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errettet Kreisblatt.
Gratisbeilagen: „JÜnstrirtes Sonntagsblatt" und »Lllustrirte Landwirtschaftliche Beilage-
3ts* Fernsprecher Nr. 8.
m Sie«Pat it« 13. Steiler 1901
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 9. Dezember 1904.
Bei der Landesheilansialt, Heilanstalt für Geisteskranke, Marburg sind bisweilen Pflegerinnenstellen zu besetzen. Die Herrn Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden werden hierauf mit der Veranlassung aufmerksam gemacht, von Zeit zu Zeit ihren Gemeinden hiervon in geeigneter Weise Kenntnis zu geben.
Bewerberinnen, nicht unter 18 Jahren, müssen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse bei dem Direktor der Landesheilanstalt melden.
Die Vergütung beträgt neben freiem Unterhalt und einem Diensikleid zunächst jährlich 250 Mark und steigt alle zwei Jahre um 50 Mark bis zum Höchstbetrage von 450 Mark. Nach fünfjähriger einwandsfreier Dienst, führung kann eine Prämie von 300 Mk. gewährt werden. I. I. 9075, Der Königliche Landral
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Nichtamtlicher Teil.
Politische Erziehung.
In der kräftigen 'Und schlagenden Abfertigung, die der Reichskanzler Graf v. Bülow den Reden der Abgeordneten Bebel und v. Vollmar in der Etatsdebatte des Reichstags zu teil werden ließ, spielte unser Verhältnis zu Rußland eine erhebliche Rolls. Bebel ließ allen seinen Fanatismus los, um die russische Regierung in Grund und Boden zu verdammen, und sein Kollege v. Vollmar bestätigte ausdrücklich, daß die ganze Sozialdemokratie aufs dringendste den Umsturz der bestehenden Ordnung in Rußland wünsche. Die Sozialdemokratie hat es aber nicht bei den Wünschen bewenden lassen, Graf v Bülow
Der Fraurnbarbier.
Erzählung von Johannes Dose.
(Fortsetzung.)
Obgleich der Gärtner fleißiger als je der Flasche zu- sprach, schrie eine Stimme, die er nicht zum Schweigenbringen konnte, ihm ins Ohr: Du bist zum Diebe ge- worden, zum Diebe! Wessen war die Stimme, wo doch keine Menschenseele war? Wohl des Herrgotts, der vor vielen Jahrtausenden in dem ersten Garten dieser Erde rief: Adam, wo bist du?
Heine schwitzte, nicht von der Arbeit, sondern von der innerlichen Unruhe, die ihn ängstigte, horchte mit seinem bösen Gewissen auf jeden Schritt und lugt von unten über die Hecke.
Plötzlich entfiel die Hacke seinen Händen. Jenseits der Hecke stand der Amtsvorsteher und rief lächelnd hinüber: „Sag mal, Heine, ist es war, daß du deinem Brotherrn sechs Kohlköpfe gestohlen hast? Das ist wohl nur eine niederträchtige Verleumdung?" Der AmtSvor- steher reckte den Hals und lachte nicht mehr, sondern runzelte die Brauen. „Nein, nun wirst du mir verdächtig."
Heine war bei dem Anruf kreideweiß geworden und schlotterte am ganzen Leibe. Die zusammengebiffenen Zähne öffnend, stotterte er mühsam: „Es ist wahr — der Branntwein — hat mich so weit gebracht."
»Heine, Heine, das war ein dummer und ein schlechter Streich, ich kann dir leider nicht helfen, — die Suppe, d" du dir eingebrockt, mußt du essen."
hielt ihr vor, daß sie nach dem politischen Ergebnisse des KönigSberger Prozesses aktiv die russischen Revolutionäre unterstütze.
Gewiß sindßdie innern Zustände Rußlands im hohen Grade reformbedürftig, aber welchen Beruf haben wir dazu, in die Verhältnisse eines fremden Reiches einzu- greifen ? Es zeigt sich hier aufs deutlichste der inter- nationale, friedenstörende und der Wirkung nach vater- landsseindliche Charakter der Sozialdemokratie. Die Versicherung der Bebel und Genossen, daß sie den Krieg verabscheuen, ändert daran nichts. Hätten sie die Macht in Deutschland, so würden wir mit ihrem Bestreben, die Freiheit nach Rußland zu importieren, die Freiheit, die nicht einmal in ihren eigenen Reihen herrscht, ganz sicher in einen Krieg mit Rußland hineintreiben.
Graf ö. Bülow beschränkte sich aber nicht darauf, nur der Sozialdemokratie ihr unverantwortliches und gefährliches Treiben vorzuhalten, er verallgemeinerte das Thema und sprach von den Pflichten, deren sich jeder Politiker, mag er in der Regierung selbst oder in Parlament und Presse tätig sein, in auswärtigen Fragen bewußt bleiben sollte.
Der Krieg zwischen Japan und Rußland.
Aus Schanghai wird gemeldet, die T r u p p e n von Port Arthur hätten sich mit Ausnahme der Besatzungen der Fgrts auf die Halbinsel Liautischan z u- r >1 ck g e z o g e n. Die japanischen Arbeiten für den Angriff auf die Fortslinie bei Sungtschuschan gingen sehr schnell vor sich, die Forts bei Taigangkan werden vom 203 Meter-Hügel beherrscht. Nach Tokioter Meldungen ist es noch unsicher, ob die „Sebastopol" beschädigt wurde. Torpedobootszerstörer hat man nicht gesehen, und man glaubt, daß sie einen Ausfall unternehmen werden. Es verlautet, daß Togos Flotte an dem Bombardement auf die russischen Schiffe teilnahm.
Im äußersten Westen des mandschurischen Kriegsschauplatzes, am Liaufluffe, hat ein größerer Zusammen- stoß stattgefunden, der anfangs für die Japaner günstig verlief, während sie nachher in eine schwierige Lage gekommen zu sein scheinen. RussischerseitS war vermutlich das Detachement des Generals Kossakowski beteiligt, das vor längerer Zeit zur Deckung der rechten Flanke
„Bringen Sie mich gleich ins Gefängnis!"
„Nein, weil es sich um ein geringes Eigentumsvergehen handelt, werde ich dich nicht verhaften lassen, aber die Anzeige darf ich nicht unterlassen,"
Heine Henfen blieb auf freiem Fuße. Eine halbe Stunde stand er starr wie eine Säule. Dann ergriff er die Flasche mit dem Feuerwasser und zerschellte sie auf einem Steine, zog seinen Rock an und rannte nach Hause. Hier gab er sich der trübsten und trostlosesten Verzweiflung hin, bis er die gerungenen Hände erhob undXein Gebet der Kindheit in seinem Geiste aufstieg. Das sprach er sich unablässig vor: „Will Satan mich verschlingen, so laß die Englein singen: dies Kind soll wohl be- wahret sein.
Ein neues Lauffeuer ging in weniger als einer halben Stunde durch ganz Hettstedt. Der lange Peter, der geizig war und nur alle Sonnabend ein Groschen Barbiergeld ausgab, ging in das Haus, welches ein Becken als Wappen führt und ließ sich mitten in der Woche rasieren, als wenn er sich zu einem Feste schmücken wolle. Still- vergnügt und breitmäulig lachte er vor sich hin, während er eingeseifl wurde.
„Magst du Seifenschaum?' spottete Dortje, „sonst mach den Mund zu!'
Er konnte das widerliche Lachen nicht lassen.
„Warum grinst du? Habe ich mich schwarz gemacht in der Küche?"
„Nein, du bist eine von denen, die sich gewaschen und gekämmt haben, aber hast du gehöil?'
„Gehört?"
und zur Behinderung der japanischen Schiffahrt auf dem Linau entsandt worden war; die japanischen Truppen gehörten der Armee Okus an.
Nach einer Meldung aus Tientsin hat General Oku durch ein dreitägiges Bombardement die kleine, aber hohe Insel Caschan im Liaufluffe, 60 Kilometer von Liaujang, unhaltbar gemacht. Die Ruffen zogen sich am Sonntag I2V2 Kilometer nordwestlich in eine befestigte Stellung zurück, eine Menge von Vorräten und ver. schieden- Geschütze im Stich lassend. Sie beschossen heftig die japanische Linie und setzten am Dienstag die Kerosinlager in Brand, wodurch eine Feuersbrunst entstand, die bis Mittwoch andauerte. Die Japaner sollen 5000 Mann verloren haben, verteidigten aber mit schwachen Kräften tapfer ihre Stellung.
Die Vernichtung der russischen Flotte in Port Arthur schreitet unaufhaltsam vorwärts. Der Kommandant der japanischen SchiffSartillerie meldet darüber unter dem gestrigen Datum nach Toiko folgendes:
Durch die Beschießung am 9. d. M. wurde die „Bajan" in Flammen gesetzt; sie fiel darauf 25 Grad nach Backbord über und kenterte beinahe. Die „Retwi- san" und „Poltawa" sind bei Hochwasser bis zum Kommandoturm unter Wasser. Die „Pallada" und „Pob, jeda" haben sich stark nach Backbort, beziehungsweise Steuerbord übergelegt und zeigen so ihren Rumpf, der sonst unterhalb der Wasserlinie liegt; bei Hochwasser ist ein Teil ihres Oberdecks unter Wasser. Die „Pereswjet" ist bei Hochwasser am Heck bis zum Gang, am Bug bis zu dem über Wasser liegenden Torpedorohr unter Wasser. Die „Giljak" liegt dicht unter Land, hat starke Schlagseite, und man glaubt, daß sie auf Grund sitzt. Die „Ssewastopol" verlegte bei Tagesanbruch ihren Anker- platz nach der äußeren Reede, vermutlich um unseren Schüssen aus dem Wege zu gehen.
Die japanische Gesandtschaft erhielt folgendes amtliche Telegramm aus Tokio: Der Kommandeur des dritten Geschwaders berichtet, daß der Kreuzer „S a i y e n" von 1344 Tonnen am 30. November beim Zusammenwirken mit der Armee und der Blockade von Port Arthur nahe bei der Festung auf eine russische mechanische Mine stieß und unterging. Die Be- satzung einschließlich des Kapitäns Tajima wurde gerettet, ausgenommen 38 Mann.
„Heine Hensen will ja verreisen."
Ihre Hände fingen an zu zittern bei diesen Worten. „Wa—a8 ? Und wohin will er verreisen ?"
Peter bewegte die Lippen und murmelte unter dem Messer: „Nach dem Zuchthaus in Rendsburg, er hat den Pastor bestohlen."
Er konnte einen Lachlaut nicht bezwingen — da schnitt sie ihn mit der unsicheren Hand ins Kinn. „Nun hast du deinen Lohn du Lügenmaul!"
„Oho," grunzte er, „der Gendarm hat ihn schon ab- geholt."
Die Zähne zusammenbeißend, beendet sie ihr Werk und trat zornig zurück. „Mach', daß du fortkommst, und laß dich rasieren wo du willst, aber nicht bei mir I"
Hinter ihm verschloß Dortje mitten am Tage, was sie noch nie getan, die Barbierstube von innen. Sie konnte keinen Menschen sehen und ging Händeringend auf und ab.
„Mutti, warum weinst du?" fragte Trete.
„O, ich bin so unglücklich! Der arme Heine!"
Das Kind begann mit der Mutter um die Wette zu weinen.
„Sei ruhig, mein Liebling, und bleib hier still auf dem Stuhl sitzen, ich komme gleich wieder."
Frau Drescher richtete sich resolut auf, trocknete die Tränen, war ein Tuch um und lief mit langen Schritten ins Pastorat, wo sie, ohne das „Herein" abzuwarlen, in das Studierzimmer des Ehrwürdigen trat.
Der war erst heute vormittag rasiert und macht große Augen. Sie wurden noch größer, als er die erregte Ansprache hörte.