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Sr. 19.

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Amtlicher Teil.

Polizeiveeordnung.

Auf Grund des § 5 der Veroidnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 186 7 (G. S. S. 1529) sowie des § 142 des Gesetzes über die allgemeine Landesver­waltung vom 30. Juli 1883 (G. S. S. 195 u. ff.) wird unter Zustimmung des Kretsausschuffes für das aus dem § 1 sich ergebende Gebiet des Kreises Hersfeld verordnet, wie folgt:

8 i.

Unbefugten ist das Betreten der Bahnanlagen sowie der zugehörigen Baustellen und Arbeitsplätze auf der Eisenbahn-Neubaustrecke Hersseld-Treysa, soweit dieselbe das Gebiet des Kreises Hersfeld berührt, nicht gestattet.

8 2.

Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mark, im Unvermögenssalle mit entsprechender Hast geahndet.

8 3.

Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver» öffentliche: in Kraft.

Hersfeld, den 10. Februar 1904.

Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungsRat.

Hersfeld, den 9. Februar 1904.

Die Schulstelle in Oberhaun wird infolge Versetzung des bisherigen Inhabers in den Ruhestand vom 1. April b. Js. ab frei. Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1000 Mk. Grundgehalt und 150 Mk. Kirchendienstvergütung und der Dienstalterszulagen-Ein- Heitssatz beträgt 120 Mk.

Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeug- nisien bis zum 5. März d. Js. bei dem Königlichen OrtSschulinspektor, Herrn Pfarrer Feyerabend in Hers- feld, oder dem Unterzeichneten einreichen.

Namens des Schulvorstandes:

I. 807. Freiherr von Schleinitz,

Landrat, Geheimer Regierung» Rat.

Aonigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr

an den Wochentagen vormittags.

Nichtamtlicher Teil.'

Politischer Wochenbericht.

Die Augen der ganzen Welt verfolgen gespannt das blutige Drama, das in Ostasien begonnen hat. Seit dein welt­geschichtlichen Ringen Deutschlands mit Frankreich hat sich kein Ereignis abgespielt, dem eine größere Bedeutung bet« käme als dem Kriege zwischenRußland und Japan. Es handelt sich um die Vorherrschaft im Osten des asiatischen Festlandes. Japan hat kühn die Offensive ergriffen und der russischen Flotte vor Port Arthur empfindliche Verluste bei« gebracht. Die Hauptentscheidung dürfte jedoch auf dein Lande fallen. Wie bei jedem Kriege sucht auch jetzt eine Partei der andern die Schuld zuzuschieben. Wir halten das für ein nutzloses Beginnen.

Wer den Anstoß zum Kriege gegeben hat, das wird die Geschichte feststellen. Jetzt ist eS wichtiger, zu verhüten, daß der Brand weiter um sich greife. Diesen Zweck hat der Vor­schlag der Bereinigten Staaten, den Krieg auf Rußland und Japan zu beschränken und die Neutralität Chinas zu sichern. Einige Mächte haben diesem Borschlage bereits zugestimmt. Auch Deutschland, das keinen Sonder- vorteil erstrebt, sondern ehrlich neutral ist, ist für den Vor­schlag eingetreten.

Leider birgt der ikricg mancherlei Konfliktsstost. So scheint England nicht übel Lust zu haben, die Gelegenheit zu be­nutzen, um alte und neue Rechnungen mit Rußland auszu

tragen. Die Veröffentlichung der amtlichen Schriftstücke über die russisch-englischen Differenzen in der tibetanischen Frage ist in einer so außergewöhnlichen und so unfreund­lichen Form geschehen, daß kaum ein Zweifel darüber be­stehen kann, daß damit eine Herausforderung Rußlands be­absichtigt wird. Gefährlich können die Ereignisse im fernen Osten auch für den nahen Orient werden. Auf der Balkan- Halbinsel sind Boris-Sarasow und seine Leute wieder am Werk. Die Erhaltung des Friedens auf diesem Boden wird von zwei Dingen abhängen: erstens davon, daß die Türkei mit den ihr beigeordneten Kommissaren das Reformprogramm, so wie sie es angenommen hat, wirklich durchführt und dabei in so starker Rüstung steht, daß die Komitatschis und ihre heimlichen Freunde, wenn sie aufstehen sollten, rasch nieder­geworfen werden; das zweite aber ist, daß Rußland und Oesterreich-Ungarn nach wie vor zusammenstehen. Erfteulicher- weise ist hieran nicht zu zweifeln.

Gegenüber den Fragen, die im Anschluß an den russisch­japanischen Krieg austauchen, treten die andern Ereignisse zurück. Die Nachrichten aus Südw estafrika haben uns schmerzliche Verluste zur Kenntnis gebracht, aber sie erzählen uns auch von dem Heldenmut, mit dem das kleine Häuflein der Deutschen sich in all der Not behauptet hat. Allmählich treffen die von Deuffchland abgesandten Verstärkungen in der Kolonie ein. Schon sind die auf derDarmstadt" be­förderten Truppen in das Innere gerückt, um an den schwarzen Räubern und Mordbrennern die verdiente Strafe zu voll­strecken. Jedenfalls werden die bösen Erfahrungen dieser schweren Wochen, die keinem Kolonialvolk erspart geblieben sind, von uns nicht vergebens gemacht sein. Wir haben daraus gelernt. Schon heute kann es als wahrscheinlich ausgesprochen werden, daß ein derartiger Aufstand in unsern Schutzgebieten nicht wiederkommen wird.

Wenn wir uns zum Schluß noch mit dem Reichstage beschäftigen, so geschieht es nicht, weil er in der Berichtswoche wichtige Aufgaben erledigt hätte. Im Gegenteil liegt die Gefahr vor, daß besonders infolge der unnützen Redewut der Sozialdemokraten der Etat nicht rechtzeitig fertig werde. Die zweite Lesung des Etats kommt nicht recht vorwärts. Hin und wieder erinnert sich einmal ein Redner, daß die zweite eigentlich eine Spezialberatung sein soll, und beschränkt sich aus kurz begründete Anftagen über diesen oder jenen Gegen­stand an die Regierung. In der Hauptsache aber wird über Dinge geredet, die nicht zum Etat gehören. Unter solchen Umständen wird die Aussicht, den Etat, wie es die Verfassung vorschreibt, bis zum 1. April zu verabschieden, immer geringer. Eine zu späte Fertigstellung des Etats würde mancherlei Un- zuträglichkeiten im Gefolge haben. So lange der Etat nicht bewilligt ist, können Zahlungen nur unter Vorbehalt geleistet werden. Die spätere Feststellung des Etats verursacht eine Menge überflüssiger, zeitraubender Schreiberei. Schwerer fällt ins Gewichk, daß die Verwaltungen des Reichsdienstes keine Lieferungsverträge endgültig abschließen können. Der Reichs­tag sollte schon aus diesen Gründen seine Verhandlungen etwas beschleunigen.

Der Krieg zwischen Japan und Rußland.

Etwa gleichzeitig mit dem Vorstoß« der japanischen Flotte auf Port Arthur sind zahlreiche Landtruppen an verschiedenen Plätzen Korea« ausgeschifft worden. Da­bei gelang «6 dem die Transporte begleitenden Ge­schwader, zwei russische Kreuzer, die auf der Reede von Tschemulpo lagen, nach längerem Gefecht kampfunfähig zu machen. Die militärische Be­herrschung des südlichen und mittleren Korea ist hiermit für die Japaner bereits gestchert. Dagegen dringen im Norden des Landes russische Truppen ein. Im ein­zelnen wird über die Vorgänge folgendes berichtet:

London, 10. Februar. Nach verschiedenen Mel­dungen haben die Japaner bei Tschemulpo unter Be­deckung ihrer Schiffe Truppen gelandet und dabei die zwei im Hafen liegenden russischen KreuzerWarjag" undKorejez" niedergekämpft. Das Treffen dauerte vier Stunden; derWarjag" wurde in Brand geschaffen, derKorejez" zum Sinken gebracht. Die japanischen Schiffe sind leicht beschädigt. Die Anzahl der vor­läufig in Tschemulpo gelandeten japanischen Truppen wird auf 8000 angegeben, die auf die Hauptstadt Söul marschieren. Inzwischen sind auch in Masampho, Fusan und anderen koreanischen Küstenpunkten japanische Truppen gelandet, im ganzen 36,000 Mann, darunter die Garden. Von Norden her marschiert eine starke russische Truppenmacht, die den Jalu überschritten hat, ebenfalls auf Söul zu, eine Schlacht wird in den

nächsten Tagen erwartet. Das kaiserlich-japanische Hauptquartier soll nach Kioto verlegt werden.

Ueber den Kampf vor Tschemulpo wird von japanischer Seite eine Darstellung gegeben, woraus her­vorgehen würde, daß die ersten Schüffe in diesem Kriege von russischer Seite abgefeuert worden sind, mehrere Stunden, bevor drüben bei Port Arthur die japanischen Torpedoboote die Offensive ergriffen.

Die Japaner sind jetzt in erster Linie damit be­schäftigt, ihr« militärische Position in Korea und die Verbindungen nach dem Heimatlande zu sichern. Des­halb wird der von ihnen besetzte Hafen Masampho an der Südküste der Halbinsel befestigt und zu einer Basis für Flotte und Heer eingerichtet. In Tschemulpo sind neuerdings neun japanische Transportschiffe eingetroffen, die 2500 Mann mitbrachten. In der Hauptstadt Söul selbst sind die Japaner bereits völlig Herren der Situation, wie aus folgenden Meldungen erhellt:

Paris, 11. Februar. Nach einer Meldung aus Söul bewacht eine Abteilung der japanischen Gesanot- schastSwache den Palast des zurzeit in Washington weilenden zweiten Sohnes des Kaisers von Korea Eniwha, dessen plötzliche Ankunft möglich erscheint. Der japanische Konsul ließ durch Maueranichläge in korea­nischer Sprache verkünden, daß die Bevölkerung von Söul sich ruhig verhalten möge. Niemand werde, was immer kommen möge, ein Leids geschehen.

London, 11. Februar. Die bei Tschemulpo ge. landeten japanischen Truppen haben gemäß verschiedenen Blättermeldungen aus Tokio Söul bereits erreicht. Der Kaiser von Korea hat sich, einer Daily Telegraph- Drpesche zufolge, in den Schutz der französischen Gesandt­schaft geflüchtet. Nach Telegrammen aus Tientsin haben die Franzosen eine Kompagnie des 16. Infanterie- Regiments von dort zur Verstärkung der Gesandtschasts- wache nach Söul beordert.

Dasrussische Wladiwostok -Geschwade r beabsichtigt den Hasen zu verlaffen, um die Vereinigung mit der Flotte in Port Arthur zu versuchen.

London, 11. Februar. Der Kriegshafen von Wladiwostok ist, wie eine Times-Meldung aus Charbin bestätigt, dieses Jahr verhältnismäßig eisfrei. Das dort stationierte russische Geschwader hat ziemlich unbe- hindert in See gehen können; es führt für den Fall, daß die Japaner es an der Durchfahrt durch das japa­nische Meer verhindern sollten, hinreichende Kohlenvor. räte mit, um eventuell aus weitem Umwege Port Arthur zwecks Vereinigung mit der dortigen russischen Flotte zu erreichen. Dem in Port Said eingetroffenen russischen KriegsschiffSmolensk" sowie zwei Zerstörern wurden nach einem Daily Mail-Telegramm von der ägyptischen Regierung die Kohlen verweigert.

London, 11. Februar. Die Meldung von der Gefangennahme von 2000 Russen wird dem Daily Telegraph au» Schanghai bestätigt. Die Truppen befanden sich an Bord von Dampfern der Reserveflotte; die Gefangennahme erfolgte bei Asan in Korea.' Die japanischen KreuzerSeijen" undHayen" nahmen weiteren Tokioter Telegrammen zufolge ferner zwei große russische Transportdampfer weg, dieEkaterino»law" und dieArgun". Letztere ist ein Doppel-Schrauben- dampfer der russisch-chinesischen Ostbahn, deren Dampfer früheren Meldungen zufolge seit Ausbruch des Kriege» angeblich unter deutscher Flagge laufen. DieEkateri- no»law" gehört zur Flottenreserve und ist als Hülfs- kreuzer ausgestattet. Außerdem kaperten die Japaner die WalfischfängerGlorige",Nicolai Alexander" und Michael" und brachten sie nach Sasebo. Der bei Tschemulpo von den Japanern zum Sinken gebrachte alte KreuzerKorejez" wird nach Meldungen aus Tokio ohne große Schwierigkeit wieder gehoben werden können. Eine Central News Meldung verzeichnet einen in Tokio eingetroffenen Bericht von der völligen Ver­nichtung von vier russischen Kriegsschiffen durch japa- nische Kreuzer vor Port Arthur. Der japanische