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Sr. 14.
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1964.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 29. Januar 1904.
Nach Mitteilung des Königlichen Eisenbahn-Baubüreau dahier lverden die Sauarbeiten auf der Teilstrecke Hersfeld— Niederaula der Nebenbahn Hersfeld—Treysa bei Eintritt günstiger Wittemngsverhältnisse alsbald ausgenommen und inzwischen bereits mit dem Anfahren der erforderlichen Baumaterialien pp. Seitens des Bauunternehmers begonnen werden.
Im Hinblick hierauf ersuche ich die Herren Bürgermeister der an der vorbezeichneten Teilstrecke gelegenen Orte die Besitzer von in ihren Gemarkungen belegenen Grnnd- stücken, welche ganz oder teilweise für Zwecke 'des Bahnbaues erworben worden sind, auf ortsübliche Weise hiervon in Kenntnis zu setzen, damit selbige, sofern eine Räumung der in Betracht kommenden Flächen zu bewerkstelligen ist, solche rechtzeitig ausführen können.
Ausdrücklich weise ich jedoch darauf hin, daß eine Beseitigung von Mutterboden von den Eisenbahnparzellen jetzt nicht mehr zulässig ist.
I. 586. " Der Königliche Landrat
Freiherr von S ch l e i n l tz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 26. Januar 1904.
Diejenigen Herren Bürgermeister des Kreises, welche die Bestellung des Handbuches zur sachgemäßen Ausstellung der Kontroll-AuSzüge vom Steuersekretär Kuntze in Glatz bei mir beantragt haben, werden ersucht, dieses gegen Entrichtung des Betrages von 75 Pfennigen alsbald auf dem Steuerbureau des Kgl. Landratsamtes hierselbst abzuholen. Bei Einsendung des Betrage« durch die Post, ersuche ich Porto und Bestellgeld bei- zufügen.
I. III. 74/04. Der Vorsitzende der Veranlagungskommission.
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersseld, den 24. Januar 1904
Die unter den Schweinen des Carl Jacob in Beiers- Hausen ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. 451. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
in UßMMlles Blatt.
Erzählung von A. v. L i l i e » c r o n.
(Fortsetzung.)
Viertes Kapitel.
Nichts war geschehen von alle dem, was die Emigranten so zuversichtlich verkündet hatten. Das Manifest hatte weder die Lage des König« gebessert noch den. besonnenen Köpfen in Frankreich ein Halt zugerufen. Im Gegenteil, e« hatte dort die leidenschaftlichen Gefühle derartig aus die Spitze getrieben, daß bas Volk am 10. August Ludwig XVI. des Thrones entsetzte, und daß die ganze königliche Partei unterdrückt wurde. Es waren aufregende Tage, die der Herzog von Braunschweig seit der Stunde verbrachte, nachdem er das Manifest unterschrieben hatte, und ein Sturm sondergleichen spielte sich in jener Zeit im Hauptquartiere ab. Die Prinzen hatten, trotz ihre» Versprechens, die schwerwiegende Stelle des Manifeste«, in der es hieß, man werde Paris der Erde gleich machen, nicht ausgelassen, und am 27. Juli erschien die verhängnisvolle Proklamation mit dieser vom Fürsten gestrichenen Stelle in Pari« im „Moniteur."
Der Herzog raste, forderte Limon zur Rechenschaft und arbeitete sich immer mehr in die Erregung hinein, als der Marquis sich den peinlichen Auseinandersetzungen durch eine schleunige Abreise entzog.
Gefundene Gegenstände:
Ein Spazierstock. Meldung des Eigentümers beim Ortsvorstand zu Asbach.
Nichtamtlicher Teil.
Unser Kaiser.
Aus den Krankheitstagen des Kaisers sind am Ge» burtStags Seiner Majestät Einzelheiten bekannt geworden, die verdienen, den weitesten Kreisen des deutschen Volkes zur Kenntnis gebracht zu werden, weil sie die Auffassung, die unser Herrscher von seinem hohen Amte hat, sein Pflichtbewußtsein und seine Seelengröße in Hellem Lichte erstrahlen lassen.
In der Provinz Sachsen war es — so wußte Landrat v. Wedel, der Bruder des Königlichen Hausminister«, in seiner Festrede in Eisleben zu erzählen — wo sich die ersten bedrohlichen Zeichen der Krankheit bemerkbar machten. Ganz heimlich — noch nicht einmal die Kaiserin durfte etwas davon wissen — unterzog sich der Kaiser _elim—&!« a * r»».«äah__n ntnri..*..«e—^——*—r >..... Leroarzl. Dieser ordnete die sofortige Hinzuziehung eines Spezialisten an. Der Spezialist kam. Derselbe Tag, der die Entscheidung bringen sollte, ob der Keim einer heimtückischen Krankheit sich bei unserm Kaiser bemerkbar machte, sah ihn noch in Erfüllung seiner Herrscherpflichten an der Spitze von vier Armeekorps aus dem Manöverselde. Erst am Abend erfolgte in Merseburg die Untersuchung. Der Spezialist erklärte die sofortige Vornahme der Operation für unbedingt erforderlich, es sei keine Zeit zu verlieren. Doch der Kaiser erwiderte, auch er habe keine Zeit zu verlieren: denn seiner warten ernste Pflichten. In diese Zeit fiel damals die Zusammenkunft unsers Kaisers mit dem Kaiser von Rußland, die für die Erhaltung des Weltfriedens von ungeheurer Wichtigkeit war. Erst darnach konnte die Operation vor sich gehen, die glücklicherweise alle bangen Zweifel beseitigte.
Eine Ergänzung dieser Erzählung hat der Präsident des Reichstages beim Festmahle des deutschen Parlaments gegeben. Als Graf Ballestrem mit den beiden Vizepräsidenten dem Herrscher zur Genesung Glück wünschte und es bei dieser Gelegenheit als weise rühmte, die Wahrheit dem Volke nicht vorzuenthalten, da erwiderte der Kaiser: „Ja, Sie Habens gut gehabt, ich
Mit tiefgefurchter Stirn ging der Feldmarschall in seinem Zimmer in Koblenz auf und ab, einen Brief in der Hand. Es war ein anonymes Schreiben aus Frankreich, da« ihm eben überbracht war. Er hatte sich zuerst nicht die Zeit genommen, hineinzusehen, jetzt aber trat er damit hart an das Fenster und las mit halblauter Stimme:
„Die Wirkungen, gnädiger Herr, die Ihr Manifest hervorrufen wird, werden Sie erschrecken. Glauben Sie, daß die königliche Familie und die Emigranten Ihnen großen Dank schulden? Ich wiederhole e« Ihnen, gnädiger Herr, ich begreife nicht, daß man Sie hat bestimmen können, Schriften zu unterzeichnen, die ebenso unpolitisch wie ungeziemend sind. Man spricht nicht in einem solchen Tone, wie Sie gesprochen haben, zu einer Nation von 27 Millionen Menschen. Alexander sprach nicht so nach der Schlacht von Arbela. In ihren energischen Reden sprachen die Römer nicht ander« als mit Mäßigung zu ihren Feinden. Ein Held, selbst im Schoße des Glücke«, darf nicht ander« als mit Würde sich äußern, er muß entehrende Prahlereien vermeiden. Es ist jederzeit eine Torheit, eine Nation zu insultieren, ehe man sie besiegt hat. Es ist eine Gemeinheit, sie nachher zu insultieren."
Ein heiße Blutwelle war langsam in die Stirn des Herzogs gestiegen. Jetzt ballte er bas Schreiben zu einem Knäuel zusammen, ließ es fallen und setzte den Fuß darauf. „Das sind Dolchspitzen," murmelte er, „und
bin aber zwei Monate herumgegangen, ohne zu wissen ob die Sache gutartig oder bösartig wäre!" Auf die Bemerkung der Grafen Ballestrem: „Und noch kurz vor der Operation haben Majestät die bedeutungsvollen Zusammenkünfte mit dem Kaiser von Rußland gehabt!" sagte der Kaiser ganz einfach wie ein Familienvater: „Nun ja, wenn'» was Böse» gewesen wäre, dann wollte ich doch meinem Sohne angenehme nachbarliche Verhältnisse hinterlassen !"
Zwei Monate hat der Kaiser über die Natur seines Leidens in der Ungewißheit geschwebt. Acht bange Wochen hat er mit der Möglichkeit, ja mit der Wahrscheinlichkeit rechnen müssen, daß seine Tage gezählt seien, daß ihm dasselbe traurige Ende bevorstehe wie seinen Eltern. Trotzdem hat er als echter Hohenzoller nicht geklagt, hat er unermüdlich seine Pflicht getan, die ihm sein verantwortungSreicheS Amt auserlegt, hat er tagaus tagein die RegierungsGeschäfte gewissenhaft erledigt, hat er sich, ohne mit der Wimper zu zucken, den Strapazen der Manöver unterzogen. Seine Person stellt der Kaiser zurück hinter die Sorge um das Wohl des Reiches und des Volkes. Ehe er seinen Leib auf
zu unserm mächtigen Nachbarn im ^^Ä^— um, wenn Gott ihn abberufen sollte, dem Erben der
Krone und dem Vaterland« eine gute Zukunft zu sichern.
Fürwahr, wir Deutschen können uns glücklich preisen, daß wir einen solchen Herrscher haben. Wo ein Bannerträger wie unser Kaiser voranschreitet, da geht es vorwärts. Wer möchte ihm nicht freudig folgen! Unter seinem Szepter sind wir wohl geborgen. Es ist zu ver- stehen, daß in den Blättern vieler andern Großmächte
oft der sehnsuchtsvolle Gedanke erörtert wird: Was könnte aus unserm Lande werden, wenn wir einen Mann an der Spitze hätten wie Kaiser Wilhelm II. ! Wie klein und kläglich nehmen sich unserm Kaiser gegenüber die heimischen Nörgler aus, die an allen seinen Worten und Handlungen herummäkeln! Beschämt müssen sie die Segel streichen. **
Politische Nachrichten.
Berlin, 28. Januar.
Se. Majestät der Kaiser hörte gestern vormittag noch den Vortrag des Generaladjulanten v.
sie treffen den Nerv, denn der Schreiber hat recht."
Er schritt auf die Tür nach dem Vorzimmer zu, öffnete sie und rief: „Schreckenstein!'
Der junge Offizier, der sich sofort straff aufgerichtet hatte, eilte in das Zimmer des Feldmarschalls.
„Reiten Sie sofort nach Rübenach, geben Sie diese Briefe an ihre Adresse ab," befahl er. „Die Sache hat dringende Eile, — alle Vorbereitungen müssen getroffen werden. Morgen am 1. August soll hier der Rheinübergang der Armee stattfinden. Wir marschieren auf Trier zu."
Schreckenstein» Gedanken flogen zu Gerda hinüber, der er nun nicht mehr ein letztes Lebewohl sagen konnte. Doch kein Zucken der Wimpern verriet seine Gefühle, in militärisch strammer Haltung stand er da, die weiteren Befehle erwartend.
Der Herzog händigte ihm die Briefe ein und machte eine entlassende Bewegung. Doch noch ehe Schreckenstein die Türe erreicht hatte, rief er ihn zurück.
„Wie lange reiten Sie von Rübenach bis zu dem Pfarrhause, wo Sie Ihre Frau haben, wenn Sie den Gaul nicht schonen?" fragte er.
„Eine Stunde, Durchlaucht," lautete die Antwort.
„So gebe ich Ihnen eine Stunde für den Aufenthalt bei der Herzallerliebsten, dann können Sie um Mitternacht zurück sein," sagte der Fürst gütig. „Melden Sie sich bei Ihrer Rückkehr sofort bei mir, ich werde Ihnen noch weitere Anweisungen zu geben haben."