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Sr. 96.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 12. August 1903.

In deu nächsten Tagen werden den Herren Ortsvor­ständen des Kreises, soweit solche s, Zt. die H e b e l i st e n über die Beiträge zur Landwirtschafts­kammer an die Letztere eingesandt haben, solche diesseits zurückgesandt.

Bei Prüfung dieser Listen hat sich ergeben, daß bei einer Anzahl Gemeinden der Gesamtbetrag gegen die früheren Jahre zurückgegangen ist, ohne daß in der Hebeliste der Grund für diesen Rückgang ersichtlich gemacht wäre.

Die Herren Ortsvorstände erhalten die Auflage, die Beiträge für das Jahr 1903 nunmehr sofort eventuell unter Mitwirkung des Katasteramts sorgfältigst zu ermitteln bezws. festzustellen, und den Sollbetrag bis spätestens bis zum 1. September d. I s. mir berichtlich an- zuzeigen.

Die Abführung der Beiträge an die Königliche Kreis­kasse hat b i s z u m 10. S e p t e m b e r d. I s. zu geschehen.

Hierbei bemerke ich, daß nur die im Jahre 1900 unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars aufgestellte Hebe- liste welche für 5 Jahre eingerichtet ist Gültigkeit W. Die von einzelnen der Herren Ortsvorstände aufge­stellten neuen Listen unter Benutzung anderen Formulars sind deshalb nach der sofort vorzunehmenden Ergänzung der ersterwähnten älteren Liste (d. h. nach Eintragung der Beiträge für 1903) zu kassiren.

I. I. Nr. 5558. Der Königliche Landrat

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 11. August 1903.

Der seitherige Ortsschätzer in Hilperhausen, August Lorentz, ist auf Antrag von seinem Amte entbunden worden. Als Nachfolger ist der Gastwirt Heinrich Hildebrandt da­selbst imb an Stelle des verstorbenen Philipp Altmüller der Landwirt Johann Valentin Horst als stellvertretender Ortsschätzer bestellt worden.

I. 5415. Der Königliche Landrat.

I. V.

T h a m e r.

Hersfeld, ben 11. August 1903.

Für deu am 26. November 1882 zu Rohrbach gebo­renen Schlosser Bernh. Georg Kurz ist um Entlassung aus dem preußischen Untertanenverbande nachgesucht worden.

Der Königliche Landrat Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rat.

E Amtliche Richtigstellung.

"^iT der Nr. 172 der Hersfelder Zeitung vom 25. Juli 1903 war einEingesandt" vom 21. Juli 1903, dem zu Folge ein Kind an Jmpfvergiftung gestorben sein sollte. Die von dem Unterzeichneten am 25. Juli 1903 vvrge- nommene Untersuchung hat ergeben, daß das Kind, Wilhelm Christian in Ausbach, nicht an Folgen der Schutzpocken- impfung, sondern an Rippenfellentzündung gestorben ist, welche mit der Schutzpockenimpfung in keinerlei ursächlichem Zusammenhang stand.

Hersseld, den 11. August 1903.

Medizinalrat Dr. C. Victor, Kreisarzt.

Nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

Die U e b e r j ch w e m ni u n g s g e b i e t e in Schlesien, Posen, Westpreußen und Brandenburg nehmen die frei« Eilige Hülsstätigkeit sowie die Arbeit der Verwaltungs­behörden aufs stärkste in Anspruch. Kaiserin Auguste Viktoria war selber in den am ärgsten bedrängten Ge­bieten erschienen, um überall helfend und fördernd, aus- munternd und tröstend einzugreifen. Angesichts dieser

Tatsachen verstummen die Klagen, daß noch mehr ge« schehen könne, auf der ganzen Linie. Nur die Sozial- demokratie wird nicht müde, auch aus diesem schweren Unglück Kapital zu schlagen für ihre politischen Be­strebungen. Selbst mit den edlen Absichten der Kaiserin soll das Volk unzufrieden gemacht und von vornherein der Trost, die Aufrichtung und Ermunterung, die der Besuch der edlen Landesmutter bringen wollte, illusorisch gemacht werden. Es ist dringend zu wünschen, daß solches Treiben von allen monarchisch gesinnten Deutschen und das ist, Gott sei Dank, doch noch die über­wältigende Mehrheit unseres Volkes mit der ge­bührenden Schärfe zurückweijen wird.

In Ungarn hat das Kabinet KhuenHedervary feine Entlassung gegeben, und Kaiser Franz Josef hat die Demission angenommen. Der ungarische Reichstag hat sich darauf bis zur Erledigung der Kabinetskrisis vertagt. Welchen Verlauf die Krisis nehmen wird, da­rüber lasten sich vorläufig nur Vermutungen anstellen. Es handelt sich darum, ein neues ungarisches Kabinet ausfindig zu machen, welches die Bürgschaft der Dauer­haftigkeit einigermaßen in sich trägt, und es wird die Entscheidung darüber getroffen werden müssen, in wieweit zur Beseitigung der Obstruktion und auch zur Zufrieden- stellung eines namhaften Teiles der Regierungspartei nationale Konzessionen auf militärischem Gebiete gewährt werden können, ohne das Wesen der einheitlichen Armee zu gefährden.

In Frankreich wird das öffentliche Interesse naturgemäß zur Zeit von dem furchtbaren Unglück auf der Pariser Stadtbahn, das in der ganzen zivilisirten Welt die lebhafteste Teilnahme hervorgerufen hat, be­herrscht. Daneben bietet der Humbertprozeß der Sen­sation Stoff zur Befriedigung. Das politische Leben aber steht nach wie vor unter dem Zeichen des Gegen­satzes zwischen Klerikalen und Freidenkern oder Natio­nalisten und Republikanern. Erst jüngst hat Minister­präsident Combes auf einem Lehrerkongreste zu Marseille diesem Gegensatze wieder scharfen Ausdruck geliehen und den Kampf gegen KlerikalismuS und Kongregationen als das Programm der französischen Regierung bezeichnet. Mit bemerkenswerter Schärfe tadelte er dabei auch das Verhalten der höheren Geistlichkeit.

In den B a t k a n st a a t e n hat sich die Lage augen. blicklich wieder sehr verschlimmert. Die Ermordung des russischen Konsuls Rostkowsky in Monastir gab der Petersburger Regierung Anlaß zu sehr ernsten Vor­stellungen bei der Pforte. Aber auch durch eine noch so nachdrückliche Sühne wird die Wiederkehr derartiger Ereignisse nicht verhindert, solange die intransigenten Elemente der kleinen Balkanstaaten mit allen Mitteln auf kriegerische Abenteuer hinarbeiten. Sie rechnen dabei zunächst mit keinen bestimmten Zielen, sondern sind vor­läufig von der Einbildung befangen, daß, sollte es ihnen erst gelingen, den Frieden zu stören, ihre Sonder- Juteressen dann schon die Rechnung finden würden. Es ist ein Spiel va banque in der Spekulation auf die Uneinigkeit der europäischen Mächte. Hoffentlich gelingt diese Spekulation nicht.

Politische Nachrichten.

Berlin, 13. August.

Se. Majestät der Kaiser ist gestern nach­mittag 2 Uhr 37 Min. unter dem Salut der Forts und derNymphe" sowie dreifachem Hurra der paradieren­den Matrosen und herzlichen Zurufen des Publikums von Swinemünde nach Wildpark abgereist. Dort traf Se. Majestät um 7Va Uhr ein, wurde vom Kron­prinzen empfangen und begab Sich mit diesem nach dem Neuen Palais. Heute vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser im Neuen Palais den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts. Zur Mittagstafel waren geladen Reichskanzler Graf v. Bülow und der Chef des Zivilkabinetts v. Lucanus.

JhreMajestät dieKaiserin empfing gestern

im Neuen Palais nach der Rückkehr aus Schlesien und Posen den Oberpräsidenten von Bethmann-Hollweg, um von ihm Mitteilungen über den Umfang und die Art der auch in der Provinz Brandenburg zu beklagenden Hochwasserschäden entgegenzunehmen. Ihre Majestät ließ dem Oberpräsidenten als Beihülfe für besonders dringende Notfälle den Betrag von 3000 Mk. überweisen.

Der frühere Reichstagspräsident, Wirklicher Geheimer Rat von Levetzow, ist auf seinem Gute Gossow bei Königsberg (Neumark) gestorben. Mit ihm ist ein Politiker und Parlamentarier dahingeschieden, der stets in wahrhaft konservativem Sinne gewirkt hat, und dessen Verdienste um die politische Entwicklung des Vaterlandes unvergänglich sind. Auf den zahlreichen Ehren- und Vertrauensposten, zu denen von Levetzow im Laufe seines langen und erfolgreichen öffentlichen Wirkens berufen wurde, hat er sich allzeit als ein Mann von lauterm Charakter und unabhängiger Gesinnung erwiesen, dessen Königstreue und echte Vaterlandsliebe auch dem Gegner Achtung abnötigten. Sein Hinscheiden reißt, obwohl schwere Krankheit ihn in den letzten Jahren an der Betätigung als Politiker hinderte, eine schwer auSzufüllende Lücke in den Reihen der konservativen Partei.

Von den Königlichen Eisenbahndirektionen in Erfurt und Halle sind für einzelne Werkstätten Kaffeemaschinen beschafft worden. Ferner find in den Werkstätten des Eisenbahndirektionsbezirks Essen Vorrichtungen zur Her­stellung von Brausewasser und Brauselimonaden vor­handen. Da sich diese Einrichtungen bewährt haben und durch sie gesunde Getränke für die im Dienste befindlichen Beamten und Arbeitern zu einem äußerst niedrigen Preise her­gestellt werden können, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten die Königlichen Eisenbahndirektionen ermächtigt, geeignete Maschinen und Apparate für die Werkstätten, sowie für größere UebernachtungS, und Aufenthaltsräume nach Maßgabe der verfügbaren Mittel zu beschaffen, so­weit nicht die Arbeiter selbst die Beschaffung auf eigene Kosten vorzunehmen wünschen. Die Getränke sind den Beteiligten zu dem Selbstkostenpreise zu verabreichen.

Im Monat Juni d. J. sind auf deutschen Eisen­bahnen ausschließlich der bayerischen 7 Ent - g l e i s u n g e n auf freier Bahn (davon 4 bei Personen- zügen), 12 Entgleisungen in Stationen (davon 4 bei Personenzügen), 1 Zusammenstoß auf freier Bahn (bei einem Rangierzuge), 12 Zusammenstöße in Stationen (davon 1 bei Personenzügen) vorgekommen. Dabei wurden 1 Bahnbedienstetqr getötet, 10 Bahnbedienstete, l Postbediensteter und 1 fremde Person verletzt.

(Oesterreich.) DaSgestern in Wien ausgegebene Verord­nungsblatt für das österreichisch-ungarische Heer publiziert die Maßnahmen der Kriegsverwaltung wegen derManö - verkatastrophe von Bilek. Es wurden General- major Alfons Dragoni Edler von Rabenhorst, Kommandant der 6 GebirgS-Brigade, und der Oberst Stephan Török de Telekes, Kommandant des Infanterie-Regiments Schmidt Nr. 12, und Albert Grünzweig v. Eichensieg von demselben Regiment von ihren aktiven Dienstposten enthoben. Gleichzeitig wird gemeldet, daß der Ober- leutnant Ernst Ehmayer, ebenfalls vom 12. Regiment, für die umsichtige und zweckmäßige Durchführung eines Marsches unter abnormen Verhältnissen vom Reichs- kriegS-Ministerium mittels Dekrets belobt wurde.

(Türkei.) Die von der Türkei an die Witwe des ermordeten Konsuls Rostkowsky zu zahlende Ent­schädigung wurde nach einem Konstantinopeler Telegramm des offiziösen Wiener Tel.-Korr.-Büreaus auf 200 000 Francs festgesetzt. Die Empfangnahme der Entschädigung russischerseitS ist noch nicht erfolgt. Der abgesetzte Vali von Monastir wird von einer Eskorte nach Tripolis in Afrika gebracht werden.

(Serbien.) Die serbische Regierung zeigt sich über die österreichischerseits, um nicht einen der Königsmörder in offizieller Stellung in den Mauern Wiens zu sehen, gestellte Forderung, daß der Nachfolger des bisherigen Militär-Attachees mindestens seit einem Jahr» der Belgrader Garnison nicht angehört haben