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Hersscker Mrci^latt

GratisbkilagtN:Jllustrirtts Sonntagsblatt" undJllustrilte Landwirtschaftliche Beilage"

SS* Fernsprecher Nr. 8. ^»

Sr. 32.

AtOz den 15. März

1904.

Amtlicher Teil.

Hersfeld, den 4. März 1904.

Der bisherige kommissarische Kreistierarzt Herr Suder dähier ist seitens des Herrn Ministers sür Landwirtschaft, Domainen und Forsten in Berlin vom 1. Februar d. Js. ab zum Königlichen Kreistierarzt sür den-Kreis Hersseld ernannt worden.

I. 1323. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 10. März 1904.

Bei der am 26. Februar d. Js. an der Husbeschlag- lehrschmiede in Weißenborn, Kreis Rotenburg a/F., statt- gehabten Prüfung, hat der Schmied Heinrich Herwig in Schenklengsseld die Prüfung bestanden.

I. 1457. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Bekanntmachung.

a. Die Zustellung derKriegsbeorderungen" wird in der Zeit vom 20. bis Ende März d. Js. durch die OrtSbehörden erfolgen.

b. Die noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Wohnungs-Veränderungen" sind sofort zu melden.

c. Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes haben, falls sie während der oben genannten Zeit nicht selbst zu Hause sein können, evtl. eine andere Person des Hausstandes mit Empfangnahme der Kriegsbeorderung zu beauftragen.

d. Die jetzt in Händen der Mannschaften befindlichen, vom 1. April ab nicht mehr gültigen alten Kriegs­beorderungen sind bei Empfang der neuen Be- orderung abzugeben. Werden sie bis zum 31. März nicht eingezogen, so sind sie zu vernichten.

Hersseld, den 7. März 1904.

Königliches Bezirkskommando.

Nichtamtlicher Teil.

Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwestasrika.

Die Braunschweigische Landeszeitung veröffentlicht folgenden Brief, den Herr Alb. B o i g t S von der Handels­und Plantagenfirma Wecke und Voigts in Braunschweig

An mjiiWMlles 3M

Erzählung von A. v. L i l i e n c r o n.

(Fortsetzung.)

Als er am Abend seinem Quartier wieder zuschritt, mußte er über sich selbst lächeln. War er, der Zweiund- dreißigjährige, nicht gerade wie ein Fähnrich, der die Stunden zählte, bis er mit dem geliebten Wesen, der Verkörperung seine« Glücke«, wieder zusammen war? Was half'«, er mußte sich diese stürmische Jugend- stimmung eingestehen, zu ändern war es eben nicht, und fast übermütig murmelte er:Wen'S einmal so richtig gepackt hat, der kann sich nicht mehr davor retten. @4 kommt spät, aber desto elementarer! Nun heißt'» aber auch zum Angriff voran I"

War Pleiten sonst eine Freude gewesen wäre, da« dünkte ihm jetzt tine unbequeme Last, denn es verhinderte am nächsten Tage seinen Besuch bei Gerda. Er fand nämlich, in seinem Quartier angekommen, ein Schreiben det- Kronprinzlichen Adjutanten, mit der Aufforderung, fiel) am nässten Tage nach Freienwalde zu begeben, wo Seine Königliche Hoheit mit der Frau Kronprinzessin für kurze Zeit weilte und von ihm einige Mitteilungen über das Regiment und dessen Beteiligung bei der letzten Kampagne entgegennehmen wollte. So fuhr denn Pletten in der Morgenfrühe des nächsten Tage« nach Freienwalde.

von feinem Bruder, der in Windhuk als Offizier zur Schutztruppe eingezogen ist, erhalten hat:

Windhuk, 12. Februar. Das Elend und die Menschen­schlächterei ist so groß, daß ich kaum weiß, wo mir der Kopf steht. Ich komme soeben mit 30 Reitern von einer AusklärungSpatrouille halbwegs Gobabis und habe nur noch wenige Minuten zum Postschluß. Erst in den nächsten Tagen kann ich Dir ausführlich schreiben.r Unsere Okahandja-Häuser sind total demoliert. Kontor, Store, Lagerräume und Wohnzimmer ausgebrannt nur Schutt, der meterhoch liegt. Das Gartengebäude und der Zollschuppen vernichtet. Unsere Rinder, Pferde rc. ic. in Okahandja sind fort, alles haben die Bestien in den Händen. Der Hererohandel ist vernichtet für immer, da« Geschäft muß von neuem aufgebaut werden. Die Gartenanlagen sind ziemlich verschont geblieben. Der Tabak steht mannshoch, aber in Blüte, da niemand da ist, der ihn schneiden könnte, der Mais steht auch gut, in demselben hat man viele Hereroleichen gefunden. Windhuk haben die Bestien nicht angefaßt, nur in Klein-Windhuk sind einige Häuser demoliert. Unsere ganze Habe aus den Farmen Voigtland Oupambameva und ArriS an jeglichem Vieh, Rindern, Angoras, Straußen, alles, alles haben die Scheusale. Gestern war ich mit meiner Patrouille auf Voigtland, die Farmhäuser sind demoliert, die Strauße sind teilweise auf der Veranda geschlachtet, das Gras wächst einen halben Meter hoch in die Tür hinein. An Rindern sind uns 1500 Stück fortgetrieben. Was wir behalten haben, sind fünf Milch­kühe und ein Pferd. Selbst unsere alten treuen Wächter sind mit ihren Familien fortgetrieben worden. Glück­licherweise sind 400 Ochsen der Regierung von Neudamm noch rechtzeitig hereingekommen, sonst sähe es mit Fleisch recht schlecht aus. Waterberg ist selbstredend total hin. Unsere Leute, Reinecke und Debald, sind sicher ermordet, auch fast alle Händler. Ebenso sind aus der Otjogonjati- Mine unsere Leute ermordet, Möller rettete sich dadurch, daß er mit einem Rohrstahl einige Kaffern erschlug und dann barfuß in vier Tagen nach hier flüchtete, er unterwegs nur Gras. Ueber die Rettung anderer ist so viel zu erzählen, daß ich mir das für später vorbe­halten muß. Ich wurde am 13. Januar gegen Oka­handja vorgeschickt, um das Maschinengewehr hineinzu- bringen mit den Reserveleutnants Maul, Boysen, Hennig, Bartotschat und za. 30 Mann. Bei dem Missionshause waren 60 Mtr. Schienen aufgerissen, die ich reparieren sollte ich hatte das Kommando. Aber zwischen Viehe und BarnabaS Klippen faßten mich mehrere Hundert

Seit Jahren weilte die Königin hier jeden Sommer und ließ sich des Ortes Verschönerung besonders ange­legen sein. Der Gesundbrunnen des kleinen Bades er» langte einen gewissen Ruf und zog mehr und mehr Gäste hin, die sich zugleich an den waldigen Hohen der lieblichen Gegend erfreuten.

Der Kronprinz hatte den Husarenoffizier auf das leutseligste empfangen und sich von ihm eingehend über die größeren und kleineren Gefechte berichten lassen, in denen die Köhler-Husaren tätig gewesen waren. Friedrich Wilhelm hörte aufmerksam zu und überraschte den Grafen durch die wunderbare Treue seines Gedächtnisse», indem er mit Namen diesen und jenen Köhler-Husaren nannte, der sich bei ein paar schneidigen Attacken ausgezeichnet hatte. Pleiten konnte nicht umhin, eine Bemerkung darüber zu machen.

.Habe ein vortreffliches Gedächtni», was interessiert, sitzt fest im Kopf; geht auch nicht wieder heraus," ant­wortete der Kronprinz.Bitte, fortfahren! Werde mir merken, was Sie mir da vom Regiment erzählen. Was Gleichgültige» dabei, lassen wir fallen."

Nach einer Stunde war Pletten entlassen.

Werde Sie heute abend noch zum Tee bei der Kronprinzessin sehen," halte Friedrich Wilhelm ihm beim Abschied gesagt.

Tief erfüllt von den Eindrücken eines Tage« bei dem Kronprinzlichen Paar in Freienwalde kehrte Pletten nach

Herero derart hart an mit meinen wenigen Leuten, daß wir um ein Haar fast alle kaput waren. Leider blieb der Boysen mit vier Mann und zwei Maschinisten im Feuer. Jetzt schlagen wir uns mit den Herero hier in den Windhuker Bergen. Bruder Otto ist Meldereiter bei Hauptmann Franke kein leichter Posten; ich glaube aber, daß er ihn vorzüglich ausfüllt. Mit herzlichen Grüßen an alle. Euer G.

Politische Nachrichten.

Berlin, 13. März.

Der Kaiser hat am Sonnabend in Bremerhaven an Bord desKönig Albert" seine Mittelmeerreise an« getreten.

Aus Hoherweg, 12. März, wird gemeldet: Der Dampfer der Norddeutschen Lloyd König Albert mit Sr. Majestät dem Kaiser an Bord ist hier heute nachmittag um 3 Uhr 35 Min. passiert und weiter in See gegangen. Wie aus London gemeldet wird, erblickt Pall Mall Gazette in der Reise de« Deutschen Kaisers nach dem Mittelmeer ein günstige» Omen für die allgemeine Lage und sagt, wenn der Kaiser es nicht für bedenklich halte, unter den jetzigen Zeitumständen sein Land zu verlassen, so beweise die«, daß die Regierungen gegenwärtig von keiner besonderen Besorgnis beherrscht würden.

Der Reichskanzler Graf Bülow, der seit Jahren gewöhnt ist, Ostern zur Erholung Aufenthalt in Italien zu nehmen, hat, wie derN. Fr. Presse" be­richtet wird, seinen Entschluß, auch diesmal auf Urlaub zu gehen, ausgegeben. Graf Bülow glaubt mit Rücksicht darauf, daß Kaiser Wilhelm eine Reise unternimmt, und auch mit Bezug auf den Ernst der durch den Krieg in Ostasien gegebenen Weltlage diesmal von einer Er­holungsreise absehen zu sollen und gedenkt, die Ostern in Berlin zu verbringen. Damit entfallen alle von Rom und Berlin aus verbreiteten Kombinationen, die an eine bevorstehende Zusammenkunft des Grafen Bülow mit dem italienischen Minister de« Aeußern, Tittoni, anknüpften.

Im Reichstage begann am Freitage endlich die eigentliche Spezialberatung des Militäretats. Das Er­gebnis der Debatte war die Annahme der von der Budgetkommission beantragten Resolution über die un- nachsichtliche Bestrafung mangelnder Dienstaufsicht, während die weiter gehenden Anträge der Freisinnigen

Berlin zurück. Gedankenverloren achtete er bei der Fahrt wenig auf die äußere Umgebung und sah erst zum Wagenfenster hinaus, als der Wagen, noch ehe er ans Ziel gelangt war, anhielt. Ein Menfchenauflauf, der sich um ein gestürztes Pferd und einen gebrochenen Wagen gesammelt hatte, versperrte für einen Augenblick die Durchfahrt.

Er war Unter den Linden angekommen. Ihm schräg gegenüber lag da« Palais der Gräfin Lichtenau, das nach dem Tode ihres Sohnes an ihre eigene Person übergegangen war, und da, aus dem weitgeöffneten Fenster lehnte sie selbst, die dunkeläugige Frau, deren klassisch geformter Arm und Nacken noch heute dem Künstler zum Modell dienen konnte. Die Tochter eines einfachen Trompeter«, die zu schwindelnder Höhe empor« gestiegen war, und die in diesem Hause jetzt einen geist­vollen Zirkel von Staatsmännern, Offizieren, Gelehrten und Künstlern vereinigte.

Des Grafen Stirn furchte sich tief und finster. Voll verbissenen Ingrimmes sah er auf die schöne Frau, die mit allen Zeichen der Lebhaftigkeit sich immer weiter aus dem Fenster beugte. Als aber jetzt dort der offene Wagen de« König« vorfuhr, biß er die Zähne zu­sammen, schloß mit einem heftigen Ruck das Fenster und lehnte sich tief in die Kissen zurück. Er atmete freier auf, als zu gleicher Zeit der Wagen sich wieder in Bewegung fetzte, aber der zornige Ausdruck seiner