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Jts- Fernsprecher Nr. 8. 'S«
Sr. 108.
AtOz itn 18. Schtmber
1904.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 8. September 1904.
Unter dem Schweinebestande des Landwirts Johannes Landsiedel in Ransbach ist der Schweinerotlauf aus- gebrochen.
I. 6412. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Hersfeld, den 9. September 1904.
Die unter dem Schweinebestande des Ackermanns Adam Schmidt zu Niederaula ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. 6444. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 9. September 1904.
Der auf Donnerstag, den 22. September in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither besamt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
-Mt dem Austrieb darf um 7 Uhr Morgens begonnen werden.
I. 6435. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Am 30. Mai ds. Js. entfernte sich unter Hinter- lassung einer unbedeutenden Schuld der Invalide — frühere Modellschreiner — Michael Rüge von hier, ge' boren am 2. Januar 1839 zu Nierstein. Der Aufenthalt des Rüge konnte nicht ermittelt werden. Auch erhebt er die ihm zustehende Unfallrente nicht mehr. Da er hier in Gesellschaft die Aeußerung getan hat, wenn er von hier fort gehe, werde ihn niemand wiederfinden, so ist anzunehmen, daß er sich ein Leid angetan hat. Rüge ist etwa 1,65 m groß, untersetzt, hatte kurz, geschnittenes graumeliertes Kopfhaar und ebensolchen Vollbart. Er war bekleidet mit schwarzem Sackanzug, (Rock, Hose und Weste aus einem Stück) Schnallenschuhen, schwarzen weichen Filzhut und trug eine silberne Taschenuhr mit. Nickelkette bei sich. Besondere Kennzeichen: Die linke Hand fehlt bis auf den Daumen.
Dir v«hn Schuhe.
Eine Geschichte aus alter Zeit von G. von Stark.
Seit meinen Kindertagen habe ich eine besondere Vorliebe für unsere alte Rumpelkammer gehabt, und von dem Tage an, da ich sie nie kleines Mädchen zum ersten Male an der Hand meiner Mutter betrat, ist sie mir stets wie eine Art Zauberreich erschienen, und ich habe oft geträumt von den Schätzen, die dort in den großen Eichenschränken und buntlackierten Truhen begraben liegen. Und doch ist's nichts als ein bißchen verblichener Erdentand, der dort langsam dem ewigen Gesetz °U unsers irdischen Seins verfällt: dem Vergehen. Aber wie wir Menschen den Tod, da, wo er uns ein liebes Herz brach, mit Blumen überschütten, so hab' ich jenes Welken da oben unter dem Dach unser» allen Hauses mit den jungen Träumen meiner Phantasie be- r°nzt, und darüber ist sie selbst, die alte Zeit, die längst begrabene, mir lebendig geworden.
Auch heule hat'» mich wieder mächtig hinaufgezogen in das einsame Dachstübchen. Draußen rieselt der Regen leise hernieder, unten auf dem Marktplatz plätschert der Brunnen, und sein Jahrhunderte altes Lied tönt gedämpft zu mir herauf. Ich knie vor den geöffneten Schränken. Ein seiner, eigentümlicher Dust »romt mir daraus entgegen, und leise, leise erwacht die Vergangenheit. Dort liegt der Brautstaat meiner Urgroßmutter, hier das verrostete Schwert meines Ahn- herrn, weiland wohledeln und weisen Bürgermeisters unserer guten Stadt, und jenes zierliche, elfenbeinerne
Um Nachforschung nach dem Verbleib des Rüge und um Mitteilung hierher wird ersucht.
Hanau, den 5. September 1904.
Königliche Polizei-Direktion.
Nichtamtlicher Teil.
Der Arieg zwischen Japan und Rußland.
Daily Expreß will von russischer, unzweifelhaft zu- verlässiger Seite folgende Details über Kuropatkins Rückzug erfahren haben: Die Lage der russischen Armee sei nicht so unheilvoll, wie man geglaubt habe, hauptsächlich weil General Meyendorf mit einer Armee von 42,000 Mann 20 Kilometer südlich von Mukden Kuroki erfolgreich zurückhält. Kuroki griff ihn am Mittwoch zuerst an. wurde aber mit schwerem Verlust zurückgeschlagen. Seitdem hat er weitere erfolglose Angriffe gemacht, und unterdessen ist über die Hälfte der russischen Nachhut mit ihren Trains sicher nach Mukden gelangt. Eine Abteilung von 12,000 Mann sei jedoch noch in äußerster Gefahr; sie befinde sich südlich von Mukden in größter Erschöpfung, und es sei zweifelhaft, ob sie je die Haupt- armee erreichen werde. Der große Plan von KurokiS Armee sei nichtsdestoweniger vereitelt. Die russische linke Flanke ermöglichte durch ihre heroische Verteidigung Kuropatkin den Rückzug. Die russische Armee sei jetzt in fünf Kolonnen geteilt. Die erste habe bereits Tieling erreicht, wo sie schleunige Vorbereitungen zur Verteidigung der Platzes treffe, die zweite ist ungefähr halbwegs zwischen Mukden und Tieling, die dritte ist in Mukden, die vierte ist die Nachhut unter Meyen- borff, die fünfte wird von drei Seiten von den Japanern bedrängt und hat wenig Hoffnung, Mukden zu erreichen. Bei Mukden werde, besagt die Meldung weiter, keine Schlacht stattfinden und bei Tieling nur in dem Falle, daß Meyendorff die Japaner lange genug in Schach halten kann, sonst müsse derRückzugnachCharbin fortgesetzt werden. Die Japaner hätten bis Mittwoch 29,600 Mann verloren, die Russen 33,000, die Kavallerie nicht gerechnet. Die Meldung, daß die Japaner 97 Geschütze erobert haben, müsse falsch sein,
Kästchen birgt meine Lieblinge: ein paar kleine rote Sasfianschuhe mit hohen, gebogenen Absätzen und spitzen Schnäbeln. Sie sind sehr zierlich gefertigt, und haben mich von jeher entzückt. Mein Vater schüttelt lächelnd das Haupt über meine Vorliebe für diese kleinen Schuhe, un denen doch eigentlich nichts interessant ist, als ihr Alter. Keine historische Erinnerung knüpft sich daran, und unsere Familienchronik weiß nichts von ihnen zu berichten. Ich aber weiß es besser, ich kenne eure Geschichte, ihr kleinen roten Schuhe, und weiß, wie viel Lieb und Leid sich an euch knüpfen. Zwar kann ich es selbst nicht genau sagen, wo ich sie eigentlich erfahren habe, die Geschichte der roten Schuhe, — vielleicht hat sie mir der Brunnen da draußen, der trotz seines Alters noch immer so geschwätzig ist, erzählt, oder die roten Schuhchen haben sie mir selbst verraten; — kurzum,, ich weiß sie, und daß sie kein Märchen ist, kann man schon daraus sehen, daß sie nicht anfängt, wie ein Märchen notwendig beginnen muß, nämlich mit den Worten: Es war einmal.
Das, was ich erzählen will, begab sich anno dazumal. Leider kann ich die Jahreszahl nicht mehr genau angeben, denn der alte Brunnen und die alten Schuhchen sind sehr eitel, und, da sie sich vortrefflich konserviert habe», pflegen sie bei ihren Erzählungen gern ihr Alter zu verschweigen. Aber es ist schon recht lange her, und die roten Schuhe waren damals noch ganz neu, ein Prachtstück des welschen Meisters in Florenz, der sie gefertigt.
Hell und goldig lag die Sonne über der stolzen
da die russische Nachhut gar nicht soviele Geschütze hat und Kuropatkin den Hauptteil der Artillerie mit der ersten Kolonne nach Norden schickte.
Neue Sturmversuche der Japaner auf die Befestigungswerke von Port Arthur sind in verschiedenen Meldungen für die nächsten Tage angekündigt ; doch ist es wohl wahrscheinlicher, daß General Nogi nach den bisherigen Mißerfolgen dieser gewaltsamen Art des Angriffs jetzt die methodischen An- näherungsarbeiten besonders eifrig betreiben wird. Es wird denn auch berichtet, daß die Japaner in gefährlicher Nähe der russischen Haupt • Verteidigungslinie Schanzen anlegen.
Tsingtau, 10. September. Ein japanischer Offizier, der auf der Reise nach Tokio heute hier durch- gekommen ist, erklärte, die Verluste der Japaner vor Port Arthur in den letzten Tagen seien sehr schwer gewesen und überstiegen 15,000 anToten und Verwundeten, die Verluste bei Liaujang betrügen mehr als 20,000.
London, 10. September. Die hiesige japanische Gesandtschaft veröffentlicht folgende Depesche des Marschalls Oyama: „Nach den Kämpfen von. 4. und 5. September besetzte unsere Armee Jentai und den Zumentse-Hügel, der Feind zog sich, wie man glaubt, nach Norden über den Hunho zurück. Landbewohner berichten, daß die Ruffen mit Eisenbahnzügen 10,000 Tote und Verwundete transportierten. Wir begruben über 3000 Russen. Der Feind brannte die Lagerhäuser beim Bahnhof von Liaujang nieder, jedoch eroberten wir noch ungeheure Mengen an Proviant und Munition."
Tokio, 11. September. (Amtliche Meldung.) Die Gesamtverluste der japanischen Armee in den Kämpfen bei Liaujang seit dem 26. August werden auf 17 539 Mann beziffert, einschließlich 136 Offiziere tot, 464 verwundet. Auf den rechten Flügel der Armee entfallen davon 4 866, auf das Zentrum 4992 und auf den linken Flügel 7681 Mann.
Kronstadt, 11. September. Die Ostseeflotte ist unter dem Admiral Roschdestwensky nachmittags 2 Uhr nach dem äußersten Osten in See gegangen.
Arnostadt und ließ die reiche Goldstickerei an den zierlichen Schuhen, die der alte Meister eben vor seinen Loden hingestellt, noch Heller aufblitzen, als es sonst der Fall gewesen wäre. Dadurch mochte wohl die Aufmerk- somkeit des jungen, vornehmen Herrn erregt worden sein, der eben mit einem Begleiter die Straße Herauf- kam und jetzt bewundernd vor Meister Nicolos Laden stehen blieb.
„Ei seht doch, Magister," rief er in deutscher Sprache seinem Begleiter zu, einem ältlichen, magern Herrn mit unförmiger Hornbrille auf der großen, ge- bogenen Nase. „Seht doch, Magister, habt Ihr je solch herzig paar Schuhchen gesehen! Mich dünkt, das gäb ein artig Geschenk für meine Jungfer Braut daheim, denn da wir nun zur Heimfahrt rüsten, muß ich sorgen, nicht mit leeren Händen zu kommen."
Der andere lächelte. „Ich meine, Junker Arneken, daß Ihr bereits zu viel erstanden habt, um das letztere zu können, denn fürwahr, Ihr gedenkt der Euern über, reichlich."
„Aber diese Schuhe sind so lieb, so zierlich und kostbar I Seht nur, wie fein die Stickerei daran ausgeführt ist, so etwa» findet man nimmer bei uns in Deutschland, und Schön-Jlsabe liebt den Putz."
„Wie alle Jüngferlein," lachte der Magister. „Nehmt es immerhin, Junker, es ist wirklich ein gar zierliches, feines Werk."
Der Meister, welcher der Unterhaltung der Herren aufmerksam gefolgt war, halte, obgleich er ihre Sprache nicht verstand, blitzschnell erfaßt, daß die Sache zu seinen