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Gratisbeilagku:Jllustriitcs Sontitagsblatt" unbJllustriltc Landvirtschastlichc Beilage." «L° Fernsprecher Nr. 8. ^»

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1901

Kestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen Jllustrirtes Sonntagsblatt"» Mustrirte landivirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenonimen.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 26. Januar 1904.

Am 31. März d. I«. läuft die Amtsdauer der Bei- geordneten und sämtlicher Schöffen und Schöffen» Stellvertreter in den Landgemeinden des hiesigen Kreises, nachdem die im § 46 Abs. 3 der Landgemeindeordnung vom 4. August 1897 festgesetzte sechsjährige Wahlperiode zu Ende geht, ab.

Die Vornahme der Neuwahlen ist deshalb erforder­lich. Die Schöffen werden nach § 46 Abs. 1 der Landgemeindeordnung von der Gemeindeversammlung beziehungsweise der Gemeindevertretung, welche nach § 20 Abs. 3 der Landgemeindeordnung aus dem Bürgermeister, den Schöffen und den gewählten Gemeindevecordneten besteht, und die Beigeordneten werden von dem G e m e i n d e r a t e (d. i. der Bürger­meister, der Beigeordnete und die Schöffen) und der Gemeindevertretung gewählt.

Die Einladung der Wahlberechtigten zu diesen Wahlen hat, wie ich hier besonders bemerken will, nach Maß­gabe der Vorschrift in den §§ 30 und 47 der Land­gemeindeordnung und mindestens eine Woche vor dem Wahltage zu erfolgen.

Im Anschluß an meine Verfügung vom 14. d. MtS. I. A. No. 179 im Kreisblatt No. 7, weise ich die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des hiesigen Kreises hierdurch an, die erforderlichen Neuwahlen in der zweiten Hälfte des Monats Februar d. I«. vor­nehmen zu lasten und mir die Wahlprotokolle, wozu Formulare in der L. Funk'schen Buchdruckerei dahier zu haben stnd, nebst den dazu gehörigen Anlagen (Wähler­listen, Bekanntmachung über Einladung zur Wahl, Stimmzettel u. s. w.) behufs Bestätigung und eventuell Verpflichtung der Neugewählten auf Grund der §§ 55 und 56 der Landgemeindeordnung b i S spätestens zum 1. März d. Js. einzureichen.

Zum Schlüsse mache ich noch, obgleich schon der Eingang dieser Verfügung hierüber keinen Zweifel lassen dürfte, darauf aufmerksam, daß auch die Wahl­periode bei solchen Personen, welche an Stelle (durch Tod pp.) abgegangener Personen als Beigeordneter oder Schöffe erst später gewählt und verpflichtet worden sind, die Amtsdauer bei diesen somit noch nicht 6 Jahre beträgt, Ende März ebenfalls abläust.

A. 314. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Hersfeld, den 22. Januar 1904.

Unter dem Schweinebestande des Slraßenarbeiteri Vaupel in Untergeis ist die Schweineseuche ausgebrochen. 1 439. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung« Rat.

Hersfeld, den 26. Januar 1904.

Der Herr Regierungs-Präsident hat mit Bezug auf

§ 55 des PrivatverstchecungSgesetzeS vom 12. Mai 1901 bestimmt, daß die Jahresberichte der als kleinere Vereine im Sinne des § 53 a. a. O. im hiesigen Regierungsbezirk bestehenden Sterbekassen nach dem von Dem Herrn Minister des Innern vorgeschriebenen Muster alljährlich ihm bis zum 1. April das erstemal zum 1. April 1904 in einer Ausfertigung vorzulegen sind.

Indem ich Vorstehende« hiermit zur öffentlichen Kenntnis bringe, ersuche ich die Vorstände der im hiesigen Kreis etwa vorhandenen Kaffen fragl. Art den entsprechen­den Jahresbericht mir bis zum 18. März spätestens alljährlich einzureichen.

Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Hersfeld, den 24. Januar 1904.

Unter dem Schweinebestande des Ernst Meckbach I in Niederjoffa ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.

I. 452. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

Am 18. b. MlS. mittelst EinschleichenS hierselbst ge­stohlen : 1. eine goldene Damen-Remontoiruhr mit der Fbk. No. 312296, im Werte von 40 Mark, an der­selben befand sich eine lange schwarze Perlenhalskette, 2. zwei kleine DamenportemonnaieS mit ungefähr 10 Mk. Inhalt, bestehend aus Silbergeld. Das eine dieser Portemonnaies ist von gelblichem Leder angefertigt. Das andere von schwarzem Leder. Letzterer trägt die Aufschrift:Echter Seehund."

Um Nachforschungen und Nachricht hierher im Er- mittelungSfalle wird ersucht. * *

*

Das Ausschreiben vom 14. Dezember 1903 P. 10112, betreffend mehrere Mansardeneinbrüche in hiesiger Stadt, ist erledigt. Als Täter ist der schon mehrfach vor­bestrafte, am 25. 1. 71 zu Gießen geborene Schlaffer Heinrich Christian Karl Vogel ermittelt und in Frank­furt a/M. zur Haft gebracht worden.

Hanau, den 20. Januar 1904.

I. No. P. 544/04. Königliche Polizei-Direktion.

Nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

Der Geburtstag des Kaisers ist in allen Teilen des Reiches festlich begangen worden. Ueberall wurden in den Kirchen Gottesdienste, in den Schulen Festakte abgehalten. In den Garnisonstädten fanden Paraden und große Parole-Ausgaben statt. Die staatlichen und die städtischen Behörden begingen den Tag durch ge- ntehifanie Festmahle. Am glänzendsten war die Feier in Berlin, wo sich zahlreiche deutsche Bnudesfürsten und der König der Belgier eingesunden hatten, um den Kaiser zu beglückwünschen. Auch aus dem Auslande liegen Berichte vor, die erkennen lassen, daß die dort wohnenden Deutschen nicht vergessen haben, was das Vaterland an seinem Willensstärken, pflichtbewußten, für alles Gute begeisterten Kaiser und König hat, Man weiß es auch im Auslande, daß unser Kaiser keine Mühe scheut, den Völkern die Schrecken des Krieges zu ersparen, und der Kultur und der Menschlichkeit gern seine Unterstützung leiht.

Einen schönen Beweis seiner hochherzigen Gesinnung hat der Kaiser wieder bei dem Brand-Unglück von A a l e s u n d gegeben. Hier spielen keine politischen In­teressen mit; nichts drängte ihn zu seinen schönen Taten als das Mitgefühl mit einer schwer heimgesuchten Be­völkerung. Wie unser Herrscher nach dem Theaterbrand von Chikago nicht säumte, das Berliner Opernhaus zu schließen, unbekümmert um die Ausfälle, die dadurch der Hofkasse erwachsen, nur bedacht auf Leben und Gesundheit

seines Volkes, so hat er in echt königlichem Sinne die An­ordnungen zu Gunsten derer getroffen, die eine verheerende Feuersbrunst in der norwegischen Stadt um Hab und Gut und Obdach brächte. Die schnelle und umfassende Hülfs- aktion, die unter der persönlichen Beteiligung des Kaisers ins Werk gesetzt ist, hat nicht nur König Oskar tief ge­rührt, sondern auch im Herzen des norwegischen Volkes dankbaren Wiederhall gefunden.

Auf die Feier von Kaisers Geburtstag ist durch den Tod des Herzogs Friedrich von Anhalt ein Schatten gefallen. An der Bahre dieses ehrwürdigen Herrschers trauert, wie es in einem amtlichen Nachruf heißt, mit dem Kaiser das Königliche Haus von Preußen, dem der Heimgegangene durch verwandtschaftliche Bande uahe- stand. Mit der Bevölkerung Anhalts, die den Verlust ihres geliebten Landesherrn beklagt, vereinigen sich Deutsche aus allen Gauen des Reiches zum ehrenden Gedächtnis für diesen edlen Bundesfürsten, der länger als ein Menschen- alter in Treue für Kaiser und Reich, für Land und Volk ein Beispiel segensreicher Pflichterfüllung gegeben hat. Dem Verstorbenen ist sein gleichnamiger zweiter Sohn, der seit dem int Jahre 1886 erfolgten Tode seines älteren Bruders Leopold Thronerbe war, in der Regierung gefolgt.

Der Reichstag hat sich inzwischen durch einen Wust von Interpellationen hindurchgewunden und die zweite Etatsberatung begonnen. Hoffentlich wird diese nicht, wie es wiederholt geschehen ist, von demokratischer Seite durch endlose Reden, die die Abgeordneten lediglich zum Fenster hinaus halten, unnötig in die Länge gezogen werden. Das preußische A b g e o r d e t e n h a u s hat die erste Lesung des Etats beendet. Die Verhandlungen verliefen ruhig, wie es bei der glänzenden Finanzlage Preußens und bei der offenen Hand der Regierung für notwendige Aus­gaben nicht anders zn erwarten war.

Einen schweren Stand hatte die französische Regierung im Parlament. Der Minister-Präsident Combes erhielt beim Falle D e l s o r mit Mühe eine Mehrheit. Daß es überhaupt aus einem derartigen Anlaß zu einer Haupt- und Staatsaktien! kommen konnte, die den Bestand der Regierung bedrohte, ist das für die Geistesverfassung unserer westlichen Nachbarn eigentümliche Merkmal des ganzen Vorganges. In keinem anderen Lande der Welt hätte man es fertig gebracht, sich über eine so einfache und be­langlose Maßregel, wie sie die Ausweisung eines regier­ungsfeindlichen fremden Agitators darstellt, aufzuregen. Der Abbs Delsor aber ist Elsässer, und diese Eigenschaft wirkt auf einen Teil der Franzosen noch heute wie der Anblick eines roten Tuches auf einen Stier. Jedenfalls können wir aus diesen Erscheinungen sehen, wie weit die politische Entwicklung Frankreich und die Reichslande bereits aus­einander geführt hat.

Die Nachrichten ans Südwestafrika zeigen, wie nötig die schnelle Hülfe war,'zu der sich Regierung und Reichstag entschlossen haben. Leider kommt sie für viele zu spät. Zwar sind die Berichte aus englischer Quelle über Gräueltaten der Aufständischen offenbar stark über­trieben. Dagegen ist es eine schmerzliche Tatsache, daß eine beträchtliche Anzahl deutscher Ansiedler ermordet worden ist. Die meisten haben sich glücklicherweise in die befestigten Plätze gerettet, wo sie von den Wilden belagert werden. Sie zu befreien, ist die erste Aufgabe des deutschen Expe­ditionskorps, das bereits den Wendekreis des Krebses er­reicht hat.

In O st a s i e n pendelt das Zünglein der Schicksals­wage nach wie vor hin und her. Die russische Antwort auf die japanische Note, von der die Entscheidung über Krieg und Frieden abhängt, ist noch immer nicht ergangen, obwohl sie von Japan schon am Sonntage erwartet wurde.

Politische Nachrichten.

Berlin, 28. Januar.

Kaisers Geburtstag ist in der Reichs­hauptstadt und in ganz Deutschland mit großer Be­geisterung gefeiert worden. Die Kundgebungen der