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Herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 16t Dienstag, den 7. Februar 1905t

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 1. Februar 1905.

Nachstehend werden die vom Herrn Negierungr-Piäfi- denten in Gaffel unterm 23. Januar d. Js. erlassenen Bestimmungen, die Beaufstchtigung der Fleisch« und Trichi. nendeschauer betreffend, veröffentlicht. Die Herren OrtSvor- stände haben jedem der Letzteren durch Vorlage des Kreis« Mattes alsbald hiervon Kenntnis zu geben.

I. 780. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.

* * *

Beaufsichtigung der Fleischbeschauer und Trichinenbeschauer durch den De- partements-Tierarzt und die Kreis Tierärzte.

Auf Grund des § 48 B. B. A. vom 30. Mai 1902 unb 88 75 und 7 7 der A. B. J. vom 20. März 1903 bestimme ich Nachstehendes:

1. Die fachmännische Kontrolle der gesamten Tätigkeit der Fleischbeschauer wird vorgenommen

1. soweit es sich um die nicht tierärztlichen Beschauer handelt, von den KreiStierärzten innerhalb ihrer Amts­bezirke ;

2. soweit es sich um die tierärztlichen Beschauer (einschließ­lich Schlachthoftierärzte) handelt, von dem Departe- mentstierarzte.

Letzterer ist berechtigt, auch die nicht tierärztlichen Be­schauer einer Kontrolle zu unterziehen.

II £ie Revisionen sind mindestens alle 2 Jahre, ohne besondere Veranlaffung nicht häufiger als jedes Jahr ein­mal, jedesfalls es sei denn in einem besonderen Auf­trage nicht öfter als 2 Mal in jedem Jahre, und zwar tunlichst bei Gelegenheit anderer Dienstreisen, oder, falls dies nicht zu ermöglichen ist, nur auf Rundreisen auszu- führen.

Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob

a. die nichttierärztlichen Beschauer noch die Befähigung zur Ausübung der Beschau besitzen,

b. die Ausrüstung des Beschauers (Mikroskope, Messer, Beschaustempel rc.) sich in vorschriftsmäßigem und gutem Zustande befindet,

c. die Beschaubüchern (§ 47 b. B. B. A. vom 30. Juni 1900 ordnungsmäßig geführt sind und die statistischen Zusammenstellungen mit den Eintragungen in den Beschaubücher übereinstimmen (vergl. meine Verfüg­ung vom 19. Januar 1904 A. II. 394),

d. in den Fällen, in denen der Beschauer die ihm zustehen­den Gebühren selbst erhebt oder seitens der Gemeinde mit der Erhebung betraut ist, die Gebühren-Erhebung ordnungsmäßig erfolgt ist.

e. die sonstigen Vorschriften über die Schlachtvieh- und

Der Stern des weissen Dauses. Roman von J. I n e s.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Und während sie ihre Geschichte erzählte, war ein ihr völlig neues Gefühl der Scham in ihrem Herzen erwacht und gleichzeitig mit diesem ein weit größerer Stolz. In dem neuen, rätselhaften Licht lag seine Seele wie ein aufgeschlagenes Buch vor ihr. Sie sah ihn, wie er war; schwach, schwankend, un­entschlossen, zerrissen von den widerstreitendsten Wünschen. Sie sah, daß seine Liebe zu ihr, seine selbstsüchtige Neigung, in hartem Kampfe lag mit seiner Furcht ja, es war Furcht vor dem Mißfallen seiner Mutter und der Meinung der Welt. Sein Ehrenwort aber fesselte ihn mit all ihren Banden an Hilda und deshalb war er bereit, sich zu opfern so sah er die Lage der Dinge an und Hilda wußte es. Das Mädchen, welches bis dahin ein Kind gewesen, gewann in dieser Stunde die Kraft des Weibes. Sie erkannte an dem leisen Wechsel in seinem Wesen, wie bitter seine empfindliche Natur die Schmach empfand, welche er mit ihr empfing, aus deren Geburt ein Schatten ruhte. Vielleicht war es natürlich und verzeihlich, daß er so fühlte; sie aber empfand jetzt nichts weiter als bittere Verachtung.

Sie wollte nun sein Weib nicht werden. Sie wollte nicht, daß er sie heiratete, nur weil er sich als Ehrenmann dazu versuchtet fühlte. Das sagte sie ihm, ohne das leiseste Beben in der jungen, klaren Stimme, ohne das leiseste Be- dauern in ihren ehrlichen Augen, und als er sie so reden hörte, wie nie zuvor, konnte er sich nicht verhehlen, daß sie ivürdig wäre, die Braut eines Königs zu sein, daß ihr reiner, edler, starker Charakter viel höher stand als der seine, daß er mit all dem Stolz auf feine Geburt, seinen Reichtum seiner männlichen Kraft nicht wert war, den Saum ihres Kleides zu berühren.

Er hatte keine Silbe als Antwort. Schivcigend wendete er sich zum Gehen, obgleich sich jede Faser seines Herzens dagegen auflehnte. Noch nie hatte er sie so geliebt wie in diesem Moment. Auf der Schwelle kehrte er' noch einmal

Fleischbeschau sowohl seitens der Beschauer als auch der Tierbesitzer eingehalten werden.

Der revidierende Tierarzt hat, soweit irgend möglich, der Ausführung einer Schlachtvieh, und Fleischbeschau durch den Beschauer beizuwohnen oder ein von diesem untersuchtes Tier nachzuuntersuchen.

III. Die beamteten Tierärzte haben, abgesehen von der unter Nr. II. vorgeschriebenen regelmäßigen Revision bei jeder sich außerdem bietenden Gelegenheit, insbesondere auf ihren Dienstreisen und bei sonstiger Anwesenheit am Wohn­orte eines Beschauers, sich von der ordnungsmäßigen Aus' führung der Beschau rc. zu überzeugen.

IV. Die beamteten Tierärzte haben über die von ihnen zu beaufsichtigenden Beschauer Listen zu führen, die durch Eintragung aller Veränderungen stets auf dem Laufenden zu halten sind, und in welche das Datum der von ihnen vorgenommenen Revisionen, sowie die wichtigeren dabei ge­machten Beobachtungen zu vermerken sind,

V. Werden bei den Revisionen Mängel vorgesunden, welche einer beschleunigten Abhilfe bedürfen, so ist hiervon dem zuständigen Landrat, in Städten mit mehr als 10000 Einwohnern der Ortspolizetbehörde unverzüglich Anzeige zu machen.

VI. Die vorstehenden Bestimmungen finden auf die Re­vision der Trichinenschauer sinngemäß Anwendung mit der Maßgabe, daß die Revisionen tunlichst und, soweit nicht aus besonderen Gründen Abweichungen geboten erscheinen, mit den Nachprüfungen der Trichinenschauer zu verbinden sind. Gaffel, den 23. Januar 1905.

Der RegierungsPräfident.

Trott zu Solz.

Hersfeld, am 3. Februar 1905.

Diejenigen Herren Octsvorstände des Kreises, welche mit der Erledigung der nachstehenden Verfügungen und zwar: 1. vom 25. Mai 1878 (im Kreisblatt Nr. 43) resp, vom 18 Dezember 1878 I. Nr. 12674 (im Kreisblatt Nr. 102) betr. die in den Gemeinden vorhandenen bezw. untergebrachten verwahrlosten Kinder,

2. vom 1. März 1881 I. Nr. 2605 (im Kreisblatt Nr. 19) betr. Einreichung der Verzeichnisse der Per­sonen, welche gegen Entgeld fremde, noch nicht 6 Jahre alte Kinder in Kost und Logis haben,

3. vom 5. Juli 1882 I. Nr. 8773 (im Kreisblatt Nr. 53) betr. die Führung der Verzeichnisse der Feuer- wehrmannschaften,

4. vom 9. Februar 1884 I Nr. 1721(Kreisblatt Nr. 20) betr. Revision der FeuerungSanlagen rc.,

5. vom 3. Januar 1899 A. 24(Kreisblatt Nr 3) betr. die Berichtigung der Liste der Gemeindeglieder und sonstigen Stimmberechtigten sowie die Offenlegung der Wählerliste, noch im Rückstände sind, werden hiermit an die Einsendung

um, die Hände flehend nach ihr ausgestreckt, die Augen gramerfüll^ auf sie gerichtet.

Hilda, meine Hilda, ich muß von Dir gehen," entrang es sich seinem blutenden Herzen.

Ihre Lippen waren wie Marmor, ihre Zunge blieb stumm. Ihr edles Empfinden zwang sie, zu entsagen.

So schieden Werner von Rohlingen und Hilda Korneck von einander.

20.

Wenn sie nur meinen wollte! Es bricht mir das Herz, sie so still und mit einem solchen Blick in dem armen, bleichen Gesicht einhergehen zu sehen." So sprach Ulrike Treuhofer zu ihrem Neffen Stefan Korneck, und schweigend wendete der Seemann das gebräunte Antlitz ab.

Sie klagt niemals," fuhr die alte Dame bekümmert fort, aber man sieht ihr an, daß ihr das Herz bricht. Essen tut sie so gut wie nichts und Ruhe gönnt sie sich keine Minute. Sie arbeitet vom frühen Morgen bis in die späte Nacht hinein; eine Träne aber vergießt sie nicht. Das ist nicht natürlich."

Wo ist sie?"

Oben, am Wäscheschrank. Sie ahnt nichts davon, daß Dn hier bist. Wie froh bin ich, daß Dn tarnst; Deine Gegenwart wirb ihr guttun, dem armen Ding.

Der Kapitän verließ das Zimmer. Mit leisem Tritt stieg er die Treppe hinauf. Die Türe zu der Vorratskammer stand offen. Drinnen vor dem Wäscheschrank kniete Hilda. Ihr Kopf war leicht nach vorn geneigt und ruhte auf dem gegen den Schränk gelehnten Arm. Der Mann, dessen Augen jetzt aus ihr ruhten, war heftig erschüttert, als er sah, wie bleich ihre Wangen geworden; das schöne Haar, welches, als er sie zuletzt gesehen hatte, wie goldene Wellen über ihre Schultern hcrabgeflutet war, lag ihr jetzt, zu einem schweren Knoten gedreht, im Nacken. Die herabhängende Hand war dünner und schmaler als früher. Die größte Veränderung war aber in ihren Zügen vorgegangen. Die kindliche Unbefangenheit, die lachende Freudigkeit, die glückliche Unschuld waren dahin und an ihrer Statt ein rnhiger Ernst, eine harte, hoffnungs­lose Bitterkeit getreten.

der diesbezüglichen Berichte mit Frist bis zum 10. d. Mt» erinnert.

Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Aonigliches Landratsamt.

Sprechstunve r Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

Im Jahre 1905 finden an der Königl. Lehranstalt für Wein«, Obst- und Gartenbau zu Geisenheim a. RH. fol­gende Unterrichtskurse statt:

1. Oesfentlicher Reblauskursus vom 23. bis 25. Februar 1905. 2. Obstbaukursus in der Zeit vom 23. Februar bis 15. März 1905. 3. Baumwärterkursus vom 23. Februar bis 15. März 1905. 4. Obstweinkursus vom 20. bis 29. März 1905. 5. Hefekursus vom 19. Juni bis 1. Juli 1905. 6. Analysenkursus vom 3. bis 15. Juli 1905. 7. Obstbau- und 8. Baumwärter-Nachkursus vom 14. bis 19. August 1905. 9. Obstverwertungskursus für Männer vom 21. bis 26. August 1905. 10. Obstverwertungskursus für Frauen vom 28. August bis 2. Septbr. 1905.

Das Unterrichtshonorar beträgt: für Kursus 2 für Preußen 20 M., für Nichtpreußen (auch Lehrer) 30 M., Preußische Lehrev sind frei. Personen, die lediglich am Nachkursus (Nr. 7) teiln eh - men, zahlen 8 M., Nichtpreußen 12 M. Für Kursus 3.: Preußen sind frei, Nichtpreußen zahlen 10 M., wenn sie nur am Nachlur- sus (Nr. 8) teilnehmen, 5 M. Für Kursus 4: für Preußen 20 M., für Nichtpreußen 25 M außerdem für Reagentien pp. 20 M., für Bedienung 1 M. Für Kursus 5 und 6 : für Preußen 20 M. für Nichtpreußen 25 M. Außerdem für Reagentien 20 M für Bedienung 1 M. Für Kursus 9 und 10: für Preußen 6 M., für Nichtpreußen 9 M. Kursus l^rst-fistei.

Anmeldungen sind zu richten bezüglich der Kurse 2, 3 und 7 bis 10 an die Direktion, bezüglich der Kurse 4 und 6 an den Vor­stand der önochemischen Versuchsstation und bezügl. des Kursus 5 an den Vorstand der pflanzenphystologischen Versuchsstation. Wegen Zulassung zum Reblauskursus . wende man sich an den zuständigen Herrn Oberpräsidenten.

Geisenheim, den 28. Dezember 1904.

Der Direktor Pros. Dr. Hartmann.

nichtamtlicher Ceil.

Wann treten die neuen Handelsverträge in Kraft?

Nach einer Besprechung im Seniorenkonvent wird der Reichs­tag am Donnerstag, den 9. Februar, die erste Lesung der Han­delsverträge beginnen. Danach erscheint es kaum möglich, 'daß die Beratungen bis zum 15. Februar zu Ende gebracht werden. Die erste Lesung wird mehrere Sitzungen in Anspruch nehmen, und daraus soll die Vorlage noch in eine Kommission gehen. Natürlich hat auch die Regierung kein Interesse daran, daß die Handelsverträge im Reichstage durchgepeitscht wer­den. Immerhin hätte die Vorlage ohne übertriebene Hast bis zum 15. Februar durchberaten werden können, wenn die erste

Stefan berührte die Klinke. Leicht zusammenfahrend wendete sie den Kopf nach der Türe. Einen Moment ließ sie die Augen zerstreut auf ihm ruhen, dann plötzlich leuchtete es in ihnen aus und heiße Glut ergoß sich ihr über Stirn und Wangen. Sie sprang auf ihre Füße und mit dem durchdringenden SchreiVater" sank sie an seine Brust und weinte.

Ja, jetzt konnte sie weinen. Wie ein Sommerregen floffen die.segensreichen Tränen. Die Bitterkeit und der Schmerz und all die unsagbare Qual machten sich Lust. Die arme, umherirrende, sturmbewegte Seele hatte an der treuen Brust eine Zufluchtsstätte gefunden. Das einzige Gefühl, welches sie im ersten Moment dieses Wiedersehens empfand, war das er­sehnter Ruhe und Erleichterung. Nun Stefan Kornecks starke Arme sie umfaßten, feine zärtlichen Lippen schweigend auf ihrer Stirn und seine Hand tröstend auf ihrem Haupte ruhte, da vergaß sie, wie unrecht sie gehandelt, wie sie die Liebe und Sorge vieler Jahre mit Undank gelohnt hatte. Sie wußte nur, daß sie einer vom Sturm umhergetriebeuen Barke gleich in den sichern Hafen eingelaufen war und ihre Seele Ruhe gesunden hatte. Dann kam die Erinnerung und in ver­doppelter Größe stand ihre Sünde vor ihr. Aus seiner Um­armung ließ sie sich zu Boden niedergleiten, und dort zu seinen Füßen schluchzte sie ihre Bitte um Vergebung hervor.

Er hob sie auf und sprach ihr Trost zu;seine kleine Tochter" nannte er sie, wie in den alten Tagen, wo sie ihm auf die Kniee geklettert war und ihre kleinen Arme um seinen Hals geschlungen hatte.

So in seinen Armen ruhend beichtete sie ihm ihre Sünde.

Und Du schlugst es aus, die Gemahlin des Barons Werner von Rohlingen zu werden, Hilda?" frug er dann teilnehmend.

Ja, ich schlug es aus."

Und Du tatest wohl daran."

Ich bin aber schwer dafür gestraft, Vater," stammelte sie.

Der Schwächling!" murmelte Stefan.

Was sagen die Leute von mir ?" flüsterte sie.

Mögen sie sagen, was sie wollen, Hilda," antwortete er, sie zärtlich an sich drückend.