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herrselder Nreizblatt
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 19t Dienstag, den 14t Februar ~ 1905t
nichtamtlicher teil.
Jer «ufftanii IMWW
Berlin, 11. Februar. Nach Meldung des Generals von Trotha ging am 5. Februar Hauptmann Morath mit der 5. Kompagnie Feldregiments 2 und 2 Geschützen der 5. Batterie von der Abteilung Meister gegen Nunub vor. Dieser Ort wurde nach kurzem Artilleriefeuer von etwa 200 WitboiS und Herero in eiliger Flucht nach Osten und Südosten verlassen. Nunub wurde besetzt. Der Feind ist anscheinend nach dem Naffob abgezogen. Major von Lengerke setzt von Westen, der Posten in Aminuis (100 Kilometer nordöstlich Nanub) von Osten her die Aufklärung gegen den Nossobfluß fort. In Aminuis ist eine Postterung von 30 Mann, die von der Besatzung Gobabi« Verstärkung erhalten sollte. Ob diese schon eingetroffen ist, ist noch nicht bekannt. Die Verpflegung der Truppen stößt auf Schwierigkeiten, weil die Ochsengespanne in dem Dünengelände versagen. Die Beweglichkeit der am Auob stehenden Truppen ist durch sehr starken Verlust an Pferden beeinträchtigt. Lengerke und Meister haben zusammen rund 800 Pferde und Esel als Nachersatz bean- tragt, deren Heranführung nur langsam von statten geht, da die Etappenstraßen mit Transporten aller Art stark belegt und Waffervorräte nur für beschränkte Anzahl von Tieren ausreichen. Besserung erst nach Ausführung der im Gange befindlichen Bohrarbeiten zu erwarten. — Die Maschinengewehrabteilung Dürr hat am 7. Februar den Marsch von Windhuk über Rehoboth nach dem Süden an« getreten.
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Die Lage im Ruhrkohlengebiet, wo der Bergmannsstreik teilweise beendet zu sein schien, hat sich durch das Verhalten der Grubenbesitzer plötzlich erneut ve r- schärft. In Bochum liefen ununterbrochen Meldungen von Maßregelungen und angekündigten Lohnherabsetzungen durch die Zechenverwaltungen ein. Letztere schickten taufende von Arbeitswilligen wieder fort. Aus verschiedenen Zechen, z B. Hannover, wurde einer Anzahl von Arbeitern erklärt, sie würden überhaupt niemals wieder eingestellt. Die Belegschaften der betreffenden Zechen beschlossen daher, weiter zu streiken. In einer zu Essen abgehaltenen Bergarbeiter- versammlung gab Reichstagsabgeordneter Hue die Parole aus: .Es wird weitergestreikt!" Die Siebener-Kommisston wurde sofort zusammenberufen. Indessen haben stch zahlreiche andere Belegschaften für Wiederaufnahme der Arbeit ausgesprochen. UebrigenS hat Effertz-Bochum, einer der Vertrauensmänner der Streikenden, telegraphisch die Hilfe des Reichskanzlers angerufen. Auf der Zeche Propser in
Der Stern des weisst« Dauses.
Roman von J. I n e s.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
So lauteten die Worte, welche Werner las und über die er die ganze Nacht hindurchsann, während der Novembersturm das Haus umheulte und das Feuer matter wurde, allmählich verlöschte und nur einen grauen Aschenhaufen zurückließ. Nur langsam ward es ihm voll Entsetzen klar, daß er, der vor dem leisesten Schatten von Unehre zurückgeschreckt war, jetzt eine Schmach ertragen mußte, so groß, daß er sie nicht ins Auge zu fassen wagte. Und eben diese Schmach war die Folge der Schuld feiner Mutter — seiner Mutter, an der er mit einer an Vergötterung grenzenden Liebe gehangen, auf deren Anstisten er sein Leben und das der Geliebten zu Grunde gerichtet hatte.
Melanie von Roßlingen hatte recht gehabt mit der Voraussetzung, daß ihr Sohn das von ihr begangene Unrecht würde gut zu machen suchen, gleichviel was es ihn kostete. Er war nicht der Mann, der einen Betrug fortdauern ließ, wenn ein Wort von ihm denselben mit der Wahrheit vertauschen konnte.
Ja, er wollte das Unrecht wieder gut machen. An der grauen Asche im Kamin sann er über alles nach. Nur ein einziges Mal während des langen, langen Zwiespaltes seiner Gedanken hatte der Versucher ihm zugeraunt: „Laß die Dinge gehen, wie sie sind. Das Unrecht ist begraben, warum es mis ferner Gruft emporheben, zu Tage fördern und damit Schmach und Schande über dich bringen. Kein Mensch weiß davon und es war ja nicht dein Werk. Warum auf dich die Last einer fremden Sünde laden?"
^och er widerstand der Versuchung. Er kämpste einen harten Kampf mit sich, ging aber siegreich, wenn auch schwer verwundet aus demselben hervor. Er wendete sich der Wahrheit zu, und obgleich der Weg öde lind dornig war, während icncr, nach welchem der Versucher deutete, blumig und in hellem Sonnenschein dalag, so schaute er doch nach deck letzteren nicht
Bottrop fand ein Zusammenstoß zwischen Streikenden und der Gendarmerie statt. Auf beiden Seiten gab es Verletzte.
Bochum, 11. Februar. Die Siebener-Kommisston ist um V2IO Uhr hier zusammengetreten. Es machen stch Stimmen dafür gellend, daß der Kamps auf denjenigen Gruben, wo Maßregelungen in größerem Umfange erfolgen, fortgesetzt werde. Von zahlreichen Zechen liegen bereits Meldungen über Zurückweisung von Arbeitswilligen sowie über Reduktion der Gedingesätze vor, die den Arbeitern zugemutet werden. Trotzdem beschloß die Siebener-Kommisston, daß bis auf weiteres die Entscheidung der Delegierten-Konferenz vom Donnerstag ihre Gültigkeit behält.
Gleichzeitig wurde beschlossen, die Regierung zu ersuchen, dahin zu wirken, daß den Bergleuten keine Schwierigkeiten bereitet werden, wenn sie die Arbeit wieder ausnehmen wollen.
Wie überaus ernst die Lage stch wieder gestaltet hat, ergibt die folgende Meldung:
Alten essen, 11. Februar. Von der Siebener- Kommisston ist nachstehendes Telegramm an die Regierungs- Präsidenten in Arnsberg und Düsseldorf gerichtet worden: Die am 9. b. M. stattgefundene Revierkonferenz der Delegierten beschloß, die Arbeit wieder aufzunehmen. Sie hat damit dem Wunsche des Reichskanzlers entsprochen. Bei der heutigen Meldung zur Einfahrt wurde den Arbeitern auf mehreren Zechen massenhaft die Abkehr ein- gehändigt. Das führt zu großer Erregung und es ist deshalb das Schlimmste zu befürchten. Wir bitten deshalb Euer Hochwohlgeboren, bei maßgebender Stelle dahin wirken zu wollen, daß diese Provokationen unterbleiben.
Essen, 11. Februar. Der Bergbauverein gibt folgen- tes bekannt: Die Behauptung, die Zechen des hiesigen Reviers beabsichtigten mit einer planmäßigen massenhaften Abkehr von Bergleuten vorzugehen, ist frei erfunden. Die Zechenverwaltungen find, wie es die regelmäßige Folge eines jeden Streiks von längerer Dauer ist, nicht in der Lage, sofort nach Beendigung des Ausstandes die Belegschaften in alter Stärke wieder anzulegen. Die Strecken unter Tage müssen zunächst wieder aufgewältigt und in betriebsfähigen Zustand gebracht werden, ehe mit der Arbeit vor Ort und mit der eigentlichen Gewinnung von Kohle begonnen werden kann. Bei diesen Aufräumungsarbeiten ist aber selbstverständlich nur ein Teil der Belegschaften und auch dieser nur im Schichtlohn beschäftigt. Ebenso natürlich ist es, daß es auf der einen Grube längerer Zeit bedarf als auf der anderen, um den ordnungsmäßigen Zustand wieder herzustellen.
Für die Aufrechterhaltung der Ruhe trotz der so jäh veränderten Situation verbürgt sich das Königliche Landratsamt in Essen. Es teilt mit, daß keineswegs
zurück, sondern ging festen Schrittes auf dem gewühlten Pfade vorwärts.
„Einmal bin ich schwach gewesen zu meinem Verderben," sagte er sich reuevoll. „Möge Gott mir helfen, in Zukunft stark zu sein!"
@r entwarf seinen Plan. Er wollte zu seinem Rechtsanwalt, dem Jnstizrat Straubinger gehen und ihm die Sache mitteilen.
Gleichzeitig gedachte er ihm den Trauschein von Holm von Gunslach und Annemarie Hagenbeck, sowie die wenigen Briefe vorzulegen, die sich auf die Angelegenheit bezogen und er unter den Papieren seiner Mutter gefunden hatte. Einen Brief, welchen Annemarie von Gunslach an ihren Mann geschrieben hatte und welcher 15 Monate nach ihrer Verhei- ratung datiert war, trug eine Adresse aus der Residenz.
Werner sagte sich sogleich, daß ihre, sowie des Kindes Spur von dieser Adresse aus zu verfolgen war und handelte danach.
„Mag Holm von Gunslachs Kind leben oder tot sein, ich werde es finden," lautete sein fester Entschluß. „Lebt es, so will ich es in die Erbschaft einsetzen, die ihm von Gottes und Rechtswegen zukommt, ist es tot, dann kann ich sie mit gutem Gewissen wieder zurücknehmen."
* *
*
Baron Werner hatte eine Unterredung in der Residenz mit dem Jnstizrat Straubinger und nach wenigen Tagen schon war in aller Stille eine ernste Nachsuchung im Gang nach der Frau und dem Kinde, welche Holm von Gunslach vor achtzehn Jahren in der Residenz verlassen hatte.
Baron Werner mietete sich in der Nähe von des Justizrats Bureau eine Privatwohnung, um im täglichen Verkehr mit ihm stehen zu können, denn es drängte ihn fieberhaft, die Sache erledigt zu sehen.
Eines Morgens händigte der Jnstizrat dem Baron die ihm überantworteten Papiere wieder ein. „Ich habe sie kopieren lassen und denke, es ist besser, wenn Sie die Originale wieder an sich nehmen."
Am Abend las nun der Baron der unglücklichen Annemarie von Gunslachs Brief, den sie an ihren Gemahl geschrieben
beabsichtigt sei, Militär in den Bezirk kommen zu lassen; die Ruhe werde überall aufrecht erhalten.
Essen (Ruhr), 11. Februar. Nach Mitteilungen, von informierter Seite find schätzungsweise heute 40- bis 50000 Mann mehr angefahren. Auf Gelsen, kirchen find unter Tage 8594 Mann von einer Belegschaft von 18 292 Mann und über Tage 3777 von 4934 Mann angefahren. Auf Schacht Hibernia sind 524 Mann, die gesamte Belegschaft angefahren. Auf dem Harpener Berg, werk ist heute Morgen über die Hälfte der Belegschaft angefahren, und auf den gesamten Stinnes'schen Zechen sind 2511 Bergarbeiter angefahren, während gestern 1974 ein- gefahren von einer Gesamtbelegschaft von 5639 Mann.
Der russisch-japanische Krieg.
Wie eine Meldung aus Tokio bestätigt, wird die tatsächliche Belagerung von Wladiwostok das Hauptziel der Japaner sein, sobald das Wetter milder wird. Man glaubt in Japan, Admiral Kamimura werde sich bemühen, sobald wieder eine Schlacht am Schaho im Gange ist, die Landverbindungen Wladiwostok» abzuschneiden. Die Japanische Regierung sorgt inzwischen auch über die Bedürf. Nisse des Augenblicks hinaus für die Erhaltung und Verstärkung der Wehrkraft. Es wird weiter gemeldet, daß sie vier Schlachtschiffe nach dem Muster der neuesten britischen Schiffe, also größten Typs, in Bestellung gegeben und auch Geschütze im Werte von 500,000 Pfd. St. in England bestellt hat.
L 0 n d 0 n, 11. Februar. Nach einer Depesche aus Port Louis auf Mauritius ist die Baltische Flotte noch in Nosst Bs im Nordoster. 00.. M—.-gask-ar. Sie sei ohne Nachrichten aus Petersburg. Zwischen Admiral Rojest. wenskij und den Führern der die Flotte begleitenden fremden Kohlenschiffe sei es zu Streitigkeiten gekommen; letztere wollten nicht weiter mitgehen.
Die russischen Streiswachen legten am 7. d. M. einen Hinterhalt und nahmen am rechten Ufer des Hunho zwei Japaner gefangen. Am 9. d. M. schlugen russische Jäger die Japaner von einer Anhöhe drei Werst südöstlich von Tunku zurück. — Dagegen meldet das Reutersche Bureau aus Tokio: Die Japaner haben am Donnerstag morgen eine Anhöhe südlich von Changchichia genommen und zwei Kompagnien russische Infanterie von dort vertrieben. Die Russen fahren fort, den linken Flügel und das Zentrum Oyamas zu beschießen. — An eine Offensive scheint vorläufig keiner der beiden Oberbefehlshaber zu denken, wenigstens darf man dies aus den Arbeiten schließen, die in den Vorpostenlinien beider Hesre ausgeführt werden.
hatte, noch einmal durch und während feine Augen auf den unzusammenhängenden aber leidenschaftlich zärtlichen Erinnerungen eines duldenden Lebens richten, da fragte er sich träumerisch, was für eine Frau jene Hufschmieds wohl gewesen sein mochte. War sie schön? Er glaubte es. Was sonst als Schönheit konnte ihr in Holms Augen Reiz ver- liehen und ihr Verderben herbeigeführt haben? Eins fiel ihm als sonderbar auf, daß gerade Lindenheim Annemarie Hagen- becks Geburtsort war. Von dort also hatte Holm von Gunslach seine Braut, die er später verlassen hatte, geholt, gerade so wie er auch.
Der Gedanke überwältigte ihn, er durchdrang ihm das Herz wie ein Schwert.
Hatte er nicht ebenso gehandelt ? War seine Sünde gegen Hilda geringer als die Holm von Gunslachs gegen sein Weib? Sie war ebenso groß, war größer noch, und das Gesicht in den Händen vergrabend, gab er zum erstenmal dein Druck seines Jammers und seiner Reue nach und weinte bitterlich.
Ach, könnte er die Tat ungeschehen machen, deren Folgen ihm das Leben verbitterten.
Wenn er seiner Liebe treu geblieben wäre, würde sie ihm jetzt in der Stunde der Demütigung und Sorge zur Seite stehen. Sie würde die edlen Augen — wie deutlich sah er diese Augen vor sich — zu ihm erheben und sich fester noch an ihn schmiegen, furchtlos, mutig, die ganze Welt verachtend, wenn er nur treu zu ihr hielt.
„Sie hätte es sein können." In jenen goldenen Sommer- tagen hatte er von Glück geträumt, aus Glück gehofft, aber Hoffen und Träume waren Kartenhäuser gewesen, die er mit eigener Hand zerstörte.
23.
In der Residenz fiel dichter Schnee. Die Leute, welche auf der Straße einander begrüßten, meinten, es wäre richtiges Weihuachtswcttcr. Alle waren bis an daS Kinn in warme Mäntel und Pelze gehüllt und die solche nicht besaßen, gingen mit klappernden Zähnen und steifen Gliedern durch die gefrorenen Straßen.