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HersselSer KOW
—^rntigktlagcn: „Jllrstrirtks SonntaMatt" und „Jllustrirte L-ndwirtsAMch- Beilage»
St. 56.
Soimtrfloi den 12. Mai
1904.
Amtlicher Teil.
Den Herren Ortsschulinspektoren und den Herren Lehrern wird mitgeteilt, daß die
amtliche Uonferenz im SchulaussichtSbezirk Hersfeld II am Montag den 16. Mai in Friedewald im Saale der neuen Schule von 10 Uhr vorm. an gehalten werden soll.
Friedewald, den 9. Mai 1904.
Der Kreisschulinspektor Dr. Bötte.
Nichtamtlicher Teil.
Himmelfahrt.
Von den christlichen Hauptfesten begegnet das Himmel- fahrtsfest dem größten Widersprüche. Die modernen Ueberweisen spotten, es gebe keinen Himmel; was wir so nennen, sei ein endloser Luftraum, es gebe nicht einen, sondern ebenso viele Himmel, wie es Himmelskörper gibt. Nach klügere, nämlich die Zielbewußten von der Sozial» demokratie, denen die Religion wie ein Pfahl im Fletsche sitzt, meinen, daß mit dem Tode alles zu Ende sei, ja sie gehen sogar so weit, auf die Grabsteine ihrer Angehörigen die Lästerworte zu setzen: „Macht euch das Leben gut und schön, kein Jenseits gibt's, kein Wider» sehn I" Die so sprechen und schreiben, merken nicht, wie kurzsichtig sie sind, wie klein und erbärmlich ihre Lebensauffassung ist, wie ihr Inneres sie Lügen straft.
Wer in den Maientagen hinauswandert durch Feld und Wald, wer die schwellende Natur beobachtet und auf sich wirken läßt, und wer der leise mahnenden Stimme seines Innern Gehör schenkt, für den schwindet jeder Zweifel darüber, daß etwas in uns lebt, was mit dem Tode nicht aufhört. Ahnungslos folgt der Mensch dieser Stimme und gelangt zu der Gewißheit, daß die Himmelfahrt Christi uns den Eingang zu einem schöneren Leben eröffnet hat, und daß wir, wenn wir uns des großen ErlösungswerkeS teilhaftig machen, auch teilnehmen an dem schöneren Leben nach dem Tode.
Obgleich die Welt um uns und der sichtbare Himmel über uns der Inbegriff von herrlichen Wundern ist, deren Wirkungen wir täglich erfahren, so sagt der Unkluge doch:
All Mit* ßchimi5.
Kriminal-Roman von Moore.
(FortsMUlü^---;--
Mr. Percy Barker senkte den Kopf noch he er zu Boden. Er nahm eine Feder vom Tische und f^neb gleichsam mechanisch einige Worte aus ein Stück Papier, dann brach er endlich da» drückende Schwelgen.
Ich habe Sie ausreden lassen, Mr. Moore, obwohl ich — es tut mir leid, es sagen zu müssen — gestehen muß, daß ich mich einer kleinen Uebertreibung schuld,g gemacht habe. Am Dienstag — da» war ,a der ver- hängnisvolle Tag - arbeiten Mr. Hood und ich mehr zusammen, als wir sonst zu tun pflegten. Wir standen wegen einer wichtigen Angelegenheit in Unterhan lung und hatten den ganzen Vormittag viel m,t einander beraten. Der Abend kam. Es war zwischen uns ver- abredet worden, daß wir uns an einem bestimmten Platze und zu einer gewissen Zeit treffen wollten. Ich verließ das Romptoir, nahm mein Mittagessen ein und suchte die Zeit, so gut es ging, zu verbringen. Die festgesetzte Stunde war da, aber mein Kompagnon k n noch immer nicht. Ich beruhigte mich, °bw°h -S mir sonderbar vorkam, daß er nuch in e.ner so dringenden Angelegenheit im Stich lassen konnte, denn ich kann Sie versichern, Mr. Moore, es handelte sich nicht um eine Kleinigkeit; ganz bedeutende Summen standen aus
„da» ist die Natur." Sobald wir aber vom Himmel im religiösen sittlichen Sinne, der sittlichen Weltordnung reden, schütteln diese Herren den Kopf und wollen nichts davon wissen, weil wir ihnen den Himmel und Gott nicht zeigen können, als könnten sie uns die in der Natur wirkenden Kräfte zeigen. Und doch sind die Wirkungen hier ebenso wahrzunehmen, wie bei den unsichtbaren Kräften des physischen Himmels.
Wie die Pflanzen vom Himmel ihr Leben, ihre Schönheit und ihre Fruchtbildung erhalten und sich deshalb immer wie ahnungsvoll zum Himmel und zu seinem Lichte emporrecken, so fühlt sich auch der Mensch mit seinem sittlichen Leben nach oben gezogen und angeregt, die Seele dem Licht von oben zu öffnen, wie die Blumen dem Licht der Sonne. Und wie die Pflanze und alle Kreatur verderben, wenn man sie dem Himmelslicht und der Himmelslust entzieht, so verdirbt auch der Mensch wenn er sein Herz dem Himmel verschließt und sich ein- wühlt in die Erde mit ihrem Mammon. Wie die Pflanze im dunkeln Raume wohl üppig ins Kraut wächst, aber keine Blüte voll Farbenpracht und Dust und keine Früchte trägt, so kann auch der Mensch, der sich dem Himmels- licht verschlossen hat, ins Fleisch de« Reichtums und der Ueppigkeit wachsen. Aber es fehlt ihm doch die innere Gesundheit, welche Blüten und Früchte treibt, die den Menschen erst zum Menschen machen: echte Sittlichkeit, aufopfernde Liebe, friedvolle reine Heiterkeit des Gemütes, edles Aufwärts- und Vorwärtsstreben nach den Idealen, die von oben leuchten und der Seele erst wie das Sonnenlicht der Blume Duft und Farbenpracht verleihen.
Du armes, gequältes Menschenkind, das du bisher nichts von der beseligenden, beglückenden Heilsbotschaft vernommen hast oder nicht hast vernehmen wollen, laß den heutigen Tag nicht unbenutzt vorübergehen, folge dem Glockengeläute, da» dich mit harmonischen Klängen in die Kirche ladet, wandere hinaus in Gottes freie Natur, lasse sie auf dich wirken, erschließe dein Inneres, und du wirst zu der beseligenden Wahrheit jenes alten Kirchenliedes gelangen:
Auf Christi Himmelfahrt allein Ich meine Nachfahrt gründe, Und alle Zweifel, Angst und Pein Hiermit stets überwinde;
Denn weil das Haupt im Himmel ist, Wird seine Glieder Jesus Christ Zur rechten Zeit nachholen.
dem Spiel. Mr. Hood hatte also etwas anderes, Dringenderes, Wichtigeres vor, was keinen Aufschub duldete. Ich grübelte eine Weile über die Sache nach, e» war mir äußerst unangenehm, da» Risiko allein zu ii&erne&men/^^^^^^ Twr-crnT^^^ kein"Jnteiesse. Kurz "und' gut, der Abend verstrich, die Nacht brach herein, und als der Morgen graute, erhielt ich die schreckliche Nachricht!'--
Ich erhob mich vom Sofa und schritt sinnend im Zimmer auf und nieder. Es war kein angenehmes Amt, mit Mr. Barker zu verhandeln. Er hatte mich so dringend sprechen wollen, und sein Eifer war ja leicht erklärlich. Sein Kompagnon war tot — ermordet! Er glaubte mehr zu wissen als die meisten, mehr als sonst jemand; beabsichtigte er, Mr. Barker, mich fühlen zu lassen, welchen Wert seine Beobachtungen hatten, um mir dann ganz allmählich die wichtigen Aufklärungen zu geben, von denen er dem Chef geschrieben hatte? Ich konnte mir eigentlich nicht vorstellen, daß Mr. Barker so kindisch sei. ,
Over war er auch jetzt Geschäftsmann? Zeigte er sich auch jetzt als vorsichtiger, verschwiegener Geschäfts- mann? In diesem Falle würde ich wahrscheinlich, wenn ich Fragen stellte, Antworten erhalten; von selber würde er mir dagegen nicht» sagen, würde er sich nur in un- bestimmten Redensarten ausdrücken. Er war sehr vorsichtig — man konnte ja so leicht in Unannehmlichkeiten geraten.
Zu den Vorgängen in Deutsch-Südwest-Astika^
Die Hoffnung, daß die Typhuserkrankungen unter den Truppen in Südwestafrika nach den energischen Maßnahmen, die gegen die Epidemie ergriffen wurden, bald einen leichteren Charakter annehmen würden, ist erfreulicherweise in Erfüllung gegangen. Die Zahl der Thyphussälle ist zwar immer noch recht erheblich, doch scheint sie nunmehr stationär bleiben zu wollen. Ueber den augenblicklichen Stand der Erkrankungen und die Art ihrer Bekämpfung werden folgende Einzelheiten gemeldet:
Windhuk, 9. Mai. Der augenblickliche Bestand an Typhuskranken in Otjihaenena beträgt zwei Offiziere und 65 Mann einschließlich der bereit» aus dem Wege der Besserung befindlichen. Die Kranken find in dem ehemaligen Missionshaus« untergebracht, da« jetzt in ein gesondertes Typhuslazarett umgewandelt ist. 50 Betten und alles zur Verpflegung Nötige find vor einer Woche dort eingetroffen, und ein von Oberstabtarzt Metzle aus Okahandja abgesandter Hennebergscher Trink- waflerbereiter ist nach Otjihaenena unterwegs. Im Wind» Huker Lazarett liegen noch 40 Typhuskranke ^»lch-feip«tz»'t von Onjatu hier eingeliefert wurden. Im Typhuslazarett in Okahandja, bestehend aus einem festen Gebäude und einer Baracke, liegen im Ganzen 42 Kranke. Zur Wasserversorgung in Okahandja ist eine neue Wasser, leitung angelegt, außerdem ist ein Hennebergscher Wasserbereiter im großen Lazarett, auch ein Röntgen- strahlen Apparat findet dort Verwendung. Ferner ist in Abbabis ein Erholungsheim eingerichtet, wo sich die Typhus- und Malaria-Rekonvaleszenten wieder kräftigen können. In dem wegen des Typhus sehr verrufenen Karibib liegen im dortigen Typhuslazarett 26 Kranke, ein Hennebergscher Waflerbereiter ist dort bereit» seit zwei Monaten in Tätigkeit. — Major von Glasenapp trifft Mitte dieser Woche zu einem kurzen Urlaub hier ein. Oberst Leutwein ist mit seinen beiden General- stabs Offizieren für einige Tage nach Karibib gefahren, um die von dort abmarschierende Nord-Abteilung — eine Kompagnie, zwei Geschütze, zwei Maschinengewehre, im ganzen etwa 200 Mann unter dem Kommando de» Oberleutnants von Zülow — zu inspizieren. Diese Abteilung soll das Detachement des Oberleutnant» von Volkmann in Grootsontein verstärken. Die letzten Nachrichten Volk- mann», die vom 14. März stammen, lauteten beruhigend.
Benjamin Hood und Percy Barker waren freilich Associes gewesen, das war aber auch alle». Hood war so glücklich in seiner Häuslichkeit und Barker war nur Geschäftsmann. ^^___r. ^ < - »^ . ... »»->»!" /.»^»«i^r»^«- - Und außerdem war Mr. Barker Benjamin Hood quasi aufgezwungen worden! Denn um die Zeit, al» Benjamin den Entschluß faßte, vernünftig zu werden und zu arbeiten, war Mr. Percy Barker» Lage keine allzu sichere gewesen. Er befand sich gänzlich in der Hand de» alten James Hood. Der Alte war, wenn er sich einmal eine Sache vorgenommen hatte, nicht davon abzubringen, aber er war durch und durch eine ehrliche Natur. So stand Mr. Hood hinter Mr. Barker — und zu Mr. Barker sollte der Sohn ins Geschäft.
Seit Benjamin Hood in die Firma eingetreten war, konnte Mr. Barker natürlich nicht mehr so eigenmächtige Verfügungen treffen wie vor jener Zeit.
Ich zog meine Uhr hervor. Eine volle Stunde war verflossen, seit ich dies Zimmer betreten hatte. Mir war recht mißmutig und unbefriedigt zu Sinne. Ich befand mich gleichsam auf schwankendem Boden. Ich fragte mich selber: „Was soll die» bedeuten?"
„Mr. Barker, gestatten Sie, daß ich einige Fragen an Sie richte? Es ist am besten und einfachsten so. Sie gewähren mir noch zehn Minuten und —"
In diesem Augenblicke ertönte abermals die einförmige, monotone Stimme, die ich vor einer Weile gehört hatte, als ich im Nebenzimmer saß und wartete.