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Hersfelder Kreisblatt

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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 24.

Sonnabend, den 25. Februar

1905.

7. ^i/.'

Amtlicher teil.

Hersseld, den 17. Februar 1905.

Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß vielfach bei Graupen und anderen Müllereiprodukten eine minderwertige Beschaffenheit der Ware dadurch verdeckt wird, daß dieselben zum Zwecke der Herbeiführung des Scheins eines höheren Wertes unter Verwendung von schwefliger Säure gebleicht und demnächst mit Talkummehl (Specksteinpulver) poliert werden. Zu dem gleichen Zwecke sollen gespaltene Erbsen, sogenannte Splittererbsen, von minderwertiger Beschaffenheit mit Talkum überzogen und mit grünen Analinfarbstoffen gefärbt in den Handel gebracht werden. Auch minderwertige Bohnen-, Linsen- und Reissorten sollen, damit sie den Anschein einer besseren Qualität erhalten, poliert werden und Zusätze von Farbstoffen verschiedener Art erhalten.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises wollen diesen Waren besondere Aufmerksamkeit zuwenden und, sofern der Verdacht wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz vorliegt, als­bald die amtliche Untersuchung der verdächtigen Ware und gegebenen Falles die Bestrafung herbeisühren.

I. Nr. 1168. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 23. Februar 1905.

Nach einer Mitteilung des Vorstandes der Landesver­sicherungsanstalt zu Casfel ist ein großer Teil der Quittungs- karten-Ausgadeftellen des Kreises noch mit der Ablieserung der im letzten Vierteljahr 1904 umgetauschten Quittungskarten im Rückstände. Im allgemeinen erfolgt auch seitens einer größeren Anzahl von Ausgabestellen die Einsendung der umgetauschten Karten sehr unpünktlich.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden an die a l s b a l d i g e Einsendung der noch bei Ihnen lagernden umgetauschten Quittungskarten, soweit dieselben nicht bereits eingesandt sind, erinnert, zugleich auch hierbei auf die Be­stimmung in Ziffer XVI der Anweisung vom 17. November 1899 abgedruckt auf S. 271 des IV. Teils des Hand­buchs der Provinzial - Verwaltung, wonach die Karten in Zeiträumen von drei zu drei Monaten portofrei einzusenden sind, hingewiesen.

Der Königliche Landrat Freiherr von Schleinitz,

J. V. 113. Geheimer Regierungs-Rat.

Königliches Landratsamt.

Sprechstunde r Täglich von 913 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Da« große Handelsvertragswerk ist nun vollständig unter Dach und Fach gebracht. Mit starker Mehrheit wurden die sämtlichen Handelsverträge vom Reichstage in dritter Lesung angenommen. Da ist der Augenblick ge­kommen, um nochmals mit herzlichem Danke der außer, ordentlichenMühe und des nimmer rastendenEifer« zugedenken, die von den leitenden Männern der Reichsregierung und ihren Gehülfen beseitigt worden sind, um das gewaltige Werk zu stande zu bringen. Aber auch dem Reichstage gebührt Dank, daß er unnütze Zeitvergeudung gemieden und schnelle Arbeit geleistet hat. So ist denn das Gleichgewicht in dem Schutze der Arbeit unserer nationalen Erwerbs, stände wieder hergestellt und zugleich auf eine längere Reihe von Jahren hinaus Sicherheit und Stetigkeit für die internationalen Geschäftsbeziehungen Deutschlands geschaffen worden.

Was die auswärtigen Dinge anbetrifft, so stand die verflossene Woche unter dem Einfluffe der Schreckenskunde, die von Rußland herübertönte. Großfürst Sergtus, der Onkel des Zaren, ist durch eine von feiger Mörderhand geworfene Bombe getötet worden. So rast der rote schrecken in unserm östlichen Nachbarreiche weiter und fordert ein Opfer nach dem andern.

Vom Ostasiatischen Kriegsschauplätze verlautet, daß sich das japanische Geschwader Kamimura« in der Nähe der Indischen Ozeans befinde; man glaube deshalb, daß eine große Seeschlacht nahe bevorstehe. Im übrigen haben sich neuerdings aufgetauchte Friedensgerüchte, wie vorauSzusehen, wiederum als falsch erwiesen. Andererseits aber beruhen auch die Ausstreuungen, daß Deutschland und der deutsche Kaiser Rußland darin bestärkten, den Krieg bis auss äußerste sortzusetzen, völlig auf Unwahrheit. Nach wie vor hält vielmehr Deutschland an dem Grundsätze der unbedingten

Neutralität und der Nichteinmischung in die äußeren wie inneren Angelegenheiten eines befreundeten Staates fest,

In England haben sich an die Thronrede lebhafte parlamentarische Debatten geknüpft. Die Regierung hatte es nur den sezessionistischen Freihändlern der unionistischen Partei zu danken, daß sie trotz der heftigen gegen sie ge­richteten Angriffe als Siegerin aus dem Kampfe hervor- gehen und mit einer Majorität von 63 Stimmen ein Miß­trauensvotum abweisen konnte. Trotzdem erscheint es fraglich, wie lange sich das gegenwärtige britische Kabinet noch be­haupten kann. Ein Appell an die Entscheidung der Wähler dürste jedenfalls mit einem Siege der Opposition enden.

Eine eigenartige Friedenskundgebung hat sich kürzlich in Berlin abgespielt: Sir Thomas Barclay, der hervorragende Kenner des internationalen Rechtes und der völkerverbindenden Handelsbeziehungen, ist der an ihn er- gangenen Einladung gefolgt und hat in unserer Mitte seine Bemühungen, das deutsche und das englische Volk einander von neuem zu nähern, fortgesetzt. Hoffen und wünschen wir, daß diese Bemühungen von reichem Erfolge gekrönt sein mögen.

3um Bergsrbkiterßrtlk.

Ueber den Ausstand im Ruhrrevier bringt die neueste Nummer des Reichs-Arbeitsblattes eine ein» gehende objektive Darstellung, die folgendermaßen schließt: Was die wirtschaftlichen Wirkungen des Ausstandes be­trifft, so äußern sich dieselben zunächst direkt in dem Lohn- ausfall der ausständigen Arbeiter einerseits, in der Minder« Produktion und Minderverladung anderseits. Hinsichtlich des Lohnausfalls ergibt sich, wenn man die Zahl der Aus­ständigen mit rund 200 000 annimmt, bei einem Durch­schnittsjatz von nur 3 Mk. pro Tag ein täglicher Lohn- ausfall von 600 000 Mk. Bei der Dauer des Streiks von 21 Arbeitstagen ergibt sich also ein Lohnausfall von rund 12,6 Mill. Mark. Rechnet man die Zeit vom 7. bis 16. Januar hinzu, in der ein Teil der Belegschaften ausstän­dig war, und rechnet man, daß am 10. Februar noch nicht alle Arbeiter wieder eingestellt sind, so wird der LohnauS fast mit 16 Mill. Mark eher zu niedrig als zu hoch ver­anschlagt sein. Der Förderungsaussall auf der anderen Seite wird nach mindester Schätzung auf etwa 1 Million Tons pro Woche veranschlagt, was einen Wert von etwa 10 Millionen Mark darstellen dürste, von dem die an die Arbeiter nichtzu zahlenden Löhne allerdings in Abgang zu bringen wären. Die geringere Verladung im Ruhrbezirk kommt zum Ausdruck in der Zahl der gestellten Wagen. Während die Zahl der gestellten Wagen im Ruhrbezirk im Monat Dezember durchschnittlich rund 19 000 betrug, ging sie im Januar während des Ausstandes auf 3071 herunter. Die Verluste an Eisenbahnfracht werden von beteiligter Seite auf 450 000 Mk. täglich geschätzt.

Ae FriedeiszerWtt uni) die Kritgslage.

Trotz aller Dementis aus Petersburg und aus Tokio tauchen die Friedensgerüchte in dem furchtbaren Kriege zwischen Rußland und Japan immer wieder auf und be« teils werden die Friedensbedingungen erörtert, unter denen Rußland und Japan Frieden schließen sollten, denn daß es sich bei den Friedensgerüchten noch um keine wirklichen FriedenSverhandlungen, sondern nur um politische Fühler und Versuchsballons handelt, die von einer interessierten Seite aus losgelassen wurden, das ist klar. Es hat ja auch kein Mensch etwas davon gehört, daß irgend welche Verhandlungen zwischen Japan und Rußland stattgefunden, oder daß eine dieser Mächte nach einem Friedensvermittler wirklich gerufen hätte, auch ist die Nachricht, daß der Kaiser von Oesterreich als Friedensvermittler wirken solle, nicht bestätigt worden. Bedeutsam in dieser Situation bleibt aber der Hinweis, daß der Kaiser von Rußland selbst zum Frieden geneigt sei und zwar unter Bedingungen, die vielleicht für Japan annehmbar sind. Die wichtigsten dieser Bedingungen sollen die sein, daß die Mandschurei wieder an China zurückgegeben, daß nur Port Arthur japanische Garnison behält, daß die mandschurischen Eisenbahnen unter internationale Kontrolle kommen, daß der Handel in der Mandschurei allen Nationen unter gleichen Rechten geöffnet wird, und daß Japan die Oberherrlichkeit über Korea bekommt. Man muß gestehen, daß diese Friedens- bedingungen, abgesehen von der KriegSentichädigungsfrage, ziemlich günstig die Streitigkeiten zwischen Rußland und Japan beendigen würden, aber wir glauben trotzdem noch lange nicht an deren Annahme oder auch nur an die be­treffenden Vorschläge seitens Rußlands. Dieses große Reich, das sich für eine erste Weltmacht hält, wird vielmehr höchstwahrscheinlich noch eine große Landschlacht und auch eine Seeschlacht wagen, um eine bessere Kriegsentscheidung für sich herbeizuführen, denn man kann nicht annehmen, daß Rußland noch 100 000 Soldaten nach der Mandschurei geschickt hat, und zwei Flotten nach Ostasien unterwegs

hat, um sie nicht zu kriegerischen Schlägen gegen; Japan zu verwenden. Freilich, die Krieglage an sich bleibt strategisch und taktisch für die Russen höchst schwierig, ja verzweifelt. Die Japaner haben nicht nur die besten Positionen in der Mandschurei schon erobert, sondern Rußland hat bisher sich auch stets nur unglücklich verteidigt und mit feinen An« griffen gor keinen Erfolg gehabt. Dazu kommen die großxn Schwierigkeiten, die Rußland bei der Verpflegung seiner Heere in der serngelegenen Mandschurei hat und daß der Krieg mit Japan von dem russischen Volke als ein schreck^ liebes Unheil verwünscht wird. Auch dürfte die innere Lage Rußlands, die wirtschaftliche Not und die andauern­den Unruhen den russischen Kaiser auf Friedensgedanken bringen. Aber freilich steht auch Rußlands ganzes ppli« tischeö Ansehen in Ostasien und auch in Europa auf dem Spiele, wenn es als total Besiegter aus dem Kriege beu, vorgehen würde. Deshalb wird man in Rußland auch noch neue Kriegsschläge gegen Japan wagen, ober:- nur solche Friedensbedingungen annehmen, die Rußland nidi^ gerade als die unterliegende Macht erscheinen lassen. Wirk­liche Aussicht, den Krieg nach zu gewinnen, hat aber HM>. land nur dann, wenn es im Stande ist, bald ein ganz neues Heer in Stärke von 150000 Mann in der Mandschurei aufzustellen und mit diesem in der Flanke weit rechts oder, links vorwärts dringendem Heere den Japanern i« bei}- Rücken zu fallen. siqiavn

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% Vorgänge in RMack

Man muß nachgerade von völliger Auflösung der flaaf»; lichen Ordnung sprechen, wenn man sieht, wie die 33itr waltungstätigkeit der russischen Behörden versagt gegenüber der gewaltigen Bewegung, die das Zarenreich in seinen Grundfesten erschüttert. Der Geist der Auflehnung nnb Empörung ergreift mehr und mehr alle Kreise, auch diejenigen^ die zur Wahrung der bestehenden Ordnung berufen find?/ und man kann sich kaum wundern, wenn von anderer Sekte das Recht der Selbsthilfe proklamiert wird, wo der float», liche Schutz sich als ohnmächtig erweist.

Nach Berichten aus Petersburg verlangt die tmtligir Polizei, die feit Monatsfrist enorm überbürdet ist, eine namhafte Erhöhung ihrer Bezüge und droht mit bet* AM stand. Das gleiche tut das Personal der Kaiserlichen Wersten. Der Bahnverkehr von Moskau nach Kiew ist wegen Arbeitermangels zeitweilig eingestellt. Die Kaiser- gardisten in Petersburg unb Moskau verpflichteten Ich eidlich, für jede Beleidigung ober Drohung eines Mitgliedes der Zarenfamilie den Urheber direkt zur Rechenschaft zu ziehen. Der Mörder des Großfürsten SergiuS soll thu gewilligt haben, wichtige Erklärungen abzugeben, aber nur der Großfürstin-Witwe. Diese soll, so wird behauptet- seinem Wunsche willfahrt haben. Ueber den Inhalt der Bekenntnisse des Mörders wird nur mitgeteilt, daß auch mehrere hochgestellte Personen bedroht seien. VonW Drohungen des Revolutionskomitees eingeschüchtert, Eifern« ten die Besitzer der vornehmen Geschäfte Petersburgs ihib Moskaus die Porträte des Zaren aus den Schaufenstern. Es verlautet, die Ausständigen von Batum, Kulaisz-lPuft im Kaukasus hätten eine provisorische Regierung ei rietst |j£

Katto wi tz, 22. Februar. Nach einer amtlichem Mrlü dung aus Sosnowice wurde der dort um 9 Uhr früh ringe« troffene preußische Güterzug von dem russischen Eisenbahn- personal nicht zur Weiterbeförderung angenommen, n o 7 P

Thorn, 23. Februar. Nach einer Meldung 7 der Thorner Presse ist infolge beS gestern ausgebrochenenÄM standes der Angestellten der Warschau-Wiener-Bah« bei Bahnverkehr zwischen Thorn und Warschau seit «gestern abend unterbrochen^ .^081

Gleiwitz, 22. Febr. Dem Oberschlesischen Wanderer zufolge wurden zwischen Sosnowice und Dombwwtzka die Schienen der Hauptstrecke ausgerissen. Ein Güterzug ist infolgedessen entgleist und von den Ausständige« gt« plündert worden.

Petersburg, 22. Februar. Aus Baku gelangen wahrhafte Schauernachrichten hierher. Unter Armrnidrn und Tataren herrscht dort ein regelrechtes Schlachten und Metzeln. Alle Kontore sind geschlossen. Die Aufgabe,> Telegrammen an die Petersburger Verwaltungen karMMt unter Revolverschüssen erzwungen werden. In Bibk-Eibat sind in den dortigen Petroleumsquellen furchtbare Brände ausgebrochen. Schutz dagegen gibt es nicht, die Administration ist untätig. Gerüchtweise wird behauptet, daß Passatzier« zügs der Petrowsko-Batumer Bahn zum Entgleisen gebracht wurden.

Petersburg, 23. Februar. Aus Warschau wird berichtet, Prinz Andranikow ist in Warschau ermordet worden. Er ist derselbe Offizier, welcher den Befehl M. geben hatte, auf das Volk zu schießen.

P a r i s, 23. Februar. Aus Petersburg wird telegraphier daß Witte dem Zaren seine Demission als Vorsitzende^,Hitz Ministerkomitees eingereicht habe. Witte hat sich nach Zarskoje Selo begeben, um dem Zaren den Berits,W