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»L- Fernsprecher Nr. 8. -^
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 1. August 1904.
Im Saufe be« Monat« Juli d. I s. sind basier für die nachbezeichneten Herren Jagdscheine ausgestellt worden:
1 . am 5/7. für Königl Regierung«.Bauführer Hans Rosenstock von Rhöneck in Philippsthal,
2 „ 16/7. „ Schornsteinfeger Johannes Raake in Friedewald,
3. „ 19/7. „ Landwirt Karl Hoßbach zu Hof Weißen- born bei Friedewald,
4. „ 26/7. „ Bürgermeister Mathias Wolf zu Lam- pertsfeld,
5. „ 26/7. „ Königlichen Gymnasial Oberlehrer Dr. Stamm in Hersfeld,
6. „ 30/7. „ Kaufmann Heinrich Bolkenand in Friedewald.
Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs Rat.
' Hersfeld, den 30. Juli 1904.
Unter dem Schweinebestand des Weibbinders Heinrich Döll II. zu Neukirchen ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 5245. Der Königliche Landrot
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 27. Juli 1904.
Die unter dem Schweinebestande der Witwe Fuchs in Oberushausen ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 5189. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Königliche Lehranstatt für Wein-, Obst- und Gartenbau.
Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der hiesigen Lehranstalt 1) ein Obstverwertungskursus für Männer in der Zeit vom 22. bis 27. August b. Js. 2) ein Obstverwertungskursus für Frauen in der Zeit vom 29. August bis 3. Sept. b. Js. abgehalten werden. Die Kurse beginnen jedesmal an den zuerst genannten Tagen Vormittag« 9 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt, sodaß die Teilnehmer Gelegenheit
Wer weife es?
Historischer Roman von Fr. F e r d. Camborini. (Fortsetzung.)
„Nun", hub der alte Herr wieder an, „zu ändern ist hier nicht« mehr. Blicken wir vor uns und nicht zurück. Solche Geschehnisse lassen sich eben nicht wenden, wie einen alten Rock."
Er schritt an die Türe und rief: „Christiane!"
Klopfenden Herzen» trat die Gerufene ein. Man sah e» ihren ängstlich blickenden Augen an, daß sie von zweifelhaften Gedanken erfüllt war. Er faßte sie liebe» voll bei der Hand und sagte, sie an die Seite Eber- hardts führend:
«Ein Tropfen fiel auf ein glühend Eisen
Und war nicht mehr!
Er fiel auf eine Blume und glänzte wie eine Perle, Und blieb ein Tröpfchen Tau.
Er sank in eine Muschel zur segensreichen Stunde, Und ward zur Perle . . ."
Ein Tropfen, Christiane, glänzt in Deinem Auge. E< ist nicht der Tropfen, der auf ein glühend Eisen, sondern der, welcher aus eine Blume fiel und die Muschel, in'» menschliche Herz, sank. E» ist die Liebe, mein gute» Kind. Nicht Leid soll sie Dir bereiten, diese hehre Himmelstochter, sondern Freude, und was in meiner Kraft steht, soll nach der letzteren Seite hin Dir stets Ordernd sein. Aber, Du weißt — wir sind Menschen. J<b für meinen Teil reiche Euch mit herzlichstem Segen«, wünsche meine Hände."
haben, die verschiedenen VerwertungSmethoden einzuüben.
Der Unterricht umfaßt: Obstweinbereitung und Behandlung desselben im Keller, Bereitung von Essig, Branntwein und Beerenwein; Schaumweinbereitung Untersuchung des Mostes auf Zucker und Säure. — Bereitung von Gelee, Marmelade und Herstellen von Konserven und Obstsästen; Dörren des Kern- und Steinobstes und der Gemüse«. — Obsternte. Aufbewahrung und Verpackung des frischen Obstes.
Das Honorar beträgt 6 Mk., für Nichtpreußen 9 Mk. — Unterkunft für die Frauen besorgt die Direktion, an welche auch die Anmeldungen zu den Kursen bis spätestens 14 Tage vor Beginn derselben zu richten sind.
Geisenheim a /Rhein, den 1. Juli 1904.
Der Direktor Pros. Dr. Wortmann
Nichtamtlicher Teil.
Der Krieg zwischen Japan und Nutzland.
Au» Tokio wird unter dem 2. August gemeldet, daß General Kuroki nach zweitägigem Kampfe die Russen gestern in zwei gesonderten Gefechten bei Nuschultkyu und Danzuling (Janselin) geschlagen hat. Die Japaner sind nun der Hauptstellung bei Liaujang wieder um ein bedeutendes Stück näher gerückt. Von russischer Seite wird über den Ausgang der Kämpfe noch nichts gemeldet ; über ihre Entwicklung und besonders über den Tod des Generals Grafen Keller wird folgendes Nähere berichtet:
Graf Keller besichtigte am Sonntag am Janfelinpaß eine Battertestellung, als eine Granate in feiner Nähe einschlug und ihn tötlich verletzte; er starb nach 20 Minuten. Keller war ein populärer, tapferer General. Der Kampf, bei dem er den Heldentod fand, war nur ein Glied in einer großen Reihe von Gefechten. Die Japaner griffen die ganze Front im Süden und Osten an; die Russen behaupteten überall ihre Stellungen. Die russischen Soldaten bewahrten trotz großer Hitze eine vorzügliche Haltung. An allen Fronten stehen ernste Kämpfe bevor.
Zwischen der ersten japanischen Armee und Liaujang
Erleichtert, wenn auch nur um ein weniges, atmete Eberhard! auf. Der Anblick des geliebten Mädchens hatte ihn wieder zu sich selbst gebracht, auch die ver- söhnenden Worte des Pfarrers hatten ihn sein Glück wieder ganz erfassen lassen. Seinen Arm hatte er um die still Weinende gelegt und ihr einige Worte zu- geflüstert.
Pfarrer Kuhnert aber halte seine grübelnde Miene wieder ausgesetzt und die frühere Wanderung durch'« Zimmer ausgenommen. Er schien mit sich zu Rate zu gehen; fand denn auch bald einen Abschluß seiner Ge- danken, die er dem Paare ohne Hehl zur Kenntnis brächte:
„Seht 'mal, Ihr beiden seid nun klar, im Reinen, wie man zu sagen pflegt, und, hinge es von mir allein ab, diese klare, ungetrübte Ruhe, der beseligende Gedanke, daß Ihr Euch angehören könnt und dürftet, sollte sicherlich nie getrübt werden —"
„Wäre es doch erst so weit, daß ich Dich ganz mein nennen könnte!" sagte mit Wärme Eberhardt.
„Bis dahin wird die Sonne noch einige Male ihren Kreislauf am Himmel vollenden", antwortete der Alte nicht ohne Besorgnis.
Die Augen des Mädchens leuchteten und ihre Hände preßten die des Geliebten, al» wollte sie ihm Mut etn- flößen. Eberhardt verstand die stumme Frage. Forschend richtete sich sein Auge auf den alten Herrn, der, noch immer auf und abwandelnd, jetzt sortsuhr:
„Ja, noch manch liebe« Mal, nicht einige Male wird sie ihren Kreislauf bis dahin noch vollenden.
liegt, Telegrammen au» Kurokis Hauptquartier zufolge, nach den siegreichen Kämpfen der letzten Tage nur noch eine einzige für die Russen haltbare Position.
Ueber die Gefechte bei Jsilagon sowie da« Gefecht bei Jsaongotzi bei Haitscheng berichtet al« Augenzeuge der Herald Korrespondent, der sich in unmittelbarer Nähe des Generals Mischtschenko befand. Die russische Artillerie war besonders erfolgreich. Am 27. Juli hatten es die Japaner auf da« MunitionS-Magazin abgesehen, wurden aber gezwungen, ihre Position aufzugeben, und von Kosaken scharf verfolgt. Sehr ungünstig war Mischtschenko» Position am letzten Freitag bei Tsaongatozi, wo der General, von einem Regiment recht», von einem lins flankiert, sich inmitten eines Tale« befand. Die linke Flanke Mischtschenko« war von den beherrschenden Anhöhen aus einem mörderischen Schrapnellfeuer ausgesetzt. An Mischtschenko« Seite fiel schwerverwundet dessen Stellvertreter. Acht Offiziere wurden an der Spitze ihrer Abteilungen von Bomben getroffen. Vierhundert Mann wurden tot oder verwundet fortgetragen. Der Rückzug gelang nur dank der Unzulänglichkeit der japanischen Kavallerie ohne besondere Verluste. Da« Gefecht hatte an diesem Tage von Morgengrauen bi» vier Uhr Nachmittag» gedauert. Der Korrespondent hörte im Augenblick der Absendung der Depesche Kanonendonner bei Haitscheng.
Prinz Friedrich Leopold, General der Kavallerie, ist zur Entsendung in da» russische, Prinz Karl Anton von Hohenzollern, Major im Großen Generalstabe, zur Entsendung in das japanische Hauptquartier ausersehen worden.
Der Tod des Grafen Keller steht in allen heutigen Meldungen noch im Vordergründe des Interesses. Es bestätigt sich, daß der General in dem Dränge, an einem besonders gefährdeten Punkte selbst das Gefecht zu leiten, sich zu weit vorgewagt hat und ein Opfer dieser in seiner Stellung wohl unangebrachten Kühnheit geworden ist. Ein Steinhaufen bei Thawuan am Defilee von Jantseling bezeichnet vorläufig den Ort, wo Graf Keller die Todeswunde erlitt. Keller wußte, daß dorthin Kuroki die zweite Division seines Korps dirigiere, und bestand darauf, die Verteidigung dieses wichtigen Punktes persönlich zu leiten. Er stand etwa fünfzig Schritte von der auf einer kleinen Anhöhe postierten
Hoffe nichts und fürchte nichts auf Erden
Mit Leidenschaft, und Du wirst glücklich werden.
Wie bereits gesagt: hinge es von mir allein ab, — der Weg bis zu Eurem Glück sollte nicht lange währen. Jedoch du weißt Christiane, daß da» Ultimatum in der Hand des Grafen liegt."
War es wieder dies Gespenst, da« sich nun auch zwischen ihn und seine Liebe zu stellen trachtete. In seiner Brust regte sich etwas wie Grimm gegen diesen Menschen, der allein Veranlassung sein sollte, — er wußte es schon bestimmt — daß er seine Christiane noch nicht zum Altar führen durfte. Tief im Innern gelobte er sich, dieser Macht, dieser einzigen Fessel mit allen Kräften entgegen zu treten.
Kuhnert reichte beiden die Hände: „Hoffen wir da« Beste; meiner Fürsprache seid Ihr sicher! E« ist ein guter Mann, den das Schicksal, mürbe gemacht hat. — Mit festem Vorsatz, das merkt Euch, ist viele« möglich. Fügt Euch! Das meiste Leid bereitet der Mensch sich selbst. Versuchen wir das Ungemach, das uns trifft, geduldig hinzunehmen und zu ergründen, so werden wir uns oft gestehen müssen, daß es in Folge eigenen Verhaltens war. Dies sei bis auf Weiteres mein letztes Wort in Eurer Angelegenheit, die vorab unter uns bleiben muß."
Der Polizeirat war durch die inhaltsreichen, stellen- weife ja dunklen Worte des Pfarrers recht nachdenklich geworden, Christiane ahnte, was in ihm vorging. Hatte sie doch diesen „häßlichen Punkt" vorausgesehen. Sie schwieg. Nur da« herrliche Auge ruhte mit dem