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«S- Fernsprecher Nr. 8. ^»
Sr. 24.
Sonnt* in 25. Stirnor
1904.
Amtlicher Teil.
Caffel, den 6. Januar 1904.
Bekanntmachung.
Nach einer mir zugegangenen amtlichen Nachricht ist am 15. Januar 1902 in New Aork (Amerika) ein August Simon im Alter von 71 Jahren verstorben, ohne in Amerika wohnende Erben zu hinterlassen.
Simon, welcher ein Vermögen von etwa 16000 Mark hinterlaffen hat, soll in Mühlheim (Kurheffen) geboren sein. Seine Eltern hießen Christian und Christiana Simon.
Diejenigen, welche etwa Nachweisen können, daß sie einen rechtlichen Anspruch auf die Hinterlassenschaft haben, fordere ich auf, sich bei mir innerhalb drei Monaten zu melden.
Der Königlich Preußische RegierungS-Prästdent. In Vertretung: M e j e r.
A. I. 9729.
HerSfeld, den 17. Februar 1904.
Der Herr Minister der geistlichen pp. Angelegenheiten hat mittelst Erlasses vom 25. Januar d. Js. an» geordnet, daß, falls bewußtlos aufgefundene unbekannte Personen ohne Mitwirkung der Polizeibehörde in einer Krankenanstalt eingeliefert werden, die zuständige Polizeibehörde sofort in Kenntnis gesetzt wird, damit diese die erforderlichen Ermittelungen nach der Herkunft der betreffenden Person unverzüglich in die Wege leiten kann.
Die OrtSpolizeibehörden haben vorkommenden Falles hiernach zu verfahren.
l. 976. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
HerSfeld, den 19. Februar 1904.
In einem Einzelfalle hat sich ein Kriegerverein an Stelle der alten abgenutzten Fahne eine neue beschafft, ohne zur Führung derselben die Erlaubnis nachgesucht und erhalten zu haben. Wenn die den Kriegervereinen erteilte Genehmigung zur Fahnenführung auch an sich
All lierhiillglllslilllles Blatt.
Erzählung von A. v. L i l i e n c r o n.
(Fortsetzung.)
„Vater hat mich immer auf Mustapha reiten lassen," erzählte Hans Dietrich. „Weißt du, ich stand schon immer vor der Tür, wenn er ankam. Hast du ihn auch mal gesehen, wenn er zur Parade ritt ? Mustapha hatte dann eine blaue Decke mit goldenen Tressen und goldenen Adlern darauf! O, ich weiß noch alle« ganz genau! Aber am liebsten sah ich mir den Vater an in seinem blauen Pelz und den goldenen Knöpfen und der Bärenmütze mit dem weißen Beutel. Der Vater war doch der schönste und der beste, und ich habe ihn so lieb gehabt!"
Die Stimme des Knaben brach jäh ab, und Tränen schössen in seine Augen. Aber er wollte nicht nachgeben, er kämpste dagegen an und beugte sich zur Erde, um das vorhin heruntergefallene Buch aufzuheben.
Tottenberg hatte kein Auge von Hans Dietrich gelassen. Diese leidenschaftliche Liebe zu seinem Vater, diese überschäumende Jugendkrast und die Entschiedenheit, mit der er «uf sein Ziel loSging, das alles be- megte ihn mehr, als er sich eingestehen wollte. Das Bild seines eigenen Sohnes trat vor seine Seele. Es sollte ein begabter Knabe sein, behaupteten die Lehrer, aber er hatte noch nicht« davon gemerkt, denn der Junge war ihm stets scheu aurgewichen, und er hatte sich auch wenig um den blaffen, unschönen Knaben ge
so lange in Kraft bleibt, bis sie zurückgezogen wird, so unterliegt er doch keinem Zweifel, daß bei der Be- fchaffung einer Ersatzfahne geprüft werden muß, ob dieselbe den derzeitig geltenden Bestimmungen entspricht. Der Herr Minister der Innern hat daher im Einverständnis mit dem Herrn Kriegsminister laut Erlaß vom 25. Januar d. Js. M. 3147/03 angeordnet, daß die Kriegervereine in jedem Falle die Genehmigung zur Führung einer Ersatzfahne unter Vor- läge der betreffenden Zeichnung nachzusuchen haben.
Indem ich Vorstehende» hiermit zur öffentlichen Kenntnis bringe, ersuche ich zugleich die Herrn Bürgermeister der Ortschaften des Kreise«, in denen sich Krieger- vereine befinden, die Vorstände der letzteren auf obige Bestimmungen hinweisen zu wollen.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung- Rat.
Hersfeld, den 16. Februar 1903.
Unter den Schweinen des Pferdeschlächters Heinrich Manns und des Arbeiters Adam Feil dahier ist die Schweineseuche ausgebrochen.
I. 950. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 23. Februar 1904.
Die auf Donnerstag den 3. und 17. März d. Je. in Stadt Fulda angesetzten Viehmärkte werden unter den seitherigen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Auftrieb darf um 7Va Uhr morgens begonnen werden.
Der Königliche Landral.
I. V.:
T h m e r.
Kiel, Dezember 1903. WilhelmShaven, Dezember 1903.
Im Herbst 1904 wird eine größere Anzahl tropen- dienstfähiger Dreijährig-Freiwilliger für die Besatzung von Kiautschou zur Einstellung ge- langen.
Ausreise: Frühjahr 1905. — Heimreise: Frühjahr 1907.
Bauhandweiker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker,
kümmert. Es war doch etwas Erwärmendes um solche Kindesliebe, wie sie ihm hier entgegenströmte! Wolf, sein Wolf, würde nie so von ihm sprechen, aber wenn dieser Knabe ihn liebte, dann würde vielleicht auch sei« Junge von solcher Liebe ein gut Teil lernen. Zum erstenmal sah er Berninghau»' Plan nicht nur mit berechnenden Gedanken, sondern er trat ihm als einer Herzenssache nahe.
„Willst du mir nicht von meinem Vater erzählen?' bat Han« Dietrich und zupfte ihn am Aermel, da er ihn in Gedanken versunken sah.
Tottenberg« Hand glitt liebkosend über die blonden Locken des Knaben.
„Gewiß, mein Junge," versicherte er, „wir wollen uns oft von ihm erzählen. Ich meine, du hast gerade so nußbraune Augen wie er, und wahrhaftig, da stecken auch genau solch ein paar Grübchen in den Backen wie beim Papa. Kerlchen, du wirst am Ende einmal leibhaftig wie dein Vater werden."
Etwas Angenehmere« hätte nun Tottenberg kaum dem Knaben sagen können. Ihm selbst aber wurde das Herz warm dabei, als er Han« Dietrich ansah. Der glühte über und über, reckte seine schlanke, kleine Gestalt und rief jubelnd: „Das will ich ja! So gut und so tapfer und so fröhlich wie er, möchte ich werden. Alle Abende bitte ich den lieben Gott darum!"
Wahrhaftig, Tottenberg fühlte, wie seine Wimpern feucht wurden.
„Du bist ein Prachtjunge," entfuhr es ihm. „Sage mal, möchtest du nicht auch einmal zu mir kommen auf
Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuhmacher, Schneider usw ) werden bei der Einstellung bevorzugt.
Die dienstpflichtigen Mannschaften erhalten in Kiaut- fchou neben der Löhnung und Verpflegung eine Teurungs- zulage von 0,50 Mk. täglich, die Kapitulanten eine Ortszulage von 1,50 Mk. täglich.
Militärdienstpflichtige Bewerber, von traf» tigem und mindesten» 1,65 m großem Körperbau für das III. Seebataillon, bezw. 1,67 m für die Matrosenartillerie-Abteilung Kiautschou, welche vor dem 1. Oktober 1885 geboren sind, haben ihr Einstellungsgesuch mit einem auf d r e i j ä h r i g e n Dienst lautenden Melde- schein entweder: dem Kaiserlichen Kommando der Stamm- kompagnie des III. Seebataillon« in Wilhelm s h a v e n : zum Diensteintritt für da» III. See- bataillon und die Marinefeldbatterie, oder dem Kaiserlichen Kommando der III. Matrosenartillerie.Ab- teilunginLehe: zum Diensteintritt für die Matrosen- artillerie-Abteilung Kiautschou (Küstenartillerie) möglichst bis EndeFebruar 1904, spätestens zum 1. August 1904 einzusenden.
Kaiserliche Inspektion der Marineinfanterie. Kaiserliche Inspektion der Marineartillerie.
Gefundene Gegenwände:
Ein Paket Buckskin-Muster. Meldung des Eigentümer» bei dem OrtSvorstand zu Lengers.
Nichtamtlicher Teil.
Der Krieg zwischen Japan und Nutzland.
Die japanische Landarmee vollzieht jetzt ihren Aus- marsch in Korea mit der Linie Tschemulpo—Söul al» Haupt OperationsbasiS. Ihr gegenüber dehnt die russische Kavallerie^ihre Streifzüge weiter nach Süden aus. Von einem neuen Flottenkampf berichtet nachstehende Meldung : Tokio, 23. Februar. Hier ist die Meldung von einem neuen Gefecht vor Port Arthur eingegangen, das am Sonnabend, 20. Februar, stattgefunden hat. Einzelheiten darüber sind jedoch noch nicht bekannt.
lange — auf recht lange. — Wenn du groß bist, schenke ich dir einen Mustapha, und du reitest darauf wie dein Vater als Köhler-Husar. Willst du das?"
Tottenberg hatte nicht geahnt, wie es je möglich sein könne, daß er so sehnsuchtsvoll einer Antwort entgegen- harren würde, die ihm ein so jugendlicher Mund geben föntet
Hans Dietrich hatte ihn mit großen Augen angesehen, jedes Wort ihm gleichsam von den Lippen gelesen. Er glühte in Freude und Erregung, und rasch, ohne sich zu besinnen, antwortete er: „Ja, das will ich, aber die Mutter muß mit und Ursel."
Da ging die Tür auf, und Gerda trat ein.
„Mutti!" jubelte ihr Hans Dietrich entgegen, „ich soll Husar werden wie der Vater und einen Schimmel Mustapha haben! Dann werde ich aussehen wie er, und du wirst nicht mehr so traurig sein, denn dann hast du den Vater noch einmal!"
Verwundert blickte die junge Frau auf den Gast, den sie mit ein paar freundlichen Worten begrüßte.
„Wir sind schnell gute Freunde geworden, gnädige Frau," erklärte dieser, indem er des Knaben Hand in die seine nahm, „und ich hoffe, wir werden uns immer fester aneinanderschließen. Ich weiß nicht, ob Sie sich meiner noch erinnern aus der Berliner Zeit . .
„Gewiß," bestätigte die blaffe junge Frau mit einem liebenswürdigen Lächeln und nahm mit Tottenberg an dem runden Tische Platz „Wir wohnten einander gegenüber, und ich entrinne mich sowohl Ihrer, wie Ihrer Frau und Ihrer Kinder."