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HomO- ta 23. ZWi
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LL" Fernsprecher Nr. 8.
Amtlicher Teil.
Hersseld, den 17. Juni 1904.
Der Herr Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat angeordnet, Erhebungen darüber anzu- stellen, wie viele der nach den Gesetzen vom 23. Juli 1876, 5. April 1869, 15 Februar 1872 und 16. Juni 1876 ablösbaren Reallasten noch bestehen.
Die Herren Bürgermeister und Gutsbezirksvorsteher des Kreise» werden hierdurch angewiesen, festzustellen, ob und eventuell welche noch nicht zur Ablösung beantragten Reallasten in der Gemeinde zur Zeit noch bestehen sowie an wen und in welcher Weise diese Leistungen zu entrichten sind.
Sofern die Naturalabgaben noch nach anderen als zur Zeit gebräuchlichen Maßen und Gewichten ge. leistet werden sollten, so sind diese anzugeben.
Der Jahreswert der etwa in Frage kommenden Reallast ist, sofern derselbe nicht feststeht, schätzungsweise zu ermitteln und anzugeben.
Der Erledigung dieser Verfügung sehe ich binnen 10 Tagen bestimmt entgegen.
I. No. 3261/3942. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
Der Krieg zwischen Japan und Nutzland.
Noch immer stehen die furchtbaren Verluste, die das Armeekorps des Generals Stackelberg in den zweitägigen Kämpfen bei Wafangou erlitten hat, im Vorder- gründe des Interesse». Heute liegen endlich von russischer Seite genauere Angaben darüber vor, nach denen man sich ungefähr ein Bild machen kann von der Größe der Niederlage, welche die russischen Waffen auch bei diesem dritten Engagement mit den Japanern zu verzeichnen haben.
Petersburg, 21. Juni. Wie Generaladjutant Kuropatkin an den Kaiser vom 18. d. Mt«. meldet,
Gut a&geSemmett.
Eine littauische Militär-Humoreske von Berthold Gaben.
(Fortsetzung.)
Ehrhardt, der Eiserne, ließ sie ruhig gewähren. War er doch froh, daß sie sich ruhig verhielten und nicht heulten; „Koarline" konnte ja zusehen, wie sie die Kleinen wieder zurecht setzte.
Minute auf Minute verging, ohne daß die getreue „Koarline" mit dem Getränk erschien. Schneckengleich Hatte sich während dieser Zeit der entgegenkommende Zug in den Bahnhof geschlichen, und kaum hielt er, da machte der Train, in dem unser Ehrhardt saß, eine ge- waltige Anstrengung schleunigst aus der Ortschaft Hin- auszukommen, und da» ohne „Koarline", die sonderbarer Weise diese» Mal den Anschluß versäumt hatte.
„Himmlische Karline, wo» ist nun?" — dachte der gutmütige Kinderwärter. Jetzt saß er in der Patsche, er der Weiberfeind, dazu auSersehen, ein paar verzogene Rangen zu beaufsichtigen.
Dem wackeren „Weiberhasser" ahnte ein Unheil, und die» ließ in der Tat nicht lange auf sich warten.
Sie der Zug zum Bahnhof Hinaurpustete, warf „Koarl" einen besorgten Blick auf den in Heller Bestürzung dasitzenden Beschützer, und mit einem Male begann er mit aller Lungenkraft zu heulen: „Koarline I" schrie er, all wenn er am Spieße steckte. „Woo ia Koarline?"
Fritze, der mittlerweile zu de» „Onkels" Füßen mit
berichtet General Baron Stackelberg: „Der Gegner ist au» Wafangou nicht weiter vorgerückt. Wie gemeldet wird, entwickeln sich seine Truppen auf der Front Wafangou-Foutschou. Nach dem zweitägigen Kampfe und zwei ermüdenden nächtlichen Märschen auf schwierigen Gebirgswegen haben die Truppen sich ausruhen können. Ihre Stimmung ist sehr gut. Ueber unsere Verluste konnten genaue Angaben noch nicht erhoben werden, und vorläufig ist nur solgende» sestgestellt worden: Von der ersten ostsibirischen Schützendivision sind 15 Osfiziere gefallen und 40 ver- mundet; 12 Offiziere sind auf dem Schlachtfelde geblieben, von denen es unbekannt ist, ob sie getötet oder verwundet sind. Ferner sind 386 Mann gefallen und 992 verwundet. Auf dem Schlachtfelds sind 568 Mann geblieben, von denen es unbekannt ist, ob sie getötet oder verwundet sind. Vom 33., 35. und 36. Regiment sind 120 Offiziere und Soldaten gefallen sowie 19 Offiziere und 604 Mann verwundet; ferner werden 96 Mann vermißt. Die erste Artilleriebrigade hat 10 Offiziere und 103 Mann verloren, die neunte Artilleriebrigade 25 Offiziere und Soldaten. Vom Regiment Tobolsk sind 3 Offiziere und Soldaten gefallen und 40 Offiziere und Soldaten verwundet. Vermißt werden drei Mann. Vom Regiment Marschansk sind 6 Offiziere verwundet, 11 Mann getötet und 131 verwundet. 8 Mann werden vermißt."
Nach dieser auch nur vorläufigen Zusammenstellung hatte General Stackelberg also am 14. und 15. d. Mts. verloren; an Offizieren 25 tot, 65 verwundet, 12 ver. mißt, an Soldaten 500 tot, 1627 verwundet, 693 vermißt, außerdem 188 Offiziere und Soldaten; der Ge- samtverlust beträgt demnach 3120 Offiziere und Mann- schalten. Dabei ist zu beachten, daß hier nur über die beiden Gesechtstage bei Wafangou berichtet wird; was während des weiteren Rückzuges bet Truppen geschehen ist, weiß man noch nicht, und doch treten immer bestimmtere Gerüchte aus, denen zufolge ihnen die nach- drängenden Japaner ganz gewaltige Verluste beigebracht haben sollen. Darüber ist folgende Meldung zu verzeichnen:
PariS, 21. Juni. Nach einer Meldung aus Petersburg soll General Stackelberg aus seinem Rückzüge bei Haitschöng in einer mörderischen Schlacht wahrend eines ungeschützten Marsches durch einen
dem Nagel die Knopflöcher seiner Matrosenjacke in höchst kunstverständiger Weise erweitert hatte, war durch die Alarmrufe gleichfalls um seine idyllische Ruhe gebracht und glaubte Bruder „Koarl" nach Möglichkeit unterstützen zu müssen, indem er gleichfalls zum Gott- Erbarmen „Koarline! Koarline!" zeterte. Ehrhardt dem Eisernen wurde e» heiß und kalt. Wollte er zwei Stationen weit nicht fortwährend diese» Jammer- geheul anhören, mußte er ein Mittel finden, die Schützlinge zu beruhigen.
Es half ihm nicht» Andere», al» den kleinen Fritze zu sich auf die Knie zu nehmen und ihn unter dem Hinweis, daß Karline ja recht bald erscheinen werde, liebevoll an da» Herz zu drücken, eine Beschäftigung, die ihm ein ironisches Gelächter hätte entlocken mögen, wenn ihm nicht das Fluchen und Wettern näher gewesen wäre.
Ja, j tzt hätten ihn seine Kameraden oder gar die weiblichen Lästerzungen sehen müssen! Du lieber Himmel, sein Ruhm al» eisenfester KriegSmann wäre dahin gewesen. Fritze schien die Zärtlichkeit des Onkel» zu beruhigen. Er verbarg das tränenüberströmte Antlitz an der weißen Weste de» Beschützer», die durch diese Anhänglichkeit einen mächtigen Fleck davontrug, so daß sie jeden Anspruch auf ihre frühere Salonfähigkeit einbüßte.
„Koarl," der vorhin nur in der Anwandlung de» ersten Angstgefühl» geschrieen, schien sich ebenfalls sehr bald mit dem unvermeidlichen Schicksale auszusöhnen und hielt es für angebracht, dem braven Onkel zum Zeichen seines unverbrüchlichen Vertrauen» auf den
kombinierten Angriff der japanischen Artillerie fünf, tausend Mann verloren haben. Die von Stackelberg gewählten, für ihn höchst ungünstigen Routen waren den Japanern verraten worden.
Nach einer Meldung au» Tientsin hatten die von den Russen in den Grund gebohrten japanischen Transportschiffe 5000 Mann zur Verstärkung für die Be- lagerungsarmee von Port Arthur an Bord; deren Verlust wird die Operationen gegen Port Arthur verzögern.
Einzelheiten au» der Schlacht beiWafongou, die geeignet sind, die Größe der russischen Verluste einigermaßen erklärlich zu machen, werden in folgendem berichtet:
Nach Meldung aus Liaujang lag in der Schlacht bei Wafangou den Regimentern des linken russischen Flügels die schwere Ausgabe ob, von einem Hügelkamm aus über eine offene Mulde auf den Feind loszugehen und dann weiter auf eine Anhöhe hinauszustürmen, wo die Japaner sich verschanzt hatten und ein mörderische» Feuer eröffneten. Die Russen erlitten hier gewaltige Verluste. Schließlich wurde nach dem allgemeinen Gange der Schlacht die Notwendigkeit klar, diese Truppen ab» zurusen. Unter heftigem Kugelregen kehrten die An- greiser wieder in ihre früheren Positronen zurück hinter die Hügel, wo sie sich außer Gefahr glaubten, als e» sich plötzlich erwies, daß der vor ihnen liegende Hügelkamm von den Japanern besetzt worden war. Ihr Er- scheinen auf diesen Anhöhen kam den Russen völlig unerwartet. Die Zurückgehenden hatten vorausgesetzt, daß jene Anhöhen von ihren Kameraden besetzt seien, und waren auf nahe Distanz herangekommen. Nun er- litten sie von neuem große Verluste. Eine andere Abteilung auf der Avantlinie des rechten Flügel« geriet ebenfall« unter heftiges Feuer und war angesichts der starken Verluste an Leuten, Pferden und Mauleseln gezwungen, das Schlachtfeld zu räumen unter Zurücklassung aller Wagen, Tragbahren und sonstiger Hilfsgegenstände. Andererseits gerieten zwei japanische Infanterie Regi- menter auf dem rechten russischen Flügel unter ein Kreuzfeuer und gingen mit großen Verlusten zurück. Von allen Seilen wird bestätigt, daß selbst kleine Detache« meutsbewegungen nicht unbemerkt ausgeführt werden können, da die Chinesen von den Bergen aus den Japanern Signals übermitteln. So war auch bei dem Kampf bei Wafangou der Standort einer russischen Batterie,
rechten Lackstiefel zu spucken, in welchem er sich vorher mit Neugierde gespiegelt hatte.
Ehrhardt, unser guter eiserner Ehrhardt, halte ob dieses Liebesbeweises, der ihm in überqueüenber Zärtlichkeit dargebracht worden, anfänglich nicht die geeigneten Worte, schließlich glaubte er aber einer öfteren Wiederholung desselben dadurch vorbeugen zu können, indem er dem freundlichen „Neffen" drohte, sein Benehmen der gesürchteten Lucie zu verraten.
Dem braven „Koarl", dem der „Engel" Lucie wohl nicht mehr ata Strafgespenst erscheinen mochte, wie dem ängstlichen Fritze, kam diese in Aussicht gestellte Ver- klatschung seiner ehrenwerten Persönlichkeit sichtlich als offenbarer Hohn vor, den er damit in glänzender Weise parieren zu müssen vermeinte, indem er sich stracks vom Fenster dem spaßhaften Onkel zuwendete und ihm die nie wisderkehrende Gelegenheit bot, sein lang« ausgestrecktes Zünglein zu bewundern.
Angesichts dieser einen ungewöhnlichen Bildungsgrad verratenden Liebenswürdigkeit verzichtete unser Freund auf eine weitere Auseinandersetzung mit dem kleinen littauischen Biedermanne und wandle sein erhöhtes Interesse dem Bruder zu, der sich eifrigst bemühte, das neue Oberhemd de» „Onkels" mit allerhand fremdländischen Hieroglyphen zu bemalen, wobei ihm der an den Lippen benetzte Zeigefinger als Griffel dienen mußte.
Der getreue Beschützer seufzte bei dieser Entdeckung keineswegs erbaut auf. Wenn die Fahrt noch lange dauerte, dann kam er wie ein Stromer auf da» Gut des Onkel», denn unterwegs bot sich ihm keine Gelegen-