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1901
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 15. Januar 1904.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden werden unter Hinweis auf die Bestimmungen im § 89 der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 hierdurch angewiesen, über die Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde im Rechnungsjahr 1904 (1. April 1904/05), welche sich im Voraus veranschlagen lassen, einen Voranschlag (Haushalls-Etal) nach dem vorgeschriebenen Formular alsbald zu entwerfen, denselben alsdann nach vorheriger Bekanntmachung in einem von der Gemeinde- Vertretung bezw. Versammlung zu bestimmenden Lokale während zweier Wochen zur Einsicht aller Gemeindeangehörigen auszulegen und nach Ablauf dieser Frist den Voranschlag am Schlüsse mit entsprechender Bescheinigung zu versehen.
Hieraus ist der Voranschlag mit den eventuell er- hobenen Einwendungen der Gemeinde Vertretung bezw. Versammlung zur Festsetzung vorzulegen.
Ich verfehle nicht, ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß der Berechnung der direkten Gemeindesteuern (Communalsteuern) die für das Rechnungsjahr 1904 festgestellten Steuerbeträge (Grund-, Gebäude-, Gewerbe-, Betriebs- und Einkommensteuer, auch die fingirte Einkommensteuer) der einzelnen Steuerpflichtigen zu Grunde zu legen sind.
Auch bemerke ich, daß die Ausstellung des Voranschlages aus einen Zeitraum van 3 Jahren durch Beschluß des Kreisausschusses vom 8- April 1903 nur den Gemeinden zugestanden worden ist, welche nicht mehr als 100% Zuschlag ju' den vorerwähnten staat- lich veranlagten Steuern als Gemeindesteuer erbeben.
Daß der Voranschlag in Einnahme und Ausgabe balanciren, d. h. die Gesammthöhe der Einnahmen der der Ausgaben entsprechen muß, bedarf wohl nicht besonderer Erwähnung.
Der Vorlage des Voranschlages in zweifacher Ausfertigung sehe ich bis zum 25. März b. J. entgegen.
Sollten einzelne der Herren Bürgermeister vielleicht nicht bis zum 1. März cr. in den Besitz der erforder- lieben staatlich veranlagten Steuersätze gelangen, so
Ohne furcht und Cadcl.
Erzählung von Lucxe Jdeler.
(Schluß.)
Als Maximilian von Durand mit seiner Mutter in Berlin eintraf, war er tief bewegt. Wie hatte er diese Stadt zuletzt verlassen! Zum jammervollen Krüppel geschossen, mit der Ungnade seines Königs beladen, brach er damals bei Nacht und Nebel aus; jetzt kam er wieder, geehrt und geachtet von allen, berufen, einen wichtigen Posten zum Besten des Landes auszufüllen.
Schon in den ersten Tagen gewährte ihm der König eine Audienz. Friedrich Wilhelm III. ließ sich eingehend über den Stand der Dinge in Ostpreußen berichten und äußerte sich wiederholt sehr zufrieden über die Umsicht und Geschicklichkeit des Barons. „Er stand auf der Grenzwacht, aus einem gefährlichen Posten, von Feinden umringt!" bemerkte der König, „aber wohl dem Monarchen, der in den Zeilen der Not solche treuen Männer an den Grenzen seines Landes findet. Und nun gehe Er zum Kammerherrn von Wedell in der Burgstraße und sage Er dort, sein König schicke ihn!" Friedrich Wilhelm lächelte.
Halb betäubt vor Glück und Aufregung folgte Durand dem königlichen Gebot. Als er sich melden ließ, überfiel ihn ein Herzklopfen. Als ihm damals der wütende Schmied die Todeswaffe auf die Brust gesetzt hatte, war » vollkommen ruhig geblieben, jetzt bebte er am ganzen Körper.
Herr von Webest eilte rasch auf ihn zu und umarmte ihn, ehe er noch den Befehl seines Königs ausrichten
sind die bezüglichen Angaben sofort von zuständiger Stelle (Steuersecretariat hier) zu erbitten, damit eine Verschleppung der Angelegenheit nicht eintritt.
A. 199. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 13. Januar 1904.
Die Herren Ortsvorstände erhalten hierdurch die Weisung, da« im § 8 Absatz 3 des Reglements vom 4. März 1875 (Amtsblatt Nr. 15) vorgeschriebene Verzeichnis derjenigen noch nicht geimpften Kinder, welche in den Gemeindebezirken nicht geboren, sondern dahin verzogen sind, bis z u m 10. F e b r u a r d. I s. mir einzureichen. Die Herren Standesbeamten werden angewiesen, unter Benutzung des Ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Formular«, die vorgeschriebenen Jmpflisten durch Eintrag der im Jahre 1903 geborenen noch lebenden Kinder (Spalte 2 bis 5) vorzurichten und bis zum obigen Termine gleichfalls mir einzureichen. Bei Aufstellung dieser Liste ist noch zu beachten, daß die Impflinge einer jeden Gemeinde zusammen in unmittelbarer Reihenfolge eingetragen werden. Gleichzeitig ersuche ich die Herren Ortsschulinspektoren unter Benutzung des Ihnen übersandlen Formular« durch Eintragung der sämtlichen Schüler, welche im laufenden Jahre das 12 Lebensjahr zurücklegen werden, die Listen für die Wieder-Jmpfung seitens der Herren Lehrer vorrichten und hiernächst bis spätestens zum 15. Februar d. I«. einreichen zu lassen. Fall» stch Schüler voifinden sollten, von welchen ein Nachweis der Erstimpfung nicht erbracht werden kann, sind solche in einem Begleitschreiben besonders namhaft zu machen.
A. 166. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 15. Januar 1904.
Nach einer Mitteilung des Vorstandes der Hessen- Nassauischen Baugewerks-BerufSgenossenschaft zu Frankfurt a./M. soll es öfters vorkommen, daß über die von Privaten rc.. zur Ausführung kommenden Regiebauarbeiten die nach § 24 des Bau-UnfallversicherungS» gesetzes vorgeschriebenen Regie-Nachweifungen nicht ein* gereicht werden.
konnte. „Ihnen ist von allen Unrecht geschehen, liebster Freund, wie können wir es wieder gut machen?"
„Es ist alle« gut!" stammelte Durand glücklich, und seine Blicke suchten Edith, in deren schönen blauen Augen helle Tränen schimmerten. „Ich habe nie an Ihnen gezweifelt !" sagte sie leise und faßte mit beiden Händen seine Linke.
„Nein! weiß Gott! Da« hat das Mädel nie getan!" rief der Kammerherr erregt, „sie ließ niemals etwas auf Sie kommen und verteidigte Sie stets, wenn man Sie tadelte. Sie hat Sie besser gekannt, al« wir alle!"
Durand blickte voll Freude in da« geliebte Antlitz, da« er in den Stunden der Verzweiflung niemals wieder zu sehen glaubte, und da« ihm doch in oller Trübsal, in aller Anfechtung immer als ein reiner Stern an seinem düsteren Gedankenhimmel emporgestiegen war. Und sie hatte nie an ihm gezweifelt I Wie Musik klang dies eine Wort in seinen Ohren. „Hätte ich da« gewußt, es würde mir stets über alles Schwere fortge- halfen haben!" sagte er innig und beugte sich über ihre Hand.
„Warum zweifelten Sie an mir?" fragte Edith mit leisem Vorwurf.
In seinen Augen leuchtete es auf, sein Herz war fast zu voll, als daß er hätte sprechen können, dann aber erinnerte er sich des königlichen Auftrags und richtete ihn aus. Edith errötete tief, der Kammerherr lachte hell auf. „Wissen Sie, mein Lieber, was diese Botschaft Seiner Majestät bedeutet? Der König selbst ist für Sie der Freiwerber um die Hand meiner Tochter! Da ist
Unter Bezugnahme auf das Ausschreiben vom 23. November 1895, I. No. 6636, (Kreisblatt No. 140) Abschnitt C. mache ich den Herrn Bürgermeistern des Kreises die Kontroltrung der Regiebauarbeiten sowie die pünktliche Einziehung und Einsendung der bezüglichen Nachweisungen an den Genossenschaftsvorstand hiermit besonders zur Pflicht.
L 136. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 16. Januar 1904.
Der von der Gemeinde Hilme» kürzlich beschaffte Bulle, Simmentaler Rasse, gelbschäckig, 1 Jahr 4 Monate alt, ist von der zuständigen Körungskommission besichtigt und zur Nachzucht für tauglich befunden worden. I. 311. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
Berlin, 19. Januar.
Se. Majestät der Kaiser begab Sich gestern nachmittag zu Herrn Jame« Simon (Berlin, Tiergarten- straße), um dessen Sammlungen zu besichtigen. Abends um 8 Uhr nahm Se. Majestät an einem Familien- diner beim Prinzen Albrecht teil. — Heute morgen unternahm Se. Majestät der Kaiser den gewohnten Spaziergang im Tiergarten, machte einen Besuch beim Reichskanzler Grafen v. Bülow und hörte im Königlichen Schlosse die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Chefs des Admiralstabes der Marine.
Im Reichstage machte am Montag vor Eintritt in die Tagesordnung Reichskanzler Graf Bülow Mitteilung von den Maßnahmen, die zur Niederwerfung des Herero-AufstandeS in Südwestafrika ergriffen werden sollen. Der Bundesrat hat einen Nachtrags- und Ergänzung» Etat beschlossen, der die Aussendung von 50 0 Mann mit sechs Maschinenkanonen in Aussicht nimmt. Diesen Etat überreichte der Reichskanzler dem Präsidenten und teilte dann weiter mit, daß angesichts der seit Sonnabend eingegangenen ernsten Meldungen die so-
es ja unmöglich „nein" zu sagen, selbst wenn ich es noch wollte. Aber es wird mir eine Ehre und eine Freude sein, Sie in den Kreis meiner Familie aufzu- nehmen, und auch mein Kind wird fortan dem stolzen Wahlspruch Ihre» alten Geschlecht» getreu sein: „Ohne Furcht und Tadel!"
Er nahm Maximilians Hand und legte Ediths Rechte hinein, sie schmiegte sich an ihn. „Zur Linken werde ich dir angetraut, geliebter Mann," flüsterte sie, „kaum bin ich würdig, an deiner Seite zu stehen."
„Und doch bist du die Königin meines Herzen«," antwortete er, „der hellste Edelstein an meinem Wappenschild. Ich sah zu dir empor, wie zu einem höheren Wesen, und wenn mich die Verzweiflung erfassen wollte, der Gedanke an dich gab mir immer wieder Trost!"
Eine schöne ungetrübte Brautzeit für die beiden Liebenden begann, und als endlich am 15. Juli 1815 Napoleon für immer nach der Insel St. Helena verbannt wurde, ein an den Felsen geschmiedeter Prometheus, der seine Ketten nicht mehr zerbrechen konnte, und die ganze Welt aufatmete, da sie von ihrem Bedränger endlich befreit war, fand wenige Tage darauf ganz in der Stille die Vermählung des Baron» von Durand mit Edith von Wedell statt. Bald darauf reiste das junge Paar nach Ostpreußen ab, denn Edith wollte die Heimat ihres Gatten kennen lernen, wo er gestrebt, gesümpft und gelitten halte.
Es war ein milder Sommerabend, als sich der Reisewagen dem ostpreußischen Dörfchen näherte. Schwarz und düster lag das gigantische alte Schloß da, und der