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K3F Fernsprecher Nr. 8. **S
Sr. 70.LniittAtt »ti 18. Zum
1901
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 9. Juni 1904.
Die Schulstelle in Unterweisenborn, deren competenzmäßige« Einkommen neben freier Wohnung in 1000 Mark Grundgehalt und 150 Mark Kirchcndienst- Vergütung (neben einem Dienstalterszulagen-EinheitSsatze von 120 Mark) besteht, wird infolge Versetzung des Inhaber« vom 1. Juli d. I e. ab frei.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen bis zum 1. Juli d. I«. bei dem Königlichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Schenk in SchenklengS- seid oder dem Unterzeichneten einreichen.
I. I. Nr. 3660. Der Königliche Schulvorstand.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 10. Juni 1904.
Die in der Stadt Hersfeld ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen.
J. I. 3694. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 11. Juni 1904.
Nach einer Mitteilung bes Herrn Landrat» zu Homberg ist unter der Schafherde de» Schäfer» Heinrich Dippel zu Raboldshausen die Räude ausgebrochen. I. I. Nr. 3757. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T H a m e r.
Hersseld, den 11. Juni 1904
Nach Mitteilung der Herrn Landrat« zu Hünfeld ist unter dem Schweinebestande der HüttnerS Bock in Ober- ushausen die Rotlaufseuche auSgebrochen.
J. I. 3759. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 11. Juni 1904.
Nach einet Mitteilung des Herrn Landrats in Ziegen- hain ist unter dem Schweinebestand des Gutsbesitzers
Neberrunrpelt
Humoreske von Bruno Wehner (Dellwig, Rheinland.)
(Fortsetzung.)
Inzwischen flog Lissi« Feder über einen Briefbogen, ein kleine» Sprühteufelchen setzte sich auf ihre Schulter und las:
Geliebter Bruder I
Zu allererst laß Dich umarmen und Dir meine Herzensfreude ausdrücken, die ich beim Durchlesen Deine« letzten Briesea, an Vater, empfunden! Wie und wo hast du denn eigentlich meine liebste Freundin, Erna Menting, kennen gelernt? Dies mußt Du mir gelegentlich recht ausführlich berichten. Na, höre nur weiter: Soter ist natürlich empört, aber nicht etwa aus Adels- uR, ober weil unsere geliebte Erna vorläufig keine Mitgift erhält, dazu kennen wir ja unsern herzensguten
, *u venau, sondern weil seine Lieblingsidee, Dich mit Käthe von Raven und somit auch die beiden Nachbargüter verbunden zu sehen, auf schwache Füße zu stehen kommt. Uebrigen«, wer weiß, ob nicht vielleicht ein Teil feines Herzenswünsche« doch noch ... ja, roas mir da nebenbei soeben einsällt — ich soll Dich von Käte« Bruder Max, dem Referendar, herzlichst grüßen. Ich traf ihn neulich, ganz zufällig, auf einer Spazierfahrt, an der Grenze unseres Gute«
^ ^"?»"-.^ “* ""°n in acht Tagen nach Bad S. Ich bin fest überzeugt, daß Papa, wenn ihm erst Ge- l-genheil geboten wird, stch von dem Charakter unserer
Heinrich Roß zu Neukirchen die Rotlausseuche ausgebrochen.
I I. Nr. 3755. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Das Ausschreiben vom 9. April b. Js. I. Nr. P. 2664 betreffend den Etuisarbeiter Heinrich Adler von hier, hat durch Auffindung der Leiche seine Erledigung gefunden. Desgleichen das Ausschreiben vom 26. April d. Js. J. Nr. P. 3201 betreffend den Schriftsetzer Alwin Baginski aus Colmar, dessen Aufenthalt inzwischen ermittelt worden ist. Hanau, den 30. Mai 1904.
Königliche Polizei-Direktion.
Nichtamtlicher Teil.
Der Krieg zwischen Japan und Rußland.
Mitteilungen, die heute gleichzeitig von russischer und japanischer Seite kommen, stellen keine besonderen Veränderungen in der Kriegslage fest und berichten nur von kleineren Gefechten. So meldet ein Telegramm des Generals Charkewitsch an den russischen Generalstab vom 12 Juni: Am 9., 10. und 11. Juni traten in der Stellung der in der Umgebung der Station W a f a n g o u befindlichen Truppen keine Veränderungen ein. Täglich finden kleine Vorpostenscharmützel statt. Die Versuche der Japaner, im Süden von der Station Wafandian die russischen Wachtposten zurückzudrängen, werden durch eine Vorwärtsbewegung der Kosaken ab- gewehrt. — An der Westküste der Liautung - Halbinsel herrscht Ruhe. Die von Zeit zu Zeit sich zeigenden seindlichen Schiffe nähern sich nicht dem Ufer. — Die Japaner sind au« Ssiujan nicht weiter vorgerückt. Wie gemeldet wird, errichten sie in der Umgebung dieses Punkte« Befestigungen.
Ferner ging dem Reuterschen Bureau von seinem im Hauptquartier der Generals Kuroki befindlichen Korrespondenten über Fusan folgende Nachricht ohne Datum zu: Vom Kriegsschauplatze ist nicht« Neues zu melden. Die Vorposten treffen täglich
geliebten Erna überz-ugen zu können, ganz anderer Meinung werden wird. Betreffende diesbezügliche Arrangement« überlasse ich dem erfindungsreichen Kopse meines Bruders. Natürlich darf Väterchen, falls er mit Deiner Zukünftigen zusammenkommen sollte, auf keinen Fall wissen, wen er vor sich hat, e« soll eine Kapital- überrafchung geben und freue ich mich schon auf sein verblüfftes Gesicht! MentingS, b, h. Erna mit ihrer Tante, reifen ja, soviel ich weiß, alljährlich in eine Sommerfrische, vielleicht wählt Erna diesmal „zufällig" auch S. ? Selbstredend darf auch ihr Vater von unserm Komplott nicht» ahnen. Ach, Kurt, wie würde ich mich freuen, wenn sich alle« so glatt abmickelle, als ich es ersehne, Schicksal, nun gehe deinen Weg! Laß dich nochmals kameradschaftlich umarmen, mein Brüderlein, und vertraue felsenfest
Deiner treuen Schwester Lissi.
P. 8. Dein Freund Max trägt jetzt seinen Schnurr- bart nach ,ES ist erreicht'.
Mit einem tiefen Atemzüge legte Lissi die Feder hin. Nun erhob sich auch der kleine neugierige Zuschauer von ihrer Schulter und flog, leise kichernd, durch das offene Fenster hinaus in den Garten. Dort erzählte der lose Schelm den Blumen, was er soeben erfahren. Diese nickten mit ihren duftigen Köpfchen »Glück zu, Glück zu!‘ — und die Glockenblumen fingen leise an zu läuten, und ein Vöglein sang sein schönstes Lied in den Himmel hinein.
Die acht Tage, bis zu dem festgesetzten Abfahrt».
zusammen, die Verluste dabei sind gering. Bei diesen Gefechten scheinen die Japaner die Oberhand zu behalten. Des Nachts durchschneiden Chinesen die Telegraphendrähte.
Aus Niutschwang, im Süden der Mandschurei, teilt eine Reuter-Depesche vom 12. Juni folgendes mit: Die japanische Abteilung, die in Port Adams gelassen war, um die Bewegungen der Russen nach Süden aufzuhalten, wurde, wie hier erzählt wird, angegriffen und umzingelte, nachdem sie vorher einen Scheinrückzug angetreten hatte, die russischen Streitkräfte, die 800 Mann verloren haben sollen. Die Russen ziehen sich auf Kaitschou zurück. Etwa 2000 Mann russische Infanterie, die aus der Richtung von Kaitschou kamen, sind heute morgen mit großen Proviant- und Lazarettzügen hier durchgekommen. Die Russen haben ihre Stellungen acht Meilen südlich von hier aufgegeben.
Der Daily Telegraph meldet aus New Park: Das Gerücht, daß eine amerikanische Gesellschaft da« Unter- seebot „Protector" für 50,000 Psd. St. an Japan verkauft habe, bestätigt sich. Der Kauf ist vor zwei Monaten abgeschlossen worden, und das Boot befindet sich jetzt nach Japan unterwegs, und zwar an Bord eines norwegischen Schiffes, auf welchem sich zwei amerikanische Sachverständige befinden, die die japanischen Seeleute in dem Gebrauche der Unterseebootes unterrichten sollen.
General Stössel soll einer Petersburger Privat- meldung zufolge, als er letzten Freitag einen Ausfall vor Port Arthur befehligte, am Oberschenkel verwundet worden sein, woraus angeblich eine sofortige Amputation des Beines vorgenommen werden mußte.
Wie Admiral Togo nach Tokio berichtet, haben infolge einer Beschießung von Kaiping die Russen, die 3000 Mann mit 20 Geschützen stark waren, Jingkau, die Hafenstadt von Niutschwang, geräumt. Nach einem weiteren Bericht des Admirals bemerkt« die japanische Flotlendivision in der Bai von Talienwan in der Nähe von Schaupingtau vier russische Torpedobootszerstörer und vertrieb sie nach Port Arthur hin. In der Bai von Talienwan sind mehr als 70 Minen zerstört worden, ferner 30 schwimmende Minen, die sich zum Teil in dem Golf von Petschili befanden.
Petersburg, 14. Juni. Ein Telegramm des Generalleutnants Baron Stuckelberg an den Kaiser vom 14. d. Mt». meldet: Heute begann mittags ein
termin, waren Lissi, zumeist durch Reisevorbereitungen, wie im Fluge vergangen. Ihr Bruder hatte inzwischen auf ihren Brief geantwortet, ihr für die darin ge> machten Vorschläge herzlich gedankt und sich glücklich gepriesen, ein solch treues, tapfere« Schwesterlein als Verbündete zu haben. Auch er hoffte auf einen günstigen Verlauf dieser Manipulation, würde aber auch, im andern Falle, an seinem Vorsatz, Erna zur Frau zu nehmen, festhalten. Schließlich bedankte er sich für die über« sandten Grüße seines Freundes, Max von Raven, und bat Lissi, fall» sie wieder einmal, so ganz zufällig mit ihm an der Grenze zusammentreffen sollte, seinen Freund, mit dem»Es ist erreicht', recht herzlich zu grüßen.
Endlich dampfte der Major, nach freundlichem Ab- schiede von seiner Marianne, dem alten, zuverlässigen Verwalter und seinen Bediensteten, mit Lissi dem aus« erwählten Reiseziel zu. ES war ein herrlicher Spät, sommertag, da« Getreide war trocken eingebracht worden, und die noch draußen stehenden Feldfrüchte versprachen diesmal eine selten günstige Ernte. Kein Wunder also, daß von Traun sich in äußerst gehobener Stimmung befand, welche sein Töchterchen ihm zu erhalten auch eifrigst bestrebt war. So langten sie denn, in bester Laune, in S. an, woselbst sie in einem der ersten Etablissement«, Hotel .Zur Sonne", Quartier nahmen. Sie hatten bis zur zweiten fable d’hote, um 2Va Uhr, noch hinlänglich Zeit, den Reisestaub, abzuschütteln. Lissi beeilte sich damit ganz besonder«, begab sich dann zu dem Hotelwirt und erbat sich baS Fremdenbuch. Da, beinahe hätte sie laut aufgejubelt, sie waren also