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83* Fernsprecher Nr. 8.
Sr. 86.
Smitai i» 28. W
1904.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Berlin, den 22. Juni 1904.
Ich bringe hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß der „Vaterländische Kranken-Unterstützung». und Be. gräbni«.Verein „Sanitas", den ich mittelst Verfügung vom 15. Oktober v. Js. veranlaßt hatte, seine Zulassung gemäß den Vorschriften des Reichsgesetze» über die privaten Versicherung-unternehmungen vom 12. Mai 1901 nachzusuchen, durch Beschluß der Generalversammlung vom 21. April b. 36. aufgelöst worden ist.
Der Polizei-Präsident.
Im Aufträge: gez. Hoppe.
. „ *
Hersseld, den 14. Juli 1904.
Wird veröffentlicht.
I. 4821. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
HerSfeld, den 21. Juli 1904.
Bewerber um die vom 1. Oktober d. Js. ab zur Erledigung kommende Schulstelle in Biedebach, deren Einkommen bei einem Dienstalterszulagen.Einheitssätze von 120 Mk. neben freier Dienstwohnung in 1000 Mk. Grundgehalt und 150 Mk. Kirchendienstvergütung besteht, wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen bis zum 15. August d. Js. bei dem Königlichen Oitöfchul- inspektor Herrn Pfarrer Gamb in Obergei» oder dem Unterzeichneten einreichen.
1. 4926/04. Der Königliche Schulvorstand.
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 20. Juli 1904.
Die unter den Schweinebeständen des Adam Willhardt und des Schmieds Feick in Rothenkirchen ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
J. I. 4896. Der Königliche Landrat.
3 V.:
Thamer.
Nichtamtlicher Teil.
Zu den Sorflängen in Deutsch-Südwest-Asrila.
Die Deutsch-Südwestafrikanische Zeitung Dom 29. Juni berichtet über einige Vorkommnisse zur Beurteilung des Charakters der Herei o:
Eine Hererofrau, die mit ihrem Bastardkinde aus dem Hauptlager der Herero geflohen und nach Omarnru, wo sie srührer gewohnt hatte, zurückgekommen war, berichtete, daß in dem Hauptlager der Herero sämtliche Bastardkinder getötet worden seien. Mütter, die sich der Tötung solcher Kinder widersetzten, habe dasselbe Schicksal ereilt. Die Frau, die ebenfalls ihr Kind nicht töten lassen wollte, ge- lang es, glücklich zu entkommen. Der von ihr berichtete Zug erscheint von anßerordcntlichcr Bedeutnng für dieBe- mtcilung des Charakters des Anfstandes. Nach derselben Richtung ist das Verhalten bemerkenswert, das die Herero ans der Gegend vom Okombahe einem unter ihnen lebenden Weißen gegenüber beobachtet haben. Dieser Mann, der seit Jahren unter ihnen lebte und, wie man das hier ^ollkonunen verkaffert war, wurde von ihnen ge- r Erzählungen der Bergdamara von Dfom=
zu Beginn des Ausstandes, bevor der Kapitän
Cornelius sich endgültig auf die Seite der Deutschen geschlagen hatte, noch Verbindung mit den dortigen Herero hatten, hat man näheres über die Vorgänge erfahren: Der Mann bemerkte, als der Aufstand ausgebrochen war, eine Aenderung des Verhaltens der Werftgenossen ihm gegenüber, und er gab seinem Befremden darüber Ausdruck. Einmal wurde er zu einer Beratung nicht zugezogen, während er sonst an den Beratungen der Werst teilge- nommen hatte. Als er nach dem Grande der Ausschließung fragte, wurde ihm geantwortet: Gewiß sei er sonst ja immer bei den Beratungen zugegen gewesen, aber diesmal sei dies nicht angängig gewesen, da man über ihn selbst beraten habe. Er forschte dann weiter und erfuhr, daß man darüber beschlossen habe, ob er leben bleiben dürfe. Er stellte nun vor, daß er, wenn auch weiß von Farbe, jetzt doch zu den Herero gehöre und einer der ihren sei; die Herero antworteten : freilich gehöre er jetzt wohl zu ihnen, aber es könne doch einmal der Fall eintreten, daß er sich erinnerte, ein Weißer zu sein, und dann könnte er ihnen doch sehr viel schaden. Um dieser Gefahr vorzubeugen, habe man beschlossen, ihn zn töten. Man band ihn an einen Baum und schlachtete ihn wie ein Schaf ab, indem man ihm die Gurgel durchschnitt.
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Der Krieg zwischen Japan und Nutzland.
Ein Telegramm General K u r o p a t k i n s an den Kaiser Nikolans vom 19. d. M. besagt: Auf der Südfront traten vom 17. bis 19. Juli keine besonderen Veränderungen ein. Am 18. Juli wurde um 5 Uhr Nachmittags bemerkt, daß bedeutende japanische (Streitfrage nach Sihejan (auf der Straße Liaujang-Saimatsi) gegen unsere Abteilung vorrückten. Nach zweitägigem Kampfe zieht sich die letztere in der Richtung auf das Dorf Guntsiatsy östlich von Anpin zurück.
Daily Chronicle meldet aus Kurokis Hauptquartier am Motienpaß, daß am 19. Juli die Japaner einen neuen Angriff auf den Paß erwarteten. Da die Russen nicht angriffen, ergriffen die Japaner auf dem äußersten rechten Flügel die Initiative und stießen bei Zankan auf den Gegner. Die Russen gingen zurück, erhielten aber Verstärkungen und der Kampf entbrannte aufs neue. Bei Abgang der Meldung wurde noch gekämpst.
Som russischen Wladiwostvk-Geschwader wird gemeldet:
Tokio, 20. Juli. Am Nachmittag ließ das Wladiwostok-Geschwader einen Hente ausgebrachten japanischen Handelsdampfer frei und dampfte, von einer japanischen Torpedobootsflottille verfolgt, ostwärts.
Tokio, 20. Juli. Der Dampfer Takaschima Marn ist heute mittag in Moromn eingetroffen, nachdem er vorher durch das russische Wladiwostok-Geschwader durchsucht war. Der Dampfer berichtet, die russische Flotte setze ihre Fahrt mii äußerster Kraft nach Südosten fort, als wenn sie nach Saignon fahren wolle. Es sei möglich, daß dies nur eine List sei, um japanische Schiffe anfzuspüren.
Die großbritannische Regierung hat ihren Botschafter am Zarenhofe, Sir Scott, angewiesen, bei der Regierung Beschwerde wegen der Beschlagnahme des englischen Schiffes „Malakka" zu führen. Der Botschafter hat sich unverzüglich seines Auftrages entledigt, indem er vorgestern dem Grafen Lamsdorff eine Note überreichte, die an Energie und Deutlichkeit der Sprache nichts zu wünschen übrig läßt. Der Inhalt des diplomatischen Aktenstücks wird dem „L. A." in folgendem Telegramm übermittelt:
London, 20. Juli. Der britische Botschafter in Petersburg hat heute an die russische Regierung eine Protestnote gerichtet wegen der Wegnahme des Dampfers „Malakka". In der Note wirb die sofortige Freigabe des Dampfers gefordert mit dein Hinweis darauf, daß die russische Regierung sich nicht auf rechtlichem Boden be- funben habe, daß die an Bord der „Malakka" befindliche Munition der britischen Regierung gehöre und für das in den chinesischen Gewässern befindliche englische Geschwader
bestimmt sei, und daß ferner die Kisten gezeichnet gewesen seien mit einem dentschen Pfeil, dem Zeichen, das als osfizielle Marke der englischen Regierung bekannt sei. Schließlich wird Rußland in der Note au- die volle Schwere der etwaigen Folgen hingewiesen.
Der Kapitän der „Malakka" hat sich inzwischen auf dem Dampfer „Osiris" nach Brindisi begeben und wird den Behörden über die Angelegenheit Bericht erstatten.
Nach einer bei Lloyds eingegangenen Depesche halten die Behörden von Port S a i d die „Malakka" bis zum Eintreffen weiterer Instruktionen an. — Ferner erfährt das Rentersche Bureau, daß die Passagiere der „Malakka" an Bord des nach Osten fahrenden Dampfers Marmora gebracht worden seien, der ebenfalls der Penin- snlar and Oriental Line gehört. Der Präsident dieser Gesellschaft, Sir Thomas Sutherland, teilte dem genannten Bureau mit, daß er über die Gründe der in Frage stehenden Beschlagnahme gänzlich im Dunkeln sei. Es sei unmöglich, über diesen Gegenstand irgend eine Meinung zu äußern.
Wie aus Malta gemeldet wird, sind das Torpedo- Depotschiff Vulkan, der Kreuzer Pyramus und die Torpedobootszerstörer Mallard und Coquette gestern in See gegangen, um sich mit dem Mittelmeergeschwader zu vereinigen.
Politischer Wochenbericht.
Von den politischen Begebenheiten interessieren die Oeffentlichkeit gegenwärtig fast am meisten die Raub- züge der sogenannten Freiwilligen-
F l o t t e R u ß l a n d ». Bei den überaus freundschaftlichen Beziehungen, welche unsere Regierung in den Grenzen ihrer Stellung al» neutraler Macht zu Rußland aufrecht erhält, hat die Willkür peinlich überrascht, mit der der Hülsskreuzer „SmolenSk" im Roten Meere unsern Postdampfer „Prinz Heinrich" angehalten und gezwungen hat, seine für Japan bestimmten Briefe und Pakete auSzuliefern. Selbstverständlich ist ein energischer Protest Deutschlands nach Petersburg gegangen, und wir zweifeln nicht daran, daß die Remedur baldigst erfolgen wird. In derselben Lage wie wir befinden sich die Engländer wegen der Wegnahme ihre» Dampfer» „Malakka." Auch sie haben sofort Schritte unternommen, um volle Genugtuung zu erlangen und fernere Beschlagnahmen von Schiffen zu verhindern.
Die Russen sollten sich umso mehr hüten, neutrale Mächte herauszufordern, als der bisherige Verlauf des Krieges in Ostasien ihnen keineswegs Lorbeeren eingebracht hat. Das russische Ansehen hat im Gegenteil bereits stark gelitten, sowohl zu Wasser als auch zu Lande. Auch am Motienpaß haben ihnen die Japaner wieder eine schwere Schlappe zugefügt. Ihr Prestige können die Russen kaum ander» wiederherstellen, als wenn sie bei dem schon lange erwarteten Zusammenstoß der beiden Hauptarmeen in der Mandschurei siegen. Ehe ihnen die» nicht gelungen ist, sollten sie klugerweise nicht noch mit dritten Mächten anbinden.
Schon jetzt nutzen die Engländer das Engagement Rußlands im fernen Osten mit erstaunlicher Geschicklich- feit aus. Die Tibet-Expedition hat sitzt ihren Rubikon überschritten. Oberst JunghouSband hat Gyangtse verlassen und bereits Khotong erreicht. Sein nächstes Ziel ist Lhassa, und wenn er dort siegreich ein- zieht, ohne daß der Dalai Lama vorher die Flucht ergriffen hat. dann ist der Erfolg ungeheuer. Die Millionen Buddhisten, welche mit der Unterwerfung des Dalai Lama unter die englische Schutzherrschaft selbst dem englischen Einfluß verfallen, müssen da» Ansehen Englands in der Tat außerordentlich steigern und eö in noch weit höherm Grade, als e» der Fall ist, zur Vormacht Asiens machen. Die von Rußland an Tibet geknüpften Hoffnungen dürften dann wohl endgültig begraben werden.
Inzwischen nehmen in Südwestafrika die Operationen gegen die Herero ihren Fortgang. Die