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Donnerstag den 20. AM

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 17. August 1903.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises wollen gefälligst, soweit solches nicht bereits schon geschehen ist, dafür Sorge tragen, daß die am 15. d. M tS. fällig gewesene 2. Rate der für das laufende Etatsjahr zu entrichtenden Kreissteuer bis spätestens zum 25. d. Mts. bei der Kreiskommunal- kasse dahier zur Einzahlung gelangt.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Cassel, den 13. August 1903.

Im Anschluß an mein Schreiben vom 4. d. Mts. II. 4273 ersuche ich ergeben!!, von einer Verhaftung und Zurückführung nach Sontra des entlaufenen Für- sorge-Zöglingtz Wilhelm Rothämel aus Steinbach-Hallen- berg im Falle des Ergreifens zunächst abzusehen und mir eine Mitteilung darüber zukommen zu lassen, in welcher Weise sich der Zögling beschäftigt und ob gegen die Belastung in der selbst gewählten Stelle Bedenken nicht vorhanden sind.

ür-4400. Der Landeshauptmann in Hessen, Im Auftrage: v. Dehn-Rotfels e r.

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Herfeld, den 17. August 1903.

Wird den Ortspolizeibehörden und der Königlichen Gendarmerie des Kreises unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 6. d. Mts. J. I. Nr. 5413, im Kreis- blatt Nr. 93, mit dem Austrage mitgeteilt, mir im Falle der Ermittelung des p. Rothämel entsprechende Nachricht im Sinne des vorliegenden Schreibens des Herrn Landes­hauptmannes zukommen zu lasten.

I. 5625. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rat.

Nichtamtlicher Teil.

Näherer und ferner Osten.

Die Entsendung eines starken russischen Panzer­geschwaders von der Küste der Krim in die türkischen Gewässer des Schwarzen Meeres nördlich des Bosporus.

Die Blüte des Bagno.

Roman von Goron und Emile Gautier.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Widersprechen Sie nicht," fuhr Elena fort, als Lemoine, den dieser schmerzliche Anfang tief bewegte, erschrocken eine abwehrende Gebärde machte.Nein, widersprechen Sie nicht. Ich fühle es, und das sind Vorahnungen, die nicht täuschen. Weder Ihre Wiffen- schaft noch Ihre Freundschaft können es ändern: ich bin zu Tode getroffen. Gott sei Dank dafür! Warum sollte ich noch länger auf dieser Erde weilen, an die mich kein Band mehr knüpft, wo mir der Aufenthalt zur Last wird? Aber ich bin glücklich, Sie, bevor ich sterbe, wiedergesehen zu haben, glücklich, Ihre liebe Stimme wieder gehört zu haben, glücklich, Ihre treue, biedere Hand drücken zu können."

Erschüttert bis ins Mark und unfähig, einen Ton herauszubringen, preßte Lemoine die dünnen Fingerchen, die ihm Elena gelassen hatte.

Nach und nach faßte er sich wieder.

«Arme Frau! Arme Freundin!" murmelte er mit erstickter Stimme.

Ich tue Ihnen weh, mein Freund?" fragte sie sanft, fast zärtlich, als sie sah, wie sich das Gesicht des Doctors schmerzlich verzerrte.

läßt sich in den Rahmen der von Rußland angesichts des Aufstandes in Macedonien bisher befolgten Politik nicht leicht einfügen. Die Erzwingung einer weiteren Genugtuung für den Konsularmord in Monastir kommt als Zweck dieser Flottendemonstration nicht in Betracht; denn die von Rußland wegen der Erschießung Rostkowskis aufgestellten Forderungen sind von der Türkei bereits erfüllt worden. Die Ausfahrt der Kriegsschiffe wird denn auch allgemein entweder als Beweis für weiter­gehende, noch unbekannte Ansprüche des Petersburger Kabinetts an die Pforte oder als ein Zugeständnis der amtlichen russischen Polikik an die türkenfeindlichen Be­strebungen der Panslawisten aufgefaßt. Wahrscheinlich spielt beides ineinander. Jedenfalls ist zum ersten Male seit dem Beginn der diesjährigen Balkanwirren die Tatsache zu verzeichnen, daß militärische Machtmittel des Zarenreiches, nämlich ein Teil feiner Marine, gegen die Türkei in Bewegung gefetzt werden, und die russische Diplomatie kann nicht verhindern, daß die macedonische Umsturzpartei hierin einen Erfolg ihrer Wühlereien und eine Act unmittelbarer Unterstützung erblicken wird. Be­absichtigt aber ist diese ermunternde Rückwirkung der Flottendemonstration auf bulgarische und serbische Bänden von den Ratgebern des Kaisers Nikolaus gewiß nicht.

Jeder Unbefangene muß vielmehr einräumen, daß es dem Grafen Lamsdorff und seinen Gehülfen mit dem an die Türkei gerichteten Verlangen, dem Aufruhr in Macedonien möglichst rasch den Garaus zu machen, bitter ernst ist. Denn je länger sich das Ringen der mace- donischen Freiheitskämpfer mit den Truppen des Halb­mondes hinzieht, desto heftiger wird die Gärung in den von allslavischen Gedanken und Empfindungen beherrschten breiten Schichten des russischen Volkes, die ohnehin im Ansturm gegen einen nationalen Erbfeind für eigene innerpolitische Leiden ein Betäubungsmittel suchen. Ge­winnen diese dunklen Kräfte der Volksseele die Ober­hand, so könnte sich das Schauspiel der Jahre 1875 bis 1878 wiederholen: ein durchaus friedliebender Zar müßte vielleicht nochmals gegen die den wahren In- teressen Rußlands im Orient schon jetzt nahezu unge­fährliche Türkei das Schwert ziehen, das Jahre lang nur noch für die weit bedenklichern Gegner der russischen Zukunft in Ostasien geschärft worden ist. Dann aber während der Inanspruchnahme der Kräfte Rußlands für zweifelhafte Erfolge auf dem Balkan käme der Zeit- Punkt, wo Japan, wenn überhaupt je, seine Rücken­deckung durch England in Korea, wie England selbst I seine ostasiatischen Freundschaften, zu denen auch das !

Ja, Sie tun mir weh, grausam weh!" antwortete er.Denn trotz der langen Trennung, trotz des Aus­bleibens aller Nachrichten, des scheinbaren Vergeffens in dem Sturme des Lebens hat niemals ein anderes Weib den Platz in meinem Herzen eingenommen, den die Erinnerung an Sie darin leer gelassen."

Auch ich hätte Sie geliebt, wenn Gott es gewollt hätte . .," sagte Elena leise wie im Selbstgespräch. Aber Gott hat nicht gewollt. An uns ist es, uns in das Unabänderliche zu fügen. Glauben Sie mir, der Tod allein gleicht alles aus. Er allein bringt Er­lösung und Vergessen."

Lemoine richtete einen langen Blick auf Elena. Seine ganze glühende Leidenschaft spiegelte sich in diesem Blick, der ihr das Blut in die farblosen Wangen trieb.

Hören Sie mich," rief er mit dem heiligen Feuer der Liebe aus,hören Sie mich an! Ich will nicht, daß Sie sterben, ich will es nicht. Sie dürfen nicht sterben! Sie müssen leben! Sie müssen!"

Lemoine sprach noch lange auf die junge Frau ein. Mit einer Beredsamkeit, welche die Größe seiner edlen Leidenschaft überzeugend und berauschend machte, während seine Stimme vor Schmerz und Wonne zugleich bebte, bemächtigte er sich der Seele Elenas und weckte in ihrem tiefsten Innern in einem Sturm widerstreitender Erregungen wieder den Mut, den Willen zum Leben, den sie für immer in sich getötet glaubte.

Wie magnetisirt von dem Zauber der beherrschenden

herzliche Einvernehmen" mit Frankreich gehört, in Persien, Afghanistan, am Iangtse usw, nutzbar machen könnte und müßte. Die letzten Meldungen aus Ost­asien spiegeln schon die Ungeduld wieder, womit man in Hongkong, Peking und Tokio auf ein russisches Balkan-Abenteuer wartet. Auch am goldenen Horn wird die englische Politik genau in dem Maße freundlicher für die Türkei, wie Rußland einem Rückfall in pansla- vistische Irrungen zu erliegen scheint. Der Trauer- feier für den erschossenen russischen Konsul Rostkowski ist der britische Botschafter in Konstantinopel demonstrativ ferngeblieben.

Politische Nachrichten.

Berlin, 18. August.

Ihre Kaiserlichen Majestäten unter­nahmen heute morgen, wie aus W i l h e l m s h ö h e gemeldet wird, einen Spazierritt, später hörte S e. Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts. Zur Mittagstafel b e i Ihren Majestäten war gestern der deutsche Bot­schafter in Konstantinopel Frhr. v. Marschall geladen.

Die Handelsvertragshandlungen sind noch immer Gegenstand der öffentlichen Erörterung, ob­wohl es sich der Natur der Sache nach im gegenwärtigen Stadium der Angelegenheit nur um Vorbesprechungen handeln kann. Am weitesten sind die Verhandlungen mit Rußland vorgeschritten, da unsere östlichen Nachbarn alles Interesse daran haben, möglichst früh über die künftige Basis der deutsch-russischen Handelsbeziehungen Gewißheit zu erhalten. Rußland deckt bekanntlich einen sehr beträchtlichen Teil seiner Einfuhr in Deutschland, andererseits finden sehr bedeutende Mengen russischer Ausfuhrgüter in Deutschland willige und kaufkräftige Abnehmer. Es liegt also im beiderseitigen Interesse, daß die Verhandlungen möglichst früh zu einem befrie- digenden Abschlüsse gebracht werden. Dazu kommt, daß die Beziehungen der deutschen zu der russischen Regierung nach wie vor die besten sind; gerade jetzt wieder haben anläßlich der Anwesenheit deutscher Kriegsschiffe in den ostasiatischen Gewässern russische Blätter, und zwar auch solche, die bisher nicht selten eine deutschfeindliche Haltung zur Schau trugen, die enge Freundschaft der beider­seitigen Staatsoberhäupter betont und auf die mannig. fachen gemeinsamen Bezeichnungen und Interessen beider Länder hingewiesen. Demnach darf man erwarten, daß

I Willensstärke des Mannes, welchem sie stets eine ge. Heime Verehrung bewahrt hatte, überraschte sie sich da­bei, noch zu hoffen und verwirrt die Wahrscheinlichkeit besserer Tage zu überlegen.

Als der Doctor, stolz und glücklich über sein Auf- erstehungswerk, endlich von ihr Abschied nahm, hatte er sein Spiel gewonnen. Die Kranke war noch traurig und melancholisch, noch von Schmerzen gepeinigt, aber sie sprach nicht mehr vom Sterben.

Eine geheime Stimme flüsterte ihr ins Ohr, daß noch etwas Unbekanntes, etwas von Friede und Selig­keit und selbst von Glück ihr werden könne und daß ihr dann das Leben vielleicht wieder wert sei, gelebt zu werden.

Von diesem Tage an war Lemoine der tägliche Gast des Palais Saint-Magloire.

Die Liebe aber ließ ihn sein Richteramt nicht ver­gessen. Im Gegenteil.

38. K a p i t e l.

Obgleich Saint Magloire, von seiner Liebe zu Germaine Reyval und von seinen Geschäften gleicher­weise erfüllt, die eheliche Wohnung fast gar nicht mehr betrat er nahm dort nur noch den kleinen Morgen- imbiß ein, oft ohne Elena überhaupt zu sehen, da sie gewöhnlich in ihrem Zimmer frühstückte begann ihm die Beharrlichkeit Lemoines unangenehm aufzufallen.

Eine oberflächliche Liebelei der Baronin hätte ihn