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»S* Fernsprecher Nr. 8. *^t

K. 31.

Ämteü i« 12. mirs

1904.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 9. März 1904.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden hier­mit angewiesen, die Hebelisten über die Beiträge zur Landwirtschaftskammer behufs Prüfung der Beiträge für das Jahr 1903 baldigst dem Vorstand der Landwirt- fchaftskammer zu Cassel einzusenden. Nach Rückempfang der Listen sind alsbald die Beiträge für das Jahr 1904 einzutragen, soweit solches nicht bereits geschehen ist.

I. I 1434. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

In der verflossenen Woche ist Deutschland von einem herben Verluste betroffen worden. Nach kurzem Kranken­lager istGeneralfeldmarschallGrasvonWal- d e r s e e aus dem Leben geschieden. Die Trauerkunde hat in der ganzen zivilisierten Welt tiefe Bewegung und herz­liche Teilnahme hervorgerufen. Noch sind die hohen Ver­dienste in frischer Erinnerung, die sich der Verstorbene in China als Träger einer bedeutungsvollen historischen Mission an der Spitze der Truppen-Kontingente der ver­bündeten Mächte erworben hat. Es war dies die Krönung eines ganz im Dienste des Königs und Vaterlandes voll­brachten Lebenswerkes. Das Andenken des Grafen Wal- dersee wird als das eines hervorragenden Heerführers, eines begeisterten, für Thron und Vaterland zu jedem Opfer bereiten Patrioten, eines echten, mit Leib und Seele in feinem Berufe ausgehenden Soldaten und eines edlen, von lauterster Frömmigkeit durchdrungenen Menschen unaus­löschlich im deutschen Volke fortleben.

Es war voranszusehen, daß die Beratung desMili- tär -Etats im Reichstage von der Sozialdemo- kratie diesinal in noch stärkerem Maße als sonst zu aus­gedehnten Agitations-Reden benutzt werden würde. Aber die Geduldsprobe, welche die sozialdemokratischen Dauer­redner den übrigen Parteien bisher beim Militär-Etat auferlegt haben, übertrifft doch alle Erwartungen. Es hat sich hier wieder einmal aufs grellste gezeigt, daß der Parlamentarismus für die Umsturzpartei nichts als eine Handhabe zu agitatorischer Betätigung ist. Indessen dürfte der beabsichtigte Zweck diesmal kaum erreicht sein. Mit Leichtigkeit konnten den Vertretern der Sozialdemokratie alle Waffen, deren sie sich bedienten, aus der Hand ge­schlagen werden. Ihre positiven Anklagen erwiesen sich als böswillige Erfindungen und luftige Phantasiegebilde, ihre allgemeinen Urteile strotzten von gänzlicher Unkenntnis militärischer Dinge und ihre sittliche Entrüstung wie patriotisches Mienen spiel konnten ohne Mühe durch ent­gegenstehende Aeußerungen und Handlungen als heuch­lerischer Trug entlarvt werden. Mit überlegenem Geschick hat insbesondere K r i e g s m i n i st e r v. Einem den sozialdemokratischen Gegnern heimzuleuchten und die Ehre unseres trefflichen Heeres zu wahren gewußt. Die Tage der diesjährigen Militär-Debatten im Reichstage werden den Bebel und Genossen vermutlich in böser Erinnerung bleiben.

Aus dem russisch-japanischen Kriege ist von einer Beschießung Wladiwostoks durch die Japaner zu melden. Das Resultat dieser Beschießung war jedoch

m Berichte des russischen Statthalters Alexejew aus Mukden gleich Null. Was die Land-Operationen anbe- trifft, so ist auf japanischer Seite mit dem Bau einer ®o^n von Soul nach Widschu begonnen worden, während Rußland sich bemüht, mittelst der sibirischen Eisenbahn weitere ^rnppenmassen aus Europa heranzuziehen und auf dem Kriegsschauplätze zu konzentrieren. So befinden sich hier die Dinge noch wesentlich in der Vorbereitung, und ivird der Gang bei Entwicklung ans beiden Seiten voraus­

sichtlich zum guten Teil von dem Gelingen oder Mißlingen der vorbereitenden Maßnahmen abhängen.

In D e u t s ch - S ü d w e st a f r i k a ist eine Pause in den militärischen Operationen eingetreten. Es soll zunächst die Ankunft der in Argentinien gekauften Pferde abgewartet werden und alsdann ein konzentrisches Vorgehen statt- finden. Oberst Dürr mit dem Stäbe und dem Ver- stärkungs-Transport ist in Okahandja eingetroffen. Der Feind hat seine Hauptstärke vermutlich in dem Gebiete von den Ejotbergen bis Waterberg. Dieses Terrain bietet ihm sehr günstige Stellungen dar und macht so die Kriegs- führung schwerer und langwieriger.

In Frankreich ist die Wiederaufnahme des D r e y - sus-Prozesses beschlossen und die einleitende Unter­suchung bereits begonnen worden. Wenn auch das In­teresse an dieser Angelegenheit wohl etwas ermattet ist, so dürste doch durch ihre Auffrischung den politischen Parteileidenschaften jenseit der Vogesen erneuter Zündstoff zugeführt werden. Endlich sei noch einer bemerkens­werten Rede des M i n i st e r p r ä s i d e n t e n K ö r b e r im österreichischen Abgeordnetenhause gedacht, in welcher dieser die strikte Neutralität Oesterreichs gegenüber dem russisch-japanischen Kriege betonte und hinsichtlich der B a l k a n f r a g e die Erklärung abgab, daß über deren Behandlung zwischen Oesterreich und Rußland so- wphl in den Zielen wie in den Mitteln vollkommenstes Einverständnis herrsche.

Der Krieg zwischen Japan und Rußland.

Ueber die Unternehmung der Japaner in der süd­lichen Mandschurei, wird jetzt Näheres bekannt. Es handelt sich um die Landung einer japanischen Abteilung von bisher unbekannter Stärke an der Nordküste der Koreabai und ihrer Vorschiebung zwischen die russischen Positionen in der Linie MukdenNiutschwang einer­und am Jalufluß andererseits. Doch fehlt die Bestäti­gung aus amtlichen Quellen noch ebenso wie die Angabe genauerer Einzelheiten.

London, 10. März. Nach einer Depesche des Daily Telegraph aus Tientsin haben die in Takuschan gelandeten Japaner Föng-hoang-tschöng eingenommen und die Russen aus der Umgebung des Takungling Passes vertrieben. Sie stehen jetzt nur noch etwa über 100 Kilometer von Niutschwang. In Liaojang und Hail- schang sind die Russen, etwa 35,000 Mann stark ver­schanzt. ES haben bereits kleinere Gefechte mit günstigem Erfolge für die Japaner stattgefunden.

Ueber die Beschießung von Wladiwo­stok ist jetzt der amtliche Rapport des japanischen Ge- schwader-Kommandanten veröffentlicht worden:

Tokio, 10. März. Admiral Kamimura» Bericht über die Beschießung von Wladiwostok bestätigt die russische Darstellung. Er fügt nur hinzu, er glaubt, daß das Geschützfeuer erfolgreich war und demoralisierend wirkte. Die japanische Flotte suchte nach der Beschießung die benachbarten Küstenorte ab, ohne jedoch den Feind anzutreffen.

Der japanischen Auffassung, daß die Kanonade in der Festung entmutigend gewirkt habe, stehen die bereits mitgeteilten russischen Berichte strikt gegenüber.

Petersburg, 10. März. Aus Wladiwostok wird gemeldet: Der Statthalter teilte dem Kommandanten der Festung den Befehl des Kaiser« mit, der Garnison und allen Verteidigern der Stadt seinen Dank und seine Glückwünsche zu der in der ersten Schlacht erhal- tenen Feuertaufe auszusprechen, und der Ueberzeugung des Kaisers Ausdruck zu geben, daß alle mit ihrem Körper die Festung gegen Angriffe des Feindes schützen werden. Die Mitteilung des kaiserlichen Befehls wurde von der Garnison und der Bevölkerung freudig aus­genommen.

Tokio, 10. März. Russische und japanische Jäger zu Pferde hatten gestern nördlich Phöngjang ein G e -

fecht. Die Russen zogen M nach kurzem Kampfe zurück. Verluste hatte keine Panei.

London, 10. März. Dem Reuterschen Bureau wird aus Petersburg gemeldet, daß nach einer Depesche aus Port Arthur von heute die j a p a-n i s ch e F l ö t t e vergangene Nacht 12 Uhr vor dem Hafen erschienen sei und mit Unterbrechungen bi s 8 Uhr morgen» die Festung beschossen habe.

Politische Nachrichten.

Berlin, 10. Februar.

S e. Majestät der Kaiser traf gestern um 2 Uhr in Charlottenburg ein und legte, al» am T o d e « - tage Sr. Majestät Kaiser Wilhelm« I., in der Gruft des Maufoleums eine Kranzspende nieder. Nach kurzem Verweilen begab Sich Se. Majestät nach dem Atelier des Pros. Vegas und kehrte von da nach dem Königlichen Schlosse zurück. Am Nachmittag empfing Se. Majestät den Architekten Bodo Ebhardt. Zur Abend t a fel waren der Kronprinz und die Minister Freiherr v. Hammerst-in, Budd- und v Einem geladen. Heute morgen unternahm Se. Majestät den gewohnten Spaziergang im Tiergarten, besuchte dabei das Denkmal der Königin Luise, hatte eine Besprechung mit dem Reichskanzler in dessen Palais, empfing den Polizeipräsidenten von Frankfurt a. M. und den Kriegsminister und hielt im Apollo-Saal eine Kriegsspielschlußbesprechung ab, an die sich «in Früh­stück der Teilnehmer schloß. Heute abend gedenkt Se. Majestät die Vorstellung von Götz von Berlichingen im Königlichen Schauspielhause zu besuchen.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: In einzelnen aus­wärtigen Zeitungen wird einer Mitteilung Raum ge­geben, wonach der Minister des Innern Freiherr von Hammerstein ein Abschiedsgesuch eingereicht habe. Wir sind in der Lage, diese Mitteilung für voll­ständig unbegründet zu erklären.

Wie aus dem im Reichstage soeben zur Verteilung gelangten Geschäftsbeiichte des Reichsversiche- rung Samtes für das letzte Jahr hervorgeht, be- zogen Ende 1903 mehr als 1,73 Millionen Personen eine Rente auf Grund der Arbeiter-Versicherungsgesetze. Von diesen waren 903 160 Unfallrentner, 833 944 In­validen-, Alters- u. s. w. Rentner. Die Renten, die an diese Personen gezahlt wurden, beliefen sich auf 118,3 Millionen Mark bei der Unfall, und 126,2 Millionen Mark bei der Invaliden- und AlterS-Versicherung. Die gesamte Rentenzahlung des Jahres 1903 belief sich bei beiden Versicherungsarten auf 244,5 Millionen Mark. Diese Zahlen beweisen, daß die Arbeiter-Versicherung Deutschlands von Jahr zu Jahr einem größeren Kreise Segen spendet, und daß Deutschland mit diesem Kultur­werk an der Spitze der Nationen bleibt.

Die Leipziger Zeitung erklärt in Besprechung der vom Bundesrat beschlossenen Aufhebung der P a r a - graphen 2 de« Jesuitengesetzes, daß die sächsischen Stimmen gegen die Aufhebung der Para­graphen abgegeben worden sind.

Der Reichstag hat endlich, am fünften Tage der Militär-Debatte, dem Kriegsminister v. Einem das Ge­halt bewilligt. Noch zum Schluß tat der Minister einen Schuß ins Schwarze, indem er einen verdienten General a. D. gegen Bebels ganz unbegründete, aber desto ge­hässigere Vorwürfe in Schutz nahm und gegen solche Art bet Verunglimpfung von Personen, die dem Reichs­tage nicht angehören, an das Haus appellierte, da Bebel die Zurücknahme seiner Anwürse verweigerte. Am Donnerstage wurde der Militär-Etat weiter beraten.

Im preußischen Abgeordnetenhause wurde der Minister Budde am Dienstage aus der Mitte des Hauses mit Anregungen und lokalen Wünschen förmlich überschüttet. Er erklärte sich bereit, alles zu prüfen und das Ausführbare bei der Aufstellung der neuen Fahrpläne zu berücksichtigen. Am Mittwoch er-