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K. 121 Iieiistiis hn 20. Atober 1001
Amtlicher Teil.
Nach der unterm 13. d. Mts. veröffentlichten Uebersicht über die im Kreise Hersfeld gebildeten Urwahlbezirke für die Wahlen der Wahlmänner ist die Gemeinde Herfa versehentlich auch unter dem Urwahlbezirk 5 (Heringen) ausgeführt.
Nicht die Gemeinde sondern nur das Forsthaus Herfa (fiscal. Oberf. Heringen) ist dem Urwahlbezirk 5 — Ur- wahlort Heringen — zugeteilt. Hiernach 'hat der Wahlbezirk auch nur 5 — und nicht 6 — Wahlmänner demnächst zn wühlen.
Die Gemeinde Herfa gehört zum Urwahlbezirk 23 — Wahlort Wölsershausen.
Hersseld, den 17. Oktober 1903.
Der Königliche Landrat.
I. V.
T h a m e r.
Nichtamtlicher Teil.
Hebung des Handwerks.
Der bekannte nationale Baumeister Freiherr v. Stein hat den gewerblichen Mittelstand einmal den „Ausbe- wahrer der Einsichten, der Sitten, der Reichtümer des Volkes" genannt. Mit vollem Recht. Ein gesunder, lebenskräsliger Mittelstand ist für den Staat von der g-ößlen Bedeutung. Die in diesem Bollwerk der be- stehenden Ordnung schlummernden Keime und Triebe müssen daher sorgfältig gepflegt werden. Von der Wich- tigkeit dieser Aufgabe ist ganz besonders die preußische Staatsregterung durchdrungen. Sie hat sich schon seit Jahren die Förderung des gewerblichen Mittelstandes angelegen sein lasten. Wir erinnern an die Organisation des Handwerks in den Handwerkskammern, an die Gründung von FortbildungS- und Fachschulen zur Heranbildung des Nachwuchses, an die Schaffung von Einrichtungen, die — wie die Veranstaltung von Meister- kursen, die Ausstellung von Maschinen für das Kleingewerbe, die Entsendung von Handwerkern zu Gewerbe- Ausstellungen u. dergl. — die Kenntnisse der selbständigen
Hardensels M Meiiha
Roman von G. König-Liebthal.
(Fortsetzung.)
Wie fröhlich gehen hier die Leute an die Arbeit; dort schleichen sie einher zerlumpt, abgemagert mit ver- drossenen Gesichtern. Und wie viele Kranke Und elende solls dort nicht geben! Es ist zum Erbarmen. Mich wundert es, daß Herr von Loschwitz mir nichts von diesen Dingen erzählt hat, während er von der Freiin und dem jungen Hardenfels nicht genug plaudern konnte. Ja, ja, Loschwitz ist ein Ehrenmann; er dachte vielleicht: „Komm und stehe es." Nun, wir werden« ja sehen, wir müssen den Hardenfelsern doch unsern Besuch machen; wenn das Wetter gut bleibt, fahren wir in den nächsten Tagen hinüber."
Herr Raven hatte sich, während 'er sprach, eine Cigarre angezündet und blies behaglich den Rauch von stch. Seine Schwägerin war ganz entsetzt von dem, was Herr Raven eben erzählt hatte.
„Nun," äußerte sie, „der Sohn ist anders geartet als sein Vater, da» weiß ich ganz bestimmt und ich würde nichts dagegen haben, wenn er unsere Lucie —"
„Heiraten würde — wolltest Du sagen. Nicht wahr?" siel Herr Raven ein und lachte dabei laut auf.
»Daß Ihr Frauen doch immer gleich daran denken «’üfet!" icherzte er weiter. „Du weißt ja, wie es hiermit bei Lucie bestellt ist. Ich glaube nicht daran."
„Aber ich, lieber Schwager, wenn Du nichts dagegen
Gewerbetreibenden zu erweitern und ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu heben geeignet sind.
Namentlich die Meisterkurse müssen als eine glückliche Maßnahme der Regierung bezeichnet werden. Den handgreiflichsten unmitelbaren Nutzen dürften sie wohl durch die Erlernung sachgemäßer Kostenberechnungen bringen. Bisher war es ein großer Uebelstand, daß viele sonst tüchtige Handwerksmeister ihre Preise nur nach einem oberflächlichen Ueberschlag oder nach alter, vom Großvater überlieferter Weise aufstellten. ES fehlte eine klare Uebersicht über das Verhältnis zwischen Selbstkosten und Verdienst: So kam es, daß oft geradezu unglaubliche Unterbietungen einzelner Konkurrenten bei der Uebernahme von Lieferungs-Arbeiten im Submissionswege vorkamen, Unterbietungen, bei denen der Handwerker nicht einmal seine Unkosten decken konnte. Dieser Krebsschade, an dem schon mancher brave Handwerker zu Grunde gegangen ist, wird hoffentlich durch die Meisterkurse gründlich ausgerottet werden. Zur Förderung der Einrichtung erhalten die Teilnehmer — vornehmlich Meister, aber auch Gehilfen, die im Begriffe stehen, sich selbständig zu machen — Geldunterstützungen, die vom Staate, von der Provinz, den Städten und den Handwerkskammern gemeinsam aufgebracht werden.
Eine wesentliche Staatshülfe für den gewerblichen Mittelstand bildet ferner die Organisation des Genossen- schaftswesens. Rohstoff-, Kredit- und Werkgenoffenschaften erstehen in immer größerer Zahl, und die Erfahrungen, die bisher damit gemacht sind, ermutigen zu neuen Gründungen. Der Staat unterstützt die Genoffenschaften durch'einmalige materielle Beihülfe, gewährt ihnen Darlehen zu billigem Zinsfuß und stellt ihnen Revisoren und Jnstruktoren zur Verfügung. Beispielweise hat die Regierung jüngst in Köln mit Unterstützung der Stadt und der rheinischen Handwerkskammern sog. genossen- schastliche Lehrkurse obhalten .lassen, in denen tüchtige GenoffenschaftSleiter herangebildet werden sollen.
Selbstverständlich wird jede noch so weitgehende Staatshilfe erfolglos bleiben, wenn sich nicht eine Selbsthülfe der Handwerker hinzugesellt. Diese muß sich vornehmlich in der fleißigen und verständnisvollen Benutzung der staatlichen Hülfsmittel bekunden, daneben indessen auch auf eine energische AuSmerzung gewisser alteingewurzelten Mißstände in der Geschäftsführung gerichtet sein. Es sei nur auf das Borgunwesen hingewiesen,
hast. Wir Frauen blicken tiefer und ich habe wohl die verstohlene» Blicke gesehen, die Lucie dem jungen Frei« Herrn mehrere Male zuwarf, was der Freiherr aller- dings nicht bemerkte, da er sich mit Dir eifrig unterhielt."
„Mir soll« recht sein," antwortete Raven und stand auf. Schon hatte er die Türe in der Hand, als er sich noch einmal umwandte und sagte: „Also, es bleibt dabei, was ich Dir gestern gesagt habe, liebe Ottilie. Wer weiß, wie lange wir uns hier aushalten werden; für die Leute bleiben wir einfach nur „Raven." Erinnere auch, bitte, Lucie daran, damit sie sich nicht verplaudert und unser wahrer Name bekannt wird."
„Habe keine Sorge darüber," entgegnete seine Schwägerin, „kein Mensch soll durch mich und Lucie erfahren, wer wir sind. Unsere Ruhe, die wir bis jetzt hier gefunden haben, wäre dahin."
Es war spät geworden und Herr Raven und seine Schwägern begaben sich zur Ruhe. Lucie lag schon im süßen Schlaf. Im Traume war sie auf einer großen, schönen Wiese, pflückte Blumen und wand sie zum Strauße; und der schönste Mann, den sie je gesehen hatte, belauschte sie.
Am andern Tage stand Lucie Raven am Fenster ihres Zimmers und schaute mit sehnsuchtsvollen Blicken hinaus, dahin, wo der Weg nach Hardenfels führte.
„Woran denkst Du denn, Lucie?" redete Tante Ottilie, die eben herein kam, ihre Nichte an.
„Ich?" stammelte sie verlegen, „ich denke an den schrecklichen Nachmittag von gestern, als mich das Gewitter überraschte auf der Grenzwiese."
das gerade den Angehörigen des Mittelstandes, die doch wirtschaftlich gar nicht in der Lage sind, einen langen Kredit zu gewähren, empfindlichen Schaden zufügt. Es ist nicht bloß das säumige Publikum, das hierfür die Verantwortung trägt, sondern die kleinen Gewerbetreibenden selbst trifft ein wesentlicher Teil der Schuld, indem sie nicht das Ihrige tun, um rechtzeitig zu ihrem Gelde zu kommen.
Wenn Staatshülfe und Selbsthülfe Hand in Hand gehen, dann wird der gewerbliche Mittelstand auch unter den modernen wirtschaftlichen Verhältnissen blühen und gedeihen. **
Politische Nachrichten.
Berlin, 18. Oktober.
Am Sonnabend fand in Potsdam die Einsegnung zweier Kaisersöhne, der Prinzen August Wil» helmundOskar, durch den Generalsuperintendenten D. Dryander statt. Christlicher Sinn ist ein hervorstechender Zug der Kaiserfamilie, und Kaiser Wilhelm legt ebenso wie seine GemaWn Wert- daraus, daß er in ihrem Hause lebendig bleibe und vorbildlich werde für alle Volkskreise. Schlicht und still, so wie es die fromme Sitte im Kaiserhause bedingt, doch ernst und eindrucksvoll ging die feierliche Handlung vor sich. Das deutsche Volk bringt den beiden fürstlichen Konfirmanden und ihren Eltern die herzlichsten Glückwünsche dar. Dem Prinzen Oskar hat der König von Schweden und Norwegen als Taufpate des Prinzen als Geschenk einen silbernen Pokal mit dem Namenszug des Königs über« sandt. Der Deckel des Pokals ist mit einer Figur geschmückt, die einen norwegischen Ski-Läufer darstellt.
Gestern abend um 6 Uhr fand in der Jaspisgalerie bei Ihren Majestäten eine Tafel statt, zu welcher die hier eingetroffenen Fürstlichkeiten mit Gefolgen, sowie Wirkliche Geh. Rat Hinzpeter, Oberhosprediger D. Diyrnder, Generalintendant v. Hülsen und Pastor Baumann geladen waren. Se. Majestät der Kaiser saß zwischen der Kronprinzessin von Griechenland und der Prinzessin Heinrich, gegenüber saß Ihre Majestät die Kaiserin zwischen dem Kronprinzen von Griechenland und dem Prinzen Heinrich. Im Verlauf deS Mahles hielt Se. Majestät der Kaiser an die gestern konfirmierten
Tante Ottilie trat ebenfalls an das Fenster und sah, wie Lucie leicht errötete.
„Es war auch sehr unvorsichtig von Dir, Dich soweit allein vom Schloß zu entfernen; Du tust gut, zu solchen Spaziergängen in Zunkunst meine Begleitung zu erbitten, denn Du weißt, liebe Lucie, daß ich immer in Angst und Sorgen bin, wenn ich Dich nicht bei mir weiß."
„Aber Tanlchen," erwiderte die Nichte, „Du kannst doch nicht immer mit mir kommen, und ich — ich durchreise so gern allein den weiten Wald. Wie schön ist die Umgebung von Waldenburg, Tante! Schade! daß die Grenzwiese nicht mehr zu Waldenburg gehört. Hier, diese Blumen habe ich dort gepflückt. Sind die nicht herrlich?" Dabei nahm sie einige der Blumen, die in einer Vase auf dem Tische standen und reichte dieselben ihrer Tante.
„Herr von Hardenfels hat Dir wohl beim Pflücken der Blumen geholfen?" forschte Tante Ottilie, indem sie zugleich ihren Arm um die schlanke Taille ihrer Nichte legte.
„Wer wird denn so neugierig sein, Tantchen!" rief Lucie lachend aus. „Ich habe Dir schon gesagt, daß ich sie ganz allein pflückte. Ich bemerkte Herrn von Hardenfels erst, als ich mit meinem Strauß schon fertig war."
„So? —, das muß ich überhört haben, mein kleiner Wildfang. — Ob wohl Herr von Hardenfels gut nach Hause gekommen fein mag?"
„Warum sollte er nicht! Tante," entgegnete Lucie. „Friedrich ist doch leer mit dem Wagen zurückgekommen