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*3r Fernspreche» Nr. 8. -gx

Sr. 61.

IyWtOi in 26. Mai

1901

Nichtamtlicher Teil.

Der Krieg zwischen Japan und Rußland.

Auch in den letzten Tagen hat sich keine wesentliche Verschiebung der militärischen Lage vollzogen. Un» günstiges Wetter und die Notwendigkeit, vor einer ent­scheidenden Unternehmung die Streitkräfte noch enger zu versammeln und Verstärkungen heranzuziehen, legen beiden Parteien große Zurückhaltung auf. Streiskorps und Vortruppen stnd allerdings nach wie vor in Be­wegung, und auf diesem Gebiete der Kriegführung scheinen die Russen jetzt im Vorteil zu sein. Je länger die entscheidenden Schläge auf sich warten lassen, desto mehr ist die japanische Regierung auf die Stärkung ihrer finanziellen Mittel bedacht; sie hat deswegen so­eben eine neue Anleihe im Betrage von 100 Millionen Jen ausgegeben.

Aus Niutschwang wird gemeldet, daß wegen beS durch Regengüsse und da« Schmelzen de« Schnee« im Gebirge geradezu unpassierbaren Zustande» der Straßen die Operationen bei beiden feindlichen Armeen zeitweilig eingestellt werden mußten und daß beide Seiten sich augenblicklich auf die Konzentration ihrer Streitkräfte beschränken.

Ein größere« Treffen hatte das zu der russischen Armee-Abteilung von Port Arthur gehörige Detachement des Generals Fock bet Pulantien (Port Adams), wobei die Japaner die Oberhand behielten. General Fock rückte mit acht Bataillonen und zwei Batterien von Port Arthur nach Norden und stieß zwischen Wafandjan und Pulantien auf eine weit stärkere Abteilung Japaner mit 24 Geschützen. Es entspann sich ein scharfe« Gefecht, wonach die Russen in ihre Position nach Kintschau zurückkehrten; General Fock hatte 150 Mann an Toten und Verwundeten verloren, darunter neun Offiziere. Die Japaner erlitten große Verluste. Die sibirischen Kosaken drängen förmlich zum Kampfe.

Die Russen, die Niutschwang nie vollständig geräumt hatten, haben die Stadt jetzt wieder mit ziem­lich starken Abteilungen Artillerie und berittener In­fanterie besetzt.

Niutschwang, 24. Mai. Die Meldung vom Untergänge der KriegsschiffeJoschino" undHatsuse" wurde den russischen Truppen, über die eine Parade abgehalten wurde, bekannt gegeben und von diesen mit Jubel ausgenommen. Südlich der Stadt werden Ver­schanzungen von mäßiger Stärke errichtet. Hier an­gekommene Dampfer berichten, sie feien an Trümmer, stücken vorübergekommen, die wohl von den im Hafen von Port Arthur gesunkenen und jetzt von den Russen gesprengten Schiffen herrührten.

Admiral Togo bleibt vor Port Arthur nicht untätig, wenn auch feine Schiffe naturgemäß nicht immer in Sicht de» Hafens sind. Bei jeder Annäherung aber treten auch die russischen Geschütze in Aktion; einer ihrer Treffer hat soeben auf einem japanischen Schiffe erheblichen Schaden angerichtet.

Während einer Rekognoszierung vor Port Arthur wurde der japanische TorpedobootzerstörerAkatsuki" von einer feindlichen Granate getroffen, und 25 Mann an Bord wurden getötet, darunter ein Offizier. Vicomte Ogasawara vom japanischen Hauptquartier äußert sich dahin, daß der russische KreuzerBogatyr" schon damals gescheitert sei, als dieKinschiu Maru" von den Russen in den Grund gebohrt wurde. E« liege ein Verschulden de« Kommandanten vor, und der russische Admiral Jessen habe deswegen ein Kriegsgericht eingesetzt. Es wurde festgestellt, daß von chinesischer Seite Port Arthur heimlich mit Lebensmitteln ver« sehen wird.

Auch die russischen Kriegsschiffe in der Heimat werden vom Unglück verfolgt. Wie man aus Petersburg meldet, ist in das neue, noch nicht vollständig fertiggestellte PanzerschiffOrel", welches vor einigen Wochen aufge- lausen war und darauf nach Kronstadt gebracht wurde, nacht« plötzlich Wasser eingedrungen, so daß das Schiff zu sinken begann. Den ganzen folgenden Tag über arbeiteten die Pumpen eines Eisbrecher« und mehrere Hafenfahrzeuge, wodurch es gelang, da« Schiff vor dem Untergang zu bewahren. Man glaubt, daß das Ein. dringen des Wassers auf Fahrlässigkeit von Arbeitern, welche Panzerplatten ausschraubten, zurückzuführen ist.

London, 23. Mai. Das Reutersche Bureau er­fährt aus Petersburg, die R u f f e n h ä t t e n den bei Wladiwostok gescheiterten Kreuzer Bogatyr in die Lust gesprengt, da es unmöglich gewesen sei,

bas Schiff wieder flott zu machen. Die Geschütze seien vorher von Bord geschafft worden.

Politische Nachrichten.

Berlin, 24. Mai.

Se. Majestät der Kaiser besichtigte am Sonnabend im hiesigen Königlichen Schlosse im Beisein bes Bildhauer« Prof. Krau« eine Büste Weiland Sr. Königlichen Hoheit de« Prinzen Adalbert von Preußen. Auf der Fahrt nach Liebenberg hörte Se. Majestät den Vortrag des Reichskanzlers Grafen v. Bülow. Am ersten Pfingstfeiertage Vormittags besuchten Ihre Majestäten den Gottesdienst in der Friedenskirche zu Potsdam. Sodann unternahm Se. Majestät der Kaiser einen längeren Spaziergang im Park von Sanssouci. Zur Frühstück-tafel im Neuen Palais bei Potsdam war Gräfin Aorck geladen. Am zweiten Pfingstfeiertage fand im Beisein Ihrer Majestäten bas Stiftungsfest bes Lehk'Jnfanteriebataillon« statt. Im Laufe der Vormittag- nahm Seine Majestät der Kaiser eine Reihe von mili­tärischen Meldungen entgegen, und empfing in Audienz den Komponisten Leoncavallo zur Ueberreichung der Oper Der Roland von Berlin. Nach 1 Uhr fand im Muschel­saale bes Neuen Palais eine große Frühstückstafel statt, zu welcher die Teilnehmer am Stiftungsfest des Lehr. Jnfanteriebataillons geladen waren, unter ihnen auch der italienische Komponist Leoncavallo und der General­intendant v. Hülsen, die fremdherrlichen Offiziere und der spanische Herzog de la Viktoria. Abends kurz vor 11 Uhr ist Se. Majestät der Kaiser von Potsdam nach Prökelwitz abgereist.

Gestern vormittag 11 Uhr fand unter den alten Bäumen auf der Südseite bes Neuen Palais bei Pots. bam dasSliftungsfestdesLehrinfanterie- bataillonS statt. Das Bataillon selbst stand in einem offenen Viereck. Inmitten desselben hatten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, die Kaiserliche Familie, die zur Zeit in Potsdam und Berlin anwesenden Prinzen und Prin­zessinnen, die Generalität, sowie die fremdherrlichen Offiziere Aufstellung genommen, ferner der Reichskanzler Graf v. Bülow und der Kriegsminister Generalleutnant v. Einem, sowie der gegenwärtig zur Dienstleistung bei

' "; Kkljeiiiiiiis.

Kriminal-Roman von Moore.

(Fortsetzung.)

Während ich diese Worte sprach, streckte ich unwill­kürlich meine Hand nach dem Schranke aus, dem ein- i sachen, schwarz gebeizten Schränk. Und als erriete Barker meine Gedanken, wandte er sich um und sagte: «Ich habe gehört, daß Polizisten stet« eine gewisse Vorliebe wenn man sich des Ausdruckes bedienen darf für Recht-fälle hegen, bei denen dergleichen stumme Zeugen mit im Spiele sind. Ich habe auch eine Erklärung darüber gehört, doch will ich mich nicht dabei aushalten. Sie zeigten vorhin, als Sie von den leblosen Dingen sprachen, die Sie zum Reden vermocht haben, aus jenen Schränk dort; vermute ich recht, so bewahren Sie dort die Zeugen auf. Sie sind1

bin Sammler, Mr. Barker I Ja, ich bin stolz auf mein kleines Museum freilich zählt es noch nicht viele Nummern, dafür ist aber jeder einzelne Gegenstand einzig in seiner Art; Dubletten existiren nicht davon." Ich trat an den Schränk, drehte den Schlüssel herum und öffnete die Türe. Mr. Barker trat näher. Auf seinem sonst so verschlossenen Gesicht zeigte sich eine unverkennbare Neugier. Es war aber auch ein eigen­tümlicher Anblick, der sich hier dem Beschauer darbot. Der Schränk war durch Borde abgeteilt und jeder der Borde enthielt wiederum verschiedene Fächer In

einem jeden dieser Fächer lag ein sonderbarer, kleiner Gegenstand, eine Nummer meines Museum». Es waren keine Münzen, kein seltenes Porzellan oder andere Kost­barkeiten, und doch waren diese Sachen von unendlichem Wert für mich.

Sie erinnerten mich an lange, mühevolle Stunden, an Stunden, die ich in angestrengter geistiger Arbeit oder bei einem lebensgefährlichen Wagnis verbracht hatte.

Mr. Barkers Augen glitten über die bunt zusammen, gewürfelte Sammlung. Er sagte nicht, wie das wohl zu erwarten gewesen wäre,sehr interessant!" oder höchst merkwürdig!" Nein, er streckte die Hand ganz einfach aus und ergriff einen Gegenstand, es war Nr. 7. Dann fragte er:Wozu ward dies Werkzeug benutzt?"

Da« da, Mr. Barker? Ja, mit dem kleinen In­strument sind Sie sicher auch schon in Berührung ge- kommen. Sie sehen verwundert aus? Aber warten Sie nur, Sie sollen es schon erfahren."

Ich nahm den bezeichneten Gegenstand aus seinem Fache. Derselbe glich einer langen Zange. Ich zeigte Mr. Barker, wie biegsam er war, wie fest er fassen konnte, zum Beispiel ein Schnupftuch, ein Portemonnaie, ein Ctgarrenelui oder ähnliche Kleinigkeiten. Es eignete sich ganz vorzüglich, um in eine Ueberrocktasche zu greifen, und man kann von Glück sagen, wenn man nicht einmal im Leben eine solche kleine Zange in seiner Tasche gehabt hat

Die Waffe eines Taschendiebe« I" bemerkte Mr. Barker in ruhigem Tone.

Dann griff er nach Nr. 8, im nächsten Fache zur Rechten. Dort lag ein Messer, dessen Klinge so scharf war, wie die eines RafirmesserS oder noch weit schärfer, Mr. Barker legte großes Interesse für meine Sammlung in den Tag. Ich mußte ihm er­klären, wie die Taschendiebe mit dieser blanken Klinge die dicksten, stärksten, unzerreißbarsten Stoffe aufschlitzen. Und wenn ein solche» Messer seine Arbeit verrichtet hat, greift eine Hand, die so weich ist wie die einer Dame und es an Geschwindigkeit mit der eines Taschenspieler« aufnehmen kann, in das Loch und macht dort reines Haus.

Jetzt zeigt Mr. Barker auf Nr. 40 und sah mich fragend dabei an. Ich zögerte nicht mit der Antwort.

Sie lieben die Abwechslung, Mr. Barker! Soeben sprachen wir von Taschendieben, jetzt kommt die Reihe an die Einbrecher! Die betreiben ein verteufelt ge­fährliche« Handwerk! Das versichere ich Sie!"

E» ist ein Schlüssel, aber ein Schlüssel ohne Bart. Daneben liegt eine ganze Reihe derselben in jeder er- denklichen Größe und Gestalt. Dieser eigentümliche Schlüssel mit veränderlichem Bart ist das gefährlichste Werkzeug der Diebe und eins der interessantesten Stücke meiner Sammlung."

Das Prinzip ist höchst einfach. Statt sich mit einem großen Schlüsselbund herumzuschleppen, trägt der Dieb einen einzigen Schlüssel und mehrere Dutzend Bärte bei sich. Er probiert den einen nach dem andern aus, bis er den paffenden gesunden hat. Ich zeigte Mr. Barker, wie der Bart befestigt wird, und ini nächsten Augenblick öffnete er ohne Schwierigkeit meinen Schreib-