Bismarck getagt.
Von den Teilnehmern an dem Kongresse ist heute nur noch einer am Leben, der damalige zweite Vertreter Englands, Lord Salisbury, und der hat sich vom öffentlichen Leben zurückgezogen. Die deutschen Vertreter, Fürst Bismarck, Staatssekretär v. Bülow, der Vater des jetzigen Reichskanzlers, und der dritte Kanzler, Fürst Hohenlohe, sind tot; ebenso die österreichisch-ungarischen Vertreter Graf Andraffy, Graf Karolyi und Baron Haimerle; die Franzosen Waddington und Graf St. Vallier; die Engländer Lord Beaconsfield und Lord Odo Ruffel; die Italiener Grafen Korti und de Launay; die Russen Fürst Gortschakom, Graf Peter Schuwalow und Baron v. Oubril und die Vertreter der Türkei Karatheodory Pascha, Mehemed Ali und Sadullack Bey.
Der Berliner Kongreß hat seine Hauptaufgabe gelöst; es ist ihm gelungen, die gefährliche Teilung der Türkei um Jahrzehnte hinauszuschieben. Der englisch-russische Krieg um Konstantinopel wurde vermieden, das Gleichgewicht Europas, soweit es von Balkan-Angelegenheiten bestimmt wird, gesichert. Abgesehen von der Korrektur, die mit der Angliederung Ostrumeliens an Bulgarien später erfolgte, hat das Werk de« Kongresses Bestand gehabt. Serbien, Rumänien, Montenegro sind selbständige Staaten, Bulgarien hat sich nach einigen Schwankungen wieder unter den maßgebenden Einfluß Rußlands gestellt. Die Wünsche Griechenlands, das vor dem Kongreß den hungrigen Mund weit geöffnet hatte, wurde mit einer ZukunftsAnweisung abgespeist, und erst im Jahre 1880 fand eine Konferenz in Berlin statt, die Griechenland fast ganz Thessalien und einen Teil Albaniens zusprach. Aber diese Nachoperation hatte den Vorteil, daß sie in einer politisch sichern Zeit vorgenommen wurde.
Nur eine Gefahr ist geblieben, weil es nicht in der
gestiegen, was bei einem Manne seines Schlages wirk- lich unbegreiflich war.
Er konnte ohne Germaine nicht mehr leben.
Fast jeden Abend erwartete sie fein Wagen am JflÜlAöJlÄftja—ULS—yarttara--unh hrnAtp tj- imh ihn in Dill Moderestaurant, wo er mit ihr soupirte. Man konnte die Nächte zählen," die er zu Hause verbrachte. Diese« Verhältnis wurde bald zum Stadtgespräch, und Dulac konnte sich trotz der Zähigkeit und Beharrlichkeit seiner Illusionen nicht mehr lange über die ganze Tragweite seines Unglücks hinwegtäuschen.
Trotzdem bemühte er sich immer noch, sein furchtsames Vertrauen zu stärken.
„Germaine kann doch diesen Saint-Magloire nicht lieben," dachte er, „ebensowenig wie dieser GelegenheitS« baron eine« aufrichtigen Gefühls fähig ist . . . Die ganze Sache ist bei ihnen eine prahlerische Eitelkeit, die, wie man sagt, für die Galerie bestimmt ist.
Warum soll ich mich da aufregen? Germaine wird mir ja doch wieder ganz gehören. Sie wird mit diesem Saint-Magloire endgiltig brechen, den sie jetzt vielleicht gerade meinetwegen schont. Sie fürchtet wahrscheinlich, daß er mir den Credit entzieht, über den ich verfüge, sobald sie ihn verläßt, um in meine Arme zurückzukehren."
Bei dieser Wankelmütigkeit, die der Grundzug seine« Charakters war, beschloß er endlich, sich mit dem Bankier auszusprechen.
„Es ist Zeit," schloß er, „daß diese Komödie ein Ende nimmt."
Aber gerade, als wolle er die Eifersucht des Teater-
Macht des KongreffeS gelegen hat, ihrer Herr zu werden : die Mißstände in den europäischen Provinzen der Türkei, Macedonien und Albanien. Wäre es der Pforte gelungen, dem Artikel 23 der Berliner Friedensakte entsprechend dort Ordnung und Ruhe zu stiften, so würden die großbulgarischen, die serbischen und hellenischen An- spräche an diese Gebiete wenig bedeuten. Das russischösterreichische Abkommen von 1897 hat die Lücke, die an diesem Teile des Berliner Friedenswerkes klafft, nur notdürftig geschloffen.
Dem Genie Bismarcks ist es zu danken, daß im Jahre 1878 ein europäischer Krieg vermieden wurde, und daß das gegen die Türkei siegreiche Rußland manches Blatt aus seinem Lorbeerkranz sich nehmen lassen mußte. Fürst Bismarck hat indessen mit Recht darauf hinge- wiesen, daß er für Rußland getan hat, was mit der Rolle des „ehrlichen Maklers" in Einklang zu bringen war. Immerhin bahnte sich auf dem Berliner Kongreß jene Abkühlung der deutsch-russischen Freundschaft an, die schließlich zum Zweibunde führte. Erst unserm jetzigen Kaiser ist es durch persönliche Aussprachen mit dem Zaren gelungen, das Mißtrauen Rußlands in die deutsche Politik zu beseitigen.
Politische Nachrichten.
Berlin, 2. August.
Se. Majestät der Kaiser begab Sich gestern, wie aus D r o n t h e i m gemeldet wird, mit vier Herren der Umgebung zu dem Mr. Molyneux, um dort das Frühstück einzunehmen, während der größere Teil der Gesellschaft die übliche Tour nach dem Fjeldsaeter machte. Das Wetter hat sich leider eingetrübt. An Bord alles wohl.
Der Kaiser hat den G r a f e n von Turin für Mitte August zur Teilnahme an den Kavallerie-Manövern bei Altengrabow, den Herzog von Aosta und den General- Inspekteur Orgier zur Teilnahme an den Manövern zwischen Erfurt und Merseburg eingeladen. Die Einladungen sind angenommen worden.
Die für die einleitenden Verhandlungen zur Revision des Handelsvertrages mit Rußland bestimmten deutschen Kommissare haben sich nach Petersburg begeben.
Auf Antrag des Oberpräsidiums in Breslau hat sich
DirectorS noch reizen, behandelte ihn der Baron mehr und mehr wie einen Fremden. Er ging ihm sichtlich aus dem Wege und wechselte mit ihm nur ein paar oberflächliche Worte, wenn er ihn in den Gängen des ^"Macl iWriHWWtFWeTmn^
wieder verschob er die Stunde der gegenseitigen Aussprache.
Eines Abends aber, als seine Nervosität ihren höchsten Grad erreicht hatte, hielt er die Hand des Barons fest, welcher ihm im Vorübergehen nachlässig die Fingerspitzen gereicht hatte.
„Ich muß Dich unbedingt sprechen," flüsterte er dem Abenteurer in« Ohr.
„Um was handelt es sich denn?" fragte dieser gelangweilt.
„Um Germaine."
Saint-Magloire hatte verstanden. Das würde eine spitze Unterhaltung werden. Seiner Gewohnheit gemäß ging er deshalb sofort zu kräftigem Angriff über:
„Mein Lieber," höhnte er und heftete dabei seinen magnetischen Blick auf Dulac, „mein Lieber, Du wirst wohl verzeihen, wenn ich Dir auf dieses Gebiet nicht folge. Mein Verhältnis mit Germaine geht Dich nichts an. Ich habe Dir ein Teater gegeben, welches Du nach Deinen Launen dirigiren kannst; ich verspreche Dir, neuen Opern zu durchschlagendem Erfolg zu verhelfen, ich verspreche Dir, die Kunst zu erneuern, auf- zufrischen. Stopfe Dich mit Geld und Ruhm bis oben hin voll, aber laß es Dir nicht einfallen, Deine Nase in meine Angelegenheiten zu stecken.