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»r Fernsprecher Nr. 8. ^j
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Sitoflon sei 21 Remter
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Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 17. November 1903.
Die Erledigung meiner Verfügung vom 29. Oktober d. Js., I. 7466, Kreisblatt Nr. 129, Ausbringung der Kosten der Bullenhaltung betreffend, wird hierdurch mit Frist b i S zum 25. d. M t s. in Erinnerung gebracht. Gegen etwaige an diesem Termine noch säumige Herrn Bürgermeister wird eine OrdnungS« strafe von je 3 Mark festgesetzt werden.
I. 7466. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 17. November 1903.
Die zweite Schulstelle in Sorga, deren competenz- mäßiges Einkommen bei einem Dienstalterseinheitssatze von 120 Mk. neben freier Wohnung in 1000 Mk. Grundgehalt besteht, wird infolge Versetzung des bisherigen Inhabers vom 1. Dezember d. Js. ab frei. Bewerber wollen ihre MeldungSgesuche nebst Zeugnissen bis zum 10. Dezember d. Js. bei dem Königlichen OrtSschulinspektor Herrn Pfarrer Schrader in Hersfeld oder dem unterzeichneten Londrate einreichen.
l 8043. Der Königliche Schulvorstand von Sorgn
Freiherr von Schleinitz, Landrat, Geheimer RegierungS-Ral.
Um den im Laufe der Jahre an unserer Anstalt bezw. am pomologischen Institut zu Cassel ausgebildeten Baumwärtern Gelegenheit zu geben, ihre obstbaulichen Kenntnisse zu erweitern und aufzufrischen, beabsichtigen wir von Zeit zu Zeit die Abhaltung sogenannter WiederholungSkurse im Obstbau, und soll ein solcher Lehrgang in diesem Jahre vom 14. bis incl. 18. Dezember an unserer Anstalt in Oberzwehren abgehalten werden.
Im Gegensatze zu den eigentlichen Baumwärter« kursen wird der geplante Wiederholungskursus in der Hauptsache aus Unterweisungen, Demonstrationen und Besichtigungen von Obstanlagen rc. bestehen. Die Praktische Mitarbeit der Besucher sällt hierbei weg. Hingegen soll den Teilnehmern Gelegenheit gegeben werden, in besonderen Gesprächsstunden selbst zu Worte
Ohne furcht und Cadel.
Erzählung von Lucie I d e l e r.
(Fortsetzung.)
„Ich lasse mir aber solche Lügen über meinen Herrn nicht sagen!" schrie Kaschke.
„Der Schneider lügt doch immer," sagte Lauckner ruhig, „was kehrst du dich denn an den? Das wissen wir doch alle. In dem ist gerade so viel Wahrheit, wie in seiner Ziege, die überall das Futter stiehlt." Ein schallendes Gelächter ertönte.
„Wo stiehlt meine Ziege das Futter?" rief Petereit entrüstet.
„Sie war erst heute in meinem Garten, ich habe sie aber hinausgebracht," versetzte der Schmied gleichmütig. „Und alles, was Petereit sagt, glauben wir nicht. Aber viel bleibt!" Das dunkle Gesicht des Mannes wurde finster wie die Nacht, die kleinen, stechenden Augen schössen Blitze. „Und darum rate ich dir und deinem Baron: nehmt euch in acht. Erfahren wir auch nur eine.bestimmte Geschichte, die wir ihm beweisen können, dann halten wir Abrechnung mit dem Franzosenfreund. Was du in Rußland tust, wissen wir nicht, denn zu den Selnitzkas läufst du nicht, die Weiber laufen ja selber dem Baron genug nach, er brauchte nur einen Finger auszustrecken, dann hätte er sie alle beide. Kommen wir aber dahinter, daß auch du unseren Herrn und König verrätst, so bangen wir dich am Schloßtor aus. Und nun geh, Kaschke, du gehörst nicht zu uns!"
Der Schmied hatte ruhig und verständig gesprochen,
zu kommen und damit gegenseitige Erfahrungen usw. auszutauschen.
Eine Zahlung für den Besuch dieses Kursus ist nicht zu leisten und erwachsen den Teilnehmern außer Unterhaltung und Fahrgeldern für ihre Person weitere Kosten nicht.
Außer den in unserer Anstalt ausgebildeten Baumwärtern steht auch den sonst im öffentlichen Dienste stehenden, mit dem Obstbau beschäftigten Personen, wie Gemeinde- und Kreisbaumwärter, Stadtgärtner, der Besuch dieser Kurse frei und ist deren Teilnahme erwünscht.
Anmeldungen sind an die Obstbauanstalt Oberzwehren zu richten.
Der Borstand
der Landwirtschaftskammer für den Reg.-Bez. Cassel:
H. E. von Stockhausen.
* * *
Indem ich vorstehende Bekanntmachung hiermit zur Kenntnis der KreiSeingeseffenen bringe, bemerke ich zugleich, daß die Anmeldungen zur Teilnahme an den Kursen an die Obstbau-Anstalt Oberzwehren b/Cafsel zu richten sind.
Hersfeld, den 17. November 1903.
Der Königliche Landral.
J. V.:
T h a m e r.
Nichtamtlicher Teil.
Der Sultan und die Mächte.
Der Sultan hat sich bisher geweigert, der sogenannten Reformnote Rußlands und Oesterreich- Ungarns, die auf den Mürzsteger Beschlüssen beruht, zuzustimmen. Als Grund macht die Pforte geltend, daß durch die Kontrolle, die nach der Reformnote für die Verwaltung Macedoniens eingeführt werden soll, die Autorität des Sultans in der islamitischen Welt herabgesetzt werde. Entscheidend jedoch für die Verzögerung einer definitiven Entschließung dürfte die Hoffnung sein, daß die beiden Reformmächte noch mit sich handeln lassen und daß vielleicht noch andere
und die maßvolle Rede beruhigte den erzürnten Förster, der seinen Herrn verteidigte. Mit einem fast traurigen Ausdruck sah er ihn an. „Du wirst noch einmal besser von uns denken, Lauckner," erwiderte er dann, „wenn ich dir auch jetzt noch nichts sagen darf. So gehe ich!"
Ohne Gruß wollte er davonschreiten, als Graumann plötzlich ausstand. „Nimm mich mit, Kaschke, ich will mit dir gehen!"
Erfreut willigte der Förster ein, und mit scheelen Blicken sahen die Zurückbleibenden dem Paar nach, aber Bauer Graumanns Vaterlandsliebe war unanfechtbar und fein Ruf im Dorf tadellos.
„So ein Mann sollte nicht mit solchem Lumpen gehen," murrte der Schneider.
„Der Lump bist du," entgegnete Lauckner scharf; „denn du lügst! Mit deinen offenkundigen Lügen verdirbst du alles! Hättest du das nicht gesagt von dem Richtblock und der abgehauenen Hand, so wäre es Graumann gar nicht eingefallen, mit dem Förster zu gehen. So schießest du weit über das Ziel, und dein Hetzen macht uns die besten Leute abspenstig. Du tust uns Schaden, Petereit!" Mit diesen Worten stand der Schmied auf, griff nach seiner Kappe, die andern folgten seinem Beispiel, und in wenigen Minuten war die Schenkstube leer.
Verdrossen schlich Petereit seiner Wohnung zu. „Das werde ich dem Edelmann noch einmal heimzahlen!" murmelte er ingrimmig und ballte die Faust gegen das Schloß.
Mächte dem Sultan in seiner schwierigen Lage zu Hülfe kommen würden,
In der Tat hängt viel von der Frage ab, welche Schritte Rußlands und Oesterreichs-Ungarns für den Fall der Ablehnung ihrer Reformforderungen zu erwarten wären. Wie es scheint, sind Kräfte im Aildiz- Kiosk tätig, die die Lage zu beschönigen und dem Großherrn einzureden suchen, die Reformmächte würden doch keine ernsten Schritte unternehmen, wenn er sich ihren Forderungen nicht unterwerfe. Es ist nicht unmöglich, daß dabei auch fremde Elemente mitwirken, die eine Verschärfung des Konflikts wünschen. Schon wiederholt hat z. B. panslavistischer Uebereifer der offiziellen russischen Politik Schwierigkeiten bereitet, weil sie ernstlich auf Erhaltung des status quo in der europäischen Türkei bedacht ist. Eine Verschärfung der Lage aber wäre unausbleiblich, wenn der Sultan sich in den Irrtum versetzen ließe,; daß es doch bei diplomatischen Noten bleiben würde, und deshalb bei seiner Weigerung verharrte. Das Ansehen Rußlands und Oesterreich-Ungarns ist viel zu stark im Spiele, als daß beide die Ablehnung der verlangten Reformen ruhig hinnehmen könnten. Die Pforte wird hierüber in den letzten Tagen hinlänglich aufgeklärt worden sein. Die Botschafter Rußlands und Oesterreich Ungarns haben Verhandlungen über Abänderungen des Reform- Programms abgelehnt und die schleunige prinzipielle Zustimmung der Pforte verlangt.
Auf die Hülfe anderer Mächte kann der Sultan nicht rechnen. England hält sich zurück und hat diplomatisch von Anfang an Forderungen vertreten, die noch weiter gehen als die Mürzsteger Kontrollforderungen. Frankreich kann keine Sonderpolitik im Gegensatz zu Rußland im nahen Oriente treiben. Deutschland endlich kann sich, zumal als die politisch am wenigsten am Balkan interessierte Macht, nicht in Gegensatz zu Rußland und Oesterreich-Ungarn stellen und nur auf eine baldige friedliche Verständigung zwischen der Pforte und den Reformmächten hinwirken. Mag auch die Scheu des Sultans vor der Anstellung fremder Kontroll-Organe in Macedonien begreiflich sein, so hat eben doch die türkische Verwaltung dort so schwere Versäumnisse begangen, daß ein Eingreifen der zunächst interessierten Mächte notwendig wurde. Die türkische Herrschaft genießt dabei immer noch den
II.
In düsterem Schweigen lag der alte, starke Bau da, es war, als habe der Frühling, der überall blühte und grünte, auf ihn keinen Einfluß. Die Fenster waren fest geschloffen, vergebens klopfte der Lenzwind an die Scheiben, vergebens vergoldeten die letzten Abendstrahlen die altersgrauen Mauern, sie glitten von dem kalten Stein ab und vermochten nicht, ihn zu erwärmen. Hell flammte, als die Dämmerung tiefer herabsank, das Licht in der Turmspitze empor, wie ein wachsames Auge spähte es durch das Dunkel, ob dem Hause auch Gefahr drohe, war doch der Schloßherr von Feinden umringt.
In einem großen düsteren, aber mit reicher Eleganz ausgestatteten Gemach, in dem trotz der Sommerwärme im Kamin ein Helles Feuer brannte, befanden sich zwei Personen, der Baron Maximilian von Durand und seine Mutter. Die Greisin, einst eine schöne, stattliche Dame, war durch die Last der Jahre, mehr aber noch durch Gram und Kummer gebeugt, ihr Antlitz war hager und welk geworden, und die abgemagerten Hände zitterten unaufhörlich in nervöser Unruhe. Nur die schönen dunklen Augen strahlten in unvermindertem Glanz, und die häufig vergossenen Tränen hatten nicht vermocht, sie zu trüben. Mit besorgten Blicken verfolgte sie ihren Sohn, der unruhig in dem saalartigen Zimmer auf« und niederschritt, ab und zu durch die Fensterscheiben in die Abenddämmerung hineinspähend.
Maximilian von Durand war ein großer, stattlicher Mann mit regelmäßigen Zügen, die schön genannt werden konnten, wenn er lächelte, aber er lächelte fast nie. Er