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Nr. M.
Sonnahend h 21. November
18V.
Amtlicher Teil.
Berlin, den 30. September 1903.
Nach hierher gelangten Mitteilungen haben sich in neuerer Zeit wiederholt Unzuträglichkeiten daraus ergeben, daß die niederländische Regierung bei der Ueber« nähme niederländischer Staatsangehöriger nach ihrem Heimat-staate die in Preußen geborenen unehelichen Kinder einer Niederländerin nicht ohne weitere», sondern nur dann als Niederländer mit übernommen hat, wenn eine öffentliche — notarielle oder gerichtliche — Urkunde beigebracht wurde, wonach das Kind von der Mutter förmlich anerkannt worden war.
Um diesen Schwierigkeiten für die Zukunft vor. zubeugen, erscheint es erwünscht, daß die Polizeibehörden von allen unehelichen Geburten niederländischer Mütter möglichst zeitig in Kenntnis gesetzt werden, um alsbald, nötigenfalls unter Androhung von Ausweisungs- maßregeln, auf die gerichtliche oder notarielle An. erkennung des Kindes durch die Mutter hinwirken zu können.
Zu diesem Zwecke bestimme ich hierdurch, daß die Vormundschaftsgerichte von jeder bei ihnen zur Anzeige gelangenden außerehelichen Geburt einer Niederländerin der zuständigen Ortepolizeibehörde alsbald Mitteilung zu machen haben.
Der Justizminister. In Vertretung: gez. K ü n tz e l.
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Berlin, den 23. Oktober 1903.
Auf die in Gemäßheit des Erlasses vom 9. September v. Js. IV c 2162 erstatteten Berichte.
Der Herr Justizminister hat durch den abschriftlich beifolgenden Erlaß die Vormundschaftsgerichte der Monarchie anweisen lassen, künftig von jeder bet ihnen zur Anzeige gelangenden, außerehelichen Geburt einer Niederländerin alsbald der zuständigen Ortspolizei- behörde Mitteilung zu machen. Auf Grund dieser Mitteilungen ist dann seitens der Ortspolizeibehörden — nötigenfalls unter Androhung von Ausweisung«- maßregeln — beizeiten darauf hinzuwirken, daß die unehelichen Kinder durch die Mütter gerichtlich oder notariell anerkannt werden.
Ferner ist von den Standesbeamten in allen Fällen, in denen bei Eingehung der Ehe durch einen Niederländer sich herausstellt, daß die zur Eheschließung erscheinende Frau uneheliche Kinder hat, die von dem niederländischen zur Eheschließung schreitenden Manne erzeugt worden sind, der zuständigen Ortspolizeibehörde über die vorhandenen unehelichen Kinder Anzeige zu erstatten. Die Ortspolizeibehörde hat dann in diesen Fällen ebenfalls in der vorerwähnten Weise auf eine Anerkennung der unehelichen Kinder, und zwar feiten» des natürlichen Vaters, hinzuwirken.
Der Minister des Innern. Im Auftrage: gez. v. Kitz i n g. An den Herrn Regierungs-Prästdenten in Taffel.
IV c 2436.
* * *
Castel, den 5. November 1903.
Abschrift zur Beachtung, zur erforderlichen Weisung an die Nachgeordneten Polizei-Behörden und zur Benachrichtigung der Standesbeamten der Landgemeinden.
Der Regierungspräsident. J. V.: M e j e r.
An die Herren Polizei-Direktoren hier, in Hanau und 4n Fulda, sowie an die Herren Landräte des Bezirk». A. I. 8326.
* * *
Hersseld, den 16. November 1903.
Vorstehendes dringe ich zur Kenntnis der Orts- Polizeibehörden und Standesbeamten des Kreises mit der Veranlastung, vorkommenden Falles hiernach zu verfahren.
J. I. 8062. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 16. November 1903.
In neuerer Zeit ist mehrfach Klage darüber geführt worden, daß zur Anzeige gebrachte Fischfrevel Seitens der betreffenden Bürgermeister durch polizeiliche Straf. Verfügung in einer so milden Weise geahndet werden, daß die Höhe der Strafe in keinem Verhältnis zu der Schwere der strafbaren Handlung steht. Dabei ist darauf hingewiesen worden, daß in ähnlichen Fällen die Gerichte meist auf höhere Strafen erkannt hätten.
Au» diesem Anlaß weise ich die Ortspolizeibehörden des Kreises hierdurch an, sämtliche Anzeigen über Zuwiderhandlungen gegen die fischereigesetzlichen Bestimmungen in Zukunft an den zuständigen Amts« a n w a l t zur Verfolgung abzugeben.
I. 8059. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 16. November 1903.
Für den am 9. Mai 1888 zu Niederaula geborenen Wilhelm Hermann Faulstich ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
I. 8010. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Gefundene Gegenstände:
Eine Laterne. Meldung bei dem Bürgermeister zu Aöbach.
Nichtamtlicher Teil.
Politischer Wochenbericht.
Wir stehen im Zeichen der preußischen LandtagSwahlen. Die Wahlmänner-Wahlen lassen daraus schließen, daß in der Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses keine nennenswerte Aenderung eintreten wird.
Neben den Wahlen hat die O p e r a t i o n des Kaisers noch immer da» Interesse der weitesten Kreise in Anspruch genommen. Nicht nur im Inlands, sondern in der ganzen Welt hat die Nachricht großes | Aufsehen erregt. Bezeichnend für die Wirkung, die die Kunde jenseits der schwarz-weiß-roten Grenzpfähle ge. habt hat, ist eine Korrespondenz aus Wien, die in der „Post" wiedergegeben ist. Es heißt da unter anderm: „Das Gefühl der größten Ueberraschung wurde sehr bald durch die wohltuende Empfindung abgelöst, daß die wahrhaft providentielle Rolle, die dieser so reich beanlagte, man darf wohl sagen: geniale Herrscher spielt, nicht im geringsten berührt wurde und hoffentlich noch lange Zeit hinaus nicht berührt werden wird. Bei diesem, teils schmerzlichen, teils freudigen Anlässe kam erst so recht die außerordentliche Bedeutung der großen und scharf ausgeprägten Individualität des hochbegabten Fürsten zum allgemeinen Bewußtsein. Erst jetzt wurde deutlich erkennbar, welche große und bedeutsame Gestalt der deutsche Kaiser im politischen Weltbilde darstellt, und allgemein ist die Genugtuung, daß das, was erschreckt hatte, ein flüchtiger Halbschatten war, dessen Spur bereits verwischt ist. Alle, die im Weltfrieden die Bürgschaft des Völkergedeihens erblicken, find darin einig, daß Wilhelm II. dessen Hauptpfeiler ist. Mit jener echt deutschen Treue, die alle Hohenzollern auSzeichnet, aber auch mit jener klaren Willensmacht, die den Enkel des ersten großen deutschen Kaiser« zum ausschlaggebenden Faktor im internationalen Leben gemacht, hat sich Wilhelm II. während seiner bisherigen Regententätigkeit der Förderung der höchsten Güter der Menschheit: des Friedens und des Fortschrittes gewidmet und auch um das außerdeutsche Europa, ja um die Welt verdient gemacht." So urteilt das Ausland über unsern
Kaiser! Glücklicherweise schreitet die Genesung deS hohen Patienten fort. Die Wunde dürfte bald ganz geheilt sein.
Der Besuch des italienischen Königs- paareS am englischen Hofe ist program- mäßig verlaufen. Es handelt sich um die Erwiderung des Besuches, den König Eduard im letzten Frühjahr auf seiner Mittelmeerfahrt, kurz vor unserm Kaiser, in Rom gemacht hatte. Die Reise nach England gab dem neuen Minister des Aeußern, Tittoni, Gel egenheit, mit den englischen Staatsmännern Fühlung zu nehmen. Unmittelbar vorher hatte er einem französischen Journalisten gegenüber seine Smpathien für England bekundet, in den Vordergrund seines Programms aber die treue und feste Anhänglichkeit an den Dreibund gestellt, ohne allerdings die Bedeutung der französisch- italienischen Annäherung abzuschwächen.
Wir Deutschen brauchen uns wegen dieser „Extratour" unsers italienischen Verbündeten ebenso wenig aufzuregen, wie wir es wegen des gemeinsamen Vor- gehen» von Oesterreich-Ungarn und Rußland gegen den Sultan getan haben. Diesen beiden Mächten scheint endlich der Geduldsfaden gerissen zu sein. Sie haben, um die Annahme der Mürzsteger Beschlüsse zu erzwingen, der Türkei mit einem Ultimatum gedroht. Schon die Tatsache, daß Deutschland die Wünsche Rußlands und Oesterreich- Ungarns nachdrücklich unterstützt, sollte in Konstanti- nopel zu der Einsicht führen, daß es für die Türkei keinen andern Weg gibt, als sich zu fügen und zu erfüllen, was sie nicht wird verweigern können.
Inzwischen ist das österreichische Abgeordnetenhaus wieder zu längerer Tagung zusammengetreten. Eine Fülle von Vorlagen, Interpellationen und Dringlichkeits-Anträgen sind bereits eingebracht. Ob die Obstruktion wieder ihr Haupt erheben wird? Das Expofs des Ministerpräsidenten v. Körber und die österreichischen offiziösen Blätter lassen durchblicken, daß die Regierung, um die Unfruchtbarkeit bes Parlaments zu bannen, durchgreifende Maßregeln nicht scheuen wird.
Totenfeier.
Die Erde ist so herbstlich müde, Der Frost zerstört die letzt» Blüte, Kein Vogel fingt in Feld und Haag — Es ist der Toten Feiertag.
Wie eine Mahnung von oben klingen die Glocken des Totenfestes in das bewegliche, hastende und jagende Treiben dieser Welt. Die Sorge um die Existenz, um das tägliche Brot, das Haschen nach Würden und Anerkennung läßt uns das Ziel vergeffen, dem wir alle ohne Ausnahme, reich und arm, hoch und niedrig, glücklich und in Jammer vergehend, entgegengehen: Der Tod I
Und lenkt uns die Natur selber nicht darauf hin ? Wo Wochen vorher die Blumen geblüht nnd geduftet, wo goldener Sonnenschein alles überflutete, die Bäume so stolz ihre Aeste zum Himmel gereckt, da heult jetzt der Sturm, er treibt die welken Blätter raschelnd und höhnend vor sich her, er läßt Türen und Angeln ächzen. Der Regen schlägt prasselnd gegen die Fensterscheiben und läßt die erstarren, deren Tagewerk sie unter freien Himmel zwingt. Fürwahr ein Mahnruf! Die Natur stirbt ab.
Die Erde ist so herbstlich müde, Der Frost zerstört die letzte Blüte, Kein Vogel singt in Feld und Hag — Es ist der Toten Feiertag!
Die Erde legt sich zur Ruhe — wenn wir glauben, unser Tagwerk beschlossen zu haben, so sehnen auch wir uns nach Ruhe, der ewigen, um dereinst in lichten Höhen verklärt herab zu schauen auf die, die zurückgeblieben sind, und dem Frieden entgegenharren.
Es ist eine schöne Sitte, daß wir am Totensonntag