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Herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 23.
Donnerstag, den 23. Februar
1905.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 16. Februar 1905.
Zur Abhaltung des diesjährigen Ersatz-Geschäftes für den
Kreis Hersseld sind folgende Termine bestimmt worden:
Dienstag den 7. März d. I.,
von Morgens Va9 Uhr an, und zwar im Saale des Gastwirts Kroneberg zu Scbenklengsfeld,
Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Schenklengsfeld.
Mittwoch, den 8. März d. I., von Morgens V29 Uhr an, und zwar im Saale des Gastwirts Träger zu friedewald,
Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Amtsgerichtsbezirks Friedewald.
Donnerstag, den 9. März d. I, von Morgens V28 Uhr an, und zwar im Saale des Gastwirts B. Bolender zu
Bersfeld,
Musterung der Militärpflichtigen aus der Stadt Hersfeld.
Freitag, den 10* März d. I., von Morgens V28 Uhr an, in demselben Lokale,
Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden PP. des Amtsgerichtsbezirks Hersfeld.
Sonnabend, den 11. März d. I.,
s on Morgens 8 U hr an,
und zwar im Saale des Gastwirts jL J^ubn zu JSiederaula,
Musterung der Militärpflichtigen aus den Landgemeinden pp. des Aintsgerichtsbezirks Niederaula.
Montag, den 13. März d. I.,
von Morgens Va9 Uhr an, und zwar im Saale des Gastwirts B. Bolender zu
Bersfeld,
Loosung, sowie außerdem Zurückstellung derjenigen Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve sowie der ausgebildeten Landsturmpflichtigen des zweiten Aufgebots, welche wegen häuslicher, gewerblicher oder Familienverhält- nisse eine Zurückstellung für den Fall der Einberufung zu den Fahnen beanspruchen wollen. (§ 123 der Wehrordnung vom 22. November 1888).
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des Kreises werden angewiesen:
1. die militärpflichtigen Mannschaften ihrer Gemeinden rc. und zwar
a) die in der Zeit vom 1. Januar bis einschließlich 31. Dezember 1885 geborenen, soweit sie nicht bereits
Der Stern des missen Hauses.
Roman von 3. 3 n e 8.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Hilda hörte ihn schweigend an. Sie drückte kein Bedauern darüber aus, daß ihr Gewinn ihm Verlust brächte. Als er zu Ende war, dankte sie ihm gelassen für seine Mühe und Wcmer fühlte, daß die Unterredung zum Schluß gekommen war. Er stand auf, um zu gehen. Er wußte, daß sie sich nun für immer trennen würden, und der Gedanke erfüllte ihn mit namenlosem Schmerz. Von den widersteitendsten Gefühlen bewegt, sprach er endlich herzlich: „Ich würde Sie nicht belästigt haben, Baronesse, wenn ich es als Verwandter es nicht für meine Pflicht gehalten hätte, Sie persönlich zu sehen und mit Ihnen über die Sache zu reden. Gesetzlich bin ich als Ihr einziger älterer Verwandter auch Ihr Vormund ; Kapitän Korneck hat indessen bis jetzt diese Stellung ansgesüllt, und ich hege nicht die Absicht, ihn derselben zu berauben. Sie sind in seinen Händen besser ausgehoben als in den meinen" — seine Stimme bebte bei diesen Worten ein wenig — aber wenn — wenn Sie später einmal einer Hilfe, eines Schutzes bedürfen, den ein Mann Ihnen leisten kann, dann zögern Sie nicht, sich an mich als Ihren Verwandten zu wenden, und seien Sie versichert, daß ich Ihren leisesten Wünschen gehorchen werde. Und sollten Meere zwischen uns festen, so werde ich Ihrem Ruf folgen, und wenn es nötig Ihnen mit meinem Leben dienen."
Sie Worte verhallten und tiefe Stille folgte ihnen.
„Vielleicht sehen wir uns auf dieser Welt nicht wieder," hob er nach einer Weile wieder an, und hohl drang seine Summe an Hiloas Ohr; unsere Lebenswege führen auseinander, deshalb lassen Sie mich, bevor wir uns trennen, bitten, verstorbenen Mutter die Sünde zu vergeben, welche sie an Ihrer Mutter und an Ihnen beging. Ich habe dieselbe gut zu machen gesucht, so weit es in meinen Kräften stand, und wenn ich dnrch mein Leben die Schuld sühnen könnte, deren Folgen Sie achtzehn Jahre tragen mußten, dann würde ich es mit Freuden hingeben."
in das Militär eingestellt sind oder einen Ausstand erhalten haben,
b) die in den Jahren 1884, 1883 und 1882 oder früher geborenen,, welche bei den Ersatz-Geschäften des vorigen Jahres zurückgestellt, überzählig geblieben oder gar nicht erschienen sind, und demnach über ihr Militärverhältnis noch keine feste Bestimmung erhalten haben, zu den vorbezeichneten Musterungsterminen vorzuladen.
2. dafür zu sorgen, daß diejenigen Personen, zu deren Gunsten eine Zurück stellung b ezw. Befreiung vom Militärdienst beansprucht wird, sich im Musterungstermine ebenfalls ein finden,
3. in den Terminen s ich persönlich einzu finden und so langezurStellezusein.bissämt- liche Militärpflichtige der betreffenden Gemeinde g emust er t sind. JmFalleeiner Verhinderung ist für die Anwesenheit eines Stellvertreters Sorge zu tragen.
4. für rechtzeitige Gestellung der Militärpflichtigen rc. zum Ersatz-Geschäft Sorge zu tragen und denselben ausdrücklich zu eröffnen, daß sie mit sauberem Körper und reiner Wäjchezu erscheinen haben.
Militärpflichtige, welche ohne genügenden Entschuldigungsgrund im Musterungstermine nicht erscheinen oder bei Auf- rusung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwesend sind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Hast bis zu drei Tagen bestraft; außerdem können ihnen die Vorteile der Loosung entzogen werden. Ist die Versäumnis in böswilliger Absicht oder wiederholt erfolgt, so kann ihre alsbaldige Einziehung zum Militärdienst als unsichere Heerespflichtige erfolgen.
Reklamationen Militärpflichtiger um Zurückstellung bezw. Befreiung vom Militärdienst, oder von Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve sowie des Landsturms zweiten Aufgebots um Zurückstellung vom Militärdienst im Falle einer Mobilmachung des Heeres find schleunigst bei dem betreffenden Ortsvorstande anzubringen, welcher für ordnungsmäßige und vollständige Ausfüllung des vorgeschriebenen in L. F u n k' s Buchdruckerei dahier stets vorrätigen Fragebogens sorgt.
Einer Beifügung von ärztlichen Attesten bedarf es in der Regel nicht, da, wie schon erwähnt, diejenigen Personen, (Eltern, Geschwister rc.) zu deren Gunsten eine Zurückstellung rc. vom Militärdienst beansprucht wird, im Musterungstermine mit zu erscheinen haben, wobei in Bettest ihrer Er- werbssähigkeit rc. die nötigen Feststellungen durch den be
Wieder herrschte tiefe Stille. Hilda schaute mit großen, ernsten Augen in die winterliche Dämmerung hinaus — die seinen waren unter den gesenkten Wimpern verborgen.
„Bitte ich umsonst, ihr zu vergeben?" fragte er nach langer Pause mit gebrochener Stimme.
Hilda wendete sich langsam vom Fenster ab.
„Meine Verzeihung gebe ich von Herzen," sagte sie ruhig und langsam.
Werner neigte als Dank schweigend den Kopf. Dann wendete er sich und knöpfte sich den Üeberrock zu. Hilda trat vom Fenster weg an den Ofen; die Hände hatte sie leicht ineinander geschlungen und die Trailerkleider boten zu der marmorbleichen Haut einen scharfen Gegensatz.
Er betrachtete sie ein paar Angenblicke, wie sie so dastand — so bleich, so still, so schön, und sein Herz flog ihr in unendlicher Sehnsucht entgegen, denn nie hatte er sie so geliebt wie jetzt. Sollte er sie jetzt im Moment der Trennung anflehen, auch ihm zu vergeben? Nein, er wagte es nicht. Die Worte, welche eine schnelle Eingebung ihm auf die Lippen drängte, wogten nach seinem Herzen zurück.
„Leben Sie wohl," sprach er knrz mit einem letzten, verlangenden Blick in das Gesicht, auf welchem der Schein des Feuers leuchtete.
„Leben Sie wohl," antwortete sie ruhig.
Sollte das das Ende sein? Konnte sie die grausame Schranke nicht niederreißen und an seine Seite treten, wenn auch nur für einen kurzen Moment? Sie öffnete die starren Lippen, um etwas zu sagen, aber ihre Zunge blieb stumm, keine Silbe wurde laut.
Werner ergriff ihre Hand und nachdem er dieselbe einen Augenblick zum Abschied lange in der seinen gehalten hatte, ging er und verließ das Haus.
Als die Zimmertür sich hinter ihm geschlossen hatte, hob sie daS Gesicht, welches jetzt vom qualvollsten Schmerze durchwühlt war und schlepte sich nach dem Fenster, um der schnell im Schnee verschwindenden Gestalt einen letzten Blick nach- zusenden, und dann sank sie aus die Knie nieder und vergrub das Gesicht in den Händen.
Sie hatte ihn ohne ein Wort des Bedauerns oder Mit
treffenden Militärarzt, dessen Ausspruch allein maßgebend ist, bewirkt werden.
Sämtliche Reklamationen sind umgehend, bis spätestens zum 1. k. Mts. dahier einzureichen. Militärpflichtige, welche an Epilepsie zu leiden behaupten, haben aus ihre Kosten drei glaubhafte Zeugen bei dem Bürgermeister ihres Wohnortes zu stellen, welcher dieselben an Eidesstatt protokollarisch darüber vernimmt, daß, wann, wie oft und in welcher Weise sie selbst die epileptischen Anfälle bei dem betreffenden Militärpflichtigen wahrgenommen haben. Diese Protokolle nebst etwaigen ärztlichen Attesten über Fehler und Erkrankungen, welche sich im Termine nur mit Schwierigkeit feststellen lassen (z. B. geistige Beschränktheit, Bluthusten, Herzleiden u. s. w.) sind ebenwohl umgehend einzureichen bezw. den Reklamationsverhandlungen beizufügen.
Die Herren Ortsvorstände rc. haben Vorstehendes wiederholt in ihren Gemeinden, insbesondere den gestellungspflichtigen Mannschaften und deren Angehörigen, bekannt machen zu lassen und daß dieses geschehen, bis zum 1. März d. I. hierher zu berichten.
I. II. 718. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.
Berlin, den 13. Januar 1905.
Ew. Exzellenz mache ich auf die nachstehenden im Auftrage des Reichsversicherungsamtes aus Anlaß der Welt« ausstellung in St. Louis 1904 hergestellten und im Verlage von A. Afcher und 60. Hierselbst W. — Unter den Linden 13 — erschienenen Schriften über die Arbeiterversicherung des Deutschen Reiches, welche sich besonders zur Anschaffung von Volksbibliotheken eignen, aufmerksam.
1. „Entstehung und Bedeutung der Deutschen Arbeiter. Versicherung" (bearbeitet vom Regierungsrat Professor Dr. Laß);
2. „Statistik der Arbeiterversicherung" (bearbeitet vom Regierungsrat Dr. Klein);
3. „Unfallverhütung und Arbeiterhygiene" (bearbeitet vom Geheimen Regierungsrat Professor Hartmann);
4. „Albeiterversicherung und Volksgesundheit (bearbeitet vom Geheimen Regierungsrat Bielefeldt);
5. „Arbeiterversicherung und Volkswirtschaft" (bearbeitet vom Regierungsrat Dr. Zahn) ;
6. „Leitfaden zur Arbeiterversicherung des Deutschen Reichs" (10. Auflage) vom Geheimen Regierungsrat Dr. Zacher, mit einer internationalen Uebersicht über den Stand der Arbeiterversicherung in Europa (bis 1900) und
7. „Einrichtung und Wirkung der Deutschen Arbeiter« Versicherung" von den Regierungsräten Dr. Laß und Dr. Zahn, mit einem den neuesten Stand der Gesetzgebung und Statistik umfassenden Anhänge.
leids gehen lassen. Aber sie hatte sich nicht die Kraft zuge- haut zu reden, weil sie fürchtete, sie könnte die Kluft vergessen, welche zwischen ihnen lag, und die ein grausames Geschick nun einmal zwischen ihnen aufgerichtet hatte.
„Wäre ich tot!" rief sie in ihrem Elend. „Wäre ich tot — denn mein Leben ist zu Ende."
27.
Der Forstassessor Sander war in seinem Arbeitszimmer, durch dessen Fenster man die Braunsdorfer Landstraße hinab- sah. Es war ein hübscher Raum, nicht groß, aber hell und behaglich. An der einen Wand stand ein Pianino, an der anderen ein Bücherregal, an der dritten ein Schreibtisch und inmitten der darauf verstreut umherliegenden Bücher und Papiere befand sich ein Weinglas mit einigen duftenden Veilchen.
Der junge Mann schritt im Zimmer auf und ab zwischen dem Bücherregal und dem Schreibtisch. Er hatte das in der Gewohnheit, wenn er in Gedanken war. Der Brüsseler Teppich war an dieser Stelle schon ganz abgetreten. Hin und wieder warf er einen Blick nach dem geöffneten Brief hin, der auf dem Schreibtisch lag. Das Schreiben kam von seinem Oheim und erhielt ein äußerst günstiges Anerbieten.
„Sie soll entscheiden," sprach er endlich halblaut vor sich hin, während er einen Moment stehen blieb. „Kommt es so, wie ich hoffe, dann bleibe ich hier, damit ich sie ihrem Vater nicht gänzlich raube, wenn nicht, die Linien aus der breiten Stirn wurden tiefer, als er die letztere Möglichkeit inS Auge faßte — „dann ist es am besten, ich gehe, sobald eS die Verhältnisse gestatten."
Am folgenden Tag ging Dorothea Sckwch nach Brauns- dors, um eine Kranke zu besuchen. Das Wetter war trübe, doch dessen ungeachtet wühlte sie den Weg durch den Wald. Der Wind pfiff durch die nackten Zweige und wirbelte das dürre Laub vor ihr her.
Langsam schritt sie^dcn moosbewachsenen Weg entlang. Sie dachte an einen ihrer Streiszüge, den sie einst mit dem Baron Werner durch eben diesen Wald gehalten hatte und