Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonncmentspreis Vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel. Postaufschlag.
Die Jusertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzekl« 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Gratisbeilagen: „Jllustrirtes Sanntagsblatt" und „Jllustrirte Laildwirtschastlichc Beilage". «&■ Fernsprecher Nr. 8. -^s
fc. 146
Donnerstag Den 16. Zezemkr
Sorte:.
Amtlicher Teil
Hersfeld, den 7. Dezember 1903.
Die Herren Ortsvorstände zu:
Auöbach, Dünkelrode, Eitra, Frielingen, Gethsemane, Goßmannsrode, Hattenbach, Heringen, Hilmes, Hil- perhaufen, Kerspenhausen, Kleinensee, Kruspis, Lampertsfeld, Lengers, Motzfeld, Obergeis, RanS-
bach, Reckerode, Rotterterode, Sorga, Tann, Unterneurode und Widdershausen
werden hiermit an die als baldige Rücksendung der ausgefüllten Fragebogen über die Zahl der selbstständigen Handwerksbetriebe pp. an den Beauftragten der Handwerkskammer zu Caffel, Herrn Nagel zu Bebra, erinnert.
I. 8721.
Der Königliche Landrat Freiherr v on Schleinitz, Geheimer RegierungS'Rat.
Hersfeld, den 27. November 1903.
Gemäß § 71 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885 wird das Ergebnis der Ergänzungswahlen zum Kreistag durch Veröffentlichung der nachstehenden Uebersicht zur allgemeinen Kenntnis gebracht.
Uebersicht über das Ergebnis der im Monat November 1903 stattgefundenen Kreistags-Ergänzungs-Wahlen.
Namen und Stand
der ausgeschiedenen Kreistagsmitglieder
Name und Stand
der neu- bezwse. wiedergewählten Kreistags-Mitglieder
1
2
I Strauß, Karl, Bürgermeister
I Rehn, H. H. Lohgerbereibesitzer
A. Im Wahlverbande der Stadt Hersfeld.
I Strauß, Karl, Bürgermeister Xylauder, Landesbauinspektor.
3
4
5
Braun, Wilhelm, Tuchfabrikaut, in Hersfeld Rechberg, Friedrich, Tuchfabrikant, daselbst Gottlieb, August, Seilerivarenfabrikant, daselbst
B. Im Wahlverbande -er Großgrundbesitzer:
6
7
8
9
Nuhn, Ferdinand, Bürgermeister, in Niederanla
C. Im Wahlverbande der Landgemeinden:
| Freise, Königlicher Amtsrat zu Bingartes
I Rechberg, Friedrich, Tuchfabrikaut, in Hersfeld Schimmelpfeng, Karl, Kaufmann, in Hersfeld.
Rößing, Jakob, Bürgermeister, in Kerspenhausen
Trieschmann, Georg II, Bürgerin. a. D., in Widdershausen Gebauer, Heinrich, Bürgermeister, in Heringen
Lingemann, Heinrich, Bürgermeister, in Philippsthal Reinhard, August, Bürgermeister, in Landershansen
Lingemann, Heinrich, Bürgermeister, in Philippsthal
Reinhard, August, Bürgermeister, in Landershausen.
3603.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
rei.
—/Ä
Berlin, den 19. November 1903.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe III. Nr. 1 biS 20 zu den Schuldverschreibungen der
fU- , Preußischen konsol idierten 3V2 vormals idigs . 4prozentigen Staatsanleihe von 1884 igill über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1904 bis ) 31. Dezember 1913 nebst den Erneuerung-scheinen für
: i| die folgende Reihe werden vom 1. Dezember 1903 ab tut von der Kontrolle der Staatspapiere in Berlin 8. W.
68, Oranienstraße 92/94, werktäglich von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags, mit Ausnahme der drei letzten Geschäftslage jedes Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine sind entweder bei der Kontrolle der Staalspapiere am Schalter in Empfang zu nehmen oder durch die RegierungS-Hauptkaffen, sowie in Frankfurt a/M. durch die Kreiskaffe zu beziehen. Wer die Empsangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat ihr persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden ErneuerungS-
scheine (Zinsscheinanweisungen) mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine nummerierte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichnis einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.
Durch die Post sind die Erneuerungsscheine an die Kontrolle der Staatspapiere nicht einzusenden, da diese sich in Bezug auf die Zinsscheinausreichung mit den Inhabern der Scheine nicht in Schriftwechsel einlaffen kann.
Wer die Zinsscheine durch eine der obengenannten Provinzialkaffen beziehen will, hat dieser Kasse die Erneuerungsscheine mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichnis wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesem Verzeichniffe sind bei den gedachten Provinzialkaffen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Erneuerungsscheine abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzialkaffen mittels besonderer Eingabe einzureichen. I. 2367.
Hauptverwaltung der Staatsschulden, gez. Unterschrift.
*
*
Caffel, den 26. November 1903.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die in derselben bezeichneten Formulare von der hiesigen Regierungs- Hauptkaffs und den Kreiskaffen unseres Bezirks verabreicht werden.
K. 2389. Königliche Regierung. Trott zu Solz.
Hersfeld, den 4. Dezember 1903.
Unter der Schafheerde in Obrrgeis ist die Räude
ausgebrochen.
I. 8662.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Ge-
)C adj# icker- i ev. einer )lage -rlÄ
. für Nähe iM U»'
item, und )bu= M
V
Ohne furcht und Cadel.
Erzählung von Lucie I d e l e r. (Fortsetzung.)
Es war ein heißer Julitag, Die Türen des Herrenhauses standen alle, der Hitze wegen, weit geöffnet; auf einem türkischen Divan mit völlig zerrissenem Bezug lag, einen französischen Roman in der Hand, Jadwiga, die jüngere der beiden Schwestern, in salopper Kleidung mit niedergetretenen Pantoffeln und zerriffenen Strümpfen. Schon sehr verblüht, hatte sie nur noch eine Schönheit an sich, prächtiges, rotblondes Haar, das bis zum Fußboden reichte und das, zu kleidsamer Frisur geordnet, allgemeine Bewunderung zu finden pflegte.
Heute aber hingen die Haarmassen wirr und ungeordnet um den Kopf und erhöhten den abstoßenden Eindruck der ganzen Erscheinung. Aus dem kalkweißen Gesicht leuchteten ein Paar grau grüne Augen, die sehr an die einer Katze erinnerten, und einer trägen Katze gleich dehnte sie sich auf ihrem weichen Lager.
Sie blinzelte auch nur träge durch die Wimpern, als ihre Schwester Klementine jetzt eintrat, viel kleiner als die stattliche Schwester mit gleichfalls reichem, aber dunkelm und glanzlosem Haar, nur die graugrünen Augen hatte sie mit Jadwiga gemein. Sie gehörte zu jenen Erscheinungen, die in Gesellschaft wenig Beachtung finden, auch wenn sie, wie Klementine es tat, die äußersten Anstrengungen machen, bemerkt zu werden. Im Gegenteil zu der trägen, bequemen Jadwiga war sie heftig und zerfahren, unvorsichtig in Bewegungen und
Worten; aber sie bemühte sich wenigstens noch etwas um das Hauswesen, während Jadwiga nie eine Hand rührte. Auch heute begann sie im Wohnzimmer, das zugleich den Salon norfleUt', Staub zu wischen, was allerdings not tat. Dabei stieß sie überall an und warf verschiedene schäbige Zierrate um.
Jadwiga zuckte bei dem lauten Geräusch unmutig zusammen. „Mach' doch nicht solchen Spektakel!" sagte sie ärgerlich.
Klementine antwortete nicht, sondern fuhr in ihrer Beschäftigung fort. Die beiden Schwestern zankten sich täglich, schließlich hielten sie aber doch zu einander, und die eine ließ die andere niemals im Stich. Klementine war in verschlissene schwarze Seide gekleidet, sie ging immer in Schwarz, weil sie trauerte, aber das Kleid zeigte mehr Löcher, als heile Stellen. Sie befreite einen ursprünglich sehr eleganten, aber auch schon sehr abgenutzten Damenschreibtisch von den Staubmassen, die sich auf ihm gelagert hatten, und nahm dabei ein Miniatur- Porträt in die Hand, das sich in einem vergoldeten Rahmen befand und einen französischen Husarenoffizier darstellte. Sie blickte lange darauf hin und seufzte sehr vernehmlich. „Mein Louis!" hauchte sie.
Jadwiga blickte von ihrer Lektüre in die Höhe. „Kannst du denn diesen Unsinn nicht endlich aufgeben?" fragte sie spottend. „Tu weißt doch, daß dieser Oberst Romain sich für eine Schönheit hielt und seine Bilder überall verschenkte. Die Schneiderin in Königsberg, die für uns arbeitet, hat auch eins und lacht über den eiteln Franzosen."
„Es ist kein Unsinn!" rief Klementine erzürnt und stieß so heftig an eine Porzellanvase, daß diese herab- fiel und klirrend in Stücke brach. „Was geht mich die Schneiderin in Königsberg an? Mir, mir allein schwor er vor fünf Jahren Treue, draußen in der alten Flieder- laube, — ich kann den Ort nie ohne Tränen sehen!" Sie schluchzte mit ziemlicher Anstrengung, die Tränen waren im Lauf der Zeit wohl schon etwas versiegt. „Er sagte zu mir, er werde wiederkommen und mich in sein Schloß holen."
„Er wird wohl gar kein» gehabt haben!" bemerkte die Schwester boshaft.
„Und er ist nie wiedergekommen!" fuhr Klementine fort, ohne den Einwand zu beachten.
„Er wird sich hüten!" entgegnete Jadwiga spottend.
„Er aber ist fortgezogen, weit in das Land hinaus!" sang die Verlassene in bedenklich falschen Tönen. „Auf welchem Schlachtfeld liegt nun sein edler Leib begraben? Denn sonst wäre er wiedergekommen, o! gewiß! Und nun trauere ich um ihn und werde ewig trauern!"
„Daran tust du gut, denn Ersatz möchtest du auch wohl schwerlich finden!" erwiderte Jadwiga und gähnte, dieses Thema verursachte ihr stets Langeweile. Erstlich hatte es sie verdroffen, daß der Franzose der Schwester den Hof gemacht hatte und nicht ihr, zweitens aber wußte sie auch, daß Klementines Phantasie bei dieser ganzen Liebesgeschichte das Beste tat, ein Treuschwur in der Fliederlaub» hatte in Wahrheit niemals stattge- funden. Und darum ärgerte sie dieser Kultus, den die Schwester mit dem Verschollenen trieb. Vor fünf Jahren