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JBT Fernsprecher Nr. 8. ^»
fc M.
Atiistsg dt» 29. No»mKr
im.
Amtlicher Teil
Herrfeld, den 15. November 1904.
Die Herren Standesbeamten des hiesigen Kreises werden davon benachrichtigt, daß Ihnen in den nächsten Tagen die Stande»,Nebenregister für da» Jahr 1905 zum dienstlichen Gebrauch zugehen werden.
A. 4168. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rat.
Der Kramhändler Johannes Knoth zu Unterhaun beabsichtigt auf seinem außerhalb des Dorfes Unterhaun 205 gelegenen Grundstück, Kartenblatl 7, Parzelle ein
Schlachthaus zu errichten und hat um die Genehmigung hierzu nach« gesucht.
Er wird dieses hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht mit dem Bemerken, daß Einwendungen hiergegen innerhalb 14 Tagen schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll Lahier angebracht werden können. Ueber die etwa rechtzeitig erhobenen Einwendungen (nach Ablauf der vorerwähnten Frist können solche nicht mehr geltend gemacht Verben) wird am
ImeOz, den 15. Iezmber M U
Morgens 10 Uhr
im Geschäftslokal des hiesigen Landratsamtes mündlich verhandelt werden und zwar auch im Falle des Aus- bleibens der Interessenten.
Die Zeichnung und Beschreibung von der projektirten Anlage liegen während der GeschästSstunden zur Einsichtnahme für die Beteiligten offen.
Hersseld, den 24. November 1904.
I. A. 4216. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS-Rat.
Asnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
Die Durchgänger.
Roman von Karl von Heigel.
(Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
Der alte Faber trommelte aus den Tisch. „Wasser ist das gesündeste Getränk für reich und arm."
«Für den Millionär wie für den Penny-a-liner“, höhnte Ebba mit einem trockenen Gelächter. Ihr Mann warf ihr einen tückischen Blick zu.
»Ich war niemals ein Trinker," sagte Schäfer begütigend, „aber einen guten, reinen Wein wie den veracht' ich auch nicht."
Anna stieß mit ihrem Gatten an und summte:
»Und wüßten wir, wo jemand traurig läge.
Wir gäben ihm den Wein!"
Der alte Vater schüttelte den Kopf. Seine Tochter trinkt Wein und singt Trinklieder I Das bringt die moderne Ehe mit sich. Anna ist sicherlich tugendhaft, aber — zum Beispiel, da waren unten mehrere Bild- niffe französischer Hofdamen. Jedenfalls sehr vornehme Damen. Die haben ihr nicht gepaßt. Doch da ist ein Nymphenbild von einem gewissen Vanloo Da» gefällt ihr! Diese heutige Generation ist unberechenbar.
Ebba zog sich vor dem Nachtisch zurück. Sie fühlte sich müde.
»Sag mal, Schwager, habt ihr euch unterwegs gezankt?'
Ansprache an die Bevölkerung über die Bedeutung und die Ausführung der Viehzählung am 1. Dezember 1904.
Durch den Bundesratsbeschluß vom 22. d. Mts. ist die s e ch st e Allgemeine Viehzählung im Deutschen Reiche auf den l. Dezember d. Js. festgesetzt worden. Planmäßig sollte sie drei Jahre später stattfinden; nachdem aber die fünfte Viehzählung, welche eigentlich erst 1902 fällig gewesen wäre, zur Beschaffung einer Reihe von unentbehrlichen Unterlagen für die Vorbereitung der neuen Handelsverträge auf das Jahr 1900 vorgerückt war, konnte man mit veralteten Angaben über den Bestand und die Zusammensetzung der Hauptviehgattungen nicht sieben Jahre auskommen. Die unausgesetzt wechselnde Menge und wachsende Bedeutung des Viehstandes, der einen namhaften Teil unseres Volksvermögens bildet, für die Landwirtschaft, die Ernährung und Kleidung der Menschen, für die Verwaltung und verschiedene andere wichtige Zwecke erforderte vielmehr dringend eine Zwischenzählung. Verstärkt wurde die Notwendigkeit einer solchen noch dadurch, daß infolge des Regenmangels während des verflossenen Sommers in manchen Gegenden des Reichsgebietes sich ein empfindlicher Futtermangel geltend machte, welcher dort nicht ohne Rückwirkung auf die Viehhaltung bleiben wird, so daß die Kenntnis der in ihr eingetretenen, stellenweise recht erheblichen Aenderungen zwecks einer für die Folgezeit ausreichenden Fleischversorgung nicht zu entbehren ist.
Die jetzige Erhebung ist wiederum eine zweifache. Sie besteht vor allem aus einer Viehzählung mittleren Umfanges, die sich auf Pferde, Rinder, Schafe, Schweine sowie Ziegen nebst den wichtigsten Unterabteilungen der beiden ersteren Viehgattungen und der Schweine erstreckt. Für sie ist die Vorderseite der Zählkarte bestimmt, deren Rückseite einer Aufnahme derjenigen Schlachtungen eingeräumt ist, bei denen kein Tierarzt oder Fleisch beschau er eine Schlachtvieh- und Fleischbeschau vorgenommen hat. Es sind das in der Regel die sogenannten Hausschlachtungen, welche nach dem Fleischbeschaugesetze vom 3. Juni 1900 von der Untersuchung befreit sind. Bei der bevorstehenden Viehzählung handelt es sich also einzig und allein um die Feststellung der letzten zwölf Monate vor dem 1. Dezember 1903 bis zum 30. November 1904 auf den einzelnen Gehöften geschlachteten Tiere, deren Fleisch ausschließlich im eigenen Haushalte des Besitzers Verwendung findet. Dagegen bleibt alles fübrige geschlachtete Vieh, welches den gesetzlichen Vorschriften, Polizei- verordnungen oder örtlichen Gemeindebeschlüssen gemäß vor und nach der Schlachtung der amtlichen Untersuchung unterliegt, außer Betracht, weil es infolge einer neuerlich vom Bundesrate getroffenen Anordnung von den Fleischbeschauern bereits vierteljährlich nachgewiesen wird. In allen solchen Fällen, namentlich in den Städten mit Schlachthauszwang, d. h. wo sämtliches Vieh im öffentlichen Schlachthause geschlachtet und untersucht werden muß, bleibt daher die Rückseite der Zählkarte unausgefüllt. Es ist nun von nicht zu unterschätzender Bedeutung, daß bei der gegenwärtig zum ersten Male erfolgenden Ermittlung der Schlachtungen o h n e Vornahme einer Schlachtvieh- und Fleibeschau weder Auslassungen noch Doppelzählungen vorkommen, weil ihre
„Unterwegs ? Sie schlief von Hamburg bis hierher wie ein Murmeltier!"
„Ihr lebt doch miteinander?"
„O, sehr gut. Wenn Ebba ihre Nucken hat, geh' ich spazieren. Lieber Vater opf're eine zweite Flasche! Und wie wärs mit einer Zigarre?"
„Das solltest du noch wissen: in meiner Wohnung wird nicht gekneipt — und geraucht auch nicht.'
„Schon gut, schon gut! Dachte nur, ausnahmsweise.
— Lieber Onkel Kommerzienrat, teure Anna, ihr verzeiht — ich werde ein paar Freunde aufsuchen.'--
„Dieter, ich bin betrübt," sprach Anna vor dem Schlafengehen, „Hans und Ebba benehmen sich so eigentümlich."
„Er fehlt am Gelde."
„Ich fürchte, es fehlt an Liebe."
11. Kapitel.
Der folgende Tag war so heiß, daß sich kaum die Fliegen regten. Auch in den schattigsten Lehr-, Gericht», und Schreibstuben wurde gegähnt, sogar Ministerial- sekretär Faber hatte heute im Bureau eine schwere Hand und schläfrige Augen.
Anna kam von einem Bittgang für den armen, gelähmten Weidmann zurück — müde, aber mit guter Nachricht. Die Exzellenz, bei der sie vorsprach, hatte glücklicherweise ihren Nachmittagsschlaf schon hinter sich und war sehr gesprächig, sehr gnädig. Daheim sagte
Zahlen zusammen mit denen der Schlachtungen der einer Untersuchung unterstellten Tiere, unter Berücksichtigung des aus dem Auslande eingeführten Fleisches, den Fleischverbrauch überhaupt ergeben. Zuverlässige und richtige Angaben über dieses bisher völlig unbekannte Gebiet helfen mithin die nicht immer leichte Fleischversorgung fördern und dienen zugleich zur Beleuchtung mancher wichtigen Fragen der öffentlichen Gesundheitspflege.
Im übrigen ist bei der bevorstehenden Erhebung noch sorgfältig darauf zu achten, daß, abweichend von dem Verfahren bei den Volkszählungen, die Viehzählung nicht nach Haushaltungen, sondern nach Gehöften ausgeführt werden soll. Das als Zähleinheit geltende Gehöft (Anwesen) kann auch nur aus einem Hause bestehen. Jedes Vorwerk und jedes außerhalb eines Gutshofs bezw. der Vorwerke gelegene Jnsthaus (Knechts- oder Tagelöhnerhaus) und dergl. ist als ein besonderes Gehöft zu betrachten. In die Zählkarte ist der gesamte auf dem Gehöfte (im Hause) vorhandene Viehstand und die Zahl aller in ihm wohnenden viehbesitzenden Haushaltungen (Hauswirtschaften) einzutragen. Gehöfte und Haushaltungen, in welchem während des letzten Jahres wohl Schlachtungen stattfanden, aber zur Zeit der Zählung kein Vieh vorhanden ist, dürfen nicht als Viehbesitzende angesehen werden und bleiben deshalb in der Spalte 4 der Kontrolliste sowie in den Spalten 4 und 5 der Ortsliste unberücksichtigt. Gehöfte ohne Vieh oder Schlachtungen erhalten gleichfalls eine Karte, welche dann auf der Vorderseite nur im Kopfe auszufüllen und auf der Rückseite zu unterzeichnen ist. Es ist darüber zu wachen, daß innerhalb der Städte zerstreut in Häusern oder auf- Schiffen usw vor^nbe vereinzelte Stück Vieh sowie Pferde in den Bergwerken nicht Übergängen werden.
Ebenso wie bei früheren wird auch bei der in wenigen Tagen bevorstehenden Viehzählung eine rege Beteiligung der Bevölkerung am Zählgeschäste erwartet. Vor allem ist Selbst- zählung, nämlich die eigene Ausfüllung der Zählkarte durch die Hausbesitzer, Eigentümer, Pächter und Verwalter, wünschenswert. Das Gelingen der Zählung hängt indes nicht weniger davon ab, daß sich überall eine recht große Zahl -freiwilliger Zähler melde, die bei Ausübung ihres Ehrenamtes die Eigenschaft von öffentlichen Beamten besitzen. Endlich ist noch in geeigneter Weise, namentlich durch Besprechung in den Gemeindeversammlungen und in den Schulen sowie durch die amtlichen Blätter und die Tages- presse — welche letztere sich durch die Verbreitung einer solchen Belehrung in ihrem Leserkreise ein großes Verdienst erwerben würde — zur möglichst allgemeinen Kenntnis zu bringen, daß die in den Zählkarten enthaltenen Einträge zu k ei n er l ei S t e u e r z w e ck e n benutzt werden dürfen. Die Angaben des einzelnen Viehbesitzers sind vielmehr in den aus jenen zu- sammcnzustellendcn Gesamtergebnissen, welche seitens der Ge- setzgebung und Verwaltung behufs Lösung wirtschaftlicher Fragen und für wissenschaftliche Untersuchungen Verwendung finden, nicht weiter erkennbar.
Berlin, den 18. November 1904.
Königliches Statistisches Bureau.
B l e n ck.
man Anna, daß der Kommerzienrat im zweiten Stock bei dem jungen Ehepaar sei. Kathi, der Anna bei ihrem Ausgang den Kleinen übergeben hatte, war nicht in der Kinderstube. Kathi hatte sich das kühlste von den Gemächern im ersten Stock zur Siesta ausgesucht, dasjenige, welches früher das Dubarry - Zimmer hieß. Der Name paßte nicht mehr. Nur noch die Sänfte der Pompadour zeugte von der verschwundenen Pracht. Für Dietrich Schäfer war sie das Wahrzeichen feiner obersten Gewalt.
Aber Kathi war rücksichtslos. Sie saß — nicht zum ersten Male — mit dem Jungen breit in der Sänfte.
„Sehen Sie," sagte die Dienerin zur überraschten Herrin, „des Dacherl schlägt man zurück und sitzt bann in dem Kasten so mollig und sicher wie in Abraham» Schoß, und da» Buberl kann nicht raus- und nicht runterfallen. Und das Buberl hat den alten Kasten halt gar so gern. Wenn ich in der Kutschen sitz', lacht er, und dann wird er mäuschenstill und zwickt die Augerln zu und schläft wie ein Ratz."
„Und Sie schlafen auch."
Das wär' heut kein Wunder, meinte Kathi. Auch die Gnädige sehe matt und übel aus. Und auch aus einem andern Grunde wär'» besser gewesen, daheim zu bleiben, denn — Kathi dämpfte die Stimme und winkle mit den Augen nach oben — „droben geht'» drunter und drüber. Kaum waren Sie draußen, ging der Spektakel los. Die Frau Doktorin und der Doktor haben sich ganz fürchterlich gezankt. Dann ist der gnä' Herr